28. März 2017, FRIMO Stadion am Lotter Kreuz, Endstand 0:0

 

"Mit den drei Punkten aus dem Lotte-Spiel..." oder warum "für jedes Holstein-Tor gibt es einen Schnaps gratis" eine recht günstige Angelegenheit für den Wirt war. Doch der Reihe nach...

 

graffiti

 

Angsichts des hervorragenden Wetters, das uns in Lotte erwartete, war man gar nicht mehr so böse, dass das Spiel auf Ende März verlegt wurde. So erreichte die Kieler Fahrgemeinschaft bei rund 20° C Außentemperatur das Stadion in Sichtweite der Autobahn.

 

Da Holstein trotz eines "ordentlichen" Unentschiedens im Heimspiel gegen Magdeburg den Sprung auf den Relegationsplatz verpasst hatte, sollten nun gegen den Aufsteiger die von einigen Menschen quasi fest eingeplanten drei Punkte her. Die Sportfreunde hatten sich allerdings im bisherigen Saisonverlauf und auch dank der Erfolge im DFB-Pokal einen gewissen Respekt erarbeitet. So reiste man trotz der zuletzt anhaltenden Negativserie des Gastgebers nur vorsichtig optimistisch ins Tecklenburger Land. Auch weil sich mit Saliou Sané und Jaroslaw Lindner zwei ehemaliger Kieler im Lotter Sturm befinden, die ihre Form nach dem Wechsel zu den Sportfreunden durchaus wieder etwas steigern konnten.

 

panorama

 

heimfans

 

flutlicht

 

gästeblock

 

Bevor es in den recht zusammengewürftelt aussehenden Bau (manche finden, dass das Stadion genau deshalb Charme hat) direkt am Autobahnkreuz ging, galt es erstmal, den Stau, an dessen Umfahrung viele Kieler auf dem Weg nach Osnabrück schon scheiterten, zu meistern. Auch diesmal war viel Geduld nötig. Dank des strahlenden Sonnenscheins, der bei gefühlt 0,5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, durch die Fenster knallte, wurde man sich bewusst, dass die Zeit des übertriebenen Zwiebellooks wohl vorbei ist.

 

 

In Osnabrück wurde noch schnell ein Mitglied der Kieler Presse, das um Transfer zum Stadion bat, eingesammelt. Nur wenige Kilometer weiter, aber bereits im nächsten Bundesland tauchten am Horizont die Flutlichter auf. Ursprünglich wurde die Anlage an der Jahnstraße 1986 errichtet und ab 2003 nach und nach erweitert. Die letzten Maßnahmen fanden nach dem Aufstieg 2016 statt. Um das einstige Regionalligastadion, dessen Werbetafel hinter einem der Tore schon fast Kultstatus hatte, drittligatauglich zu machen musste auf 10.000 Plätze aufgestockt werden (R.I.P. Werbetafel). Darüber hinaus wurde eine Videowand installiert und Werbe-Drehbanden ins Stadion geschafft. Die fehlende Rasenheizung, die sich für die zahlreichen Spielverlegungen der Sportfreunde verantwortlich zeigte, ist in der ersten Drittligasaison noch keine Pflicht. Nach den Erfahrungen diesen Winters wird der DFB aber vermutlich ganz genau auf eine Umsetzung zur kommenden Saison pochen. Bei dieser Gelegenheit sollte zusätzlich über eine (neue) Drainage nachgedacht werden.

 

Denn trotz frühlingshafter Temperaturen und auch wenn es nicht mehr komplett matschig war – das Geläuf in Westfalen war als Folge des Wetters der letzten Wochen fernab von gut. Dieser Umstand wirkte sich auf die Präzision des Spiels aus – das sollte sich relativ schnell zeigen. Die Lotter, die mit einer defensiven Grundeinstellung ins Spiel gingen, schafften es zunächst gut, die Kieler Angriffsbemühungen zu ersticken. Erst nach einer Viertelstunde war es Dominick Drexler, dem ein gefährlicher Abschluss gelang.

 

drexler1

 

drexler2

 

Die nächste gute Chance ergab sich dann erst nach rund 40 Minuten, als Dominik Schmidt im Anschluss an eine Ecke den Ball über die Linie drücken wollte.

 

Danach war es Zeit für die erste Rudelbildung des Abends (weitere sollten noch folgen). Auch mit Vereinsbrille hätten sich einige der Anwesenden nicht gewundert, wenn Peitz nach einem rustikalen Schubser vom Feld gemusst hätte. Ein wenig Glück für Holstein, dass Schiedsrichter Lasse Koslowski die Situation anders bewertete. Allerdings hatte Lotte bis zum Pausenpfiff auch noch mal Glück, denn Kingsley Schindler scheiterte nach toller Vorarbeit von Bieler mit einer Großchance an Lottes Keeper Fernandez.

 

king

 

So ging es für die 22 Akteure mit null Toren in die Halbzeit. Daran sollte sich bis zum Schlusspfiff noch deutlich was ändern, leider nicht was die Treffer betraf – so viel sei vorweg genommen. Chancen waren durch Bieler, Schmidt und Schindler durchaus vorhanden, doch entweder wurde das Ziel knapp verfehlt oder der Torhüter der Hausherren blieb Sieger. So blieben die beiden Platzverweise für die Lotter Spieler Wendel (Gelb-Rot, 72., Textilfoul) und Rahn (Rot, 79., grobes Foulspiel) die "Highlights" des zweiten Durchgangs. Zumindest die zweite Karte war dabei eine harte Entscheidung – aber beide Karten konnte man geben, die zweite Gelbe für Wendel musste man sogar geben. Vielleicht betet man aufgrund der angespannten Personalsituation am Lotter Kreuz ja schon zum Wettergott für Regen ;)

 

azemi

 

Für Holstein hieß es aber die letzten zehn Minuten in doppelter Überzahl. Bälle wurden erobert, die Pässe in die Spitze kamen an, insgesamt hatte man aber nicht das Gefühl, dass die Situationen konzentriert bis zu Ende gespielt wurden. So gab es das zweite Unentschieden in Folge, wobei sich dieses komplett anders als das gegen Magdeburg anfühlte.

 

score

 

chemtrails

 

Wie die Serie (immerhin vier Spiele ohne Niederlage) am Ende zu bewerten ist, wird sich zeigen. Immerhin stehen in der nächsten Woche zwei Heimspiele an. Vorher geht es noch zur Zweitvertretung von Werder Bremen. Auf Platz 11 gibt es neben dem Wiedersehen mit Rafael Kazior dann hoffentlich einen Dreier. Zahlreiches Erscheinen ist erwünscht, schließlich wird der Eintritt für Holstein-Fans ja umsonst sein.

 

Alle Bilder in der Galerie.