04. März 2017, Endstand 2:1

 

Obwohl schlechtes Wetter vorhergesagt war, fühlte sich die vergangene Woche schon an, wie die ersten Vorboten des Frühlings. Trotz der Niederlage in Zwickau fanden sich vielleicht auch aufgrund der angenehmen Witterung an die 5.000 Zuschauer im Holstein-Stadion ein. Vielleicht lag es aber auch am Gegner, schließlich spielte der SC Paderborn im Mai 2015 noch in der 1. Bundesliga und beschäftigte in der letzten Saison noch eine schillernde Persönlichkeit wie Stefan Effenberg. Auch für einige Kieler Spieler gab es ein Wiedersehen mit ihrem alten Verein: Niklas Hoheneder und Marvin Ducksch schnürten einst die Stiefel für die Blau-Schwarzen. Diese bewiesen im Winter, dass an der Pader auch noch ein wenig Geld auf dem Konto war, Heidinger kam von Greuther Fürth und mit Riskii spielt der Toptorschütze der ersten finnischen Liga nun in Paderborn. Auch sonst ist der SC mit einem namenhaften Kader bestückt, das spiegelt sich aber nicht in der Tabelle wieder.

 

 

 

Dominik Schmidt war aufgrund seiner Ampelkarte aus Zwickau gesperrt, ihn vertrat Niklas Hoheneder. Paderborn begann druckvoll und engagiert. Wenn man eines in dieser dritten Liga gelernt hat, dann, dass der Tabellenplatz nichts mit der spielerischen Klasse zu tun hat. Nicht einmal zehn Minuten waren gespielt, da segelte ein langer Ball auf Holsteins linke Seite. Lenz war aufgerückt, sodass Zolinski Lewerenz ziemlich unglücklich aussehen ließ und Kronholm mühelos überwindete. Nackenschlag für die KSV und eine Bestrafung für die anfängliche Passivität der Störche. Holsten wachte nun auf und begann etwas mutiger den Weg nach vorne zu suchen. Nach einer Viertelstunde blieb Paderborns Christian Strohdiek an der Außenlinie liegen, Holstein schaltete schnell um, Drexler bediente Schindler in der Schnittstelle und Ausgleich. Das ging schnell, tolle Kombination, schnelles 1:1.

 

 

Holstein blieb jetzt dran. Herrmann spielte den Ball in seinem 201. Ligaspiel in den Fünfer und der Vorbereiter des 1:1 Drexler kam nicht rechtzeitig mit einem Körperteil an das Spielgerät. Das Spiel wurde jetzt ein wenig giftiger, besonders Paderborn versuchte es über den Kampf. Aber auch spielerisch ging beim Absteiger einiges, Koen van der Biezen probierte es einmal und Kronholm hielt reaktionsschnell das 1:1.

 

Dennoch hatte Holstein nach einer halben Stunde das Spiel im Griff. Torschütze Schindler versuchte es gegen Kruse und auch Lewerenz zog aus der Distanz ab – dieses Spiel ein gern gewähltes Mittel – der Ball flatterte und bereitete dem Keeper schon mehr Probleme, gute Aktion des wieder gesunden Lewerenz. Holstein schaffte es heute endlich einmal über den Kampf ins Spiel zu finden, konnte aber auch spielerisch überzeugen. Auch Dominick Drexler schaltete sich immer wieder ins Offensivspiel ein. Nach 37 Minuten versuchte er es aus 20 Metern von halb rechts, Kruse flog zwar in Richtung Lattenkreuz, der Ball strich aber knapp über das Tor. Danach ging es in die Kabinen und man war sich einig, dass man in dieser doch oft nicht von spielerischen Fähigkeiten geprägten Liga eine ganz ansehnliche erste Hälfte gesehen hatte.

Stadion Zwickau, 26. Februar 2017, Endstand 0:1

 

Zwickau – für viele Kieler ging es sicherlich das erste Mal in die Stadt an der Mulde. Eigentlich kaum zu glauben, schwärmte doch einst Melanchton: „Eine Perle in diesen Landen ist Zwickau von jeher gewesen […]. In Kunst und Wissenschaft übertrifft Zwickau alle Städte dieser Lande.“ Und mit dem FSV Zwickau hat diese Perle in Westsachsens ein sportliches Aushängeschild, das seit dieser Saison auch wieder drittklassig ist und somit den Anlass zum Besuch bot.

Gegründet wurde der Vorgängerverein des heutigen FSV im Meisterjahr der KSV, 1912, unter dem Namen Planitzer SC. Gemeinsam mit Vereinen wie dem Dresdner SC, dem Vogtländischen FC Plauen oder VfB Leipzig spielte man von 1933 bis 1945 in der Gauliga Sachsen und konnte 1942 den dortigen Titel erringen und scheiterte in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erst im Viertelfinale gegen den First Vienna FC.

Wie allen Vereinen ereilte dem Planitzer SC das Schicksal der Vereinsauflösung in der Sowjetischen Besatzungszone. Es folgte die Neugründung als SG Planitz und ab 1948 der Betrieb als Betriebssportgemeinschaft. Zunächst als ZSG Horch, dann als BSG Motor. Es folgte die erfolgreichste Zeit mit einem Meistertitel und drei Pokalsiegen. 1968 bis zur Auflösung der DDR firmierten die Zwickauer unter BSG Sachsenring. Obwohl 1990 die Zeit des FSV Zwickau begann, halten die Fans die BSG Sachsenring bis heute in Ehren. Davon vier Jahre in der 2. Bundesliga. Es folgte der tief Fall bis runter in die Landesliga. Elf Jahre später kehrte Zwickau 2016 zurück auf die deutschlandweite Fußballbühne.

 

Flutlicht

 

Schwan

 

Im Hinspiel konnte sich Holstein relativ deutlich mit 3:0 durchsetzen. Dies in Kombination mit dem 5:1-Kantersieg gegen Fortuna Köln am vergangenen Spieltag und der Hoffnung den Relegationsplatz drei zu erklimmen, ermunterte knapp über 100 Kieler sich auf den Weg zu machen. Viele, wie auch wir, nutzten die Ansetzung am Sonntag für ein Fußballwochenende in Deutschland und Tschechien, dessen krönender Abschluss im „Stadion Zwickau“ stattfinden sollte. Der moderne Neubau auf der Grünen Wiese ersetzte zu Beginn der Saison des wunderschöne Westsachsenstadion, dessen Renovierung leider zu teuer wurde. Wobei Eröffnung zu Beginn der Saison nicht ganz geschafft wurde, weshalb das erste Heimspiel im Stadion der befreundeten SG Dynamo Dresden ausgetragen werden musste. Gut, im Vergleich zu anderen Großbauprojekten, gerade im Berliner Raum, ist eine solch minimale Verzögerung eigentlich zu vernachlässigen. Die 21 Millionen wurden zudem gut investiert. Der Bau hat durchaus einen eigenen Charakter und bietet 10.134 Personen Platz, wobei in den Ecken noch Ausbaureserve vorhanden ist, falls sich der FSV zu höheren Zielen aufschwingt.

 

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18. Februar 2017, Endstand 5:1

 

Ein bisschen fühlte es sich so an, als wäre es die Premiere nach der Winterpause. Tatsächlich war das Heimspiel an diesem Sonnabend aber nur das erste Spiel nach dem ausgefallenen Lotte-Spiel. Das dadurch entstandene freie Wochenende hatte der KSV-Fan gezwungenermaßen vor allem damit verbracht, die Konkurrenz zu beobachten, die netterweise nicht wirklich davon gezogen war. Nun war es aber wieder Zeit, selbst in den Ring zu steigen. Auf dem heimischen Geläuf erwarteten die Störche die Kölner Fortuna. An das Hinspiel in der Südstadt denkt wohl keiner mehr wirklich gerne zurück. Die 0:1-Niederlage, die Trainer Karsten Neitzel am Ende den Job kostete, wurde damals von Saliou Sané gekrönt, der es innerhalb von sechs Minuten schaffte, sich die Ampelkarte bei Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus abzuholen. Eine der auffälligsten Aktionen des Stürmers in dieser Saison – und so wurde Sané, auch aufgrund einiger Disziplinlosigkeiten, einige Wochen später auch aus dem Kader gestrichen.

 

Doch zurück ins Hier und Jetzt. Beziehungsweise zunächst kurz in die Tage zuvor, denn da vermeldeten die Trainingsbeobachter einige besorgniserregende Neuigkeiten. Neben der bisherigen Holstein-Lazarett-Gruppe fielen zwischenwöchentlich auch noch Manuel Janzer (vor allem in der ersten Hälfte im Heimspiel gegen Aalen mit einer respektabel guten Leistung) und der Fußballgott persönlich auszufallen (klar, dass nur Viren und kein Gegenspieler Patrick Herrmann umhauen kann). Da wurde sich im Stadion schon umso mehr gefreut, als beide bei der Mannschaftsaufstellung über die LED-Wand flimmerten. Herrmi ist natürlich die konstante Bank hinten rechts, aber auch auch Janzer überzeugte in den letzten Wochen immer mehr. Bei der Kölner Fortuna fällt Ex-Storch Maik Kegel schon länger mit einem Kreuzbandriss aus, Kusi Kwame spielt als Außenverteidiger aber immer einen ganz soliden Stiefel, das hätte man in Kiel auch nicht gedacht. Neben den bekannten Jungs auf dem Rasen gab es auch auf der Tribüne einiges zu sehen. In Schleswig-Holstein ist bekanntlich doppelter Wahlkampf angesagt und Ministerpräsident Albig hatte sich SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz eingeladen, heute feinen Drittligafußball zu sehen. Beide verfolgten das Spiel mit KSV-Schal, Schulz kam in der Halbzeit sogar noch bei York Lange zu Wort.

 

Herrmi

 

Martin Schulz

 

Die Traversen füllten sich nur langsam, am Ende wollten keine 4000 Zuschauer das Aufeinandertreffen sehen. Schon recht bitter, aber ein Blick auf die Tabelle zeigt eben nur den 10. Platz und das ist es, was für viele offensichtlich zählt. Die anwesenden Kieler wurde aber einiges geboten, Martin Schulz tippte in der Halbzeit sogar optimistisch einen 4:1 Sieg.Trainer Uwe Koschinat und seine Kölner zogen ihr bekanntes Spiel auf. Aus einer sicheren Defensive wurde der Gegner früh angelaufen und attackiert. Das gelang auch ganz gut, Holstein schaffte es zwar ein ums andere Mal nach vorne, richtig gefährlich wurde es aber nicht. Die Fortuna ließ den Ball auch ganz gut zirkulieren, die erste halbe Stunde brachte ein ganz vernünftiges Drittligaspiel mit zwei engagierten Teams. Markus Anfang war aber doch nicht ganz zufrieden, er rief immer wieder Kommandos auf das Feld und dirigierte seine Störche mit zahlreichen Handbewegungen.

4. Februar 2017, Endstand: 2:2

 

„Nein, danke. Mir ist der Appetit vergangen. Wenn du so ein Spiel nicht gewinnst, was willst du dann noch machen?“, so die Kurzanalyse eines stadtbekannten Holstein-Expertens einer Kieler Zeitung. Und dabei war das angebotene Nackensteak durchaus ein kleines Highlight.

 

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Zwei Stunden zuvor wies noch wenig darauf hin, dass es nach Abpfiff fast der einzige Grund zur Freude sein sollte.

 

Heimauftakt 2017, die Temperaturen im erträglichen Bereich und nach der zweiten Halbzeit Frankfurt durchaus die berechtigte Hoffnung, dass es diesmal vielleicht für drei Punkte reicht. Personell galt es im Spiel gegen die Elf von Peter Vollmann den gelb-rot-gesperrten Kingsley Schindler zu ersetzen, für ihn rückte Manuel Janzer in die Startelf. Zudem kehrte auch Innenverteidiger Dominik Schmidt nach seiner Sperre zurück in die Innenverteidigung. Ehe es auf dem Feld zur Sache gehen sollte, wurde noch Jockel offiziell verabschiedet - besser spät als nie. 

 

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Holstein legte richtig gut los, druckvoll und fokussiert. Und bereits nach nur fünf Minuten stand es 1:0 für Blau-Weiß-Rot. Mathias Fetsch war noch am Aalener Keeper gescheitert, den Abpraller verwertete Janzer per spektakulärem Seitfallzieher. Befreiender Jubel über den ersten Treffer 2017, allerdings auch ein bisschen Sorge, dass dieser etwas früh gefallen sein könnte.

 

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Diese Sorge wich mit zunehmender Spieldauer, da Holstein absolut dominant war, und nach einer halben Stunde in Person von Steven Lewerenz nachlegte. Vorbereitung wieder von Mathias Fetsch, der an der Mittellinie Ex-Storch Robert Müller den Ball abgeluchst hatte. Bis zur Halbzeit kein Grund zur Sorge – es hätte so schön sein können.

 

28. Januar 2017, Stadion am Bornheimer Hang/Frankfurter Volksbank Stadion, Endstand 0:0

 

Im Jahr 881 fielen die Wikinger im Rheinland ein und wüteten im Großraum Aachen, um das Jahr 1000 landeten sie auf dem nordamerikanischen Kontinent und nannten das entdeckte Fleckchen Erde Vinland.

 

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In der jüngeren Vergangenheit ist es ruhig um das metliebende Völkchen geworden. Bis zum Jahr 2017. Mit dem Ziel, reiche Beute in Form von drei Punkten zu machen, zogen rund 250 Nordmänner nach Hessen. Es fand ein erbitterter Kampf auf dem Schlachtfeld in Francorum vadus statt.

 

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Bereits früh zeigten sich die Hessen als hartnäckiger Gegner und sie leisteten größten Widerstand. Statt eleganten Finten und platzierten Hieben, wurde mit gröbsten Einsatz gerungen. Noch bevor die erste Hälfte des Gefechtes vorbei war, gab es bereits einen ersten Verlust zu beklagen.

 

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Ausgerechnet der König (Kingsley Schindler) fiel dem gnadenlosen Schiedsgericht zum Opfer und musste das Schlachtfeld verlassen. Doch die Nordmänner versuchten sich von der Unterzahl nicht beeindrucken zu lassen, formierten sich neu und setzten ihren Kampf auch in der zweiten Hälfte unbeirrt fort. Lange Zeit hing es an der hintersten Verteidigungslinie, dem wackeren Schlussmann, der aus dem fernen Vinland importiert wurde (Kenneth Kronholm), dass die Hessen keinen wichtigen Schlag gegen das eigene Lager erzielen konnten.

 

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Nach einer Pause in der Schlacht mit Apfelwein und Wurst vom Rind packten Teile des Gefolges einiges an Zauberwerk aus, um die nordischen Fußballgötter zu beschwören. Blau-weiß-rotes Feuer erleuchtete den Himmel um den Helden den Weg zu weisen.

 

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