Weserstadion Platz 11, 1. April 2017, Endstand 0:2

 

Holstein bei Werder II – da schnalzen doch Fußballhistoriker mit norddeutschem Faible mit der Zunge. Das Drittligaspiel von heute war schließlich ein Regionalliga Nord Klassiker von gestern.

Das führte zur zweiten Annehmlichkeit des Sonnabends: 3. Liga mit Regionalliga-Distanz! Kein Aufstehen mit den Zeitungsausträgern, kein stundenlanges Fahren über verstopfte Autobahnen. Zwei Stunden brauchte es von Kiel bis in die Hansestadt. Dennoch wurde etwas mehr Zeit eingeplant, schließlich versaute einem der Stau vor Hemelingen schon ein wenig die Anfahrten nach Lotte und Osnabrück. Da die Straßen frei waren, hatte man noch Zeit für einen kurzen Abstecher in die Gemeinde Ottersberg, verkehrgünstig gelegen an der A1, wo der (Holsteiner) Frühling standesgemäß mit einer Eiskreation eingeläutet wurde. Nebenbei ist Ottersberg auch noch der Heimatort von Kapitän Rafael Czichos, der beim örtlichen TSV zum ersten Mal die Fußballschuhe schnürte. Tatsächlich spielte der Innenverteidiger nie beim großen Nachbar des SV Werder, von Ottersberg ging es direkt nach Wolfsburg und dann über Erfurt nach Kiel.

 

Eis

 

Flutlicht

 

Gästeblock

 

Der Gästeparkplatz war beim Eintreffen in Bremen schon gut gefüllt, über 900 Kieler auf Haupttribüne und Gästeblock wollten heute dabei sein. Der englischen Woche musste ein wenig Tribut gezollt werden, Markus Anfang hatte wie gegen Lotte nur einen 16 Mann starken Kader zur Verfügung. Auch Spielgestalter Dominick Drexler fiel grippebedingt aus. Ins Zentrum rückte dafür Luca Dürholtz, auf der Außenbahn agierte Marvin Ducksch und in der Spitze kam Ilir Azemi zu seinem ersten Startelfeinsatz. Auf der Gegenseite erblickte man ebenfalls einige bekannte Spieler.

Michael Zetterer im Tor steht im Blickfeld der U21 Nationalmannschaft, Torben Rehfeldt, Rafael Kazior und Melvyn Lorenzen sind alte Kieler Bekannte und die Offensive mit Justin Eilers und Ousman Manneh würde sicherlich auch einigen Zweitligisten gut zu Gesicht stehen.

 

Kaze

 

Schmidt

 

Die Störche fanden auf Platz 11 etwas schwer in die Partie. Durch die ungewohnte Personalsituation stimmten die Abläufe noch nicht so richtig, außerdem zeigte sich in einigen Szenen Bremens individuelle Qualität. Die KSV tat gut daran hinten erst einmal sicher zu stehen und die Bremer vom eigenen Tor wegzuhalten, was auch recht gut gelang. So richtig stockte der Atem auf der Tribüne erst nach über 30 Minuten. Der starke Zander brachte einen Ball scharf vor Holsteins Kasten, wo Manneh seinen Fuß hinhielt und nur das Aluminium den Rückstand verhinderte. Bremen machte es gegen die gute Kieler Defensive nicht schlecht. Kurz vor der Halbzeit brachte Lenz nach Pass von Azemi einen Ball flach in den Sechzehner, Schindler hatte den Braten gerochen und traf trocken zur Führung. Sicherlich konnte man diskutieren, ob das eine Tor nicht auch auf der anderen Seite hätte fallen können, aber sei es drum, die KSV führte mit 1:0 und die Stimmung auf den Rängen war dementsprechend gut.

 

King

 

Werders Coach Florian Kohfeld schien es bei einigen prägnanten Anweisungen belassen zu haben, jedenfalls kam das Heimteam deutlich früher aus der Kabine als die Störche. Die längere Ansprache sollte aber nicht zu Holsteins Nachteil werden, mit Wiederanpfiff übernahm Kiel die Spielkontrolle. Zunächst verfehlte Bieler das Tor nach 52 Minuten nur knapp, im Anschluss sendete Ducksch ein gutes Pfund Richtung Zetterer, dessen abgeklatschter Ball erst gegen die Latte sprang und dann doch noch von Zetterer kontrolliert werden konnte. Fünf Minuten später lief Dürholtz auf den Keeper zur, knallte das Leder gegen die Latte, Azemi köpfte den Ball dann nur gegen den Pfosten.

Aber auch Werder testete das Aluminium, als Kazior den Ausgleich kurze Zeit nur knapp verfehlte. Markus Anfang stabilisierte die Defensive nun mit Hoheneder (für Dürholtz) sowie Arne Sicker, der für Ilir Azemi kam. Dennoch blieben die Kieler aktiver, Marvin Ducksch bediente den pfeilschnellen King, für den auch Zetterer kein Hindernis darstellte und sorgte für die Entscheidung. Holstein hatte danach noch weitere Chancen, es blieb aber beim 2:0 für blau-weiß-rot.

 

Tor 1

 

Tor 2

 

Tor 3

 

Durch den gleichzeitigen Sieg von Magdeburg gegen Erfurt war dieser Sieg auch nötig, will Holstein den Kampf um Platz 2 lange offen halten. Was wirklich beeindruckte, war die Fähigkeit der KSV, trotz Ausfall der Kreativzentrale mit Drexler, Lewerenz und Janzer, einer spielerisch starken Mannschaft wie Werder ihren Stempel aufdrücken zu können. Die KSV tastet sich immer weiter an die vordersten Plätze heran, das wird noch eine sehr spannende Restsaison.

Wie in Bremen spielen auch beim nächsten Gegner aus Wiesbaden einige ehemalige Störche, aber Holstein scheint so stabil, dass man sich gegen Breitkreuz, Nyarko und Schäffler - mit einer großen Portion Respekt – auch eine Vielzahl von Chancen erspielen kann am kommenden Mittwoch im Holstein-Stadion.

 

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