Das Winterpauseninterview mit Jürgie und Calle

 

Streng gesehen beginnt das Reich von König Knuts Erben ja erst nördlich von Flensburg, trotzdem ist der dänische Einfluss definitiv auch weiter südlich zu spüren. Im Landtag sitzt die Partei der dänischen Minderheit, die ein oder andere „Soft-Is“-Bude ist zu finden und mehrere dänische Sportvereine sind ein Teil der Fußball-Landkarte des nördlichsten Bundeslandes. Neben DGF Flensborg, Slesvig IF, Tönning IF und Eckernförde IF nehmen wird mit Stjern Flensborg sogar ein Verbandsligist gestellt. Und Tönning durfte Dänemark sogar schon bundesweit repräsentieren, als der Verein 1976 in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Bayer Leverkusen traf (wo man allerdings auswärts eher erwartungsgemäß mit 4:0 verlor). Doch steht sowieso das Miteinander und die kulturelle Verständigung zwischen Minderheits- und Mehrheitsbevölkerung oftmals mehr im Vordergrund als die sportlichen Erfolge.

Durch den Mitgliedsantrag auf Dänisch durfte sich bei der Dansk Gymnastikforening Flensborg aus den Reihen der KSV neben Torhüter Morten Jensen auch Kapitän Christian Jürgensen kämpfen. Doch um in den Genuss der vorbildlichen Jugendarbeit wurde diese Herausforderung gerne auf sich genommen. Und auch danach war Jürgie klar, wo der Verein einzuordnen war: „Alleine schon aufgrund des „o“ in Flensborg.“

 

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Zusammen mit seinem dänischen Mannschaftskollegen Casper Johansen sitzt Jürgie nun bei der Calcio Culinaria zum Winterpauseninterview über „dansk fodbold og dansk fodbold i Slesvig-Holsten.“

CCK: Hej hej Jürgie, weshalb hast Du Dich damals für einen dänischen Verein entschieden?
Jürgie: DGF war damals einfach die höchstklassigste Jugendmannschaft in Flensburg in der Regionalliga Nord, der höchsten Spielklasse. Alle Auswahlspieler sind damals zu DGF gegangen. Mit der dänischen Minderheit hatte das erstmal nichts zu tun.


CCK: Aber Du hast schon gemerkt, dass Du in einem besonderen Club untergekommen warst?

Niedersachsenstadion/AWD-Arena, 10. Dezember 2012, Endstand 2:3

 

Okay, auch der Schreiber dieser Zeilen hatte sich über die seltsame Verlegung der Regionalligapartie gegen die Zweitvertretung von Hannover 96 in die überdimensionierte Arena an der Stätte des ehemalige Niedersachsenstadions mehr als einmal aufgeregt. Dass dazu noch zum zweiten Mal der Montagabend herhalten musste, rundete das Ärgernis ab, vor allem weil vorauszusehen war, dass die Straßen im Dezember vielleicht nicht so perfekt wären. Würde auf einen Arbeitstag wohl einigen Stress bedeuten. Ein Teil des Ärgers war allerdings verflogen, als der ursprüngliche Spieltag gezwungenermaßen wahlweise im Bett oder auf der Toilette verbracht werden musste. Aus egoistischen Motiven also alles genau richtig abgelaufen. Zwei Tage später schwankte die Stimmung dann zwischen „wieder fit und total motiviert“ und „will ich jetzt bei dem Schneeschauer nach Hannover fahren?“. Wobei sich die Frage des Nicht-Fahrens ja eigentlich nie wirklich stellt... Kollegen können sowas natürlich eher selten nachvollziehen und so erntet man bei der dank Überstundenkontos frühzeitigen Verabschiedung doch eher Unverständnis.

 

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Verstanden fühlt man sich erst dann wirklich wieder, wenn man feststellt, dass trotz glatter Straßen und ungünstigem Termin doch an die 250 Kieler ihr Team auch an diesem Tag supporten.

Manfred-Werner-Stadion, 1. Dezember 2012, Endstand 0:2

 

"Hurraaa, wir leben noch"...und so schlimm war es dann ja doch gar nicht. Man kam sich eher ein bisschen vor wie bei der traditionellen Dorfrundreise „Holstein zu Gast bei Freunden“, als man die nördlichste Fördestadt bzw. dessen Vorort nur per Landstraße erreichte. Auch der Duft von frisch gegrilltem Nacken, bzw. die Hot-Dog-Bude im Gästeblock stützten diese Illusion. Dass dies aber nicht der Fall war, zeigte sich zum einen am winterlichen Wetter und am doch sehr präsenten Polizeiaufgebot, sowie einigen schwer motivierten Ordnern. Hatte man zuvor noch etwas von 200 Ordnungshütern gelesen, hatte man bei der Ankunft nicht das Gefühl, dass hier heute ein Viertligaspiel zwischen zwei Vereinen stattfinden sollte, von denen einer nicht einmal ansatzweise eine Fanszene vorweisen kann. Der Platz sah bereits vor dem Spiel etwas sehr mitgenommen aus, so konnte man froh sein, dass der Niederschlag bisher Flensburg verschont hatte. Da hatte man schon bessere Plätze in der Kreisliga gesehen. In Gegensatz zu diesen Bedingungen aber nett anzusehen der Kieler Zugmob, der sich den Weg durch die Einfamilienhäuser bahnte...

 

mob

 

...glücklicherweise komplett autofrei, es gab im Vorlauf des Spiels doch tatsächlich den Rat, Eigentum aus der Reichweite der gefährlichen Kieler Fans zu entfernen.

Stadion Hoheluft, 23. November 2012, Endstand 0:3

 

Wie die Zeit vergeht! Nicht nur, dass unsere letzte Deutsche Meisterschaft doch tatsächlich schon 100 Jahre her ist, nein, auch die aktuelle Saison ist schon wieder zur Hälfte rum. Und zum Abschluss der Hinserie ging es passenderweise an den Ort, wo Kiel sich auf der Victoria verewigen durfte – passenderweise hieß der Gegner Victoria. Freitagabend, Flutlicht (naja, zumindest sowas in die Richtung), Hoheluft – da gibt es für den Auswärtsfahrer wirklich schlimmere Kombinationen und so machte sich ein Großteil des Holsteinanhangs schon etwas früher auf, um die Kneipen- und Restaurantlandschaft der Freien und Hansestadt ausgiebig zu testen. Die CCK entschied sich übrigens essenstechnisch für die nahe dem Stadion gelegene „Hollywood Canteen“ (schickes Diner mit wirklich lecker Burgern) und die „Eppendorfer Grillstation“.

 

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Eigentlich wären Bademantel und Alditüte stilecht gewesen, aber Frikadelle und der „Hobel“ schmeckten auch ohne Dittsche. Gut gesättigt ging es dann zum historischen Ground, dessen alte Haupttribüne immer wieder ein echter Hingucker ist, auch wenn die „brandsicheren“ Schalensitze das Gesamtbild ein wenig verschandeln.

17. November 2012, Endstand 6:1

 

Nach dem doch eher späten Sieg der KSV in Oberneuland ging es nun gegen die Zweitvertretung des HSV, die einem in der Vergangenheit trotz kaum liegengelassenen Punkten doch immer einiges abverlangten. Holstein sofort engagiert in der Hälfte der Gäste, besonders das Zusammenspiel zwischen Marc Heider und Casper Johansen wusste zu gefallen. So dauerte es gerade einmal 12 Minuten, bis ersterer den Dänen bediente, der gekonnt einschob.

 

casper

 

Acht Minuten später war es denn der Vorbereiter, der die frühe deutliche Führung für die Störche festigte.

 

heidi

 

Die Reserve der Rothosen danach etwas stärker, Holstein wirkte in der Folgezeit in der Defensive so manches Mal anfällig. Dennis Bergmann wusste dies sofort zu nutzen und überwand den chancenlosen Morten Jensen zum Anschlusstreffer. Aber nur eine Minute später konnte Holstein den alten Abstand wieder herstellen. Heiders Schuss konnte Tino Dehmelt nicht festhalten, der bestens postierte Siedschlag brauchte nur noch einzuschieben.

 

jubel

 

Die Stimmung bei den trotz der Eiseskälte mit 3.500 zahlreich ins Stadion gekommenen Fans nun bestens (btw.: die Partie Wolfsburg II vs. Weiche Flensburg sahen nicht einmal 150 zahlende Zuschauer).