London – nach Kiel wahrscheinlich die zweitbeste Stadt der Welt und immer einen Ausflug wert. Selbst dann wenn dein englischer Freund sagt: „No football this weekend“. Nun gut, im Vorfeld der eigenen Hochzeit kann man schon einmal das FA Cup Finale, die FA Non League Finals, sowie diverse weitere Amateurspiele übersehen. Also zum Glück doch Fußball, wobei die Wahl auf die Non-League-Finals fiel. Zum ersten Mal sollten die Finale der beiden kleineren Pokalwettbewerbe FA Vase und FA Trophy an einem Tag ausgespielt werden, der passende Ort hierfür natürlich das Wembleystadion. Karten hatte der eingangs bereits erwähnte Freund bestellt, Zitat:“I booked you for the Grimsby Town FC Section. They're from a harbour town, you're from a harbour town. That should fit.“ oder kurz gesagt: Menschen von der Küste verstehen sich.

 

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Nach Ankunft im United Kingdom am Donnerstag und der eingangs breits erwähnten Hochzeit am Freitag, gibt es am Sonnabend schon mal ein kleines Aufwärmsprogramm in Sachen Fußball. Am Abend steht nämlich das FA Cup Finale zwischen Manchester United und Crystal Palace an. Besonders die Anhänger der in Süd-London beheimateten „Eagles“ bzw. „Glaziers“ (die beiden Spitznamen von Palace) finden sich schon tagsüber vor dem Pubs der Hauptstadt ein. Als Treffpunkt vor der Weiterreise nach Wembley dient der Platz vor den ehemaligen Markthallen von Covent Garden, wo bereits ziemlich gute Stimmung herrscht und diverse Bier und Cider konsumiert werden. Typisch englisch alles, doch lässt sich eine Besonderheit feststellen: Mit den „Homesdale Fanatics“ gibt es bei Crystal Palace die einzige Ultràgruppierung im englischen Profifußball. Das fällt nicht nur durch den Kleidungsstil auf, sondern setzt sich auch beim Support während des Spiels fort. Dies wird von der norddeutschen Reisegruppe nach einem Zwischenstopp im Fish&Chips-Shop in einem Pub in der Nähe vom Bahnhof Paddington verfolgt. Hier anwesdend sind, erkennbar an Schals und Reaktionen, Anhänger beider Vereine, die zwar einige Schmähungen in Richtung der jeweils anderen Seite austauschen, aber keinesfalls in einer aggressiven Weise. Am Ende gibt es für die Minderheit der Manchester United Supporter ein Schulterklopfen, die Palace-Fans sind enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört. Man sei ans Scheitern gewöhnt, wurde uns bereits nachmittags erklärt.

 

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16. Mai 2016, Stadion am Rosengrund, Endstand 2:1

 

November 2011 – ein paar Tage Urlaub in Büsum. Es war kalt, nass und neblig. Nur wenige Zuschauer hatten sich ins Stadion verirrt.

Viereinhalb Jahre später war das Wetter deutlich besser und wir schauten mal wieder am Rosengrund vorbei.

 

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Gespielt wird am Rosengrund schon seit 1933. Der alte Platz befand sich bis dahin am heutigen ZOB. 1972 baute man das Stadion am Rosengrund dann zu einer modernen Mehrzweck-Sportanlage mit Kegelbahn, Squashhalle und einem gemütlichen Vereinsheim aus. Die weitläufige Anlage bietet Trainings- und Grandplatz, Spielfeld und Highlights wie ein Beachvolleyballfeld und einen in die Leichtathletik-Zone integrierten Basketballplatz. Die kleine Tribüne zwischen Spielfeld und Granner bietet überdachte Stehplätze und 2 Reihen Bänke.

 

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Der TSV Büsum wurde im 1892 als "Büsumer Turnerschaft" gegründet. Bis in die dreißiger Jahre spielte Fußball hier jedoch keine Rolle. Erst nach Ende des zweiten Weltkrieges gewann die Fußballsparte an Bedeutung. 1986 z. B. stellten die Fußballer die meisten Wettkampfgruppen, in den achtziger und den neunziger Jahren spielte man zwischenzeitlich in der Landesliga, der damals zweithöchsten Spielklasse Schleswig-Holsteins und schaffte Ende der Achtziger sogar dank solider Vereinspolitik den Schritt in die Verbandsliga. Dies sollte jedoch ein einmaliger Erfolg bleiben, 2003/2004 scheiterte man knapp am erneuten Aufstieg. Große Erfolge kann man seit dem nicht mehr verzeichnen. Derzeit spielt man in der Kreisliga.

 

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In dem Spiel ging es darum, den Klassenerhalt zu sichern. Mit einer Führung gingen die Gastgeber in die Pause. Doch Glückstadt glich wenige Minuten nach Wiederanpfiff aus. Erst in der 88. Minute ging Büsum in Führung und jubelte befreit.

 

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Die leckere Wurst, die authentischen und freundlichen Leute rund um die Ultràszene Büsum – überhaupt das ganze Umfeld machen einen Besuch auf dem Rosengrund lohnenswert.

 

Alle Bilder gibt es in der Galerie zu sehen.

Wie so viele machte ich mich letztes Jahr nach meinem mehr oder weniger erfolgreichen, doch immerhin bestandenen Abitur auf den weiten Weg nach Australien.

Nach überstandenem Jetlag wurden erst mal die umliegenden Strände sondiert, um der neu gewonnen Freiheit nichts tuend Ausdruck zu verleihen. Doch so geil die Strände und Landschaften auch sind, es kam die Sehnsucht auf, endlich mal wieder Stadionluft zu schnuppern und zu schauen, was Down Under fussballtechnisch so zu bieten hat.

 

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Also fix das nächstbeste Spiel herausgesucht. Western Sydney Wanderers vs. Adelaide United sollte mein erstes Match auf australischem Grund lauten. Entspannte 10 Minuten Fußweg vom Hostel war das Parramatta-Stadium gelegen. So konnte dank rechtzeitigem Aufbrechen noch das ein oder andere Gerstenkaltgetränk in der, in unmittelbarer Entfernung zum Stadion liegenden Fankneipe der Wanderers verköstigt werden. Das Stadion an sich ist kein besonderes Highlight. Das lag unter anderem daran, dass es, wie in ganz Australien, keine Stehplätze zu bieten hatte. Auch das Spiel wusste nicht unbedingt zu überzeugen. Beide Teams mussten sich mit einem 0:0 zufrieden geben. Aber das war an diesem Tag nebensächlich. Die Freude, einen neuen Ground 16.000 km abseits der Heimat abgehakt zu haben, überwog deutlich.

Meine Reiseroute führte entlang der Süd- und Ostküste Australiens. Das hatte zum Vorteil, dass nahezu alle australischen Großstädte passiert wurden, in denen fast alle Clubs der nur 10 Teams umfassenden Liga beheimatet sind.

Das aus meiner Sicht schönste Stadion fand ich in Adelaide vor. Durch seine große Haupttribüne konnte ein Funken Tradition in dieser erst sehr jungen australischen Fußballgeschichte versprüht werden. Denn obwohl natürlich auch in der ehemaligen britischen Strafgefangenenkolonie schon seit Ende des 19. Jahrhundert gegen den Ball getreten wird, wurde der australische Verband erst 1961 gegründet. Der Beitrott zur Fifa erfolgt 1963 – in dem Jahr, in dem in Deutschland die Bundesliga gegründet wurde und bereits 51 Deutsche Meistertitel errungen wurden.

Der erste Ligabetrieb wurde sogar erst 1977 eingeführt. Bei der heutigen ersten Liga, der A-League, handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Liga. Sportliche Auf- noch Abstiege sind nicht möglich. Der Unterbau ist bereits in diverse Regionalverbände aufgeteilt.

In der Gegenwart wurden natürlich auch die kulinarischen Begebenheiten genauestens unter die Lupe genommen. Besonders die mit Käse veredelte deutsche Bratwurst, die es bei Melbourne Victory gab, wusste zu überzeugen. Lediglich der stolze Preis von 10$ war uns ein Dorn im Auge. Selbes traf auch auf die Bierpreise zu, welche sich in ähnlich schwindelerregenden Höhen befanden.

 

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Nach neun Monaten Australien und insgesamt 13 besuchten Spielen, lässt sich sagen, dass Australien für vieles steht. Unendliche Weiten, offene Menschen, traumhafte Landschaften, aber für seinen Fußball sicherlich nicht. Vielmehr wird es hier als ein „family-event“ inszeniert, welches in erster Linie auf Konsum ausgelegt ist. So etwas wie Fankultur hat die Liga in den meisten Fällen nicht zu bieten. Das war neun Monate lang für mich auch völlig in Ordnung. Aber irgendwann freut man sich trotzdem wie Bolle, nächste Saison endlich wieder auf der Westtribüne, unseres geliebten Holsteinplatzes stehen zu können.

 

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Aulatal-Kampfbahn, 7. Mai 2016, Endstand 0:0

 

Liga: Kreisoberliga Fulda Nord. Ausbau: Immerhin ein kleiner überdachter Unterstand. Der Grund, warum der Platz aber schon häufiger von Groundhoppern besucht wurde: Seine extrem günstige Lage am Verkehrsknotenpunkt Kirchheimer Dreieck, der Platz liegt wirklich unmittelbar an der A7. So ist die Spezies der Stadiontouristen den Einheimischen nicht unbekannt, und auch die Aufkleber an der Spielfeldumrandung sind ein Indiz für Reisende aus Nord und Süd, Ost und West. 

 

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Und so legt auch die norddeutsche Reisegruppe einen Zwischenstopp auf der Aulatal-Kampfbahn ein (der zweite Non-League-Ground im Kreis Bad hersfeld innerhalb von zwei Wochen - wer hätte das gedacht). Die Anstoßzeit ist einfach zu perfekt und auf dem Grill bruzeln frische Bratwürste.

 

Sportpark Königsberg, 8. Mai 2016, Endstand 0:1

 

Wo warst du an dem Tag, als RB Leipzig in die Bundesliga aufgestiegen ist?

 

Okay, zunächst einmal stört es mich persönlich gar nicht so doll, dass das Symbol der Kommerzialisierung des Fußballs in der Bundesliga angekommen ist. Denn wo so viel nach Traditionsvereinen und Fußballtradition gerufen wird - die kann man auch prima in niedrigeren Spielklassen suchen. Zum Beispiel in der Oberliga Niedersachsen, um auf die Eingangsfrage zurückzukommen. Partie: Teutonia Uelzen gegen Arminia Hannover.

 

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Gegründet wurde der Heimverein zunächst 1912 als Fußballclub Teutonia. Die große Zeit der Uelzener kam allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem ehemaligen Abwehrspieler von Vorwärts-Rasensport Gleiwitz, Richard Kubus, der sogar eine Berufung in die Nationalmannschaft vorweisen konnte. Mit Kubus gelang 1946 sogar der Einzug in die Endrunde um die Norddeutsche Meisterschaft, der Aufstieg in die Oberliga blieb allerdings verwährt. Von 1947 bis 1964 hielt sich die Teutonia beständig in der zweithöchsten Spielklasse, allerdings schien der Weg nach oben wie vernagelt. Teilweise auf dramatische Weise scheiterte der Verein in den Aufstiegsrunden, so zum Beispiel in der Saison 1960/61 als nach einem 1:1 und 0:0 gegen Eintracht Nordhorn der Münzwurf entscheiden musste. Mit dem Absturz in die Viertklassigkeit 1964 war die große Zeit der Uelzener vorbei, auch wenn 1968/69 noch einmal die Qualifikation für die Regionalliga (unter anderem gegen Friedrichsort) erreicht wurde, in der man allerdings scheiterte. Die großen Zuschauermassen blieben in der Folge fern, vernachlässigte Nachwuchsarbeit und, wie bei so vielen Traditionsvereinen, finanzielle Probleme wirkten wie ein Klotz am Bein. Ein Problem, das auch dem Gegner Arminia Hannover (zweifacher Niedersachsenmeister und ehemaliger Zweitligist) nicht unbekannt ist. Insofern müsste es einen als Fußballfan eigentlich viel trauriger stimmen, dass zwei Vereine mit solcher Historie im Kellerduell der Oberliga Niedersachsen aufeinandertreffen – mehr als dass ein Werbeprodukt im Oberhaus des Kommerz angekommen ist.

 

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Immerhin ist es schön zu sehen, dass es auch in diesen Ligen noch „lebendige“ Vereine gibt. Die Arminen haben es immerhin geschafft, einen Fanbus für das wichtige Auswärtsspiel zu organisieren. Und so haben die Gäste zuschauertechnisch ein Übergewicht im Sportpark Königsberg. Der ist seit 1992 die Heimat des Vereins, der vorher am „Musterplatz“ zuhause war, von dessen dort ansässigen 16. Lüneburger Dragonern die Teutonen auch die blau-gelben Vereinsfarben übernahmen. Die Farben wurden natürlich auch auf den neuen Platz mitgenommen, insgesamt macht die Anlage einen sympathischen Eindruck. Neben ein paar Stufen, die natürlich offiziell zum Stehen gedacht sind, gibt es noch einen kleinen, abgetrennten Bereich mit einigen Sitzschalen. Dazu Vereinsgaststätte, Wurstbude und ein kleiner Sprecherturm. Wie man im Norden gerne sagt: Datt passt.

 

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