19. September 2017, Erzgebirgsstadion, Endstand 0:3

 

Rund 625 Kilometer auf einem Freitag sind schon eine Ansage. Immerhin machten sich rund 100 Kieler auf den Weg ins Erzgebirge. Trotz oder vielleicht wegen des bisherigen Saisonverlaufes ging es mit einem gewissen Respekt nach Aue. Die Elf aus dem Schacht, die es seit kurzem auch mit HD - Hannes Drews gibt, nach dem eher ruckeligen Start durchaus gezeigt, was sie kann. Zudem war die Stimmung im Holsteiner Fanlager aufgrund der bitteren Verletzung von Edeljoker Manuel Janzer im Laufe der Woche ein wenig getrübt. Was die Mannschaft später signalisierte, machte allerdings den Eindruck einer "Jetzt-erst-Recht"-Mentalität...

 

Hannes

 

Am Abend vor der Abfahrt machte sich kurzzeitig die Sorge über das Wetter breit. Die App den Mobiltelefons prognostizierte 5° C und Regen für den Freitagabend in Aue. Gleich vorweg: Zum Glück war dem nicht so. Bei strahlendem Sonnenschein machte sich die CCK-Reisegruppe auf den Weg gen Südosten. Einige entlang der Strecke postierte, überdimensionale Wahlplakate Frau Merkels regten eine Diskussion über die anstehende Bundestagswahl an. Einhellige Meinung im Auto: wir beleben die DKP als "David Kinsombi Partei" - die Partei für Unentschlossene wieder. Bis das soweit ist, müssen wir uns am kommenden Sonntag für eine der anderen, demokratischen Parteien entscheiden. #gehtwählen

 

Da parallel zu dem Spiel in Aue die Drittligapartie Zwickau gegen Magdeburg angesetzt war, hielt man ein wenig Ausschau, um nicht als einziges Kieler Auto auf einen Parkplatz voller Maggies zu fahren. So waren wir froh, als wir in Espenhain an der B95 spontan einen Dreiminutenstopp bei einem Schlachter einlegen konnten. Und was muss, wenn man schon mal in der Region ist, mit? Na klar, Wiegebraten. Eine Art Hackbraten, den wir uns kalt zwischen zwei Brötchen legen ließen. Ohne Remoulade oder Butter, ganz pur und extrem lecker. Führt einen der Weg über die B95 nach Aue durch Espenhain, können wir also guten Gewissens einen Besuch bei der Fleischerei Vockert empfehlen.

 

Willkommen

 

Flutlicht

 

Die Anfahrt auf Aue wie immer ein kleines Erlebnis. Nach dem „Willkommen im Schacht“ kommt der Anreisende die lange Kurve entlang und schon ragen vor einem die beeindruckenden, trotz Neubaus erhaltenen alten Flutlichter aus dem dichten Grün den erzgebirgischen Waldes heraus. Und an diesem Freitagnachmittag zum Glück auch weiterhin bei strahlendem Sonnenschein.

 

 

Das, was vom Neubau von außen zu sehen war, die moderne leuchtend weiße Fassade und die violetten Akzente, gefällt. Die heimseitige Hintertortribüne und die Haupttribüne wurden bereits fertig gestellt. Die Gäste-Hintertor steht zur Hälfte. Nur die Gegengerade ist noch unbebaut. Aber das scheint durchaus ein feiner Bau zu werden, das im zum Jahresende vollendet sein soll.

 

Mühling

 

 

Insgesamt hatten sich 8.000 Zuschauer auf der Baustelle eingefunden. Diese sahen in den Anfangsminuten einen starken Gastgeber. Zwar hatte Kiel die erste Chance des Tages, aber die ersten 15 Minuten gingen an Aue. Dann war es Mühling, der nach einem eigentlich schon abgeblockten Spielzug, den Ball zur Führung ins Tor bugsierte.

 

Ducksch

 

Ducksch2

 

Nur fünf Minuten später hatte Lewerenz sogar das 2:0 auf dem Fuß, wurde aber von seinem Gegenspieler gestoppt. In den folgenden 25 Minuten wurde das Spiel zunehmend kampfbetonter. Auf beiden Seiten nahm die Zahl der Fouls deutlich zu und der Schiedsrichter, der die Partie insgesamt ordentlich leitete, hatte gut zu tun. Obwohl es in der Phase des Spiels nicht unbedingt danach aussah, erhöhte Marvin Ducksch mit einem satten Schuss aus 18 Metern in der 41. Minute auf 2:0. Die letzten Minuten der ersten Halbzeit gehörten wieder den Veilchen. Zwei Ecken konnten allerdings nicht untergebracht werden, eine dritte wurde vom Schiedsrichter nicht mehr gegeben. Stattdessen ging es in die Pause

 

Ergebnis

 

Team

 

Die zweite Hälfte war etwas weniger ruppig und mit zunehmenden Übergewicht für die Störche. Aue konnte nur noch vereinzelt Akzente nach vorne setzen. Die Konsequenz daraus war ein dritter Treffer. Wieder war es Ducksch, der einen Fehler in der erzgebirgischen Abwehr bestrafte und den Ball in der 78. Minute zum 3:0 ins Netz schlenzte. Wenige Minuten später begannen sich die ersten Heimränge zu leeren. Das Spiel war entschieden. Mal wieder war am Ende nur der Kieler Block zu hören. Wieder ein Sieg - und diesmal auch noch "zu null". Von der Heimseite gab es für die Leistung viel Respekt.

 

Wer bei Holstein schon etwas länger dabei ist, rieb sich wohl etwas ungläubig die Augen: Tatsächlich grüßten die Störche von Platz eins der Liga. 13 Punkte nach sechs Spielen – nur noch 27 Punkte bis zum Klassenerhalt. Und zudem ist alles bereitet für das Nordduell mit dem FC St.Pauli in der Englischen Woche ist alles angerichtet.

 

Die Kieler Besatzung schnappte sich noch schnell ein Schnitzelbrötchen aus dem Presseraum (der Nudeltopf blieb aufgrund von Zeitmangel diesmal unangetastet), warf einen letzten Blick zurück auf das Flutlicht und feierte auf dem Weg ins Nachtlager in Gera die Radiomeldung „Aufsteiger Holstein Kiel hat seinen Höhenflug in der 2. Bundesliga fortgesetzt“.

 

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