ESPRIT-Arena, 6. Mai 2018, Endstand 1:1

 

Schon freitags und sonnabends vorm letzten Auswärtsspiel der Saison war die Facebook-Timeline voll von Bildern aus Düsseldorf. Viele Holsteiner hatten sich bereits zeitig auf gemacht um noch das eine oder andere Altbier am Rhein genießen zu können. Bei dem Wetter, das in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt herrschte, auch keine ganz schlechte Idee. Aber viele machten sich auch am Sonntagmorgen erst auf den Weg. Eine Anpfiffzeit um 15:30 Uhr machte die Planung als Tagestour ganz angenehm. Schon bei anderen Auswärtsfahrten fragte sich die Schreiberin beim Überholtwerden von Autos mit KI, RD und PLÖ, ob diese vielleicht das selbe Ziel hätten. An diesem Tag war sie sich bei jenen Kennzeichen zu 99% sicher. Hinzu kamen auch die vielen NFs, HEIs, PIs und sogar OHs,von denen sicher einige die Rheinmetropole angesteuert haben dürften. Am Ende wurden es fast 4.000 Holstein-Anhänger und damit der größte Auswärtsmob in der Geschichte der Störche.

 

Kielblock

 

Auf der Fahrt wurde sich musikalisch auf den Besuch bei den Aufsteigern eingestimmt. Denn neben vielen anderen Dingen ist Düsseldorf auch bekannt als Heimat vieler Bands. Entsprechend wurde das Unterhaltungsprogramm gestaltet. Nicht nur Die Toten Hosen und Die Broilers, sondern auch die Antilopen Gang, Nichts, Doro Pesch oder nicht zuletzt Fehlfarben mit „Ein Tag“ in dem es heißt: „Geschichte wird gemacht...“ stimmte die Autobesatzung auf das vorletzte Spiel der Saison ein.

 

Die Düsseldorfer Fans hatten für die Aufstiegsparty dazu aufgerufen, mit dem Fahrrad eine Sternfahrt zum Stadion zu veranstalten. Bei der Anfahrt wurden zahlreiche Radler in Rot-Weiß gesichtet und je näher die 2005 eröffnete Multifunktionsarena kam, umso mehr Zweiräder wurden es. Unmittelbar an der Messe, rhein- und flughafennah gelegen, lässt sich über das Äußere des Stadions tatsächlich streiten. Bei so Manchem erweckt die Außenkonstruktion gar den Eindruck, das Stadion sei eingerüstet und befände sich im Umbau. Dem war selbstverständlich nicht so.

 

Arena außen

 

Panorama

 

Flieger

 

Als Austragungsort diente die Arena bisher nicht nur Fußballspielen der Fortuna, der Nationalmannschaft und als Ausweichstadion auch Bayer Leverkusen in 2009, sondern auch anderen Ereignissen wie dem World Bowl (z.B. 2006), der TV Total Stock Car Crash Challenge in 2008 oder dem Eurovision Song Contest 2011. Da Letzteres während der laufenden Saison stattfand, zog die Fortuna übrigens vorübergehend in die sogenannte „Lena-Arena“. Das unweit der eigentlich Heimat errichtete Stadion, offiziell unter dem Namen airberlin world, bot der Fortuna für drei Heimspiele Asyl. Knapp drei Millionen Euro hat der Spaß gekostet. Vielleicht auch eine Alternative für Kiel? Immerhin hatte die Errichtung seinerzeit nur rund zwei Monate gebraucht.

 

Felge

 

Doch erstmal galt es, die Relegation klar zu machen. Obwohl Düsseldorf bereits als Aufsteiger feststand, ging es für die Gastgeber immerhin noch um die "Felge", also den Meistertitel. Holstein hingegen konkurrierte im Fernduell mit Nürnberg zumindest noch minimal um den direkten Aufstiegplatz und wollte den fehlenden Punkt um Platz drei festzuzurren bereits einen Spieltag vor Schluss einsacken. Auf einen Selbstgänger konnten sich die Anhänger beider Mannschaften also nicht einstellen.

 

Lenz und Peitz

Audi Sportpark, 29. April 2018, Endstand 1:5

 

Läge Bayern am Meer, so wäre es durchaus eine Option, hier zu leben. Natürlich nur, wenn auch Holstein hier ansässig wäre. Aber trotzdem hat dieses Bundesland durchaus etwas für sich. Besonders an diesem frühsommerlichen letzten Aprilwochenende präsentiert sich das südlichste Bundesland von seiner besten Seite. Bei all dem Mist, den sich die DFL in Sachen Spieltagsplanung einfallen lässt, diesmal wollen wir uns nicht so richtig beschweren. Denn laue Abende, bzw. Vormittage im Biergarten gehören sicherlich zu den angenehmeren Dingen des Lebens.

 

Bier

 

Obadzda

 

Kein Wunder also, dass nach dem Frühstück im Augsburger Nachtlager noch ein zweites Frühstück in Ingolstadt angepeilt wurde. Und zwar im Biergarten – wo auch sonst, in der Stadt, in der 1516 das Deutsche Reinheitsgebot verkündet wurde. Dass man in Bayern war, merkte man spätestens bei der Bestellung des "kleinen" Bieres. Beim Servieren entschuldigte sich die Bedienung – ein Halber sei das kleinste. Der Weg nach Ingolstadt führte übrigens unter Anderem durch Schrobenhausen. Spargel hier, Spargel da. An jeder zweiten Ausfahrt wurde das weiße Gold verkauft.

 

In der Liga schien Gold schon vergeben zu sein, da die Fortuna am Samstag den Aufstieg in das Oberhaus klar gemacht hatte und mit einem Vorsprung von fünf Punkten nur noch schwer einzuholen sein dürfte. Und auch Silber wurde am vergangenen Montag von Nürnberg deutlich verteidigt. Aber so wie der Hamburger SV mal wieder (derzeit erfolgreich) nach jedem Strohhalm greift, so durfte auch der Kieler zumindest noch theoretisch auf einen Direktaufstieg hoffen. Dass aber auch Platz drei nach wie vor ein sensationeller Erfolg für Holsteins erste Zweitligasaison nach 36 Jahren wäre, kann nicht oft genug betont werden. Trotzdem erhofften sich die Störche und ihre Anhänger natürlich ein ordentliches Saisonfinale und zu dem gehört bekanntermaßen auch das eine oder andere Erfolgserlebnis. Zuletzt schlug die emotionale Kurve in Extremen aus. Ein kaum zu glaubender Kantersieg vor beeindruckender Kulisse in Dresden, gefolgt von einer bitteren Niederlage gegen den Tabellennachbarn Nürnberg zu Hause. Und Ingolstadt war trotz des Tabellenplatzes nicht zu unterschätzen. Mit nur vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsrelegation wollten auch die Schanzer um jeden Preis punkten. Und die Qualität der Oberbayern war bekannt.

 

Panorama

 

Das letzte und bisher einzige Spiel in Ingolstadt liegt inzwischen mehr als acht Jahre zurück. Damals noch im alten ESV-Stadion, das inzwischen von der zweiten Mannschaft bespielt wird. Etwas außerhalb auf der grünen Wiese ist im selben Jahr der Audi Sportpark entstanden, der die neue Heimstätte des FCI geworden ist. Wie viele Stadien dieser Generation ein wenig Austauschbar. Besonders bei strahlendem Sonnenschein erweist sich die Lage als ungünstig. So waren vor und nach dem Spiel quasi keine schattigen Plätzchen zu finden.

 

MA

 

Bibi

 

Stevo

 

23. April 2018, Endstand: 1:3

 

Die Gemütslage war im Vorfeld des Spiels doch sehr unterschiedlich. Gingen einige immer noch von dem Spiel in Dresden euphorisiert das erste Bundesligamontagsspiel für die KSV an, so waren manche durchaus auch nervös. Wiederum andere waren einfach nur tiefenentspannt. Einig waren sich die meisten jedoch sicherlich was die Kulisse anging. Flutlicht, Spitzenspiel, rund zweieinhalbtausend Gäste und ein traditionsreicher Gegner – das konnte sich keiner, der auch nur ansatzweise für Holstein interessiert, entgehen lassen.

 

 

 

 

Dementsprechend war die Hütte aka Holstein-Stadion mit 11.874 Zuschauern zum Bersten gefüllt. Und auch das Medieninteresse rundherum war gegenüber den sonstigen, bereits schon gut mit Pressevertretern bestückten Spielen, nochmal gestiegen. Das Spektakel 2. Bundesliga hat mitunter surreale Züge angenommen. Und das nicht nur wegen der Ansammlung überdimensionaler Plüschtiere, die sich diesem Spieltag rund ums Stadion tummelten.

 

Pauschal ist das ja aber auch nicht schlecht. Irgendwie fühlt sich der Holstein-Anhänger ja auch durchaus gebauchpinselt, wenn der Gegner mit dem nötigen Respekt anreist.

 

 

 

Die Voraussetzungen für einen stimmungsvollen Montagabend waren also gegeben. Leider trübte eine Nachricht aus der Vorwoche die Laune trotzdem. Die vom DFB auferlegte Geldstrafe in Höhe von 34.000 EUR sollte auf die Fans umgelegt werden. Eine Herangehensweise, die nicht jedem Holstein-Fan gefiel und durchaus auch Raum für Kritik lässt. Genau diese sollte in der ersten Hälfte durch einen Protest der Kurve geäußert werden. Die Befürchtung einer stillen ersten Hälfte, wie es vor Beginn im Raum stand, bewahrheitete sich allerdings nicht. Nach genau 19:00 Minuten, in denen nur der Gästeblock lautstark auf sich aufmerksam machte, stimmte auch die Westkurve im Holstein-Stadion ihre Lieder an. Aber so ganz wollte im gesamten Spiel keine dem Anlass und der Kulisse entsprechende Stimmung aufkommen. Rückblickend vielleicht einer der unbefriedigendste Umstände am heutigen Tag.

 

 

Rudolf-Harbig-Stadion/DDV-Stadion, 14. April 2018, Endstand 0:4

 

Statt wie ursprünglich geplant am Sonnabendmorgen ging es spontan schon am Freitagnachmittag gen Osten. Denn erstens fanden wir, dass Aufstehen um acht in Berlin verlockender klang, als Aufstehen um vier in Kiel (wobei das nur mit der Zeit und nichts mit dem Ort zu tun hat) und zweitens lockte in Malchow ein schnuckeliger Oberligaground, der sich nicht nur aus kulinarischer Sicht als kleines Juwel herausstellte. Dazu an anderer Stelle mehr.

 

Ausgeschlafen wurde das letzte Teilstück Richtung Elbflorenz in Angriff genommen. Bei strahlendem Sonnenschein ging es (allerdings inkognito) noch auf ein Radler in die Torwirtschaft. Unmittelbar gegenüber vom Stadion und am Eingang zum „Großen Garten“ lud der angeschlossene Biergarten bei dem Wetter natürlich viele Stadionbesucher zum Verweilen ein.

 

Aber auf der anderen Straßenseite fand ja noch ein Fußballspiel statt. Und mal wieder war Holstein zu einem besonderen Zeitpunkt zu Gast (2009 waren die Störche eine Woche vorm offiziellen Eröffnungsspiel die ersten Gäste im fertigen Neubau.). Dieses Mal war es der 65. Geburtstag der SGD, der gefeiert wurde. Im Vorprogramm sollte Dresdens einstigen Kultspieler Ulf Kirsten zunächst eine große Ehre zu Teil werden, denn er wurde zum Ehrenspielführer Dynamos ernannt und reiht sich damit in Namen wie Hans-Jürgen Dörner und Eduard Geyer ein.

 

stadion

 

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Kurz vor Spielbeginn gab es für das Heimpublikum eine kurze Einführung in die geplante Geburtstagschoreo. Auf Westtribüne und K-Block wurden Pappen in schwarz und gelb im Wechsel mit weißen und weinroten Pappen hochgehalten. Dazu zierten das Vereins- und das Stadtwappen sowie ein überdimensionaler Jubiläumswimpel die Tribünen. Das Spiel war bereits in vollem Gange, also die Pappen auf Kommando zusammengeknüllt und in Richtung Umlauf geworden wurden. Dabei wäre beinahe das erste Highlight des Spiels untergegangen.

 

Nach gerade einmal vier Minuten zeigte Schiedsrichter Felix Zwayer, der am Donnerstag zuvor noch Europa League in Moskau gepfiffen hatte, auf den Punkt, nachdem Weilandt Horvath im Strafraum zu Boden gebracht hatte. Doch Kenneth Kronholm war trotz des Dresdner Ehrentags nicht gekommen, um Geschenke zu verteilen und parierte den von Koné geschossenen Strafstoß. Es blieb beim 0:0. Positiver Nebeneffekt war eine danach hellwache Defensive aus Kiel, die, obwohl durch die Dresdner Angriffe durchaus ordentlich beschäftigt, alles relativ gut im Griff behielt.

 

In der ersten Hälfte entwickelte sich für die 29.035 Zuschauer eine spannende Partie, die aber zumindest aus Holsteiner Sicht arm an Chancen war. Besonders die Atmosphäre, sicherlich zusätzlich durch Sonnenschein und Geburtstagsstimmung gesteigert, zeigte mal wieder, warum es so viel Spaß macht, durch die 2. Bundesliga zu reisen. Die schwarz-gelbe Wand präsentierte sich gewohnt lautstark. Naturgemäß war es für den mit rund 600 Kielern besetzte Gästeblock schwer, sich da akustisch durchzusetzen. Aber man blieb nicht ungehört und so waren die Rahmenbedingungen bestens.

 

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Bis zur Halbzeitpause machte Dynamo es den Störchen nicht leicht, konnte aber keine der wenigen Chancen verwerten. Dafür jubelte der Gästeblock. Denn nach einem Foul Heises an Drexler zeigt Felix Zwayer diesmal zugunsten Holstein auf den Punkt und Schindler verwandelte eiskalt zur Führung.

 

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8. April 2018, Endstand 0:0

 

Erstes Heimspiel 2018 unter nicht winterlichen Bedingungen, und dann gleich mit einer dicken Portion Sonnenschein. Es ist nicht mehr zu verleugnen, dass die Saison tatsächlich auf die Zielgerade einbiegt. Die Platzierung, welche die KSV dabei derzeit inne hat, hätten zu Saisonbeginn wohl die wenigsten erwartet – und die wenigsten hätten wohl gleichzeitig erwartet, dass die Darmstädter als Bundesliga-Absteiger und mit prominentem Kader gegen den Abstieg spielen müssen.

 

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Wobei das mit „gegen den Abstieg“ ja noch für 90 Prozent der Liga gilt und gerade die Lilien hatten in den letzten Wochen mit respektablen Ergebnissen (2:0-Sieg in Dresden, 1:1 gegen Ingolstadt und Nürnberg, sowie 1:0-Sieg am letzten Spieltag gegen Spitzenreiter Düsseldorf) mehr als ein Lebenszeichen gegeben. So war der SVD-Anhang nicht nur aufgrund der Rivalität motiviert und füllte den Gästeblock recht ordentlich. Auch heimseitig waren die Ränge bestens gefüllt – insgesamt wurden 10.483 Zuschauer vermeldet.

 

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Bei Holstein musste Jojo van den Bergh seine Gelbsperre absitzen, zudem fielen mit Czichos und Drexler zwei absolute Schlüsselspieler aus. Das war schon ein kleiner Stimmungsdämpfer, auch wenn die Startelf-Rückkehr von Christopher Lenz wiederum erfreute, das die Union-Leihgabe auch immer mal für offensive Akzente gut ist.

 

Der Beginn des Spiels ist dann auch recht vielversprechend: Holstein presst früh und der Ball läuft geschmeidig durch die eigenen Reihen. Die Gangart der Gäste scheint eher rustikal zu sein, zumindest wird Weiland nach gefühlten drei Sekunden gleich mal gelbwürdig abgeräumt. Zehn Minuten später hätte es mehr als ein paar böse Worte gegeben. Offensiv findet in der ersten Viertelstunde nur Holstein statt, Weiland und Schindler bringen den Ball immer wieder in die Gefahrenzone, allerdings steht zwischen den Störchen und einem Torerfolg spätestens der Darmstädter Keeper Heuer Fernandes.

 

weiland

 

king

 

Erst nach einer halben Stunde gibt es die erste Chance für die Gäste durch Boyd, damit ist das Darmstädter „Offensiv-Feuerwerk“ bis zum Seitenwechsel allerdings auch schon abgebrannt. Ein Unentschieden gegen den Tabellendritten scheint in den Plan zu passen. Wobei mit zunehmender Dauer auch immer weniger Möglichkeiten bei Holstein auf dem Zettel stehen, diesen Plan zu gefährden.

 
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