DFB-Pokal, 2. Hauptrunde

31. Oktober 2018, Endstand: 2:1

 

Pokalnächte können lang sein. Vor allem, wenn um 20:45 Uhr angepfiffen wird. Gerade als Anhänger des „Underdogs“ gerät man da in einen Zwiespalt. Einerseits wünscht man sich natürlich die nächste kleine Sensation in Form des Weiterkommens. Andererseits lauert hier die Gefahr einer Verlängerung und womöglich eines Elfmeterschießens. Nicht wenige erinnerten sich an das SHFV-Pokal-Finale 2014, das, um 20:30 Uhr angepfiffen, ins Elfmeterschießen ging. Am Ende (so kurz vor Mitternacht) gewann die KSV das Spiel mit einem unglaublichen 14:13.

 

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Aber, um die diese Phrase zumindest einmal zu bringen, hat der Pokal seine eigenen Gesetze. Der Liganiedrigere zu sein, heißt nicht zwangsläufig, keine Chance auf ein Weiterkommen nach 90 Minuten zu haben. Gehen wir weiter zurück, landen wir in der Pokalsaison 2011/2012. Als Viertligist Cottbus, Duisburg und Mainz mit jeweils deutlichen Zu-Null-Siegen aus dem DFB-Pokal zu werfen, muss auch erstmal einer nachmachen.

 

Aber genug mit der Vergangenheit. Holstein im Hier und Jetzt traten an diesem Halloween-Abend als Zweitligist und angeblich zweitsympathischster Verein gegen die Sympathieträger Nummer eins (auch wegen solcher Kreativität), Bundesligist SC Freiburg an. Schon bei der Auslosung überkamen den einen oder anderen gemischte Gefühle. Mit dem SC Freiburg würde ein Verein an die Förde kommen, dem nicht wenige das Weiterkommen gegen jeden anderen Verein vermutlich gönnen würden. Doch hieß Freiburg auch, die Chance auf nächste die Runde war größer, als sie es gegen Bayern, Schalke oder z. B. Dortmund wäre. Am Ende siegte natürlich das HolsteinHerz.

 

Auf den pickepackevollen Tribünen fieberten Gastgeber und Gäste gleichermaßen dem Anpfiff entgegen. Der Auswärtsblock war ausverkauft - eine starke Leistung, trotz Feiertag. 

 

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Eine Choreo war den Gästen allerdings nicht gestattet. Sie machten allerdings das Beste drauf und schwangen mit Einlaufen der Mannschaften ihre Fahnen nach Leibeskräften. Untermalt wurde das Ganze von ein paar Leuchtmitteln. Heimseitig gab es ein blau-weiß-rotes Fahnenmeer und die altgediente, große „Kieler SV Holstein“-Fahne vorm Block. Dazu ein paar Konfettikanonen und das Intro war dem Anlass angemessen.

 

Ernüchternd war es hingegen auf dem Rasen. Geschlagene 43 Sekunden hatte es gedauert bis zum Treffer. Tim Walter saß noch nicht einmal auf der Bank, als die Gäste schon jubelten und die Kieler sich verwundert die Augen rieben. Das Heimpublikum verspürte vermutlich ein kollektives, inneres Seufzen. Der Schwung nach dem Sieg am Millerntor schon wieder verpufft? Zum Glück gaben sich weder der zwölfte Mann, noch die Elf auf dem Rasen geschlagen. Ganz im Gegenteil: Binnen fünf Minuten nach dem Tor entwickelte sich eine unterhaltsame und zuweilen rasante Partie, die einen Klassenunterschied nicht im Geringsten erkennen ließ. So kam der Ausgleich in der 26. Minuten gar nicht so überraschend. Mühling setzte sich wunderschön auf Rechts durch, legte Serra (der von einigen Internettrainern ja am liebsten schon wegtransferiert worden wäre) auf, der per Kopf zum 1:1 traf. Ein erleichterter und freudiger Jubel brandete durchs Stadion - alles wieder auf Anfang. Bis zur Pause drückte Kiel weiter in Richtung des Freiburger Tors. Die letzte Viertelstunde schienen die Klassenverhältnisse sogar umgekehrt.

 

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Zu Beginn von Hälfte zwei allerdings waren sie kurzfristig wieder hergestellt. Der SC Freiburg kam deutlich aufgeweckter aus der Pause und sorgte nach diesmal nur 23 Sekunden für einen kollektiven Herzstillstand beim heimischen Publikum. Wieder war es Petersen, der Maß nahm, allerdings diesmal etwas zu hoch zielte. Keine Wiederholung des Beginns der ersten 45 Minuten und Glück für die Störche, die sich erneut schnell fingen und, obwohl etwas tiefer stehend als sonst, auch wieder versuchten die Regie am dem Feld zu übernehmen. Dieses Mal dauerte es etwas länger, doch nach einer Stunde war erneut kein Klassenunterschied zu erkennen. Der große Unterhaltungswert der Partie überdeckte kurzfristig sogar die Sorge einer möglichen Verlängerung. Kinsombi sei dank verflog diese spätestens in der 79. Minuten. Ballverlust im Freiburger Spielaufbau, Doppelpass Kinsombi und Schindler, Tor! Wunderschönes Ding, mit dem der Kapitän seine sackstarke Leistung krönte.

 

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Fast wäre mal wieder das Dach vom Holstein-Stadion weggeflogen. So laut brach der Jubel auf den Rängen los. Und als hätten die Störche nicht genug, ging es weiter vorwärts. Selbst die Einwechslung Patrick Herrmanns minderte nicht unbedingt die Offensivbemühungen Kiels. In den vier Minuten Nachspielzeit wurde es allerdings nochmal etwas knifflig. Der Sport-Club rannte in seiner Verzweiflung mit aller Macht gegen an. Zwei Mal ließen sie noch einen Angriff aufs Kieler Tor rollen Doch ein glänzend aufgelegter Kenneth Kronholm hielt die Führung bis zum Abpfiff fest. Die Augen der Kieler lagen beim Abstoß in der 90. + 5 auf Schiedsrichter Sören Storks (btw. im Englischen ist 'storks' die Übersetzung für Störche), der die Pfeife bereits im Mund hatte, als der Ball noch nicht mal unterwegs war.

 

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Nach Ende der Partie war die Freude über den absolut verdienten Sieg und das Weiterkommen nach zum Glück nur 90 Minuten groß. Auch Tim Walter jubelte gelöst. Mit den letzten beiden Partien hat der Trainer sich einen ordentlichen Kredit geschaffen. Unter den Fans begann mit Abpfiff auch bei vielen das große Grübeln, wer denn als nächstes den Störchen „zum Fraß“ vorgeworfen würde. Geht es nach Gelsenkirchen, empfangen wir daheim „nur“ den 1. FC Heidenheim oder fallen womöglich die großen Bayern in unsere kleine Baustelle ein? Die Antwort darauf gibt es am kommenden Sonntag, den 4. November ab 18 Uhr in der ARD-Sportschau.

 

Und wer sich bis dahin die Zeit vertreiben will, geht einfach um 11 Uhr ins Cinemaxx und schaut sich HolsteinHerz, den 90-minütigen Film über die Geschichte Holstein Kiels an. Noch gibt es im Fanshop Karten zu erwerben. Oder Ihr haltet bei uns auf der Seite die Augen offen. ;)

 

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