Ein Stück Kieler Sportgeschichte ist akut bedroht - Holsteinfans setzen sich für den Erhalt der Kilia-Tribüne ein.

 

Für Vereine ist es das Aushängeschild, für die Fans ist ein wie ein Wohnzimmer: die Tribünen der Stadien. Besonders schöne, alte Exemplare finden sich zum Beispiel im Hoheluft-Stadion bei Victoria Hamburg oder im Bruno-Plache-Stadion bei Lok Leipzig. In Kiel, und da ist man sich unabhängig von jeglichen Vereinspräferenzen einig, steht das wohl schönste Exemplar am Hasseldieksdammer Weg auf dem Kilia-Platz. Die alte Haupttribüne ist Zeichen der langen Tradition und der Stolz des Vereins. Zudem ist sie ein absolut erhaltenswertes Zeugnis der Kieler Sportgeschichte.

 

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Schon die Errichtung der Tribüne war ein besonderes Beispiel für den Zusammenhalt und die Gemeinschaft im Verein in der schwierigen Nachkriegszeit.

 

Die Bauzeichnungen hatte Walter Müller, der Schwager des damaligen Vorsitzenden Emil Netlitz erstellt, die Bauarbeiten selbst wurden von der Firma Müller aus der Brunswiker Straße ausgeführt und die Finanzierung konnte über einen Kredit laufen. Doch auch die anderen Mitglieder des Vereins hatten durch Spenden einen ordentlichen Anteil am Entstehen des Bauwerks - es wurde die stattliche Summe von 4.200 Gold-Mark gespendet (wohlbemerkt nach dem verlorenen Weltkrieg, als politische Unruhen und eine instabile Wirtschaftslage keine sichere und glänzende Zukunft verhießen). Dies war zwar nur rund ein Fünftel der benötigten Summe, durch die Verbindungen und die Geschäftstüchtigkeit des damaligen Vorsitzenden konnte die Tribüne jedoch bereits am 9. Juni 1919 zum ersten Mal benutzt werden.

 

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Großer Zuschauerandrang im Jahr 1923

 

Damit ist die Kilia-Tribüne rund 30 Jahre älter als ihr großer Bruder im Holsteinstadion. Schon damals, genau wie auch heute, galt die Tribüne unter Freunden des Ballsports in Kiel als ein absolutes Schmuckstück.

 

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Bis Ende 1944 konnte man von der Tribüne fast durchweg erstklassigen Fußball sehen, wobei die "Goldenen Zwanziger" auch Kilias große Zeit waren, als man sich mehrfach für die Endrunde um die Norddeutsche Meisterschaft qualifizieren konnte. Allerdings musste man sich in den folgenden Jahrzehnten mit den Plätzen hinter den Lokalrivalen zufrieden geben. Erst in den Achtzigern startete man einen neuen Höhenflug und begrüßte in der Verbandsliga (damals die vierthöchste Spielklasse) teilweise über 4000 Zuschauer. Alle wollten das Team von Erfolgscoach Hans-Werner Canal (der "Karajan vom Kiliaplatz") sehen, dem jedoch das Tor in die Oberliga versperrt blieb. Eine ähnliche Zuschauerzahl konnte der FC Kilia letztmalig 1990/91 erreichen, als im DFB-Pokal der FC St. Pauli bei Kilia gastierte - da wurde allerdings im Holstein-Stadion gespielt.

 

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90 Jahre Auf und Ab gingen allerdings nicht spurlos an der Haupttribüne des Kiliaplatzes vorbei. Von weitem immer noch beeindruckend für den Betrachter, kann man von nahem die Baufälligkeit des Bauwerks nicht übersehen. Das Dach ist löchrig, Fenster sind entglast und selbst die alten Sitzbänke sind teilweise eher notdürftig repariert. Wenn aber nicht zumindest die dringendsten Reparaturen durchgeführt werden, droht sogar eine Sperrung der Tribüne. Alles andere als ein wünschenswertes Szenario für den Verbansligisten, dessen finanzielle Situation alles andere als entspannt ist.

 

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Um einen Beitrag gegen den Verfall eines "Kleinod aus dem alten Kiel" (Zitat Kieler Nachrichten) zu leisten hat sich ein Teil der Holsteinfans dazu entschlossen, dem kleinen Bruder Kilia (1902 vom Ur-"Störche"-Club 1. Kieler FV abgespalten) unter die Arme zu greifen. Aus diesem Grund wollen wir beim heutigen Heimspiel gegen Havelse und beim nächsten Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig II Spenden sammeln. Beim Spiel gegen Havelse ist eine Spendendose am Supside-Stand hinter der Westtribüne zu finden, vor dem nächsten Heimspiel werden zudem Spendendosen auf dem Vorplatz umherwandeln.

Wir hoffen auf eine möglichst große Beteiligung - gemeinsam für den Erhalt eines Stücks Fußballkultur und -geschichte in Kiel.

 
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