Wedaustadion/Schauinsland-Reisen-Arena, 2. Dezember 2018, Endstand: 0:4

 

Duisburg an einem verregneten Dezembertag – vielleicht gibt es zu dieser Zeit des Jahres charmantere Ziele als die Stadt im Ruhrpott. Doch es geht ja auch nicht um Weihnachtsmärkte in malerischen Innenstädten, sondern um Auswärtsfahren. Und die hohe Disziplin des Fan-Daseins soll ja nicht etwa Spaß bringen, oder doch?

 

Der Vorteil an einem frühen Sonntagmorgen ist, dass die Autobahnen noch relativ frei sind. Und so ist das Ziel an der Wedau auch relativ entspannt erreicht. Herbe Enttäuschung allerdings: Die angesteuerte Imbissbude öffnet Sonntags erst um 15 Uhr. Tolle Wurst. Also geht es direkt weiter bis zum Stadion, wo wenigstens schon ein paar bekannte Gesichter zu sehen sind. Kurze Pre-Match-Analyse beim Bier, dann geht es erstmal in Trockene. Aufwärmen tut bei Temperaturen, die am 1. Advent deutlich im zweistelligen Bereich liegen nicht Not. Auf den Rängen finden sich mittelmäßige 12.000 Zuschauer ein. Nachdem der MSV in den letzten Wochen sich verbessert gezeigt hatte, hätte der Schreiber mit ein wenig mehr gerechnet. Der Gästeblock geht mit 400 Leuten durch, ein bisschen mehr darf es immer sein. Ansonsten stand das Geschehen auf den Rängen zunächst im Zeichen des bundesweiten Protests. Dieser wurde allerdings unterschiedlich interpretiert: Während die Kieler Schlachtenbummler die ersten 45 Minuten schwiegen, gab es von Heimseite diverse Banner zu Spielbeginn. Danach fand normaler Support statt, wofür sich aufgrund der sportlichen Situation entschieden wurde.

 

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Und auch auf dem Feld gaben zunächst die Zebras den Ton an. Auf dem Boden, der in Bereichen an ein wiedervernässtes Moor erinnerte, legten die Hausherren druckvoll los und kamen nach rund 15 Minuten zur ersten Großchance durch Wolze, der am 16er abzog. Verhoek verpasste nur knapp. In der Folge war das Spielgeschehen ausgeglichener, die größte Chance im ersten Durchgang und gleich eine doppelte hatte Kingsley Schindler, der nach einer halben Stunde erst den Posten und einige Minuten später das Außennetz traf.

 

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Kurz vor dem Pausenpfiff erarbeitete sich Blau-Weiß-Rot dann eine Reihe guter Möglichkeiten, von denen aber keine saß. Aufgrund der ansehnlichen Leistung ging es aber positiv gestimmt in die Halbzeit. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff die erste Chance: Fallrückzieher von Verhoek, der allerdings bei Kronholm landete. Dieser leitete direkt den Gegenangriff ein, Lee mit präziser Flanke vors Tor, wo Kingsley Schindler einschieben konnte. Nur kurz danach Schindler als Vorbereiter und Serra als Vollstrecker: 2:0. Der Gästeblock nur mehr als gut zu hören, wohingegen sich im restlichen Bereich des Stadions spürbar Resignation breit machte. Die Offensivwechsel der Zebras verpufften wirkungslos, wohingegen Holstein Platz zum Kontern hatte. Kinsombi auf Schindler, dessen Schuss und geblockt und Serra konnte abstauben: 3:0. In der Schlussminute Lee dann sogar noch mit dem 4:0, da hatten schon etliche Heimfans den Ort des Geschehens verlassen. Wettbewerbsübergreifend sieben Spiele ohne Niederlage, auswärts zu null, 24 Punkte auf dem Konto und in der Tabelle auch Platz sechs geklettert. Liest sich ziemlich gut für eine „Umbruch-Saison“.

 

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24. November 2018, Endstand: 2:1

 

Als Auswärtsfahrer sammelt man neben den Eindrücken auch viele Gründe, warum dieses oder jenes Ziel lohnt, auch häufiger angesteuert zu werden. Bei Duisburg ruft Currywurst und die Distanz ist nicht so weit, bei Ingolstadt freut man sich auf die bayrische Biergartenkultur, usw. Bei Sandhausen fällt es schon schwer, einen Grund zu finden. Verbindet man die Reise in den Rhein-Neckar-Kreis nicht gerade mit einem Besuch in Heidelberg, zieht es einen dort nicht unbedingt ein zweites Mal hin.

 

Und obwohl die Gäste dieses Novembersonnabends durchaus als Institution im Profifußball anzusehen sind, 2008 stiegen sie in die 3. Liga auf, seit 2012 ist der SVS fester Bestandteil der 2. Bundesliga, gehört die Anhängerschaft eher nicht zum reiselustigen Volk. Im Schnitt sind diese Saison kaum mehr als 150 Fans der Baden-Württemberger durch die Republik gefahren, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Und so wurden für das Spiel an diesem feuchtkalten Novembertag auch nur rund 30 Karten im Vorverkauf abgesetzt. Der Interims-Gästeblock wurde damit wieder zum Heimblock, die wenigen Gästefans quasi an der Wurstbude neben der Haupttribüne untergebracht. Dort war das Anbringen von Fahnen am Zaun allerdings nicht erwünscht. Naja,...

 

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Der Rest der 8.400 Zuschauer (lange nicht mehr so viele Kartenangebote vorm Stadion gesehen) erwärmte sich noch mit Gedanken an den Derbysieg der U23 aus der letzten Woche oder auch an das spektakuläre 4:4 gegen den SC Paderborn. Und das Duell gegen die Elf vom Hardtwald schien ähnliches Potenzial zu besitzen: Nach nur zwei Minuten hatte Wooten den Führungstreffer auf dem Fuß. Die Führung gelang dann allerdings Holstein.

 

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Kingsley Schindler konnte eine Freistoß-Flanke in der 9. Minute unbedrängt einnicken. Dem Team von Uwe Koschinat (der seit dem 15. Oktober beim SVS an der Seitenlinie steht) fiel in der Folge nicht sehr viel ein, die klareren Chancen hatte Holstein. Nach 33 Minuten spielte Serra auf Schindler, der wiederum den perfekten Moment fand, um auf Lee durchzustecken. Der Südkoreaner, dem das Aussetzen bei der Nationalelf spürbar gut getan hatte, konnte dann listig zum 2:0 vollenden. Das freute nicht nur die Fans aus Fernost. Zur Halbzeit sah alles soweit ganz schier aus.

 

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17. November 2018, Endstand 2:1

 

Mit dem Aufstieg Holstein Kiels in die 2. Bundesliga 2017 rückte die Chance auf ein neues Landesderby zunächst in weite Ferne. Zwar warteten mit dem FC St. Pauli und nach deren Abstieg auch mit dem HSV zwei neue alte Derbygegner und zwei Ligen Distanz fühlten sich mehr als befriedigend an, aber so ein bisschen fehlten die traditionellen Duelle gegen Grün-Weiß schon.

 

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Nachedem es Holsteins U23 im Sommer jedoch in die Regionalliga geschafft hatte, jedoch fest: Es gibt eine Revanche für die Saison 2007/2008. Seinerzeit verlor die Erstvertretung der Störche beide Spiele gegen die Zweite des VfB. Bittere Momente, die an diesem Sonnabend vergessen gemacht werden sollten. Schließlich barg die Begegnung auch sportliche Brisanz. Mit einem Sieg gegen die Travestädter winkte der überragend spielenden Elf von Ole Werner neben Platz zwei in der Regionalliga Nord auch die Chance, sich als Nummer zwei im Land zu bezeichnen.

 

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Ausnahmsweise hatten die Spieltagsplaner mal einen Geistesblitz und legten das „kleine Derby“ in die Länderspielpause. Das, der Veranstaltungsort Holstein-Stadion und nicht zuletzt das tolle spätherbstliche Wetter lockten insgesamt 2.758 Zuschauer an. Eine tolle Kulisse für den Kieler Nachwuchs, unter der sich auch ehemalige Kieler wie Christian Jürgensen, Florian Meyer und Fabian Wetter befanden, um die Daumen zu drücken.

 

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Und nicht nur auf den Rängen herrschte Derbystimmung. Kaum 5 Minuten waren um, da gab es schon die ersten kleinen Schubserein auf dem Spielfeld. Beiden Mannschaften waren motiviert bis in die Haarspitzen. Besonders die Gäste mussten auf Sieg spielen, denn mit einer Niederlage dürften die (zaghaften) Aufstiegsträume des VfB ausgeträumt sein.

 

Nach 17 Minuten waren diese allerdings noch in greifbarer Nähe, nachdem Arslan zur Führung für Lübeck traf. Zehn Minuten später egalisierte Sander den Spielstand. Quasi mit Abpfiff der ersten Hälfte hatte Niebergall das 2:1 auf dem Fuß, doch verpasste er den von Kulikas aufgelegten Ball knapp.

 

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Nach Wiederanpfiff stellte sich auf dem Rasen zunächst kein erneutes Derbyfeeling ein. Das Spiel verflachte etwas. Doch spätestens nachdem Noah Awuku in der 63. Minute unter Mithilfe der Lübecker Verteidigung, es sah fast so aus, als hätte Hausmeister Gerd Jahn Seife auf den Rasen geschmiert, zur Kieler Führung traf, kam wieder Dampf in die Partie. Bis zum Abpfiff hagelte es noch sechs gelbe Karten. Doch aller Einsatz der Landerl-Elf nützte nichts. Als der Unparteiische zum Abpfiff blies, stand der Nachwuchs der Kieler Störche als Derbysieger und Nummer 2 im Land fest. Zurecht wurde das Team von der Westtribüne gefeiert, wie die Großen.

 

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Die VfB-Anhänger indes reisten in der Gewissheit nach Hause, dass sich die Chance auf die Aufstiegsrunde auf ein Minimum reduziert hatte.

 

 

Uns natürlich sch...egal. Denn: Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!!!

 

Alle Bilder in der Galerie.

11. November 2018, Endstand 4:2

 

Auf geht es in die Rückrunde der ersten Regionalliga-Saison für die U23 der Störche. Dass vor dem Heimduell gegen Mitaufsteiger VfL Oldenburg schon 29 Punkte auf der Habenseite stehen würden (und das mit einem Spiel in der Hinterhand) und Holstein Kontakt zur Spitze hält, hätten wohl nur die wenigsten geglaubt.

 

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Zum Duell gegen die grün-weißen Oldenburger hatten sich nur rund 150 Zuschauer, davon null Gäste in Projensdorf eingefunden. Keine wirklich gute Kulisse, vielleicht sollten sich die Vereinsoberen nochmal Gedanken machen, denn sportlich attraktiv ist das, was die Elf von Ole Werner bietet auf jeden Fall.

 

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Bei wechselhaftem Novemberwetter dauerte es rund 25 Minuten ehe Noah Awuku mit einem flachen Distanzschuss nach einer Flanke von Alt die Führung erzielen konnte. Die Gäste spielten ungeachtet der Tabellensituation mit, ein Treffer gelang bis zur Pause auf beiden Seiten allerdings nicht.

Benteler-Arena, 9. November 2018, Endstand 4:4

 

Es gibt so Spiele, wo man denkt: „Heute hätte man neutraler Zuschauer sein müssen. Das Spiel hatte echt alles:“ Leider ist Holstein-Fan aber nicht neutral. Doch der Reihe nach....

 

Aufbruch in Kiel am späten Vormittag, um eine Stunde später Mittagspause bei einer old-school Metzgerei in Altona zu machen (wenn der letzte Mitfahrer noch an der Elbe eingesammelt werden muss, kann das Verlassen der Autobahn auch noch sinnvoll genutzt werden).

 

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Dann vor dem Stau wieder auf die Autobahn und die relativ entspannte Distanz bis Ostwestfalen abgespult. Es ist ein relativ milder Novemberabend in Paderborn, an dem sich der Gästeblock richtig gut füllt. Und zu Beginn mit Schwenkern und Pyro das 10-Jahre Jubiläum der Freundschaft zwischen Hessen Kassel und Holstein Kiel feiert.

 

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Doch noch ehe die ersten Lichteffekte eingesetzt werden, jubelt bereits die Heimseite. Neun Sekunden! Es darf doch nicht wahr sein – wieder ein früher Gegentreffer, nur noch früher. Und das obwohl Holstein sogar Anstoß hatte. Gueye ist es, der eine Pass von van den Bergh auf Thesker abfängt und trocken einschiebt. Mit leicht vermiester Laune geht es auf den Platz, immerhin zeigt sich Holstein wenig geschockt. Lee auf Schindler, der nach nur sechs Minuten zum 1:1-Ausgleich verwandelt. Die Freude darüber währt allerdings nicht wirklich lange, denn drei Minuten später führt wieder der SCP. Wiederum nur eine Minute später taucht Kinsombi vor Zingerle auf, doch ist nicht erfolgreich. In der Folge zappelt der Ball gleich dreimal im Paderborner Netz, aber Abseits, Abseits, Abseits. Trotzdem sind die Offensivbemühungen der Störche klar zu erkennen, aber eben auch die Wackler in der Defensive. Und so steht es zur Pause sogar 3:1.

 

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Der Schreiber hat den Eindruck, als wenn an diesem Abend nicht viel geht und beschließt den aufkommenden Appetit zu bekämpfen. Pizza und Hamburger duften bis zum Spielfeldrand – doch auf der Haupttribünenseite hat nur eine Wurstbude offen und die Schlange ist einen Kilometer lang. Dreck! Also wieder die Kamera geschnappt und auf die zweite Hälfte gewartet, die es in sich haben sollte. Schindler und Serra legen mit Großchancen los, aber zu diesem Zeitpunkt sieht es noch so aus, als wenn Kiel eher noch einen Treffer kassiert, als selbst erfolgreich zu sein.

 

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