Unione Sportiva Italiana Lupo-Martini vs. Kieler SV Holstein II, Lupo Stadio, 30. September 2018, Endstand: 2:3

 

„Komm ein bisschen mit nach Italien“ - der Schlager von Caterina Valente ist ein wenig das Motto der Tour des Tages. Dabei geht es gar nicht bis nach Sanremo, sondern nur bis nach Burgo del Lupo, besser bekannt als Wolfsburg. Eine Stadt, deren Charme oder Esprit bei den bisherigen Besuchen noch nicht wirklich entdeckt wurde, immerhin geht es diesmal aber zu Lupo Martini. Die Unione Sportiva Italiana Lupo-Martini erblickte 1962 das Licht der Welt und ist damit der älteste von Gastarbeitern gegründete Sportverein in Deutschland. Korrekterweise wurde 1962 zunächst einmal der SC Lupo gegründet (Lupo = Wolf), acht Jahre später folgte US Martini Wolfsburg, ehe es 1981 zur Fusion kam. Bis heute ein kleines Stück Italien, dass in Bayern vielleicht selbstverständlicher ist als so weit im Norden.

 

Durch genaueste Recherche weiß die Kieler Reisegruppe natürlich schon vom Vereinsheim, in dem es auch was das Kulinarische betrifft italienisch zugehen soll. Der Name des Besitzers Daniele di Dio fordert quasi das Wortspiel „Was von Gott kommt, muss gut sein“ heraus. Tatsächlich wird es noch besser erwartet. Das dazu später mehr.

 

Zunächst geht es über die Bundesstraße 4 Richtung Süd-Ost, dann in Gifhorn vorbei am Mühlenmuseum und dem an ein russisches Kloster erinnerndes Kulturinstitut „Die Brücke“ und relativ entspannt ist Wolfsburg erreicht. Dessen Skyline besteht im Wesentlichen aus den vier Schornsteinen des Alten Heizkraftwerks und beschreiben das, was mit der Stadt verbunden wird: Industrie, Volkswagen. Auch die Reihenhäuser, die den Weg zum Lupo Stadio an der Leonordo da Vinci Gesamtschule säumen, bestätigen das Klischee.

 

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Dann den Wagen abgestellt, direkt neben einem Fiat, dessen Besitzer zusätzlich des Vereinslogo auf die Kühlerhaube geklebt hat. Ob es für einen italienischen Wolfsburger wohl ein Gewissenskonflikt ist, sich zwischen Volkswagen und Fiat entscheiden zu müssen? Diesen hätten dann rund 5.000 Menschen, denn so viele Wolfsburger besitzen einen Pass der Repubblica Italiana, zu Hochzeiten standen sogar 7.500 Italiener bei VW am Fließband. Bis heute hat sich dieses Stück Italien an vielen Ecken erhalten, fast scheint es aber ein wenig so, als wenn es nach außen hin ein wenig geheim gehalten wird.

 

Immerhin ist der Fußballverein, der derzeit in der Regionalliga kickt, quasi eine Art Botschafter für Burgo del Lupo und da im besonderen des bereits erwähnte Vereinsheim. Denn die fein aufgeschichteten Canoli und anderes Backwerk, die Calzone, die frisch gegrillte Salsiccia und der mit Wurst und Käse gefüllte Kühltresen stellen so manchen Feinkostladen in puncto Qualität in den Schatten. Dann können auch mal paar mehr Euro investiert (der Plan im Anschluss noch VW-Currywurst im örtlichen Supermarkt zu besorgen, wird jedenfalls mit einem Lächeln gecancelled). Da der Besitzer ursprünglich aus Sizilien stammt, finden sich Spezialitäten der Insel „auf der Karte“. Highlight sind die von der Mama in der Küche hergestellten Arancini. Die kleinen Kegel bestehen aus einer Art Reisteig und sind mit einem Hackfleischragout gefüllt. Einfach nur unbeschreiblich gut. Bei über 20 Grad lässt es sich mit lecker Essen und einem kühlen Radler auf der Terrasse gut aushalten. Am Nebentisch steht irgendwann der Weinkühler auf dem Tisch. Wenn man die Augen schließt und die wenig norddeutschen Stimmen hört, fühlt es sich nicht an wie in der Industriestadt im Osten Niedersachsens.

 

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Wäre es aber südlich der Alpen, würde Holsteins Zweite dort kein Auswärtsspiel haben. Genau wie die Zweite der Störche ist Lupo Martini Aufsteiger. Allerdings gelang die Rückkehr in die Regionalliga (schon 2016 gelang für eine Saison der Sprung in die vierthöchste Spielklasse) als Meister der Oberliga Niedersachsen ohne die extra Qualifikationsrunde. Dafür läuft es in der aktuellen Saison nicht ganz so optimal. Mit acht Punkten nach zwölf Spielen haben die Wolfsburger die Rote Laterne (während die Zweite des VfL Wolfsburg von der Tabellenspitze grüßt). Trotzdem ist die Stimmung unter den 380 Zuschauern (wovon vielleicht sechs aus Kiel kommen) nicht negativ. Neben ein paar Herren, die ihre Fahnen am Stankett angebracht haben, supportet auch die kleine Gruppe der Lupo-Ladies. Diese haben sich, wie der Großteil der Zuschauer, auf der überdachten Haupttribüne eingefunden, wobei der restliche Ausbau der rund 1.100 Zuschauer fassenden Anlage aus ein paar Stufen neben dem Bauwerk besteht. Ein guter Teil der Anwesenden bleibt auch einfach in der Nähe zu Vereinsheim und Grill. Letzterer wird übrigens auch vom Kieler Trainerteam, das in der vergangenen Spielzeit zwecks Beobachtung potenzieller Gegner in der Aufstiegsrunde vor Ort war, angepriesen (ist aber zu dem Zeitpunkt schon getestet).

 

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28. September 2018, Endstand 4:2

 

Das Ende der Englischen Wochen war nach Ansicht einiger Holsteinfans der Beginn der entscheidenden Wochen. Nachdem zuletzt einige Punkte trotz guter Leistung liegengelassen wurden, war ein Erfolgserlebnis gegen Darmstadt das erklärte Ziel des Freitagabends. Die Rahmenbedingungen stimmten schon mal. Zwar war der Sommer nach einem letzten Aufbäumen endgültig vorbei (so langsam dürfen die langen Unterbüxen rausgeholt werden), doch zum Anpfiff leuchtete die tief stehende Sonne und färbte den Beton des Wohnblocks hinter der Baustelle golden. Das Flutlicht leuchtete hell in das wolkendurchbrochene Blau des Kieler Abendshimmels. Ein Stadion ist einfach ein romantischer Ort und perfekt für den Ausklang der Woche (auch wenn Freitagsspiele für arbeitende Auswärtsfans besch... bleiben).

 

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Mit lecker Rübenmus (die schönen Seiten des Herbsts) im Bauch ging, war man bereit für 90 Minuten, die einen durchaus hohen Unterhaltungswert bieten sollten.

 

Erneut musste Tim Walter Veränderungen in der Startaufstellung vornehmen. So durfte estmals Benjamin Girth von Anfang an ran. Und das sollte sich auszahlen. Wie schon in den letzten Spielen gaben die Störche von Anpfiff an Gas und es entwickelte sich ein munteres und interessantes Spiel. Dabei zeigten sich die Lilien als durchaus starker Gegner, die nach zuletzt spürbaren Problemen in defensiven Bereich, vor allem das Augenmerk darauf richten würden, keinen Gegentreffer zu fangen.. Benny Girth hatte aber, genau wie seine zehn Kollegen, andere Pläne. Nach zwölf Minuten kam sein Moment. Ecke Lee, Kopfball Serra – doch Darmstadts Keeper kann den Ball abwehren. Genau vor die Füße des Neuzugangs aus Meppen. Erste Chance, Tor für Kiel – die letzten Minuten aus der Alten Försterei waren schon wieder fast vergessen.

 

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Darmstadt ließ sich dadurch zwar nicht aus dem Konzept bringen, übernahm aber auch nicht wirklich die Regie auf dem Platz. Erst in der 22. Minute wurden die Südhessen ein erstes Mal ernsthaft gefährlich – doch ohne dass der Ball im Netz zappelte. Erfolgreicher war da das Trio Kinsombi, Serra, Mühling, der mit einem Traumschuss auf 2:0 aus fiesem Winkel erhöhte. Deutete sich hier ein kleiner Kontersieg an? Kurz kamen Zweifel auf, denn ein verwandelter Handelfmeter (kann man nach moderner Handspiel-Auslegung wohl geben) ließ die Gäste kurz wieder heran rücken - eine Gemeinschaftsarbeit von Lee, mit grandioser Vorarbeit, und Serra, mit fast perfektem Kopfball) stellte den alten Abstand wieder her – 3:1. Doch als wäre das nicht genug für eine Halbzeit, verkürzte Darmstadt wenige Minuten vorm Halbzeitpfiff auf 3:2. Das Halbzeitbier war dringend nötig, um eine wenig runterzukommen.

 

Stadion an der Alten Försterei, 25. September 2018, Endstand 2:0

 

Kaum war das Heimspiel am Sonnabend abgepfiffen, ging es auch schon wieder auf die A24 in Richtung Berlin. Englische Wochen sind nicht nur für die Mannschaften selber anstrengend. Auch für Auswärtsfahrer sind die Spiele unter der Woche mitunter nur schwer zu bewerkstelligen. Es werden Urlaubtage und Überstunden geopfert um einmal quer durch die Republik zu reisen. Nicht selten muss sogar der Ruf beim Chef riskiert werden und ein gelber Schein herhalten. Und nur bei den wenigstens Spielen reicht ein freier Tag aus. Und wenn es gar nicht zu bewerkstelligen ist, bleibt nur die die Alternative Pay-TV oder Kneipe. Dieses Schicksal ereilte auch Teile CCKs mit der Folge, dass die Zahl der guten Bilder in diesem Bericht begrenzt ist

Auch Heimfans können nicht immer direkt nach Dienstende ins Stadion und wenn, müssen sie sich durch den Berufsverkehr kämpfen. So stand dieser Spieltag unter dem Motto "Ihr werdet von uns hören...oder auch nicht!" In ganz Deutschland einigten sich die Fanszenen auf stillen Protest. Die ersten 20 Minuten nach Anpfiff am Dienstag-, Mittwoch- oder Donnerstagabend wurde geschwiegen. Aber nicht nur die Anpfiffzeiten waren Anlass für die Kritik. Vor wenigen Monaten wurde die zuletzt unfruchtbaren Gespräche zwischen Fans und Verbänden abgebrochen. Zu groß der Graben zwischen den Parteien und zu klein die Kompromissbereitschaft insbesondere auf Funktionärsseite. Die Stellungnahme zum Fanprotest hier (Compagno erklären auch mehr).

So herrschte mit Anpfiff eine ungewöhnliche Stimmung oder besser gesagt, gar keine. Auf den Rängen war nur das Gemurmel der Zuschauer und gelegentliche, spielbezogene "Ohs" und "Ahs" zu hören. Doch aktiver Support? Fehlanzeige!

 

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Dafür war, ungewöhnlich im bezahlten Fußball, die Mannschaft zu hören. Rufe von Kenneth Kronholm zum Beispiel, die sonst von den Gesängen verschluckt werden, waren für jedermann zu hören. Nach zwanzig Minuten endete der Protest, es wurde von zehn herunter gezählt, Zaunfahnen ausgerollt und Waldseite Union Berlin sowie die Working Class Holstein Kiel stiegen mit ihrem Gesang ein. Endlich die Stimmung, die man gewohnt ist und die einen Teil des Erlebnis Fußballs ausmacht. Der Kontrast machte deutlich: Fußball ohne Fans ist nur der halbe Spaß. Und die Fans haben Kompromissbereitschaft und vor allem fangerechte Anstoßzeiten verdient.

 

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Für die Auwärtsfahrt nach Berlin hatten sich die Kieler etwas besonderes ausgedacht. Dem Anlass entsprechend wurde der Gästeblock des Stadions in Dienstkleidung geentert. Blaumänner, Signalwesten & Co. bestimmten das Bild. Und es war vor allem festzustellen, dass die Liebe zu Blau-Weiß-Rot auch in der Woche den Block gut füllte. Ob nun mit Gelbem Schein oder „legal“ mit Urlaubsantrag, rund 1.000 Kieler dürften es mindestens gewesen sein.

 

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Auf dem Feld ging Holstein offensiv und mit dem bekannt hohen Pressing zu Werke, und kaum war der Anpfiff verhalt, gab es gleich mal das erste Ausrufezeichen von Holstein: Schuss Serra, aber knapp drüber. Erster kleiner Stimmungsdämpfer war die verletzungsbedingte Auswechselung von Honsak, das „restliche“ Personal ließ sich aber nicht beirren und dominierte die Anfangsphase, nur konnten Lee und Schindler ihre Chancen nicht nutzen. Mit einigen schwächeren Phasen blieb Holstein das spielbestimmende Team, kurz vor dem Halbzeitpfiff musste dann Kronholm allerdings in höchster Not retten. Das 0:0 zur Pause wurde äußerst positiv bewertet.

 

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Während es an der Alten Försterei leckere Quarkkeulchen gab, wurde in Schleswig-Holstein die Halbzeitpizza gekillt, ehe es frohen Mutes in Hälfte zwei ging. Die gestaltete sich ausgeglichener als der erste Durchgang, die Angriffe der Hausherren endeten aber spätestens beim gut aufgelegten Kronholm. Insgesamt ein Zweitligaspiel auf höherem Niveau, dass mit fortlaufender Spieldauer immer spannender wurde, weil sich weder Union noch Holstein mit einem Unentschieden zufrieden geben wollten. Trotzdem glaubte man gar nicht mehr an ein Tor, als in der 90. Minute ein Flachschuss von Prömel flach im Kasten der Kieler einschlug. Dass nach einem Konter ein Fallrückzieher von Polter dann nach den Weg ins Tor fand und die 2:0-Niederlage besiegelte, war mehr als ärgerlich, hatte Holstein bis dahin doch eine wirklich mehr als akzeptable Leistung gezeigt. Monokausale Erklärungen und das Festmachen der Niederlage an einem Spieler helfen nicht wirklich weiter nach so einem Spiel – aber die geschehen ja zum Glück meistens nicht an den entscheidenden Stellen. Und am Freitag geht es ja schon wieder weiter – mit aufregen oder mit freuen.

 

P.S. Danke an Björn Henningsen für das Top Bild!

 

 

22. September 2018, Endstand 2:2

 

„Bei Wind und Wetter den Jungs verpflichtet...“, nicht nur eine Zeile aus Erik Cohens 'Englische Wochen', sondern in Kiel nach Ende des Sommers Realität. Der erste Herbststurm fegte über die Landeshauptstadt, Regenjacke und Windbreaker dominierten auf den Rängen. Nach dem eher ungünstig verlaufendem Spiel in Fürth nahmen einige Plattformen das böse Wort mit dem großen 'W' in ihre Berichterstattung auf. Vielleicht ein bisschen übertrieben und verfrüht. Vor allem, da mit dem VfL Bochum der Primus des letzten Spieltages zu Gast war. Das 6:0 gegen die Schanzer sorgte durchaus für Respekt. Zumal mit Lewerenz und nach wie vor Seydel zwei Offensivkräfte verletzt fehlten, die sich zuletzt nicht so schlecht verkauft hatten. Nachdem die Abwehr mit Dehm und Thesker am vergangenem Wochenende nicht so gut funktioniert hat, kehrten die altgedienten Schmidt und Herrmann wieder zurück. Dehm rückte weiter nach vorne, Lee und Honsak sprangen für Lewerenz und dem erkrankten Schindler ein.

 

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Mit einem kleinen, aber feinen Intro begrüßten die rund 600 mitgereisten Bochumer ihre Mannschaft. Zuvor tönte Grönemeyers "Bochum" durch Stadion. Eine schöne Geste, zumal diese musikalische Liebeserklärung an Verein, Stadt und Region Kultcharakter besitzt.

 

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Ähnlich wie das Wetter zeigten sich die ersten 20 Minuten des Spiel echt stürmisch. Bereits nach fünf Minuten konnten vier Offensivaktionen auf Kieler Seite verbucht werden. Allerdings ließ sich auch der Bochumer Angriff nicht lumpen und versuchte die Möglichkeiten, die Holstein zuließ zu nutzen. Vorerst allerdings ohne Erfolg. Im Verlauf der ersten Halbzeit nahm die Zahl der Chancen für beide Teams etwas ab, das wirkte sich allerdings nicht auf den Unterhaltungsfaktor aus. Trotzdem setzte es in der 38. Minuten einen kleinen Dämpfer. Getreu der Regel 'Wer seine Tore vorne nicht machte...', kassierten die Störche nach einem Konter einen Treffer von Bochums Hinterseer. Insbesondere angesichts des bis dahin wirklich guten Spiels der Kieler war das ärgerlich. Die Hoffnungen lagen nun auf Halbzeit zwei.

 

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Sportpark Ronhof, 15. September 2018, Endstand 4:1

 

Das mit dem Fußball, oder besser gesagt mit der Liebe zu ihm, ist so eine Sache. Nick Hornby hat es festgehalten, wie kein Anderer. "Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.", heißt es in seinem Buch Fever Pitch.

 

Eine Aussage, die vermutlich jeden Fußballfan ins Herz trifft. Noch beim letzten Auswärtsspiel fragten wir uns, warum wir so blöd sind, binnen sieben Tagen zwei Mal nach Bayern zu reisen. Die Antwort darauf und auf die Frage, warum wir sogar drei Mal binnen vier Wochen die Landesgrenze zum Freistaat überqueren, nur um 90 Minuten lang 22 Männern beim Sporttreiben zuzuschauen, lässt sich nicht schöner formulieren, als besagter Nick Hornby es getan hat. Und neben dem Sportlichen und den zu überbrückenden Distanzen, schmerzen auch Begleiterscheinungen wie andauernde Nebenkriegsschauplätze mit Verbänden, Funktionären und Vereinsoberen. Und wie in jeder guten Beziehung mag sich das Verhältnis zum Lebenspartner verändern, nicht mehr frei von Kritik sein und voller Bewusstsein für den Schmerz. Aber die Liebe bleibt. Und Liebe trägt bekanntlich seltsame Blüten.

 

Also ging es am Freitag nach Feierabend (um 19 Uhr !) auf die A7, mit dem Ziel mindestens bis Hessen zu kommen. Kurz vor Kassel, circa eine halbe Stunde vor Mitternacht, beflügelte die Liebe, vielleicht aber auch der Koffeinkonsum derart, dass bis kurz vor die Landesgrenze Bayerns durchgezogen wurde. Gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Schließlich bietet die Barockstadt Fulda viele Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Dom St. Salvador oder das Stadtschloss.

 

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Viel Zeit für Sightseeing blieb nicht, schließlich galt es die keine 20 km entfernte Landesgrenze zu überqueren, um in einer fränkischen Metzgerei das Frühstück zu organisieren. Unsere Wahl fiel auf Bad Brückenau. Dem fleißigen Bildzeitungsleser oder alternativ, den Radsportinteressierten dürfte der Ort aus der jüngeren Berichterstattung zu Jan "Ulle" Ullrichs Therapie bekannt sein. Fun Fact: In Bad Brückenau gibt es ein Fahrradmuseum. Wir interessierten uns allerdings mehr für die kulinarischen Spezialitäten der Region und nannten bei Verlassen des pittoresken Örtchens zwei Tüten Sonntagsaufschnitt und eine warme Tüte Braten im Brötchen fürs Frühstück unser Eigen.

 

Liebe geht halt auch durch den Magen und wenn der Fußball dafür sorgt, dass unsere Mägen stets mit dem Besonderen der deutschen Metzgereien gefüllt ist, kann nicht so viel schief gelaufen sein. Gesättigt wurde das Stadion angesteuert. Gegenüber des letzten Besuches in Fürth war die neue Haupttribüne des Sportparks Ronhof weiter gewachsen. Da blickt man als Kieler fast ein bisschen neidisch drauf. Denn anstatt mit Baufortschritt, glänzte das Kieler Tribünenprojekt zuletzt mit negativer Presse. Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Ausbauprojekte von Stadien deutscher Profivereine durch die öffentliche Hand gefördert wurden, scheint dies auf ein mal nicht mehr "en vogue" zu sein. Eine Diskussion, die man an anderer Stelle vielleicht mal führen kann.

 

Der eingangs zitierte Schmerz ist nur allzu oft von sportlichen Ergebnissen geprägt. Erinnern wir uns zurück an den Saisonauftakt, als eine völlig entfesselt spielende KSV allen Unkenrufen nach dem Umbruch zum Trotz einen verunsicherten HSV im Volkspark mit einem 3:0 in die Kabine prügelte. Da fiel es schwer, auf die Euphoriebremse zu treten. Und obwohl die nachfolgenden Spiele in der Liga und auch im DFB-Pokal deutlich weniger furios abliefen, entlockten sie den Kieler Anhängern zumindest ein zufriedenes "Jo" - in Norddeutschland ja bekanntlich schon höchste Anerkennung. Schließlich hatten sich die Störche das Prädikat "Ungeschlagen" verdient. So war auch die Stimmung im Gästelager gut - vom Auswärtsblock gab es ein nettes Intro zum Auflaufen.

 

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Damit wären wir auch schon beim Spiel gegen die Kleeblätter. Von direkten Tabellennachbarn wurde vermutlich ein ausgeglichenes Spiel erwartet. Zunächst sei gesagt, dass es sich bei dem Spiel definitiv um schwere Kost handelte. Zäh bisweilen, ohne echte Offensivszenen. Die beste hatte in Halbzeit eins noch Steven Lewerenz, der in die Startelf gerückt war. Doch die Latte verhinderte Schlimmeres für die Gastgeber. "Das gewinnt Kiel heute, die machen das gut.", hieß es von Andreas Bornemann, der auf der Tribüne zu Besuch war. Wer wollte ihm da widersprechen? Schließlich sah es in den ersten 45 Minuten tatsächlich so aus.

 

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Doch ohne mit weiteren Zitaten um sich werfen zu wollen - ein Fußballspiel hat bekanntlich eine zweite Hälfte. Und die war - sagen wir es diplomatisch - zum abgewöhnen. Zunächst schien Kiel mit einer Chance von Kinsombi weiter das Chancenplus auf der eigenen Seite zu haben. Zehn Minuten später folgte aber der Gegenschlag. Und im Gegensatz zu den Versuchen der Gäste, saß dieser. Alles andere als Unschuldig an dem Treffer ausgerechnet der Ex-Fürther Stefan Thesker, der erstmals diese Saison zum Einsatz kam. Statt dem eigenen Mann, erreichte der Pass Fürths Sebastian Ernst, der legte seinem Kollegen Keita-Ruel auf. Führung für Fürth in der 52. Minute. Damit begann das, was man eine ernsthafte Beziehungskrise nennen kann. Ein Fehler von Wahl, verursachte das 2:0 in der 60. Minute. Aus „gar nicht so schlimm“ hatten zwei individuelle Fehler ein „hier droht eine Klatsche“ gemacht. Nur zwei Minuten später fast das 3:0. Holstein stand zu diesem Zeitpunkt mächtig offensiv, wo allerdings zu wenig an diesem Tag gelang. Stattdessen rollten die Konter in Richtung Kieler Tor. Keita-Ruel begrub nach 83 Minuten die letzte Hoffnung, noch etwas Zählbares mitzunehmen. Girth gelang zwar noch ein Treffer für Blau-Weiß-Rot.

 

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