22. April 2017, Endstand 2:0

 

Der Chemnitzer FC hatte diese Saison viel vor. Mit Spielern wie Mast, Jopek und dem exquisiten Offensivduo Frahn und Fink kann man schon einmal den Anspruch haben, ganz oben mitzuspielen. Allerdings braucht es dafür auch gewisse Summen und da hakte es beim CFC in der jüngeren Vergangenheit ganz gewaltig. Zuletzt wurde bekannt, dass der Personaletat um 400.000€ überzogen wurde. Die Stimmung in Chemnitz ist demnach nicht die beste. Nebenbei kommt noch das nicht zufriedenstellende Abschneiden im Ligaalltag hinzu. Zwar hatten die Sachsen immer wieder Möglichkeiten, oben mitzumischen, so recht klappen wollte es nie. Vor dem Spiel war daher klar, dass der CFC mit einer Niederlage das Aufstiegsrennen verlassen würde. Während Holstein mit voller Kapelle das Spiel angehen konnte, mussten die Himmelblauen ihre Defensive neu formieren. Außerdem verausgabte das Team sich noch am vergangenen Mittwoch beim Pokal-Fight über 120 Minuten gegen den FSV Zwickau, die Beine waren dementsprechend schwer.

 

West

 

Rafa

 

Bei Holstein freute man sich über das Heim-Comeback von Manuel Janzer, der schon am vergangenen Wochenende in Erfurt kurz zum Zuge kam. Beim Chemnitzer FC nahm Frahn zunächst auf der Bank platz. Seine Chemnitzer waren in den ersten 120 Sekunden gleich das bestimmende Team, das war es dann auch mit der sächsischen Herrlichkeit, es spielte nur noch die KSV. Nach elf Minuten schickte der gute Peitz Ducksch auf die Reise, der Ex-Dortmunder benutze die Pike und traf den Innenpfosten. Nicht das erste Pech in Sachen Chancenverwertung diese Saison. Überhaupt scheint die KSV diese Saison das Glück nicht gepachtet zu haben. Kein abgefälschter Ball findet den Weg ins Tor, wo in Magdeburg mal ein Elfmeter hilft, bleibt in Kiel die Pfeife stumm.

 

Drexler1

 

West2

 

Die KSV ließ sich davon aber nicht beirren, kurze Zeit später donnerte Drexler den Ball auf den mit der Faust abwehrenden Kunz, Sekunden später war der Keeper auch gegen Lewerenz zur Stelle. Holstein machte jetzt ordentlich Druck und spielte schnörkellos in die Spitze zu oft aber blies Bundesliga-Schiri Harm Osmers in seine Pfeife aufgrund einer Abseitsstellung. Aber auch ohne störenden Pfiff wollte das Tor nicht so recht fallen, auch nicht, als nach einer halben Stunde Lewerenz den im Zentrum postierten Schindler fand. Der Ex-Hoffenheimer traf aber nur das Außennetz. Vor dem Seitenwechsel sprangen keine klaren Aktionen mehr für die KSV heraus, nur Ducksch deutete noch zweimal zaghaft an, warum er nach Kiel geholt wurde. Nach der ersten echten Gelegenheit per Freistoß für den Gast bat Osmers dann in die Kabinen.

15. April 2017, Steigerwaldstadion, Endstand 1:1

 

Bekanntlich ist der RWE nunmehr seit der Gründung der eingleisigen 3. Liga fester Bestandteil eben dieser. Dadurch und auch durch die Zeit in der Regionalliga kommt die KSV auf inzwischen 13 Aufeinandertreffen mit den Thüringern. Ein erstes Bauchgefühl vermittelt einigen Fans vielleicht eine eher negative Bilanz gegen die Rot-Weißen. Tatsächlich ist diese jedoch recht ausgeglichen. Besonders auf dem eigenem Platz konnte Holsteins Gastgeber des 33. Spieltages bisher nur 5 Punkte aus drei Spielen holen. Die Störche hingegen haben schon 9 Punkte, der letzte Sieg wurde mit einem 3:1 im Dezember 2015 in Erfurt gefeiert, nach Kiel entführt.

 

Auch die Ausgangslage vorm Spiel, RWE auf Platz 16 akut abstiegsgefährdet und Holstein auf Platz zwei akut aufstiegsgefährdet, sprach für die Mannschaft in blau. Trotz allem ging es natürlich nicht völlig unbedarft nach Erfurt. Die Gastgeber würden es den Kielern in ihrem Stadionneubau nicht leicht machen, das war vorm Spiel klar.

 

Begegnung

 

Am Steigerwaldstadion, man kann sagen mit Ausnahme der alten Haupttribüne eine kleine Version des Nürnberger Stadions, fiel auf, dass die markanten Flutlichter dem Neubau nicht zum Opfer gefallen sind. Ähnlich wie seinerzeit in Rostock hat man dem modernisierten Stadion somit ein Stück ostigen Charme gelassen. Daumen hoch dafür. Ansonsten wird das Stadionerlebnis noch immer von der Laufbahn getrübt. Und auch sonst, so gefällig der Neubau auf den ersten Blick erscheint, bei genauerem Hinsehen erkennt man viele bekannte Elemente. Am Ende doch nur ein Stadionneubau wie jeder andere. Es bleibt zu hoffen, dass, wenn denn in Kiel die Bagger anrollen, unsere Heimat etwas mehr Identität bekommt.

 

Stadion

 

Stadion Pan

 

Die Kulisse im Rund, das etwas mehr als 18.500 Zuschauer fasst, war an diesem Tag recht enttäuschend. Insgesamt hatten sich nur 4.422 Zuschauer ins Steigerwaldstadion verlaufen. Vermutlich eine Mischung aus dem Tabellenstand der Erfurter und den Osterfeiertagen. Aber auch aus Kiel waren nicht mehr als rund 200 Unterstützer angereist. Diese machten durchgehend eine für die Zahl vernünftige Stimmung und konnten sich hin und wieder auch gegen den Heimsupport, den man allerdings auch schon deutlich stimmungsvoller erlebt hat, durchsetzen.

 

Peitz

 

Zweikampf

 

9. April 2017, Endstand 0:0

 

Ganz schwierige Kiste – wie sollte man sich als Holstein-Fan nach dem Abpfiff fühlen? Irgendwie war man doch ein bisschen sauer, dass aus den vielen Chancen kein Torerfolg für die KSV resultierte und es somit am Ende nur für ein mageres 0:0 auf der Anzeigetafel reichte. Gleichzeitig mischte sich in die Enttäuschung aber doch ein wenig freudige Verwunderung, dass Magdeburg doch nicht in der 90. Minute noch einen Elfmeter und Regensburg kein Tor aufgrund nicht vorhandener Abseitspositionen aberkannt bekommen hatte. Das aus der Bördestadt vermeldete 1:2 wertete das Unentschieden auf eigenem Platz plötzlich gehörig auf – bedeutete es doch aufgrund des hervorragenden Torverhältnisses den Sprung auf den 2. Tabellenplatz.

 

Bus

 

Westring

 

Gäste

 

Den Kampf darum wollten bei bestem Frühlingswetter knapp 7.000 Zuschauer sehen – da ist sicher noch Luft nach oben. Aufgrund des parallel stattfindenden Final Four im Buntsport ging die Zahl aber dann doch irgendwie in Ordnung, zudem einige sicher auch den Sonntag mit der Familie nutzen mussten. Bevor es auf dem Rasen losgehen sollte, wurde draußen zunächst einmal der neue Mannschaftsbus der Öffentlichkeit vorgestellt. Schickes Gefährt, das nächstes Jahr gerne durch Liga zwei rollen darf. Dafür müssen allerdings noch einige Punkte gesammelt werden, wobei die Konkurrenz (vielleicht mit Ausnahme des MSV Duisburg) im Moment regelmäßig schöne Vorlagen liefert. So holte der Chemnitzer FC bei Werder II tags zuvor lediglich ein torloses Remis und Osnabrück verlor in Großaspach. Aufgrund dieser Ergebnisse hofften viele Holstein-Fans darauf, dass ein paar Punkte zwischen das eigene Team und die Verfolger gebracht werden könnten. Doch diesem Vorhaben stand der SC Preußen Münster im Wege.

5. April 2017, Endstand 3:0

 

Klammheimlich hat sich Holstein im Laufe der Rückrunde zu dem Aufstiegskandidaten gemausert, der die KSV auf dem Papier schon lange war. Zwischenzeitlich langte es nur für Rang 10. Doch dann kam es langsam ins Rollen. Nach einem ein Auf und Ab und der unnötigen Niederlage in Osnabrück war einem mit Blick auf das Heimspiel gegen den Tabellenführer schon noch ein bisschen Angst und Bange. Doch der Sieg über den MSV Duisburg bei nasskaltem Nieselregen war der Beginn einer Serie ohne Niederlage.

 

mond

 

stadion

 

gäste

 

Und so ging man relativ optimistisch in die Begegnung gegen den SV Wehen Wiesbaden. Nicht wenige orakelten im voraus. Nachdem Chemnitz und Magdeburg sich tags zuvor unentschieden trennten, sähe das optimale Ergebnis wie folgt aus: Sieg Holstein, Niederlage Osnabrück. Doch wer Holstein kennt, kennt auch folgendes Gesetz: Läuft der Spieltag optimal, kann die KSV es nicht nutzen, fahren die Störche einen überzeugenden Sieg ein, so lassen die direkten Konkurrenten keine Punkte liegen.

 

Bei bestem norddeutschem Aprilwetter (Sonnenschein, Regen, Wind, Temperatursturz) durften die wieder genesenen Drexler und Lewerenz von Beginn an ran, während Schmidt nach seiner fünften Gelben, die er sich in Bremen abgeholt hat, pausieren musste. Es entwickelte sich gleich von der ersten Minute an ein munteres Drittligaspiel. Auf dem Platz sah man deutlich, dass die Wiesbadener unter Rüdiger Rehm wieder in die Spur gefunden hat, beim Blick auf den SVWW-Kader dürfte auch jedem klar sein, mit was für individueller Klasse die KSV an diesem Mittwoch zutun hatte.

 

drexler

 

Nach 180 Sekunden war es Dominick Drexler, der es aus der Distanz einfach einmal probierte und Kolke im Wehener Tor musste gleich zweimal zupacken, um das flatterige Geschoss kontrollieren zu können. Ein paar Minuten später begutachtete die Westtribüne gespannt den Eckball, welchen Wiesbaden erst einmal kurz abwehren konnte, Lewerenz schnappte sich den Ball und zog aus spitzem Winkel ab, die Gästedefensive berührte den Ball noch leicht und fertig war das 1:0 für die KSV!

 

lewo

Weserstadion Platz 11, 1. April 2017, Endstand 0:2

 

Holstein bei Werder II – da schnalzen doch Fußballhistoriker mit norddeutschem Faible mit der Zunge. Das Drittligaspiel von heute war schließlich ein Regionalliga Nord Klassiker von gestern.

Das führte zur zweiten Annehmlichkeit des Sonnabends: 3. Liga mit Regionalliga-Distanz! Kein Aufstehen mit den Zeitungsausträgern, kein stundenlanges Fahren über verstopfte Autobahnen. Zwei Stunden brauchte es von Kiel bis in die Hansestadt. Dennoch wurde etwas mehr Zeit eingeplant, schließlich versaute einem der Stau vor Hemelingen schon ein wenig die Anfahrten nach Lotte und Osnabrück. Da die Straßen frei waren, hatte man noch Zeit für einen kurzen Abstecher in die Gemeinde Ottersberg, verkehrgünstig gelegen an der A1, wo der (Holsteiner) Frühling standesgemäß mit einer Eiskreation eingeläutet wurde. Nebenbei ist Ottersberg auch noch der Heimatort von Kapitän Rafael Czichos, der beim örtlichen TSV zum ersten Mal die Fußballschuhe schnürte. Tatsächlich spielte der Innenverteidiger nie beim großen Nachbar des SV Werder, von Ottersberg ging es direkt nach Wolfsburg und dann über Erfurt nach Kiel.

 

Eis

 

Flutlicht

 

Gästeblock

 

Der Gästeparkplatz war beim Eintreffen in Bremen schon gut gefüllt, über 900 Kieler auf Haupttribüne und Gästeblock wollten heute dabei sein. Der englischen Woche musste ein wenig Tribut gezollt werden, Markus Anfang hatte wie gegen Lotte nur einen 16 Mann starken Kader zur Verfügung. Auch Spielgestalter Dominick Drexler fiel grippebedingt aus. Ins Zentrum rückte dafür Luca Dürholtz, auf der Außenbahn agierte Marvin Ducksch und in der Spitze kam Ilir Azemi zu seinem ersten Startelfeinsatz. Auf der Gegenseite erblickte man ebenfalls einige bekannte Spieler.

Michael Zetterer im Tor steht im Blickfeld der U21 Nationalmannschaft, Torben Rehfeldt, Rafael Kazior und Melvyn Lorenzen sind alte Kieler Bekannte und die Offensive mit Justin Eilers und Ousman Manneh würde sicherlich auch einigen Zweitligisten gut zu Gesicht stehen.

 

Kaze

 

Schmidt