10. Dezember 2016, Endstand 1:2

 

Klammheimlich mauserte sich die SG Sonnenhof Großaspach in den letzten Jahren zu einem etablierten Drittligisten. Einen der Verantwortlichen des Vereins spülte die erfolgreiche letzte Saison sogar schon in die 2. Liga. Nach dem schlechten Saisonstart von Arminia Bielefeld dürfte Aspachs Ex-Trainer Rehm aber nicht mehr so schnell im deutschen Unterhaus arbeiten. Mit Oliver Zapel folgte ein in Schleswig-Holstein bekannter Name auf der Trainerbank, der seit seinem Wechsel erstmals wieder nach Schleswig-Holstein zurückkehrte. Regelmäßige NLZ-Besucher erinnern sich sicherlich noch an einige polarisierende Auftritte bei Spielen seines einstigen Vereins, des SV Eichede bei der U23 der Kieler Störche.

 

Marlon

 

 

Auch ein verdienter Ex-Holsteiner besuchte zum ersten Mal mit seinem neuen Team die alte Wirkungsstätte. Da ließ es sich der Verein nicht nehmen und verabschiedete Marlon Krause vor dem Einlaufen der Mannschaften. Schöne Geste! Doch damit nicht genug der Ehrungen: Spieler kommen, Spieler gehen, nur Tim Siedschlag bleibt bestehen! Bummelig 300 Spiele hat der echte Holsteiner Jung nun schon für blau-weiß-rot bestritten. Danke Siedo! Der nächste Einsatz kam bereits gegen die SGS hinzu, denn außer dem notwendigen Wechsel von Drexler zu Fetsch, veränderte Coach Markus Anfang die Startformation aus Rostock nicht. Und den Willen aus dem Spiel um die Vorherrschaft an der Ostsee brachten die Störche auch gleich auf den heimischen Platz. Klare Orientierung nach vorne, Sonnenhof Großaspach wusste in den ersten Minuten gar nicht, welcher Ostseesturm ihnen entgegen blies. Nach vier Minuten hätte es schon 1:0 für Kiel stehen müssen. Doch der frei auf das Tor zu laufende Schindler hob den Ball zwar über Aspachs Keeper hinweg, nur leider einen halben Meter neben den Pfosten. Ein paar Minuten später knallte der Ex-Hoffenheimer eine Flanke in den Fünfer, Aspachs Keeper Broll blieb zu zögerlich und Steven Lewerenz verpasste ganz knapp mit dem Kopf.

 

jubel

 

Dann aber wieder Kingsley Schindler. Holsteins Neuzugang spielte wohl seine besten zehn Minuten im Störchedress bisher und zog nach einem kurzen Blick nach oben einfach ab, 20 Meter Torentfernung, 1:0 für Kiel! Großer Jubel auf den mit 4300 Zuschauern einmal mehr zu wenig besetzten Tribünen. Die Gäste befreiten sich in der Folge ein wenig aus der Drucksituation, Lorch probierte es nach 20 Minuten aus dem Durcheinander im Strafraum, der Schuss aber zu schwach, um Kronholm in Verlegenheit zu bringen. Holstein behielt aber die Kontrolle in der Partie. Eine halbe Stunde war bereits vorüber, da spielte Herrmann einen Pass zu Fetsch, doch aus fünf Metern schaffte es der Stürmer leider nicht zum Torerfolg. Wenn die mangelnde Chancenverwertung einen positiven Effekt hatte, dann wohl das Umstimmen einiger Fans im Umfeld, die einen Ersatz für Sané und den im Moment formschwachen Harder nach den letzten Spielen nicht mehr wirklich für nötig hielten. Fetsch bot ansonsten übrigens eine ganz gut Leistung, machte viele Bälle fest und schraubte sich mehrmals hoch, um lange Bälle gekonnt Richtung Sechzehner zu verlängern.

In der Folge gab es einige interne Konflikte im Block 501. die Stimmung ebbte spürbar ab und auch die Mannschaft lies sich anscheinend von der Situation ein wenig anstecken. Der Block J und Teile des Blockes 501 äußerten daraufhin lautstark ihren Unmut. Der Block J wohl in einer Lautstärke, in welcher wir uns den Support des eigenen Teams häufiger wünschen würden. Zu allem Überfluss fand sich Aspachs Jüllich wenig später alleine am zweiten Pfosten wieder und markierte den Ausgleich, ganz zur Freude der rund 15 mitgereisten Fans der SG.

3. Dezember 2016, Ostseestadion, Endstand 1:4

 

Dichter Nebel und Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts erwarteten die Kieler am Morgen vor der kürzesten Auswärtsfahrt der Saison. Doch zum Glück musste man als Holstein-Fan nicht zu nachtschlafender Zeit aufstehen und losfahren. Das erleichterte es einem, das warme Bett zu verlassen. Beim morgendlichen Kaffee gab es schon ein erstes gutes Omen. Bereits im Vorfeld des Heimspiels gegen Jahn Regensburg lief im Stadionvorprogramm "Loser" von Beck. Im Nachhinein hatte sich herausgestellt, dass das kein negativ behafteter Vorbote war. Und auf Radio BOB ist Verlass. Auch bevor es gen Mecklenburg-Vorpommern ging, beschallten sie uns beim Frühstück mit jenem Song.

 

Flutlicht

 

Tor

 

Der Gegner des 17. Spieltages stellte keine unlösbare Aufgabe dar. Tabellenplätze sagen in dieser Liga ja nichts aus. Stellt man allerdings die jeweilige Bilanz der letzten Spiele gegenüber, so scheint das Kräfteverhältnis recht ausgeglichen. Der FCH ging mit fünf, die KSV mit sechs Spielen ohne Niederlage in Folge ins Rennen. Auch die Zahl der Unentschieden ist bei beiden Teams rekordverdächtig. Besonders der Gastgeber bewies mit vier 1:1 eine gewisse Konstanz. Das Ergebnis am Ende des Tages dürfte damit also schon feststehen. ;)

 

Gästeblock 1

 

Süd

 

Trotz hinreichender Warnungen vor Verkehrsbehinderungen durch Glätte, wurden die rund 200 Kilometer ohne Zwischenfälle und mit entspannter Geschwindigkeit überbrückt. Ebenso wie die Störche ist auch die Kogge inzwischen zu einer festen Größe in der 3. Liga geworden. Wir für unseren Teil kommen inzwischen gerne hierher. Man wird nicht müde, das schöne Eingangstor vor der Hauptribüne (zugegeben, das bekommen Gästefans leider selten bis gar nicht zu sehen) und die (n)ostalgischen Flutlichter, die den Stadionneubau in den Jahren 2000 und 2001 glücklicherweise überlebt haben, zu bestaunen. 

 

Beide Teams können an diesem Tag im Optimalfall einen großen Schritt in Richtung Tabellenspitze machen. Auf dem teilweise von Reif überzogenen Rasen geht es mit einer Schweigeminute für die Opfer des Flugzeugabsturzes in Kolumbien, bei dem der Großteil des Teams des brasilianischen Erstligisten AF Chapecoense ums Leben gekommen war, los.

 

FCH03122016

(Klick zum Vergrößern)

„I'm a loser, baby, so why don't you kill me“

 

Manchmal fragt man sich schon, aus welchem Grund es bestimmte Songs in die Pre-Match-Playlist (man verzeihe an dieser Stelle den Anglizismus) schaffen. Wobei in den letzten Wochen bei der Musik im Holstein-Stadion ein klarer Auswärtstrend festzustellen ist. „Rock the Casbah“ von The Clash wird dann innerlich schon ein wenig gefeiert, richtig Freude kommt dann allerdings bei einem Song der Kieler Band Denkedrans auf, der bisher selten bis nie im Rund zu hören war. „Solange Holstein Lübeck schlägt“ - sehr gut!

 

 

Auch ansonsten gab es vor dem Spiel positives zu hören: Verein und Sektion Spielsucht hatten am Vorabend anscheinend Gespräche in guter Atmosphäre geführt. Ergebnis: Kollektivstrafe aufgehoben. Richtig so, weil jetzt auch wieder alle Kraft auf den Support des Teams verwendet werden kann. Und dass das auch durchaus notwendig ist, zeigte die sicher nicht zufriedenstellende Punkteausbeute der letzten Wochen. Wobei das 2:2-Unentschieden der Vorwoche in Chemnitz fast durchweg positiv bewertet wurde.

 

Gäste

 

West

 

Also gegen Regensburg am besten gleich mit der kämpferischen Einstellung weitermachen und den Dreier einfahren. Im Gästeblock fand sich ein kleiner, aber supportwilliger Haufen ein. Etwas weniger Leute als bei den letzten Auftritten und auch ohne Choreo oder Intro. Trotzdem hat man ein wenig den Verdacht, dass die Schlachtenbummler aus dem Freistaat selbst zu zehnt ganz gut aussehen würden. Kompakt stehen, schickes Fahnenmaterial, gute Liedauswahl. Schön diese Szene wieder in der dritten Liga an Bord zu haben.

 

Milad

 

Fetsch

 

In Hälfte eins blieb auch genug Zeit ein wenig die Stimmung auf den Tribünen zu verfolgen, kam das Geschehen auf dem Feld bei nieselig-herbstlichem Wetter ein wenig schwer in Gange. Holstein, im Vergleich zum letzten Spieltag mit Salem, Lewerenz und Fetsch in der Startelf, befand sich zwar meistens im Vorwärtsgang, bis auf einen Schuss vom Drexler aus der Halbdistanz nach zwölf Minuten wurde der Schlussmann der Gäste aber kaum geprüft. Auf der Gegenseite trat der SSV nur einmal offensiv gefährlich in Erscheinung: Beim Abschluss von Thommy musste sich Kenneth Kronholm aber schon mächtig lang machen, um nicht unverdient in Rückstand zu geraten.

 

Alex

 

Jubel 1

 

Jubel 2

19. November 2016, Stadion an der Gellertstraße/community4you Arena, Endstand 2:2


Chemnitz – von der Distanz her, eine der letzten Auswärtstouren, wo eine realistische Chance besteht, vor Mitternacht wieder zurück in der Heimat zu sein. Ja, als Kieler ist man Kummer gewohnt und blickt manchmal ein wenig mit Neid auf die Vereine in der Mitte Deutschlands, deren Anhänger sich schon bei Touren um die 300 Kilometer aufregen. Aber hilft ja alles nicht. So geht es am sehr frühen morgen auf de Autobahn, um noch zwei Mitfahrer einzusammmeln und dann Richtung Südwesten Sachsens zu fahren.

 

Einer der Zusteiger verkündet, dass an diesem Sonnabend der „Tag des Klos“ sei, woraufhin der Fahrer antwortet, dass es hoffentlich keinen Griff ins Selbige gäbe. Dass auf das ritualisierte Auf-Holz-Klopfen verzichtet wird, soll sich noch rächen... Hat jemand zufällig einen Lapop oder Netbook günstig abzugeben? Ernst gemeint, denn das des Schreibers wird leider durch den südostdeutschen Dauerregen wenig später gekillt. :( Also gerne melden...


Doch wieder zurück auf die Autobahn. Die ist ein paar Stunden vorher wunderbar frei und so wird sich ein kleiner Umweg erlaubt. An Leipzig vorbei geht es zunächst ein einen kleinen Ort, in dem der eine oder andere Holstein-Fan schon gewesen ist. Die Autobesatzung gehört in großen Teilen auch dazu, allerdings war damals eine kleine „Sehenswürdigkeit“ des Ortes unbekannt gewesen. Denn in Meuselwitz gibt es nicht nur die heute noch bespielte Bluechip Arena (ehemals Glaserkuppe Zipsendorf oder Ernst-Grube-Stadion), sondern auch noch das Helmut-Just-Stadion, wo einst die durchaus DDR-weit bekannte BSG Motor Meuselwitz kickte. Ehemals fasste das Rund bis zu 12.000 Zuschauer. „Ehemals“ stimmt hier wirklich sehr, denn aufgrund des Kohleabbaus in der Region kam es immer wieder zu Bodenabsenkungen, weshalb die Spielstätte 1993 verlassen wurde. Nach 23 Jahren hat sich die Natur vieles zurückerobert, aber halt nicht alles.

 

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Nach dem Abstecher zu diesem „Lost Ground“ geht es dann in Richtung Neubau, wobei in der auf dem Weg liegenden Skatstadt Altenburg noch ein paar einheimische Spezialitäten in Form von Senf und Bier eingeshoppt werden. Vom Supermarkt des Vertrauens ist es dann nicht mehr wirklich weit, biss zum eigentlichen Ziel des Tages.


Zeit für ein paar philosophische Gedanken: Wenn man ein zur Hälfte fertiggestelltes Stadion besucht, ist das dann eigentlich nur ein halber Punkt? Vermutlich kann diese Frage nur die Hopping-Polizei entscheiden. ;) Aber zumindest in Sachen Chemnitz steht diese Frage zum Glück nicht mehr zur Diskussion. Denn während Holstein zuletzt auf der Baustelle an der Gellertstraße zu Gast war, dürfen die Störche inklusive Anhängerschaft diesmal endlich das vollständig hergestellte Stadion des CFC bewundern.

 

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(Klick aufs Bild für größere Ansicht)

5. November 2016, Endstand 0:0

 

Hurra, Hurra, der Herbst ist da!

 

 

aussen

 

Leider sieht dieser in Schleswig-Holstein so aus, wie man ihn sich an der Küste auch wirklich vorstellt: grau, nass und kalt. Diese latente Ungemütlichkeit zog sich auch durch einige Meldungen aus dem Umfeld der KSV in der letzten Woche: Saliou Sané findet sich aufgrund einiger Undiszipliniertheiten dauerhaft in der Zweiten wieder, Steven Lewerenz entschuldigte das Fernbleiben vom Training nicht ausreichend und durfte einen Spieltag pausieren. Alexander Bieler war noch nicht wieder richtig fit und schon war es relativ einfach für Markus Anfang, die erste Elf zusammen zu stellen. Manuel Janzer bekam einmal mehr das Vertrauen des Trainers, außerdem spielte Milad Salem von Anfang an für blau-weiß-rot. Mit Rafael Czichos und Dominick Drexler standen dazu zwei ehemalige Erfurter in der Startaufstellung. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus wurde einmal mehr mit Applaus auf dem Rasen begrüßt, ob ihr neuer Lebensgefährte Howard Webb auf der Tribüne war, ist leider nicht überliefert.

 

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Der Block 501 hatte ein kleines Intro für die Partie vorbereitet, schöner Stimmungsaufheller im doch so trüben November an der Förde. Die Erfurter Fanszene durfte heute mit 488 km ihre weiteste Auswärtsfahrt antreten. Insgesamt 120 Gäste dürften es aus der Landeshauptstadt von Thüringen in den Norden geschafft haben.

 

gäste

 

erfurt

 

Die sahen eine Partie an die ihrer Mannschaft nicht so wirklich teilnehmen wollte. Die Gäste hatten sich auf tiefem Geläuf darauf verständigt, in erster Linie das Holsteiner Angriffsspiel zu verhindern. Das klappte auch ganz gut, denn die KSV fand nur schwer in die Partie und hatte erst in der 22. Minute ihrer erste Torannäherung zu verzeichnen: Drexler setzte sich gut durch, ging nach Außen und zog aus spitzem Winkel ab, Erfurts Menz klärte zu einem der zahlreichen Eckbälle der Kieler.