Stadion an der Bremer Brücke, 10. März 2017, Endstand 2:1

 

Eine Abhandlung darüber, was ein Derby ausmacht, ersparen wir uns an dieser Stelle. Es ist verständlich, dass in Ermangelung eines echten Derbys, welches ja zumindest mit dem Pokalhalbfinale am 25. April gegen Lübeck stattfinden wird, jede Gelegenheit genutzt wird, ein solches kreieren zu wollen. Doch weder das Duell der Ostseestädter gegen den FC Hansa noch die traditionelle Begegnung gegen den VfL Osnabrück sind ein Derby. Nennen wir letzteres doch einen Nordklassiker.

 

 

In der Regel sind Reisen in das niedersächsisch-westfälische Grenzgebiet aus Kieler Sicht recht entspannt. Ist es doch eine verhältnismäßig gut überbrückbare Distanz. Doch an einem Freitagnachmittag durch die Nadelöhre Hamburg und Bremen zu müssen, lässt einen die Abfahrt auf einen möglichst frühen Zeitpunkt terminieren. Das Lotte-Rasen-Pokal-Liga-Desaster hat uns genau diesen Umstand beschwert. Das Pokalspiel der Sportfreunde wurde auf den 14. März verlegt, somit musste deren Ligaspiel gegen den FC Hansa von Sonntag auf auf Samstag vorverlegt werden. Rostock und Kiel zeitgleich in der Region war den Ordnungskräften zu heiß.

 

Konsequenz: Flutlichtspiel in Osnabrück und Anfahrt durch den Bremer Freitag-Feierabendverkehr. Und mit Umgehungen rund um Bremen ist das so ein bisschen wie mit der Supermarktkasse. Wie man es macht, macht man es falsch. Andererseits schnitt man bei dem Vergleich Abfahrtszeit in Kiel, Ankunftszeit am Stadion dann nicht wirklich schlecht ab. Trotzdem wurden die Nerven zwischendrin doch arg strapaziert. Zum Glück für die Besatzung konnte das Stadion, das seit Januar wieder seinen traditionellen Namen "Bremer Brücke" trägt, aber noch rechtzeitig vor Anpfiff erreicht werden.

 

heimkurve

 

gäste

 

Die sportliche Ausgangslange war vor dem Spiel klar. Es herrschte Punktgleichheit, wobei der VfL mit 13 Toren weniger einen Platz hinter Holstein residierte. Osnabrück, die nach einer starken Hinrunde in 2017 bisher nur 4 Punkte erbeuten konnten, waren auf der Suche nach ihrer Form. Holstein, mit 8 Punkten im laufenden Jahr hingegen, schien die bittere Niederlage gegen Zwickau verkraftet zu haben und hatte im Heimspiel gegen Paderborn eine solide Leistung gezeigt und ein dreckiges 2:1 erkämpft. Allerdings musste Markus Anfang im Vergelich zur Vorwoche auf Rafael Czichos und Dominic Peitz verzichten. 

 

 

Das Spiel begann temporeich und in der Anfangsphase ausgeglichen. Holstein konnte bereits nach wenigen Sekunden die erste Riesenchance durch Duksch verbuchen. Frei vor dem Tor legte der Winterneuzugang dann allerdings den Ball knapp am Pfosten vorbei. Die Gastgeber übernahmen dabei aber die Kontrolle und ließen den Ball in der 16. und in der 37. den Ball im Netz hinter Kenneth Kronholm einschlagen. Beides Mal eine präzise Flanke und anschließender Kopfball. 0:2 aus Kieler Sicht - nicht unverdient, ließ Holstein den Hausherren doch zu viel Raum, stand hinten nicht immer sicher und brachte in der Offensive wenig zustande. Zudem machte das 6er-Duo nicht den besten Eindruck.

 

duksch

 

Mit diesem bitteren Rückstand ging es in die Pause. Mal wieder das übliche Spiel in Osna? Immerhin war von Beginn der zweiten Hälfte an zu spüren, dass in der Halbzeitpause anscheinend ein Ruck durch die Mannschaft gegangen war (oder wurde?). Holstein kämpfte sich zurück ins Spiel, erspielte vorne mehr Chancen und bot den Offensivbemühungen des VfL Paroli. In der 74. Minute erzielte dann Kingsley Schindler sehr zur Freude der rund 300 mitgereisten Kieler den Anschlusstreffer. Der in der 84. Minute eingewechselte Azemi hatte den Ausgleich wenige Moment vor Abpfiff gleich zwei Mal auf dem Fuß, konnte den Treffer aber nicht mehr unterbringen. Und dann war die Zeit auch schon abgelaufen. 

 

abklatschen

 

Zwar stimmte die Leistung der Störche in Hälfte zwei etwas versöhnlich, was sich auch an der Reaktion des Auswärtsblocks zeigte, trotzdem ist die Niederlage 1. sehr ärgerlich, da es mal wieder verpasst wurde, etwaige Aufstiegsambitionen zu unterstreichen und 2. auch nicht unverdient, wenn mal wieder eine ganze Halbzeit eher zum in die Tonne kloppen war und man sich eigentlich nicht beschweren darf, obwohl der Gegner nicht übermächtig war.

 

Man hatte auf jeden Fall schon mal bessere Laune auf einer Rückfahrt, die zum Glück etwas entspannter als die Hintour verlief. Der Stau auf der A1 Höhe Bremen wurde galant umfahren - merke: Blaue Umleitungsschilder gut, orangene Pfeile doof. Und Holstein-Spiele in Osna sowieso.

 

Der Magdeburger Sieg im Parallelspiel bedeutet zunächst einmal, dass selbst mit optimistischen drei Punkten aus dem Nachholspiel gegen Lotte nicht der Sprung auf Platz zwei nicht drin ist. Aber noch ist ja ein bisschen Saison und vielleicht sieht die Holsteiner Fußball-Welt Dienstag schon wieder etwas positiver aus. Drei Punkte gegen den MSV wären doch eigentlich ganz schick...

 

jarek

 

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