17. Februar 2018, Endstand 2:2

 

Holstein Kiel gegen Erzgebirge Aue – das war auch ein wenig die Rückkehr des verlorenen Sohnes, schließlich coachte Hannes Drews das erste Mal seit seinem Wechsel von Holsteins U19 zu Erzgebirge Aue sein neues Team im Kieler Holstein-Stadion. Drews ist weiterhin noch amtierender Trainer des Jahres in Schleswig-Holstein, in Sachsen dagegen blies ihm in den letzten Wochen ein stärkerer Wind entgegen. Der FCE taumelte immer weiter in Richtung Abstiegszone und Aues Coach machte bei Gesprächen mit den Medien zu seiner eigenen Zukunft nicht immer die beste Figur. Der Verein hielt aber trotz Selbstzweifeln seines Trainers an ihm fest, Präsident Leonardt stärkte ihm demonstrativ den Rücken. Auch aus Kieler Sicht wäre es sicherlich erfreulich, wenn sich ein Trainer aus dem eigenen Stall im Profibereich etablieren könnte.

 

Hannes

 

Anfang

 

Trotz der kleinen Ergebniskrise im Kieler Lager kam an der Förde im Gegensatz zum Erzgebirge keine große Unruhe auf. Trainer Markus Anfang legte den Fokus immer wieder auf die bereits erreichte Punktzahl und unterstrich sein Desinteresse gegenüber dem Tabellenbild. Gleichzeitig zeigte sich Holsteins Trainer aber auch genervt ob der vielen Fragen zu seiner Zukunft, stellte dann auch klar, dass er bis Sommer in Kiel bleibt. Gut, so schlau war man auch vorher. Mal schauen, ob Anfang auch nach Sommer auf der Kieler Trainerbank Platz nimmt.

 

Aue-Bär

 

An das Hinspiel in Sachsen erinnerten sich die KSV-Fans noch gerne, im Herbst vergangenen Jahres holte die KSV im halbfertigen Erzgebirgsstadion mit 3:0 alle drei Punkte mit nach Schleswig-Holstein. Ganz so rosig sah es beim Auftritt in der vergangenen Woche in Kaiserslautern nicht aus. Beim Spiel in der Pfalz ärgerte man sich eine Woche zuvor nicht nur über die verpassten drei Punkte, Patrick Herrmann sah zu allem Überfluss seine fünfte gelbe Karte und der gerade erstarkte Amara Condé fällt mit einem Mittelfußbruch acht bis zwölf Wochen aus. Für den Fußballgott durfte Sebastian Heidinger seit langer Zeit wieder von Anfang an ran, Lewerenz ersetzte Condé. Durch die Ausfälle rückten mit Besuschkow und Siedschlag auch Spieler ins Aufgebot, die noch gar nicht oder länger nicht mehr im Kader standen.

 

Duckschi

 

Conde

 

Schiedsrichter Schlager aus Rastatts hatte gerade erst in seine Pfeife geblasen, da ging Sebastian Heidinger schon recht rustikal zu Werke und sah nach 20 Sekunden gleich die erste gelbe Karte. Das war schon rekordverdächtig, brachte dem Referee, ob berechtigt oder nicht, gleich den Unmut des Publikums. In den ersten Minuten war das Spiel von vielen Unterbrechungen geprägt, nach einer Viertelstunde entspannte sich alles wieder mehr und Holstein suchte den Weg nach vorne – und das absolut erfolgreich. Heidinger spielte Drexler auf der Außenbahn an, der fand am Rande des Fünfers den blank stehenden Ducksch und endlich konnte Holsteins Goalgetter wieder aus dem Spiel treffen! Holstein suchte konsequent den Weg nach vorne, Aue fand in der ersten Zeit nicht statt. Und das gefährliche Duo aus der zwölften Minute hatte seinen nächsten Auftritt: Ecke Ducksch, der Ball erreicht Drexler, der keine Mühe hat, den Ball gegen die Laufrichtung von Martin Männel zum 2:0 zu verwandeln.

 

Holstein hatte das Spiel im Griff, der Ball lief gut durch die eigenen Reihen, während die Gäste sich nicht wirklich befreien konnten. Da rieb man sich in der 37. Minute aus zweierlei Gründen die Augen: Zum einen zappelte auf einmal der Ball zum Anschlusstreffer im Netz, zum anderen war wohl einzig Schiedsrichter Schlager, der kein Foul darin sah, dass Cacutalua Kronholm im Luftkampf anging. Auch der Torschütze guckte zunächst skeptisch zum Referee, um sich dann über den Anschlusstreffer zu freuen. Zu Holsteins Leid wurde die Freude wenige Sekunden später noch größer, als wieder Cacutalua aus fast 20 Metern Holstein Keeper per Bogenlampe zum Ausgleich überwandt.

 

Stadionverbotler

 

Spielstand

 

Im zweiten Durchgang konnte Holstein seine anfängliche Dominanz nicht mehr aufrechterhalten, auch wenn die Störche weiter den Weg in die Offensive suchten und Aue sich überwiegend in der eigenen Hälfte verschanzte, um vereinzelt Nadelstiche zu setzen. Genug Chancen für den ersten Sieg seit Monaten waren für Holstein vorhanden, aber Ducksch nagelte einen Freistoß an die Latte, der eingewechselte und engagierte Besuschkow verfehlte das Tor aus 20 Metern knapp und kam mit dem Kopf zu spät für eine gute Flanke von Aaron Seydel.

 

Meh

 

Am Ende blieb wieder eine ordentliche Leistung für die KSV, jedoch ohne einmal wieder dreifach zu punkten. Man hat aber dennoch das Gefühl, dass die Mannschaft weiter gefestigt ist und sich nicht beirren lässt, den angefangenen Weg auch weiterzugehen. In Kiel jedenfalls bläst niemand Trübsal. Auch für den „verlorenen Sohn“ dürfte der vernünftige Auftritt seiner Elf wieder für eine ruhigere Woche in Aue sorgen. Weniger ruhig dürfte es dagegen in der kommenden Woche am Millerntor werden. Vor der Saison hätten wohl viele von einem ruhigen Nordduell gegen die Elf vom Kiez gesprochen. Doch Zeiten können sich ändern und man darf gespannt sein, was am Sonntag auf Rasen und Rängen beim FC St. Pauli passiert.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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