9. April 2017, Endstand 0:0

 

Ganz schwierige Kiste – wie sollte man sich als Holstein-Fan nach dem Abpfiff fühlen? Irgendwie war man doch ein bisschen sauer, dass aus den vielen Chancen kein Torerfolg für die KSV resultierte und es somit am Ende nur für ein mageres 0:0 auf der Anzeigetafel reichte. Gleichzeitig mischte sich in die Enttäuschung aber doch ein wenig freudige Verwunderung, dass Magdeburg doch nicht in der 90. Minute noch einen Elfmeter und Regensburg kein Tor aufgrund nicht vorhandener Abseitspositionen aberkannt bekommen hatte. Das aus der Bördestadt vermeldete 1:2 wertete das Unentschieden auf eigenem Platz plötzlich gehörig auf – bedeutete es doch aufgrund des hervorragenden Torverhältnisses den Sprung auf den 2. Tabellenplatz.

 

Bus

 

Westring

 

Gäste

 

Den Kampf darum wollten bei bestem Frühlingswetter knapp 7.000 Zuschauer sehen – da ist sicher noch Luft nach oben. Aufgrund des parallel stattfindenden Final Four im Buntsport ging die Zahl aber dann doch irgendwie in Ordnung, zudem einige sicher auch den Sonntag mit der Familie nutzen mussten. Bevor es auf dem Rasen losgehen sollte, wurde draußen zunächst einmal der neue Mannschaftsbus der Öffentlichkeit vorgestellt. Schickes Gefährt, das nächstes Jahr gerne durch Liga zwei rollen darf. Dafür müssen allerdings noch einige Punkte gesammelt werden, wobei die Konkurrenz (vielleicht mit Ausnahme des MSV Duisburg) im Moment regelmäßig schöne Vorlagen liefert. So holte der Chemnitzer FC bei Werder II tags zuvor lediglich ein torloses Remis und Osnabrück verlor in Großaspach. Aufgrund dieser Ergebnisse hofften viele Holstein-Fans darauf, dass ein paar Punkte zwischen das eigene Team und die Verfolger gebracht werden könnten. Doch diesem Vorhaben stand der SC Preußen Münster im Wege.

5. April 2017, Endstand 3:0

 

Klammheimlich hat sich Holstein im Laufe der Rückrunde zu dem Aufstiegskandidaten gemausert, der die KSV auf dem Papier schon lange war. Zwischenzeitlich langte es nur für Rang 10. Doch dann kam es langsam ins Rollen. Nach einem ein Auf und Ab und der unnötigen Niederlage in Osnabrück war einem mit Blick auf das Heimspiel gegen den Tabellenführer schon noch ein bisschen Angst und Bange. Doch der Sieg über den MSV Duisburg bei nasskaltem Nieselregen war der Beginn einer Serie ohne Niederlage.

 

mond

 

stadion

 

gäste

 

Und so ging man relativ optimistisch in die Begegnung gegen den SV Wehen Wiesbaden. Nicht wenige orakelten im voraus. Nachdem Chemnitz und Magdeburg sich tags zuvor unentschieden trennten, sähe das optimale Ergebnis wie folgt aus: Sieg Holstein, Niederlage Osnabrück. Doch wer Holstein kennt, kennt auch folgendes Gesetz: Läuft der Spieltag optimal, kann die KSV es nicht nutzen, fahren die Störche einen überzeugenden Sieg ein, so lassen die direkten Konkurrenten keine Punkte liegen.

 

Bei bestem norddeutschem Aprilwetter (Sonnenschein, Regen, Wind, Temperatursturz) durften die wieder genesenen Drexler und Lewerenz von Beginn an ran, während Schmidt nach seiner fünften Gelben, die er sich in Bremen abgeholt hat, pausieren musste. Es entwickelte sich gleich von der ersten Minute an ein munteres Drittligaspiel. Auf dem Platz sah man deutlich, dass die Wiesbadener unter Rüdiger Rehm wieder in die Spur gefunden hat, beim Blick auf den SVWW-Kader dürfte auch jedem klar sein, mit was für individueller Klasse die KSV an diesem Mittwoch zutun hatte.

 

drexler

 

Nach 180 Sekunden war es Dominick Drexler, der es aus der Distanz einfach einmal probierte und Kolke im Wehener Tor musste gleich zweimal zupacken, um das flatterige Geschoss kontrollieren zu können. Ein paar Minuten später begutachtete die Westtribüne gespannt den Eckball, welchen Wiesbaden erst einmal kurz abwehren konnte, Lewerenz schnappte sich den Ball und zog aus spitzem Winkel ab, die Gästedefensive berührte den Ball noch leicht und fertig war das 1:0 für die KSV!

 

lewo

Weserstadion Platz 11, 1. April 2017, Endstand 0:2

 

Holstein bei Werder II – da schnalzen doch Fußballhistoriker mit norddeutschem Faible mit der Zunge. Das Drittligaspiel von heute war schließlich ein Regionalliga Nord Klassiker von gestern.

Das führte zur zweiten Annehmlichkeit des Sonnabends: 3. Liga mit Regionalliga-Distanz! Kein Aufstehen mit den Zeitungsausträgern, kein stundenlanges Fahren über verstopfte Autobahnen. Zwei Stunden brauchte es von Kiel bis in die Hansestadt. Dennoch wurde etwas mehr Zeit eingeplant, schließlich versaute einem der Stau vor Hemelingen schon ein wenig die Anfahrten nach Lotte und Osnabrück. Da die Straßen frei waren, hatte man noch Zeit für einen kurzen Abstecher in die Gemeinde Ottersberg, verkehrgünstig gelegen an der A1, wo der (Holsteiner) Frühling standesgemäß mit einer Eiskreation eingeläutet wurde. Nebenbei ist Ottersberg auch noch der Heimatort von Kapitän Rafael Czichos, der beim örtlichen TSV zum ersten Mal die Fußballschuhe schnürte. Tatsächlich spielte der Innenverteidiger nie beim großen Nachbar des SV Werder, von Ottersberg ging es direkt nach Wolfsburg und dann über Erfurt nach Kiel.

 

Eis

 

Flutlicht

 

Gästeblock

 

Der Gästeparkplatz war beim Eintreffen in Bremen schon gut gefüllt, über 900 Kieler auf Haupttribüne und Gästeblock wollten heute dabei sein. Der englischen Woche musste ein wenig Tribut gezollt werden, Markus Anfang hatte wie gegen Lotte nur einen 16 Mann starken Kader zur Verfügung. Auch Spielgestalter Dominick Drexler fiel grippebedingt aus. Ins Zentrum rückte dafür Luca Dürholtz, auf der Außenbahn agierte Marvin Ducksch und in der Spitze kam Ilir Azemi zu seinem ersten Startelfeinsatz. Auf der Gegenseite erblickte man ebenfalls einige bekannte Spieler.

Michael Zetterer im Tor steht im Blickfeld der U21 Nationalmannschaft, Torben Rehfeldt, Rafael Kazior und Melvyn Lorenzen sind alte Kieler Bekannte und die Offensive mit Justin Eilers und Ousman Manneh würde sicherlich auch einigen Zweitligisten gut zu Gesicht stehen.

 

Kaze

 

Schmidt

28. März 2017, FRIMO Stadion am Lotter Kreuz, Endstand 0:0

 

"Mit den drei Punkten aus dem Lotte-Spiel..." oder warum "für jedes Holstein-Tor gibt es einen Schnaps gratis" eine recht günstige Angelegenheit für den Wirt war. Doch der Reihe nach...

 

graffiti

 

Angsichts des hervorragenden Wetters, das uns in Lotte erwartete, war man gar nicht mehr so böse, dass das Spiel auf Ende März verlegt wurde. So erreichte die Kieler Fahrgemeinschaft bei rund 20° C Außentemperatur das Stadion in Sichtweite der Autobahn.

 

Da Holstein trotz eines "ordentlichen" Unentschiedens im Heimspiel gegen Magdeburg den Sprung auf den Relegationsplatz verpasst hatte, sollten nun gegen den Aufsteiger die von einigen Menschen quasi fest eingeplanten drei Punkte her. Die Sportfreunde hatten sich allerdings im bisherigen Saisonverlauf und auch dank der Erfolge im DFB-Pokal einen gewissen Respekt erarbeitet. So reiste man trotz der zuletzt anhaltenden Negativserie des Gastgebers nur vorsichtig optimistisch ins Tecklenburger Land. Auch weil sich mit Saliou Sané und Jaroslaw Lindner zwei ehemaliger Kieler im Lotter Sturm befinden, die ihre Form nach dem Wechsel zu den Sportfreunden durchaus wieder etwas steigern konnten.

 

panorama

 

heimfans

 

flutlicht

 

gästeblock

 

Bevor es in den recht zusammengewürftelt aussehenden Bau (manche finden, dass das Stadion genau deshalb Charme hat) direkt am Autobahnkreuz ging, galt es erstmal, den Stau, an dessen Umfahrung viele Kieler auf dem Weg nach Osnabrück schon scheiterten, zu meistern. Auch diesmal war viel Geduld nötig. Dank des strahlenden Sonnenscheins, der bei gefühlt 0,5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, durch die Fenster knallte, wurde man sich bewusst, dass die Zeit des übertriebenen Zwiebellooks wohl vorbei ist.

 

25. März 2017, Endstand 1:1

 

Roland Reime ist tot.

 

rip

 

Diese Nachricht platzte überraschend und unerwartet in die morgendliche Vorfreude auf das Duell mit dem 1. FC Magdeburg. So ging es dann auch wenig später mit trotz Frühlingswetters gedämpfter Stimmung zum Stadion. Zu Beginn des Spiels wurde dann dem verstorbenen Präsidenten der KSV gedacht. Ein wirklich bewegender Moment – Ruhe in Frieden, Roland!

 

schweigeminute

 

Applaus – dann Stille von 8.420 Anwesenden. Danach hieß es dann den Hebel wieder auf Fußball umlegen, es stand ja immerhin ein Spitzenspiel an. Dafür hatten auch rund 2.000 Magdeburger ihren Weg an die Förde gefunden. Dies führte rund um das Holstein-Stadion mal wieder zu einem Großaufgebot der Staatsmacht und ebenfalls zu einem Verkehrschaos führt, in dem sich zwischenzeitlich auch einige der Akteure befanden, die sich wenig später auf dem Platz befinden sollten. Aber das scheint ja irgendwie dazu zu gehören.

 

west

 

stadion

 

gäste

 

Immerhin waren die Tribünen zum Anpfiff gefüllt, auf der Westtribüne gab es sogar ein kleines Intro in den Vereinsfaben. Der Anhang der Gäste setzte beim Support weniger auf Optik, sondern vor allem auf Lautstärke, wobei besonders die Wechselgesänge zwischen den beiden Gästeblöcken durchaus zu gefallen wussten.

 

Trotz der notwendigen Umstellungen (der Fußballgott war gelb-gesperrt und Steven Lewerenz hatte sich während der Woche eine Muskelfaserriss zugezogen) legte Holstein selbstbewusst los. Viel Ballbesitz und immer wieder schnelle Vorstöße über Schindler und Drexler führten allerdings nicht zu den wirklich zwingenden Aktionen. Je weiter sich der Minutenzeiger in Richtung Halbzeit drehte, umso gefährlicher kamen die Gäste aus der Elbestadt vor das Holsteiner Tor. Die Chancen von Hammann und Niemeyer blieben allerdings ohne Folge, weshalb es mit einem 0:0 in die Pause ging.

 

duksch

 

sicker