10. März 2018, Ruhrstadion, Endstand 1:1

 

"Letzte Saison sind die auf 'nem Samstag noch Trecker gefahren oder haben Fische gefangen. Da haben die sich noch nicht für Fußball interessiert..." - dieses Zitat eines Bochumers trifft es vielleicht nicht ganz. Aber zumindest stimmt es, dass wir noch vor einiger Zeit höchstens davon geträumt haben, dass unsere Mannschaft in einem Kultstadion wie dem Ruhrstadion aufläuft. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Begeisterung für den Kieler Fußball in den letzten Monaten exponentiell gestiegen ist. Mit anderen Worten: inzwischen hängt wann wir Trecker fahren und Fische fangen davon ab, wann Holstein spielt.

 

Doch bevor es ins Zentrum des mittleren Ruhrgebietes ging, nutzen viele Kieler, darunter auch eine Abordnung von CCK, die Gelegenheit und nahmen am Freitagabend mit der Partie Rot-Weiß Essen gegen SG Wattenscheid 09 einen echten Regionalliga West - Klassiker mit. Der Sonnabendmorgen grüßte mit Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen. Der Bock auf das Spiel stieg damit noch weiter.

 

Frühling

 

Bochum gilt nicht erst seit dem Film "Pottoriginale" als Kult. 1938 durch die Fusion mehrerer Vereine deren Ursprünge auf das Jahr 1848 zurück gehen, entstanden, hat der Verein spätestens ab den 50er Jahren an Bedeutung gewonnen. Nach Jahren der Dritt- und Zweitklassigkeit begann mit dem Aufstieg in die Bundesliga die große Zeit als "Graue Maus" im Fußballoberhaus. 22 Jahre mehr oder minder mittelmäßiges Dasein, oft Kampf um den Klassenerhalt - was für viele nach einem unattraktiven Image klingt, hat sich der VfL zum Markenzeichen gemacht. Noch heute ist das Maskottchen des Kinderclubs eine Maus - allerdings in Vereinsfarben. Gerade als die Bochumer Fans ihren Verein als unabsteigbar feierten, kam 1993 der bittere Gang in die Zweitklassigkeit. Es folgten Jahre als klassische Fahrstuhlmannschaft. Der bis dato größte Erfolg war wohl der 5. Platz in der Bundesliga und damit die Qualifikation für die Teilnahme am UEFA-Pokal 1997, in dem der VfL nach den Begegnungen gegen Trabzonspor und FC Brügge erst im Achtelfinale an Ajax Amsterdam scheiterte.

 

jesus Gerrit

 

Weitere Jahre Auf und Ab folgten - 2004 schloss die einstige graue Maus die bis heute erfolgreichste Saison ihrer Geschichte erneut auf Platz 5 ab und durfte somit wieder auf der internationalen Bühne antreten. Hier allerdings scheiterte die Elf von der Castroper Straße bereits in der ersten Runde an Standard Lüttich. Seit 2010 heißt der Alltag in Bochum 2. Bundesliga. In den letzten Jahrzehnten nahmen viele prominente Namen auf der Trainerbank Platz. Ob nun Hermann Gerland in den 80er Jahren, Klaus Toppmöller, Ernst Middendorp und "Ennatz" Dietz in den 90ern oder nach der Jahrtausendwende Marcel Koller, Heiko Herrlich oder sogar zwei Mal Peter Neururer, der bei seiner Rückkehr 2013 einen gewissen Karsten Neitzel im Ruhrstadion beerbte.

 

Ruhrstadion

 

Mittelpunkt des Kults um den VfL ist auch das Ruhrstadion. Genau wie die Störche trägt Bochum seine Spiele seit 1911 am gleichen Ort aus. Zunächst noch ein Sportplatz auf einer vom Bauern gepachteten Wiese ("Dieckmanns Wiese"), wurde 1921 ein Stadion mit Platz für gleich 50.000 Zuschauern errichtet. Ab den 50er Jahren gab es eine überdachte Sitzplatztribüne und 1971 wurden mit dem Aufstieg in die Bundesliga die nächsten Modernisierungsarbeiten vorgenommen. Zunächst noch mit Leichtathletikanlage, wurde ab 1976 ein umfassender Umbau zu einem reinen Fußballstadion in Angriff genommen. Hierbei musste zwischenzeitlich auch ausgewichen werden und zwar nach Herne ins Stadion am Schloss Strünkede sowie ins Westfalenstadion in Dortmund. Ab 1979 erstrahlte das Stadion unter dem Namen Ruhrstadion Bochum in seinem neuen Glanz und hat sich bis auf nötige Veränderungen in Sachen Infrastruktur und Sicherheit von Außen bis heute kaum verändert. Sogar die für Bundesligastadien der 70er und 80er Jahre typischen Pinkelrinnen auf den Männertoiletten können bis heute "bewundert" werden. Insgesamt lohnt sich ein Besuch an der Castroper Straße - denn irgendwann wird sicher auch dieses letzte Stück Bundesligageschichte einer Allerweltsarena weichen. Für die Nostalgiker und Bochumer ist allerdings zu hoffen, dass das noch sehr sehr lange dauern wird.

 

Panorama

 

An der Currywurst-Front gibt es rund um das Stadion in Bochum übrigens gleich zwei Möglichkeiten. Außerhalb des Stadions ist der aus „Pottoriginale“ bekannte Imbiss an der Tanke einen Besuch wert. Leckere Currywurst und ne ordentliche von Chef „Pommes-Horst“ handgemachte Sauce sind genauso empfehlenswert, wie das Schaschlik oder die gegrillte Mettwurst. Im Stadion gibt es hingegen das Produkt der Fleischerei Dönningshaus, der von Bochum-Urgestein Herbert Grönemeyer eine musikalische Liebeserklärung gemacht wurde. Viele schwören auf letztere Currywurst, da sie die „Echtere“ Bochumer sein soll. Das kann CCK zwar nicht beurteilen, jedoch bestätigen, dass beide sehr unterschiedlich, aber jede für sich lecker ist.

 

 

Imbiss

 

Curry 1

 

Curry 2

 

Grönemeyer liebt aber nicht nur die Currywurst, sondern auch den VfL. Mit seinem „Bochum“ hat er eine DER Vereins- und Stadthymnen geschaffen. Und vermutlich verursachte die Atmosphäre, trotz rund 13.000 freier Plätze, vorm Anpfiff auch dem einen oder anderen Fan der Gästemannschaft eine kleine Gänsehaut, wenn das Heimpublikum zu dem Stück die Schals in die Höhe hielt und mitschmetterte. Vor offiziell 14.939 Zuschauern legte besonders die Heimmannschaft stark los. Acht Minuten war das Spiel alt, als Kevin Stöger die Gastgeber quasi aus dem Nichts in Führung brachte. Zugute kam ihm dabei, dass erst Kinsombi, der den verletzten Kapitän in der Innenverteidigung vertrat, und eine Aktion später auch Patrick Herrmann im gegnerischen Strafraum "avglitschten" und es dem Angreifer von Bochum unfreiwillig leicht machten, denn Ball, abgefälscht vom Fußballgott persönlich an Kronholm vorbei zu bekommen. Es sah so aus, als würde sich die KSV schwer tun, in die Partie zu kommen. Der Ball lief nicht so flüssig und gekonnt durch die Reihen, wie es noch am vorherigen Sonnabend gegen den MSV Duisburg der Fall war. In Halbzeit zwei sah das Bild dann anders aus. Holstein deutlich sicherer am Ball und offensiv stärker, doch noch wirkte das Team der Gastgeber engagierter und kampflustiger. In der 61. Minute machte sich dann die Einwechslung von Weilandt nach Pause bezahlt. Dieser konnte den Ball über die Bochumer Abwehr hinweg passen und ermöglichte Ducksch seinen 14. Treffer in der laufenden Saison.

 

Döpdöpdöpdöp

 

Jubel Mühling

 

Der mit mehr als 1.000 Kielern vollgestopfte Gästeblock explodierte förmlich. Und auch die auf der Haupttribüne verstreuten rund 100 Kieler jubelten. Insgesamt war die Stimmung auf Seiten der Holsteiner blendend und der Support immer mal wieder gut im ganzen Stadion zu hören. Schließlich war das der erste Besuch im Ruhrstadion und musste gebührend gefeiert werden. Auf Bochumer Seite war die Stimmung anders als gewohnt. Nach der beschlossenen Ausgliederung, sind die Ultràs aus Protest von ihrem Stammplatz in der Ostkurve inzwischen auf die Haupttribüne umgezogen und verfolgen die Spiele schweigend. Als Konsequenz zeigte sich der Support hinterm Tor eher in einem Oldschool-Gewand und deutlich spielbezogener.

 

Gästeblock

 

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Auf dem Rasen ging es inzwischen auch auf beiden Seiten deutlich kämpferischer zu. Meistens mit Vorteilen auf Kieler Seite. Mindestens einmal hatte Ducksch sogar die Führung auf dem Fuß. Das Gästepublikum musste allerdings kurz vor Schluss auch nochmal den Atem anhalten. Obwohl Kinsombi bei einer Defensivaktion den Ball nochmal entscheidend abfälschte, griff Kronholm zu. Der Schiedsrichter wertete Kinsombis Eingreifen als Rückpass und entschied dementsprechend auf indirekten Freistoß im Strafraum. Mit gefühlt elf Mann standen die Kieler direkt vorm Tor. Am Ende lenkte Schmidt den Ball über den Kasten hinweg. So blieb es, nach der guten zweiten Hälfte von Kiel wohl auch zur Erleichterung der Gastgeber, beim verdienten Unentschieden.

 

Peitzer

 

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Reicht für keinen zum Aufstieg.“, hieß es nach dem Spiel augenzwinkernd. Wenn das bedeuten würde, dass Holstein auch in der kommenden Saison wieder auf die „graue Maus“ trifft, ist das nur recht. Denn das Ruhrgebiet hat neben einer Vielzahl von Kultvereinen und urigen Amateurplätzen wie das Stadion am Lindenbruch in Essen Katernberg, auch jede Menge andere Dinge zu bieten, die einen Besuch lohnen. Wie zum Beispiel die Zeche Zollverein, zu der CCK noch einen kurzen Abstecher gemacht hat.

 

ZZ

 

Lindenbruch

 

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