15. April 2017, Steigerwaldstadion, Endstand 1:1

 

Bekanntlich ist der RWE nunmehr seit der Gründung der eingleisigen 3. Liga fester Bestandteil eben dieser. Dadurch und auch durch die Zeit in der Regionalliga kommt die KSV auf inzwischen 13 Aufeinandertreffen mit den Thüringern. Ein erstes Bauchgefühl vermittelt einigen Fans vielleicht eine eher negative Bilanz gegen die Rot-Weißen. Tatsächlich ist diese jedoch recht ausgeglichen. Besonders auf dem eigenem Platz konnte Holsteins Gastgeber des 33. Spieltages bisher nur 5 Punkte aus drei Spielen holen. Die Störche hingegen haben schon 9 Punkte, der letzte Sieg wurde mit einem 3:1 im Dezember 2015 in Erfurt gefeiert, nach Kiel entführt.

 

Auch die Ausgangslage vorm Spiel, RWE auf Platz 16 akut abstiegsgefährdet und Holstein auf Platz zwei akut aufstiegsgefährdet, sprach für die Mannschaft in blau. Trotz allem ging es natürlich nicht völlig unbedarft nach Erfurt. Die Gastgeber würden es den Kielern in ihrem Stadionneubau nicht leicht machen, das war vorm Spiel klar.

 

Begegnung

 

Am Steigerwaldstadion, man kann sagen mit Ausnahme der alten Haupttribüne eine kleine Version des Nürnberger Stadions, fiel auf, dass die markanten Flutlichter dem Neubau nicht zum Opfer gefallen sind. Ähnlich wie seinerzeit in Rostock hat man dem modernisierten Stadion somit ein Stück ostigen Charme gelassen. Daumen hoch dafür. Ansonsten wird das Stadionerlebnis noch immer von der Laufbahn getrübt. Und auch sonst, so gefällig der Neubau auf den ersten Blick erscheint, bei genauerem Hinsehen erkennt man viele bekannte Elemente. Am Ende doch nur ein Stadionneubau wie jeder andere. Es bleibt zu hoffen, dass, wenn denn in Kiel die Bagger anrollen, unsere Heimat etwas mehr Identität bekommt.

 

Stadion

 

Stadion Pan

 

Die Kulisse im Rund, das etwas mehr als 18.500 Zuschauer fasst, war an diesem Tag recht enttäuschend. Insgesamt hatten sich nur 4.422 Zuschauer ins Steigerwaldstadion verlaufen. Vermutlich eine Mischung aus dem Tabellenstand der Erfurter und den Osterfeiertagen. Aber auch aus Kiel waren nicht mehr als rund 200 Unterstützer angereist. Diese machten durchgehend eine für die Zahl vernünftige Stimmung und konnten sich hin und wieder auch gegen den Heimsupport, den man allerdings auch schon deutlich stimmungsvoller erlebt hat, durchsetzen.

 

Peitz

 

Zweikampf

 

9. April 2017, Endstand 0:0

 

Ganz schwierige Kiste – wie sollte man sich als Holstein-Fan nach dem Abpfiff fühlen? Irgendwie war man doch ein bisschen sauer, dass aus den vielen Chancen kein Torerfolg für die KSV resultierte und es somit am Ende nur für ein mageres 0:0 auf der Anzeigetafel reichte. Gleichzeitig mischte sich in die Enttäuschung aber doch ein wenig freudige Verwunderung, dass Magdeburg doch nicht in der 90. Minute noch einen Elfmeter und Regensburg kein Tor aufgrund nicht vorhandener Abseitspositionen aberkannt bekommen hatte. Das aus der Bördestadt vermeldete 1:2 wertete das Unentschieden auf eigenem Platz plötzlich gehörig auf – bedeutete es doch aufgrund des hervorragenden Torverhältnisses den Sprung auf den 2. Tabellenplatz.

 

Bus

 

Westring

 

Gäste

 

Den Kampf darum wollten bei bestem Frühlingswetter knapp 7.000 Zuschauer sehen – da ist sicher noch Luft nach oben. Aufgrund des parallel stattfindenden Final Four im Buntsport ging die Zahl aber dann doch irgendwie in Ordnung, zudem einige sicher auch den Sonntag mit der Familie nutzen mussten. Bevor es auf dem Rasen losgehen sollte, wurde draußen zunächst einmal der neue Mannschaftsbus der Öffentlichkeit vorgestellt. Schickes Gefährt, das nächstes Jahr gerne durch Liga zwei rollen darf. Dafür müssen allerdings noch einige Punkte gesammelt werden, wobei die Konkurrenz (vielleicht mit Ausnahme des MSV Duisburg) im Moment regelmäßig schöne Vorlagen liefert. So holte der Chemnitzer FC bei Werder II tags zuvor lediglich ein torloses Remis und Osnabrück verlor in Großaspach. Aufgrund dieser Ergebnisse hofften viele Holstein-Fans darauf, dass ein paar Punkte zwischen das eigene Team und die Verfolger gebracht werden könnten. Doch diesem Vorhaben stand der SC Preußen Münster im Wege.

5. April 2017, Endstand 3:0

 

Klammheimlich hat sich Holstein im Laufe der Rückrunde zu dem Aufstiegskandidaten gemausert, der die KSV auf dem Papier schon lange war. Zwischenzeitlich langte es nur für Rang 10. Doch dann kam es langsam ins Rollen. Nach einem ein Auf und Ab und der unnötigen Niederlage in Osnabrück war einem mit Blick auf das Heimspiel gegen den Tabellenführer schon noch ein bisschen Angst und Bange. Doch der Sieg über den MSV Duisburg bei nasskaltem Nieselregen war der Beginn einer Serie ohne Niederlage.

 

mond

 

stadion

 

gäste

 

Und so ging man relativ optimistisch in die Begegnung gegen den SV Wehen Wiesbaden. Nicht wenige orakelten im voraus. Nachdem Chemnitz und Magdeburg sich tags zuvor unentschieden trennten, sähe das optimale Ergebnis wie folgt aus: Sieg Holstein, Niederlage Osnabrück. Doch wer Holstein kennt, kennt auch folgendes Gesetz: Läuft der Spieltag optimal, kann die KSV es nicht nutzen, fahren die Störche einen überzeugenden Sieg ein, so lassen die direkten Konkurrenten keine Punkte liegen.

 

Bei bestem norddeutschem Aprilwetter (Sonnenschein, Regen, Wind, Temperatursturz) durften die wieder genesenen Drexler und Lewerenz von Beginn an ran, während Schmidt nach seiner fünften Gelben, die er sich in Bremen abgeholt hat, pausieren musste. Es entwickelte sich gleich von der ersten Minute an ein munteres Drittligaspiel. Auf dem Platz sah man deutlich, dass die Wiesbadener unter Rüdiger Rehm wieder in die Spur gefunden hat, beim Blick auf den SVWW-Kader dürfte auch jedem klar sein, mit was für individueller Klasse die KSV an diesem Mittwoch zutun hatte.

 

drexler

 

Nach 180 Sekunden war es Dominick Drexler, der es aus der Distanz einfach einmal probierte und Kolke im Wehener Tor musste gleich zweimal zupacken, um das flatterige Geschoss kontrollieren zu können. Ein paar Minuten später begutachtete die Westtribüne gespannt den Eckball, welchen Wiesbaden erst einmal kurz abwehren konnte, Lewerenz schnappte sich den Ball und zog aus spitzem Winkel ab, die Gästedefensive berührte den Ball noch leicht und fertig war das 1:0 für die KSV!

 

lewo

Weserstadion Platz 11, 1. April 2017, Endstand 0:2

 

Holstein bei Werder II – da schnalzen doch Fußballhistoriker mit norddeutschem Faible mit der Zunge. Das Drittligaspiel von heute war schließlich ein Regionalliga Nord Klassiker von gestern.

Das führte zur zweiten Annehmlichkeit des Sonnabends: 3. Liga mit Regionalliga-Distanz! Kein Aufstehen mit den Zeitungsausträgern, kein stundenlanges Fahren über verstopfte Autobahnen. Zwei Stunden brauchte es von Kiel bis in die Hansestadt. Dennoch wurde etwas mehr Zeit eingeplant, schließlich versaute einem der Stau vor Hemelingen schon ein wenig die Anfahrten nach Lotte und Osnabrück. Da die Straßen frei waren, hatte man noch Zeit für einen kurzen Abstecher in die Gemeinde Ottersberg, verkehrgünstig gelegen an der A1, wo der (Holsteiner) Frühling standesgemäß mit einer Eiskreation eingeläutet wurde. Nebenbei ist Ottersberg auch noch der Heimatort von Kapitän Rafael Czichos, der beim örtlichen TSV zum ersten Mal die Fußballschuhe schnürte. Tatsächlich spielte der Innenverteidiger nie beim großen Nachbar des SV Werder, von Ottersberg ging es direkt nach Wolfsburg und dann über Erfurt nach Kiel.

 

Eis

 

Flutlicht

 

Gästeblock

 

Der Gästeparkplatz war beim Eintreffen in Bremen schon gut gefüllt, über 900 Kieler auf Haupttribüne und Gästeblock wollten heute dabei sein. Der englischen Woche musste ein wenig Tribut gezollt werden, Markus Anfang hatte wie gegen Lotte nur einen 16 Mann starken Kader zur Verfügung. Auch Spielgestalter Dominick Drexler fiel grippebedingt aus. Ins Zentrum rückte dafür Luca Dürholtz, auf der Außenbahn agierte Marvin Ducksch und in der Spitze kam Ilir Azemi zu seinem ersten Startelfeinsatz. Auf der Gegenseite erblickte man ebenfalls einige bekannte Spieler.

Michael Zetterer im Tor steht im Blickfeld der U21 Nationalmannschaft, Torben Rehfeldt, Rafael Kazior und Melvyn Lorenzen sind alte Kieler Bekannte und die Offensive mit Justin Eilers und Ousman Manneh würde sicherlich auch einigen Zweitligisten gut zu Gesicht stehen.

 

Kaze

 

Schmidt

28. März 2017, FRIMO Stadion am Lotter Kreuz, Endstand 0:0

 

"Mit den drei Punkten aus dem Lotte-Spiel..." oder warum "für jedes Holstein-Tor gibt es einen Schnaps gratis" eine recht günstige Angelegenheit für den Wirt war. Doch der Reihe nach...

 

graffiti

 

Angsichts des hervorragenden Wetters, das uns in Lotte erwartete, war man gar nicht mehr so böse, dass das Spiel auf Ende März verlegt wurde. So erreichte die Kieler Fahrgemeinschaft bei rund 20° C Außentemperatur das Stadion in Sichtweite der Autobahn.

 

Da Holstein trotz eines "ordentlichen" Unentschiedens im Heimspiel gegen Magdeburg den Sprung auf den Relegationsplatz verpasst hatte, sollten nun gegen den Aufsteiger die von einigen Menschen quasi fest eingeplanten drei Punkte her. Die Sportfreunde hatten sich allerdings im bisherigen Saisonverlauf und auch dank der Erfolge im DFB-Pokal einen gewissen Respekt erarbeitet. So reiste man trotz der zuletzt anhaltenden Negativserie des Gastgebers nur vorsichtig optimistisch ins Tecklenburger Land. Auch weil sich mit Saliou Sané und Jaroslaw Lindner zwei ehemaliger Kieler im Lotter Sturm befinden, die ihre Form nach dem Wechsel zu den Sportfreunden durchaus wieder etwas steigern konnten.

 

panorama

 

heimfans

 

flutlicht

 

gästeblock

 

Bevor es in den recht zusammengewürftelt aussehenden Bau (manche finden, dass das Stadion genau deshalb Charme hat) direkt am Autobahnkreuz ging, galt es erstmal, den Stau, an dessen Umfahrung viele Kieler auf dem Weg nach Osnabrück schon scheiterten, zu meistern. Auch diesmal war viel Geduld nötig. Dank des strahlenden Sonnenscheins, der bei gefühlt 0,5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, durch die Fenster knallte, wurde man sich bewusst, dass die Zeit des übertriebenen Zwiebellooks wohl vorbei ist.