Cambs Glass Stadium, 17.Oktober 2017, Endstand 2:1

 

Zwei Wochen bevor es am langen Wochenende mit Reformationstag und Allerheiligen mal wieder zu einem ausgedehnteren Trip auf die Insel gehen sollte, verschlug es mich recht spontan für ein einzelnes Spiel ins Mutterland des Fußballs. Ein anderer Hopper wollte unter der Woche für ein Spiel zum Schnapperpreis von Memmingen nach Stansted fliegen. Da League One und League Two komplette Spieltage absolvierten, bestand genügend Auswahl an Matches.

 

Ein kurzer Check ergab, dass die Anbindung ab Nürnberg ähnlich günstig war. Schnell noch den Urlaubstag für Dienstag eingereicht und den Flug beim irischen Billigflieger gebucht. Der war inzwischen zwar von 20€ auf 30€ hochgegangen - für Hin- und Rückflug aber immer noch in Ordnung.
Aufgrund der guten Erreichbarkeit (mit dem Bus gerade mal 50min ab Stansted) fiel die Wahl dann auf Cambridge United, die in der League Two gegen Yeovil Town antreten würden.

 

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So traf ich schon vormittags am Ort des Geschehens ein, wo nach einem ausgiebigen Frühstück erstmal ein wenig Sightseeing in der Universitätsstadt angesagt war. Gegen Mittag wurde der Mithopper eingesammelt und es ging nach einer zweiten Runde durch die Stadt so langsam Richtung Ground. Nach dem Ticketkauf und einem ersten Blick auf den Ground wurde die Zeit im nahegelegenen Pub mit dem schönen Namen „The Wrestler“ überbrückt. Bei der Rückkehr ist es dunkel, und Flutlicht empfängt einen. Das alleine reicht schon, um den leichten Anflug von Müdigkeit zu vertreiben, den die kurze Nacht zuvor mit sich brachte. United gehörte Zeit seines Bestehens immer zu den kleineren Clubs, und spielte, abgesehen von acht Saisons in der Zweitklassigkeit – inkl. eines Scheiterns in den Playoffs zur Gründungssaison der Premier League, meist in der Viertklassigkeit, in die man nach dem Abstieg in die Conference Premier 2005 vor drei Jahren zurückgekehrt war. Das Stadion hat klassisch vier alleinstehende Blöcke, wobei die Hintertortribüne der Homesupporter durchgängig Stehplätze bietet – sehr schön :)

 

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Die Zeit vor dem Kickoff wird noch genutzt, um ein bisschen im Stadion herumzustöbern. Wie bei alten Grounds üblich, gibt es hier eigenwillige Konstruktionen und charmante Eckchen, die man so in einem Neubau einfach nicht mehr findet. Wen es auch mal hierher verschlägt, dem empfehle ich mal einen Gang vorbei an der Behindertentribüne, die sich an der Ecke zwischen Hintertortribüne und Gegengerade befindet.

 

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(Bala Town Football Club vs. Connah's Quay Nomads Football Club)

Maes Tegid, 10. November 2017, Endstand 1:1

Jedes häufiger bereiste Land Europas hat seine Vorzüge: In Dänemark gibt’s Fransk Hotdog und Christiania. Tschechien hat billiges Bier und fettige Klobasa, Italien Pizza und Pasta, Spanien Tapas und Sangria, Holland Frikandel, Polen Zapiekanka, Kielbasa und Module in freier Wildbahn. Dennoch muss ich gestehen, dass ich für Fußballtrips am liebsten auf die Insel (nicht Mallorca!) fliege. Neben der Sprache und den in der Regel einfach über das Netz zu buchenden Verkehrsmitteln, spricht natürlich auch die Fußball- und Pubkultur für das Vereinigte Königreich. Und so wurden Mitte Juli bereits Flüge nach Manchester für einen Wochenendtrip in der Länderspielpause im November gebucht. Für den Freitag waren zunächst 3 Spiele in der Welsh Premier League angesetzt. In den letzten Wochen wurden die Spiele der Cefn Druids und von Bangor City allerdings noch verlegt und so verblieb der Kick zwischen Bala Town und Connah’s Quay. Vom Manchester Airport ging es ereignislos per Zug über Chester nach Ruabon in Wales. Von dort sollte es nach knapp zweistündiger Wartezeit im Duke of Wellington (Pint zwischen 2,50 und 2,80 GBP) mit dem Überlandbus T3 weiter nach Bala gehen.

 

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Unsere vierköpfige Reisegruppe fand sich überpünktlich an der Bushaltestelle ein, an der noch zwei weitere Personen auf den Bus zu warten schienen. Mit einer kleinen Verspätung bog die T3 dann um die Ecke und alles machte sich zum Einsteigen bereit. Die Fahrerin schaute kurz aus dem Fenster, drückte aufs Gaspedal und fuhr an der Haltestelle vorbei. Geeeile Aktion! Nach Auskunft einer jungen Dame hätte man durch winken den Mitfahrwunsch signalisieren müssen… So hatten wir dann dankenswerterweise noch Zeit für ein Pint im The Vault (stabile 2,40 GBP) und konnten eine Stunde später den nächsten Bus nehmen. Dieser hielt nach wilder Winkerei auch tatsächlich an. Die Fahrt nach Bala sollte mit 5,70 GBP zu Buche schlagen, wobei der polnischstämmige Fahrer (Oleg) kaum Wechselgeld parat hatte. Am Wochenende würden bei ihm schließlich alle mit Scheinen bezahlen… Nach kurzer Diskussion durfte das Gefährt schließlich doch bestiegen werden. Oleg machte es Robert Kubica gleich und drückte das Gaspedal ordentlich durch, um uns nach knapp 1 ½ Stunden in Bala vor dem gebuchten Hotel rauszuschmeißen. Hier stärkten wir uns zunächst mit Pie, Burger und Fish & Chips, bevor es Richtung Sportplatz gehen sollte.

 

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Offiziell kann „Maes Tegid“ 3000 Zuschauern Platz bieten, 504 davon auf Sitzplätzen entlang der Gerade. Hinter einem der Tore ist noch eine kleine, überdachte Tribüne mit Stehplätzen vorhanden, auf der die Dorfjugend fleißig supportete. Die Wurzeln des Gastgebers reichen bis ins Jahr 1880 zurück. Höherklassig kickt Bala allerdings erst seit den 2000ern. In den letzten Jahren sogar auf europäischer Bühne. Über die erste Qualifikationsrunde ist man gegen Gegner wie den FC Vaduz oder AIK Solna aber nie hinaus gekommen.

 

Ein früherer CCK-Beitrag von Malta findet sich hier. Damals wurden die drei meistgenutzten Stadien der Insel gekreuzt, deren Besuch bei meinem Aufenthalt auf der Insel terminlich leider nicht möglich war. Stattdessen wird das direkt nördlich vom Nationalstadion gelegene MFA Centenary Stadium besucht, um einer Erstrundenpartie der FA Trophy, dem hiesigen Pokalwettbewerb, beizuwohnen. Strukturiert ist diese ähnlich wie das große britische Vorbild, d.h. Teams höherer Ligen steigen erst später in den Wettbewerb ein.

 

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Freunde exotischer Vereine sind mit diesem Wettbewerb jedenfalls gut bedient: die Clubs von Gozo, einer zum Staat Malta zugehörigen Insel, die unter dem Dach der Maltese Football Association (MFA) ihre eigenen zwei Ligen ausspielen, nehmen hier ebenfalls teil.

 

Der gastgebende Għajnsielem F.C. ist siebenmaliger Gozo-Meister und der älteste noch bestehende Verein auf der Insel. Die Gäste vom Kirkop United FC spielen in der Maltese Third Division, also der untersten der 4 maltesischen Ligen.

 

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Man kann sich das Niveau bei dieser recht unterklassigen Ansetzung also schon in etwa vorstellen – und: man wird auch nicht gerade positiv überrascht. Knapp 50 Zuschauer finden sich auf der einzigen Tribüne des Kunstrasenplatzes ein (Fassungsvermögen ~2.000 Zuschauer), um Zeuge eines recht grottigen, aber dennoch irgendwie denkwürdigen Spiels zu werden.

Promontor utcai Stadion, 01. Oktober 2017, Endstand 0:3

 

Das Schöne an einem Städtetrip mit der Liebsten in eine Großstadt ist, dass man hier meistens genügend Auswahl an Spielen hat, und sich dann mal zu einem verdrücken kann, dessen Terminierung für möglichst wenig Verstimmungen sorgt. So geht es am langen Wochenende zum Tag der Deutschen Einheit, das in Budapest verbracht wird auch nicht zu einem der großen Vereine wie Ferencvaros, Honved oder Ujpest, sondern in den Budapester Südwesten zum Zweitligisten Budafoki MTE.

 

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Großartige Erfolge hat der 1912 gegründete Club nicht vorzuweisen, in der Vorsaison gelang immerhin der Sprung in die 2. Liga. Dort muss man sich wenig überraschend nach unten orientieren: Budafoki steht im Tabellenkeller und empfängt an diesem Spieltag den Tabellenzweiten aus Kiszvárda.
Mit Tram und Bus geht es zum 4000 Zuschauer fassenden Promoter utcai Stadion. Der Ground überzeugt sofort: eine gepflegte Anlage mit einer netten Sitzplatztribüne. Einzig die Laufbahn trübt den Gesamteindruck etwas. Naja, das und die übelst trashige Vereinshymne im 90er Jahre-Eurodance-Style....

 

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Bei strahlendem Sonnenschein finden 500 Zuschauer ihren Weg hierher, wobei sich der Supportkern auf der Tribüne auf Höhe der Mittelinie einfindet. Die Gästefans sind am Ende derselben Tribüne untergebracht, getrennt sind die Lager nur durch ein paar Bauzäune und Flatterband.

 

Stadion am Zoo, 14. Oktober 2017, Endstand 2:0

 

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„Großstadt im Grünen“, „Wiege der Industrialisierung Deutschlands“ oder auch das „San Francisco Deutschland“ - all das sind Attribute, die Wuppertal zugeordnet werden. Dabei ist die Stadt im Bergischen Land noch nicht einmal 100 Jahre alt, da sie erst 1929 durch den Zusammenschluss der Städte Barmen und Elberfeld, so wie Ronsdorf, Cronenberg und Vohwinkel entstand. Noch älter ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt, welches sie in einer Reihe mit Brockway, Ogdenville und North Haverbrook erscheinen lässt. Wohl niemand denkt bei dem Begriff „Schwebebahn“ nicht an Wuppertal und umgekehrt. Alleine, um einmal mitgefahren zu sein, lohnt der Ausflug an die Wupper.

 

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Wobei auch das Stadion am Zoo alleine durchaus seine Reise wert ist. Offiziell passen auf die Tribünen 28.300 Zuschauer, davon dürfen aus Sicherheitsgründen aber maximal 25.300 genutzt werden (im oberen Bereich der Gegengerade wird ein wenig Lost-Ground-Feeling erzeugt). Schmuckstück ist die in den 1990ern noch einsturzgefährdete, dann aber sehr gelungen renovierte Haupttribüne, die zur Wupper hin gelegen ist und 5000 Sitzern ein Dach über dem Kopf bietet.

 

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Einst zählte das Stadion am Zoo zu den größten im Westen der Republik und war weltberühmt für seine Radrennbahn, auf der etliche Rekorde erzielt wurden. Diese existiert aber schon lange nicht mehr, in den ehemaligen Kurven befinden sich inzwischen Stehränge. Aufgrund von finanziellen Komplikationen kam es während der Umbauten immer wieder zu Verzögerungen.

 

Klamme Kassen – wie bei vielen anderen Traditionsvereinen auch beim WSV, der drei Jahre in der Bundesliga (von 1972 bis 1975) spielte und auf eine Teilnahme am UEFA-Pokal 1973/74 (Erstrunden-Aus gegen Ruch Chorzów) zurückblicken kann, ein leidiges Thema. Die finanzielle Schieflage führte 2013 zur Zahlungsunfähigkeit und zum Absturz in die Fünftklassigkeit. Auf die „große Zeit" folgten in den 1970ern immerhin noch fünf Jahre in der 2. Bundesliga Nord. Danach blieb man, von einem kurzen Intermezzo in der 2. Bundesliga Anfang der 1990er abgesehen, drittklassig. Zur Jahrtausendwende stieg Wuppertal sogar bis in die vierte Liga ab, dies hatte aber weniger sportliche Gründe. Der Verein hatte vergessen Beiträge für die Berufsgenossenschaft zu leisten. Trotz vehementer Versuche sollte die Rückkehr in die 2. Bundesliga bis heute nicht gelingen, immerhin durfte sich der Verein aber zu den Gründungsmitgliedern der 3. Liga zählen. Doch brachte auch dies dem WSV kein Glück und man stieg weiter ab in die Regionalliga. Die Schuld an dieser Misere wurde von Fans unter anderem dem langjährigen Präsidenten Friedhelm Runge gegeben, der auch gleichzeitig der Geschäftsführer des Hauptsponsors war und zusätzlich Geld aus seinem Privatvermögen investierte. Mit seinem Rücktritt im Winter 2013 fehlte dem Verein von Stadion am Zoo nachfolgend ein Hauptsponsor, weshalb man im Sommer des gleichen Jahres Insolvenz beantragen musste.

 

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