15. März 2019, Endstand: 5:1

 

Der Feierabend ist spät, die Laune leicht genervt. Auf dem Weg nach Kiel trudeln konstant Nachrichten aus dem Stadion ein: Kronholm verletzt, der Wind weht Schilder um,... Viel zu spät wird das Auto in Flutlicht-Sichtweite geparkt. Aber Flucht in Sicht ist schon fast das Ziel. Und der Wind weht die Gesänge den Westring hoch. „Der Steiger kommt und er hat sein helles Licht bei der Nacht...“ - unüberhörbar ist der FC Erzgebirge zu Gast. Dann ein lautes und langgezogenes „Holstein Kiel“. Hallo, mein perfekter Freitagabend.

 

Das Setting passt, doch was wird das Spiel bringen? Der Auswärtsauftritt am Böllenfalltor hatte offenbart, dass Holstein vielleicht noch nicht reif für die Spitzengruppe von Liga zwei ist. Dabei spielten sicher die längerfristigen Ausfälle von Kinsombi und Schindler eine Rolle – und nun war Tim Walter gezwungen, noch weiter umzubauen. Kronholm fiel mit Hüftproblemen aus, für ihn kam Dominik Reimann, die gesperrten Schmidt und Meffert wurden durch Thesker und Bénes ersetzt, außerdem lief Okugawa für den kränkelnden Serra auf. Die Chancen, sich für die 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel zu revanchieren waren gefühlt eher so mittel, zudem Aue in den letzten Wochen mehrere Sieg einfahren konnte.

 

mannschaften

 

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Vor 8666 Zuschauern, davon gut 250 Wismut-Anhänger (für einen Freitagabend und bei der Distanz eine respektable Zahl) ging es gleich voll zur Sache. Bereits in der 3. Minute verpasste Mathias Honsak die frühe Führung, nur drei Minute drückte der Österreicher einen perfekt durch den Wind gezirkelten Freistoß aber mit dem Kopf zum 1:0 über die Linie. Es blieb stürmisch in Strafraum der Gäste, und nach neun Minuten konnte ein grandios aufspielender Laszlo Bénes den Ball im Kasten von Martin Männel unterbringen. Mit dem 2:0 im Rücken konnte Holstein den Ball laufen lassen, allerdings wollte das dritte Tor nicht fallen. Eigentlich nichts, was besorgniserregend wäre, doch der Anschlusstreffer aus dem nichts durch Hochscheidt (26.) wirkte auf den Rängen wie ein kleiner Dämpfer. Aber nur kurz und schon gar nicht auf dem Feld, wo die KSV weiter marschierte. Auch nach dem Seitenwechsel wurden immer wieder schöne Chancen herausgespielt, das Sturmduo Bénes/Honsak funktionierte an diesem Abend fast perfekt. Die slowakische Leihgabe erzielte dann auch das 3:1 mit einer wunderbaren Mischung aus Wille und Ballgefühl, gegen die die Gästeabwehr einfach kein Mittel fand.

 

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Nach einer Honsak-Flanke gelang Masaya Okugawa das entscheidende 4:1, allerdings sollte das Spiel noch seinen emotionalen Höhepunkt bekommen. Aaron Seydel kehrte nach ewiger Verletzungszeit zurück auf den Rasen des Holstein-Stadions, nachdem er am letzten Wochenende bereits bei der U23 Spielpraxis gesammelt hatte. Und als wäre das nicht schon Grund genug zum Feiern, erzielte Seydel nur wenige Sekunden nach der Einwechslung dann auch noch das 5:1 - irgendwie mit so einer Mischung aus Rücken und Schulter, aber 100 Prozent gewollt. Da muss ein Stürmer halt stehen. ;) Wäre dieses Spiel ein Drehbuch gewesen, wäre dieses Finale wahrscheinlich als zu kitschig abgelehnt worden. 

 

 

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Zum Schluss durften Noah Awuku und Arne Sicker noch ein wenig auf dem Feld mitfeiern. Nach zwei Niederlagen war dieses Spiel mal wieder ein Ausrufezeichen. Trotz des wirklich saumäßigen Wetters, das selbst von Norddeutschen als nicht schönklassifiziert wurde, war es ein sowas von perfekter Abend.

 

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Schade eigentlich, dass nächstes Wochenende spielfrei ist. Aber dasfür ist Zeit, um in Berlin beim 11mm-Filmfestival vorbeizuschauen und sich auf die Spiele gegen den Effzeh und St. Pauli zu freuen.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 
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