Abbey Stadium, 3. März 2018, Endstand 1:1

 

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Väterchen Frost machte uns gleich zu Beginn der Tour einen Strich durch die Rechnung. Auch in Deutschland war es in den letzten Wochen schön frostig und der eine oder die andere konnte sich über etwas Schnee freuen. Unsere vierköpfige Reisegruppe musste einen Tag vor Abflug gen UK aber noch gehörig zittern, waren doch die meisten Flüge auf die Insel gestrichen worden. Wir hatten zunächst Glück, unser Eurowings-Bomber brachte uns pünktlich nach London-Heathrow und nur Flüge nach Schottland und Irland wurden gecancelt. In London selbst war außer etwas Schneematsch nicht wirklich viel von einer Schneekatastrophe zu sehen. Dennoch wurde das für Freitagabend geplant Spiel zwischen den U23-Mannschaften von Arsenal und Chelsea leider abgesagt. Auch das für den nächsten Tag geplante Spiel in Brentford gegen Cardiff stand lange auf der Kippe und wurde letztendlich gestrichen. Hass! Wie wollen die Briten denn bitte den Brexit wuppen, wenn nach 3 Schneeflocken das halbe öffentliche Leben stillsteht?! So mussten zumindest für den Samstag alternative Kicks ausgemacht werden. “Här” Kähler und Svenni entschieden sich mit (T)Watford vs. West Brom für eine sichere Sache. Ein Premier League-Spiel würde schon irgendwie angepfiffen werden. Für die Stange und mich war das allerdings keine Alternative, da der Ground bereits vor einigen Jahren gekreuzt wurde. Unser Lad Stuart war zuversichtlicht, dass der Kick seines LTFC in Cambridge angepfiffen würde und er noch Karten organisieren könnte. So gab es am nächsten Morgen gegen 09:30 nach der finalen Platzbegehung tatsächlich das “The game is on!”. Noch schnell Proviant in flüssiger Form organisiert und kurz vor Cambridge stiegen dann Stu und sein Vater Nigel zu. Dort angekommen war für Sightseeing (lt. Nigel ist Cambridge für England das, was Heidelberg für Deutschland ist) keine Zeit. Dafür testeten wir ausgiebig drei Pubs. Zunächst kehrten wir im “Devonshire Arms” ein. Nix besonderes, nicht viel los, aber so konnte man entspannt dem Ticker des Holsteinspiels folgen. Im “The Cambridge Blue” gab es dann diverse Bier- und Ciderspezialitäten am Hahn und 6 (!) Kühlschränke mit verschiedenen Gebräuen aus der gesamten Welt. Hammer! Von dort ging es dann per Uber zum “The Regal” von der Wetherspoon-Kette, der gut mit Auswärtsfans drinnen und Cops draußen besetzt war. Der Laden war früher mal ein Kino und hatte wegen seiner Größe den Lautstärkepegel einer Saufhalle. Weniger Flair, dafür stimmten die Preise. Und letzteres ist nach einigen Pints halt wichtiger.

 

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War noch was? Stimmt! Fußball wurde auch noch gespielt. Kurz vor kick-off ging es per Taxi zum Stadion. Schnell die hinterlegten Karten für den Gästebereich abgeholt und rein in die gute Stube. Das Spiel selbst ist trotz der Nähe der beiden Städte (ca. 65 km) kein Derby. Dafür fehlt der historische Hintergrund. Stattdessen wird von einer “local rivalry” gesprochen.

 

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Stadion Essen, 9. März 2018, Endstand 2:3

 

Ein Freitagabend im März. Während der Schreiber im Regionalexpress durchs Ruhrgebiet rollt, tauchen links und rechts der Strecke immer wieder ins Flutlicht getränkte Sportplätze auf, auf denen in Amateurkicker dem Ball hinterherjagen. Am Rand stehen ein paar Zuschauer, mit Bier und vielleicht sogar mit einer Bratwurst in der Hand. Der Charme dieser Szenerie lässt einem den Gedanken kommen, schon vor dem eigentlichen Ziel des Abends den Zug zu verlassen. Doch am Ende siegt doch die Aussicht auf ein Duell zwischen zwei klangvollen Namen des Fußballs im Westen der Republik. Rot-Weiss Essen empfängt die SG Wattenscheid 09.

 

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Zwischen den Stadien der beiden Teams liegen Luftlinie kaum viel mehr als 10 Kilometer, trotzdem verläuft zwischen den beiden Städten (wobei Wattenscheid seit 1975 nur noch ein Stadtteil von Bochum ist) die Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen. Die kann allerdings ohne Probleme passiert werden – da die Ankunft am Hauptbahnhof der neuntgrößten Stadt Deutschlands aber vergleichsweise spät erfolgt, muss sich mal ein Taxi gegönnt werden, mit dem das Stadion Essen um 19:20 Uhr erreicht wird. Kleiner Sprint zur Ticketbude, Karte gekauft, das Einlassprozedere überstanden und um 19:27 Uhr kann der Platz auf der Helmut-Rahn-Tribüne eingenommen werden.

 

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Helmut Rahn ist einer der großen Namen, an der die Geschichte von RWE reich ist. Neben dem „Boss“ kickten unter anderem August Gottschalk, Willi „Ente“ Lippens, Horst Hrubesch und Frank Mill an der Hafenstraße, aber auch ein gewisser Mesut Özil spielte in der Jugend dort für fünf Jahre. Die große Zeit der Rot-Weissen, die 1907 noch als SV Vogelheim gegründet worden sind, waren die 1950er, in denen 1953 der DFB-Pokal (2:1 im Finale gegen Alemannia Aachen) und 1955 die Deutsche Meisterschaft (4:3-Sieg im Endspiel gegen Kaiserslautern). Nachfolgend durften die Essener als erste deutsche Mannschaft im neugeschaffenen Landespokal der Landesmeister antreten. Nach einem 0:4 und einem 1:1 war da aber bereits in der ersten Runde Schluss gegen die „Hibs“ aus Edinburgh. Bei der Einführung der Bundesliga war der Verein im Oberhaus nicht vertreten, konnte aber immerhin 1966, 1969 und 1973 Aufstiege dorthin feiern. Die Saison 1976/77 sollte das bis heute letzte Bundesliga-Jahr werden. Ein Highlight war noch einmal der Final-Einzug im DFB-Pokal, in der Liga schaffte es RWE allerdings immer wieder, hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Dem sportlichen folgte 2010 auch der wirtschaftliche Niedergang, der einstige Meister musste Insolvenz anmelden und den Gang in die fünftklassige NRW-Liga antreten. Die konnte nach nur einem Jahr wieder in Richtung Regionalliga verlassen werden, trotz höherer Ambitionen ist Essen seitdem dort zuhause.

 

Das Zuhause im wörtlichen Sinne ist traditionell die Essener Hafenstraße, wo 1923 das erste Stadion eröffnet wurde. In den 1950ern wurde eine moderne Haupttribüne errichtet, die dem Bau den Beinamen „deutsches Highbury“einbrachte, zudem erhielt das Stadion als erstes in der Bundesrepublik ein Flutlicht. Sechzig Jahre später war die Tribüne des Georg-Melches-Stadion allerdings, wie der Rest der Spielstätte in die Jahre gekommen. Klamme Kassen bei Verein und Stadt bremsten das Thema „Neubau“ allerdings immer wieder, trotzdem konnte im August 2012 das neue „Stadion Essen“ eröffnet werden. Die komplette Fertigstellung durfte dann ein Jahr später gefeiert werden. Vom alten Stadion ist noch einer der beeindruckenden Flutlichtmasten erhalten – sowie noch einige Bilder an der Stadionzufahrt.

 

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Der Neubau besteht aus vier getrennt stehenden, einrangigen Tribünen, von denen drei nach Vereinslegenden benannt sind. Der Supportkern befindet sich auf der „Alten West“ und ist eigentlich seit je her ein festes Potenzial des Vereins. Selbst an diesem Freitagabend können über 6.000 Zuschauer begrüßt werden (darunter auch einige Kieler), wobei sich im Gästeblock eher ein höchstens mittelgroßer Mob einfindet.

 

Willy-Sachs-Stadion, 6. März 2018, Endstand 1:1

 

Der folgende Hoppingbericht entstand unter freundlicher Mithilfe der United States Air Force. Da die Räumung eines Weltkriegsblindgängers in Firmennähe und die damit verbundene Evakuierung im 500m-Radius dem Schreiber einen freien Nachmittag bescherte, werden nun doch ein paar Zeilen aufs virtuelle Papier gebracht. Ursprünglich war das gar nicht geplant, da das Willy-Sachs-Stadion ja CCK-seitig kein Neuland mehr ist, siehe hier und hier . Auch bei mir stand das Willy-Sachs-Stadion schon länger recht weit oben auf der ToDo-Liste. Wurde im Vorfeld noch mehrfach überprüft, ob das Spiel schon abgesagt wäre – der Tieftemperaturphase fiel so z.B. auch das für den vorigen Freitagabend angesetzte Heimspiel der Schweinfurter zum Opfer – schien für das Heimspiel gegen Bayern II aber alles glattzugehen. Die Wettervorschau vom Sonntag prognostizierte für den Dienstagabend sogar schon beinahe frühlingshafte 7-8°. Also Celsius...Passend dazu machte ich mich nach der Arbeit von Fürth aus bei Schneefall auf den Weg :/

 

In Schweinfurt angekommen, war das Thermometer immerhin leicht im Plusbereich. Die 2km Fußweg zum Stadion bestätigten die Eindrücke der Vorschreiber: Schweinfurt ist wirklich alles andere als hübsch, tatsächlich die erste fränkische Mittelstadt, der ich das Prädikat „echt hässlich“ verleihen würde. Das gleicht das Willy-Sachs-Stadion aber mehr als aus: ein wunderschöner Oldschoolground. Durchgängige, moosbewachsene Stehtraversen auf einem Erdwall, Bäume links und rechts des Fußwegs oberhalb der Stehränge und vier herrliche, leicht schräg in den Ground hereinragende Flutlichtmasten.

 

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Mussten beim Derby gegen die Würzburger Kickers 2013 noch 10€ für den Eintritt berappt werden, so ist man heute für 9€ mit von der Partie. Ein durchaus fairer Preis. Darüber hinaus gibt es zum heutigen Spiel noch eine Aktion, die Schülern und Studenten zum symbolischen Preis von 1€ Zutritt gewährt. Mir gefällt das, allerdings hat es den beabsichtigten Effekt wohl nicht erzielt. Es finden sich um die 1500 Zuschauer ein, davon ca. 200 Bajuwaren im Gästeblock.

 

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Eigentlich doch eher wenig, wenn man zusätzlich bedenkt, dass die Partie Fünfter gegen Zweiter im Vorfeld zum Spitzenspiel erklärt wurde. Na gut, als Neutraler sagt der Blick auf die Tabelle und hier vor allem auf die Punktzahlen, dass „Verfolgerduell“ sicher eine treffendere Titulierung gewesen wäre. Echte Aufstiegschancen haben die „Schnüdel“ mit 11 Punkten Rückstand auf 1860 nämlich nicht mehr. Vor Anpfiff noch schnell die Gastro abgecheckt: zweierlei Sorten Brät werden auf den Grill geworfen. Klassische Bratwurst und eine rote Rindswurst. Die Wahl fällt auf letztere. Das kurze Fazit: geschmacklich top und preislich für 2,50€ inkl. Brötchen okay stört doch nur die etwas zähe Pelle den Genuss.

 

Hermann-Neuberger-Stadion, 10. Februar 2017, Endstand 3:2

 

Die Ansetzung des Lauternspiels auf den Freitagabend bot die Gelegenheit, am Samstag noch irgendwo ein Spielchen mitzunehmen. Die Wahl fiel dann auf eine Heimpartie des FC Saarbrücken. Prinzipiell wär auch ein Doppler mit Metz locker machbar gewesen, aber dank einer guten Zugverbindung zurück nach Nürnberg wurde es dann doch nur dieses Match. Schon verrückt, vor gar nicht langer Zeit durften wir noch mit dem Traditionsverein aus der saarländischen Landeshauptstadt die Klingen kreuzen, heute trennen Holstein und den FCS zwei Ligen. Nach dem Abstieg aus der 3. Liga 2014 scheiterte man direkt in der Folgesaison als Zweiter in der Aufstiegsrelegation an den Würzburger Kickers. Nach den Plätzen 7 und 3 in den darauffolgende Tendenz wieder zwar klar nach oben. Vor diesem Spieltag führt man die Regionalliga Südwest souverän mit 13 Punkten Vorsprung an. Dass das aber am Ende nicht viel wert sein muss, weiß man in der Südwest im Allgemeinen sehr gut, zogen doch beide Vertreter in den letzten Jahren immer – mal mehr, mal weniger dramatisch – den Kürzeren.

 

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Aufgrund des langwierigen Umbaus des heimischen Ludwigsparks trägt der FCS seine Heimspiele von 2016 an bis voraussichtlich 2019 im benachbarten Völklingen. Völklingen ist eine alte Bergbau- und Stahlstadt: dementsprechend „hübsch“ gestaltet sich der Fußweg vom Bahnhof zum Stadion auch. Bis auf das Alte Rathaus gibt es eher weniger Hingucker, dafür wird man direkt von der Völklinger Hütte empfangen und Schornsteine prägen das gesamte Stadtbild.
Nach zwei km ist das Hermann-Neuberger-Stadion des aktuellen Ligakonkurrenten SV Röchling erreicht.

 

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Von den ca. 8400 Plätzen sind lediglich 600 überdachte Sitzplätze auf der kleinen Tribüne, der Rest sind offene Steher. Diese befinden sich links und rechts der Tribüne. Die Stehblöcke enden jeweils in den Kurven, neben dem Gästeblock läuft die Kurve als grasbewachsener Wall weiter, der zur gegenüberliegenden Eckfahne hin schließlich sanft ausläuft. Der Ground atmet noch durch und durch den Geist vergangener Jahrzehnte: Laufbahn, freistehende Imbissbuden und ein schönes Dixiland ;)

 

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Die Heimspielstätte des VfR Kaiserslautern ist nicht nur aufgrund der 1925 errichteten Holztribüne ein wahres fußball-historisches Kleinod - und liegt nur wenige 100 Meter vom Fritz-Walter-Stadion entfernt. Wer also sowieso in der Pfalz ist, sollte auch auf dem Erbsenberg vorbeischauen.

 

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