21. April 2010, Endstand 1:1

 

Okay, mit dem Abstieg hatte ich mich schon länger abgefunden, nicht erst seit dem Spiel der Bremer Zweitvertretung am Vorabend. Auch die Hoffnung, dass die Regensburger unter Umständen im Lizensierungsverfahren noch Probleme bekommen könnten, ließ mich eher kalt, ebenso wie die mantra-artig wiederholten Es-sind-noch-XX-Punkte-zu-vergeben-Aussagen des Trainers. Die nehme ich ihm zwar überhaupt nicht übel und irgendwo ist es wohl auch die Pflicht, sich so zu äußern (man stelle sich die Aussage vor: "Es sind zwar noch 18 Punkte zu vergeben, aber obwohl rechnerisch alles drin ist, glaube ich nicht mehr an den Klassenerhalt"), aber ich habe vor einiger Zeit halt schon die Stadionmagazine aus Offenbach, Heidenheim und Dresden weggepackt, den Blick auf die Regionalliga gerichtet und die Zugverbindung nach Meuselwitz gesucht.

 

nacht

Auch wenn Holstein abgestiegen ist - die Lichter gehen noch lange nicht aus.

 

Man könnte aufgrund der  Situation schon wirklich den Kopf in den Sand stecken, muss aber nicht, sollte es vor allem nicht . Denn zum einen waren die letzten Spiele kämpferisch fast durchweg in Ordnung (sprich die Mannschaft versucht wenigstens, sich mit Anstand zu verabschieden), zum anderen gibt es auch ganz einfach Ansetzungen, bei denen der Fußballnostalgiker glänzende Augen bekommt. Dazu darf man auch sicherlich den Nordklassiker Holstein Kiel gegen Eintracht Braunschweig rechnen, der an diesem Tag auf den Programm stand und der normalerweise auch immer ein Publikumsmagnet ist/war. Aber leider ist ja im Moment nicht normal in Kiel, sondern Abstieg, und das Wetter ist nicht so doll und die Bayern spielen ja auch an diesem Abend.

 

haider

Zwar nicht Bayern gegen Lyon - trotzdem sehenswert

 

Also zuhause bleiben und "mal wieder nen Sieg sehen" - die Kieler Mentalität? Zum Glück ist nicht jeder befallen. Und irgendwie ist es doch auch als Kieler möglich, die letzten Spiele zu genießen. So macht man sich zu dritt auf zum Stadion, wo man aber feststellen muss, dass dieses Mal nicht blau-weiß-rot die vorherrschende Farbkombination sein wird. Für Braunschweig geht es ja auch noch um was...und dafür kann man ihnen ja auch gerne mal das eigene Stadion überlassen. Trotzdem schön zu sehen, dass der Gästeblock voll wird und für mich persönlich noch schöner, dass ich einen Wolters-Pilsner-Bus entdecke. Die Liebe zu diesem speziellen Gerstensaft rührt noch aus alten, persönlichen Verbindungen in die Löwenstadt und ich freue mich, dass in dem Bus auch drin ist, was auf ihm drauf steht (und eine Flasche ein Gastgeschenk ist). Immerhin, das erste Bier ist also kein grässliches Warsteiner. Ganz nebenbei lernt man noch diesen Herrn kennen.

 

wolters

Gruppenbild mit einem Deutschen Meister 1967

 

Das bleibt leider für mindestens 45 Minuten das letzte Highlight. Bis auf den Gästeblock sieht das Stadion eher minder gut gefüllt aus, im Block J kann man bequem umherwandeln, um Zerstreuung vom Spiel zu finden. Denn Holstein, vergleichsweise defensiv für die letzte Chance eingestellt, agiert tatsächlich wie ein Absteiger. Fahrig, verängstigt, zu häufig einen Schritt langsamer. Dass es lange Zeit trotzdem 0:0 steht, ist den 2.-Liga-reifen Paraden von Michael Frech zu verdanken.

 

frech

#23 - nur durch böse Mächte zu überwinden

 

Das gelingt erst mit freundlicher Unterstützung des Schiedsrichtergespanns - dazu einfach mal keinen Kommentar mehr. Allerdings hat man nun einen besseren Sündenbock als die Mannschaft, auch wenn inzwischen den letzten Kielern auf der Tribüne klar ist, dass das Wunder diese Saison wohl ausbleiben wird. Vielleicht war es von Anfang an nicht der Sinn dieser Spielzeit, dass Kiel drittklassig bleiben soll. Dafür würde das Unternehmen Klassenerhalt einfach von zu vielen Seiten torpediert. Einen andern Sinn entdeckt der Großteil der Westtribüne ab der 87. Minute, als Timmer zum - dank der kämpferischen Leistung in der 2. Hälfte - inzwischen völlig verdienten Ausgleich einnetzt: "Wir steigen ab und ihr nicht auf".

 

supside

"Wir steigen ab..." ganz ohne Zynismus

 

Wenn es für eigene Freuden nicht reicht, dann reicht es wenigstens für ein kleines bisschen Schadenfreude und das ist auch gut so - und ganz nebenbei ist schon das Motto für das Osnabrück-Spiel geboren. Hat da jemand schon die Rechte dran? ;)

 

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