Estadio Luis Pérez Lozano, 2. April 2018, Endstand: 3:2

 

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Die Fußballmeisterschaft Kubas wurde in den letzten Jahren jeweils in der ersten Jahreshälfte ausgetragen. Mit dieser Erkenntnis ausgestattet konnten Ende 2017 die Flüge gebucht und auf die Terminierung der Spiele gewartet werden. Nur knapp zwei Wochen vor Abflug wurden dann endlich die Ansetzungen der „Zweiten Runde“ des Campeonato Nacional de Fútbol de Cuba bekannt gegeben. Da die Spiele der ersten beiden Runden auf vom Verband bestimmten Plätzen stattfinden und erst ab der ab dem 28.04. ausgespielten Finalrunde im „eigenen“ Stadion gespielt wird, mussten nur noch die Spielorte für den anvisierten Spieltag ermittelt werden. Mario vom futbol-cubano-Blog (LINK) war dabei eine zuverlässige Quelle. Sehr hilfreich war auch Marco Pellegrino von “Free Tour Havana” (LINK), der sich die von uns ins Auge gefasste Partie telefonisch beim INDER (Instituto Nacional de Deportes Educación Física y Recreación) bestätigen lassen konnte. INDER scheint bei Ansetzungsfragen auch ein zuverlässigerer Ansprechpartner als der nationale Fußballverband Asociación de Fútbol de Cuba.

 

Am Spieltag selbst musste noch eine Strecke von knapp 400 km von Viñales nach Cienfuegos hinter sich gebracht werden. Dies klappte zum Glück reibungslos und so konnte unsere Unterkunft in Stadionnähe entspannt bezogen werden. Da es bei der Anstoßzeit noch eine kleine Unstimmigkeit gab (lt. Kontaktmann Mario 15:00, lt. INDER 15:30) begaben wir uns gegen 14:00 zum Estadio Luis Pérez Lozano. Von Spielern war noch nix zu sehen, aber immerhin waren Tornetze und Eckfahnen vorhanden. Ein paar im Schatten der Tribüne gammelnde Jugendliche bestätigten dann das Nachmittagsspiel. So konnten wir noch ‘ne kleine Runde drehen und am wesentlich größeren Baseballstadion vorbeischauen.

 

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Bei unserer Rückkehr hatte es sich dann auch schon die Mannschaft von Pinar del Río unter dem Wellblechdach gemütlich gemacht und so langsam stellte sich das gute Gefühl ein, dass es mit dem Länderpunkt – nach über einem Jahr Vorbereitung/Planung – tatsächlich klappen sollte.

 


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Der Anpfiff ertönte dann gegen 15:57 und es entwickelte sich ein recht munteres Spiel auf dem (kaum vorhandenen) Rasen. Nach ca. 10 Minuten fiel der umjubelte Führungstreffer für die als Auswärtsmannschaft im heimischen Stadion angetretene Elf aus Cienfuegos. Während der ersten Hälfte trudelten immer mehr Zuschauer ein und konnte noch vor der Pause das 0:2 bejubeln. Zur Halbzeit hatten es ca. 350 Personen auf die Tribüne geschafft und die ein oder andere mitgebrachte Lautsprecherbox sorgte für die musikalische Untermalung des sonnigen Nachmittags. Ein paar fliegende Händler verkauften Cracker und Popcorn. Den Rum brachte jeder selbst mit. ;)

 

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Nach Wiederanpfiff durfte ein schöner Bock des Torwarts von Cienfuegos zum 1:2 begutachtet werden. Kurze Zeit später ein starker Kopfball zum 2:2-Ausgleich. Aber auch Freunde der rustikalen Gangart kamen auf ihre Kosten. So wurde zum Beispiel ein Spieler von Cienfuegos an der Eckfahne nach allen Regeln der Kunst umgemäht – was natürlich eine schöne Pöbelarie des Publikums nach sich zog. Der Übeltäter sah in dem Fall nur die gelbe Karte. Pinar del Río war jetzt besser im Spiel und konnte mehr Chancen kreieren. Die Grünen aus dem Westen des Landes konnten, nachdem der Assistent kein Abseits anzeigt, den Torwart von Cienfuegos ausspielen und zum 3:2 einnetzen. Kurz vor Schluss noch die große Chance zum Ausgleich, die knapp vergeben wurde. Nach Abpfiff klatschten die Mannschaften freundschaftlich ab und Pinar del Río konnte - nach ein paar Jahren in der Zweitklassigkeit - den Einzug in die Finalrunde feiern.

 

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Wie urlaubt es sich sonst so auf der sozialistischen Insel in der Karibik? Sämtliche Unterkünfte der Tour wurden vorab über Airbnb gebucht. Das wäre nicht zwangsläufig nötig gewesen, da vor Ort genügend casas particulares vorhanden sind, die zum Beispiel am Flughafen oder den Busbahnhöfen angepriesen werden. Auch kann ein Gastgeber Anschlussunterkünfte in beinahe jeder anderen Stadt vermitteln. Die Vorabbuchung hat natürlich den Vorteil, dass man sich die Wohnung vorher auf Fotos anschauen und die Lage in der Stadt berücksichtigen kann. Inkl. Gebühren sind wir bei 14 Übernachtungen bei einem durchschnittlichen Zimmerpreis von 24,90 € pro Nacht gelandet.

 

In den casas kann man sich Frühstück (5,- CUC/Person; 1 CUC = 1 US-$), welches meist aus frischen Früchten und Säften, Brot und Rührei besteht, ordern und auch abends kann man sich bekochen lassen. In der Regel hat man dann für 10,- CUC pro Person die Auswahl zwischen Huhn, Schwein, Fisch und Hummer. Dazu gibt es immer Salat und Reis mit Bohnen. Aber natürlich hat auch auf Kuba jede Hausfrau ihre eigenen Rezepte und so variieren die Beilagen (z. B. Maniok/Yuca, Kartoffeln, Bananenchips, Süßkartoffeln) von casa zu casa. Einfachere Snacks wie Sandwich oder Pizza sind unterwegs meist ab 1,- CUC aufwärts zu haben.

 

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Rosenaustadion, 28. April 2018, Endstand 0:0

 

Kam adj 28 gen Augspurg, Gott hab lob und dank, er mir so gnedig her verholfen hat.

 

Während des Studiums durfte sich ein Teil von CCK über ein halbes Jahr mit dem spätmittelalterlichen Tagebuch des Fernkaufmanns Lucas Rem beschäftigen, der zwar durch ganz Europa reiste, aber doch immer dankbar war, in seine Heimatstadt Augsburg zurückzukehren. Um so viel vorweg zu nehmen: Nach dem Besuch der Stadt und des Rosenaustadions (das dürfte jener Lucas Rem eher nicht mehr kennengelernt haben) kann diese Liebe zu einer der ältesten Städte Deutschlands mehr als nachvollzogen werden. Wir waren beeindruckt.

 

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Die Ursprünge des heutigen Augsburgs liegen dabei in einem römischen Heereslager und der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum. Zum Ende der Renaissance entwickelte sich die Stadt dann zu einem der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren der Welt, verantwortlich hierfür waren die einflussreichen Handelsfamilien der Fugger und Welser. Noch heute sind die Spuren dieser großen Epoche noch überall zu sehen – auf einem Rundgang bei fast schon sommerlichen Wetter werden das Rathaus, der Perlachturm und die Fuggerei angesteuert, aber natürlich wird sich auch Zeit für den Stadtmarkt und einige Augsburger Spezialitäten genommen.

 

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Zwei Stunden vergehen wie im Flug, doch dann ruft Hauptgrund für die Reise in bayrische Schwaben. Und das ist das Rosenaustadion. „Eine der größten und modernsten Anlagen im Bundesgebiet“ oder „Eines der schönsten Stadien Europas“ titelten die Zeitungen 1951 bei der Eröffnung des Baues, der das Herz von Stadionnostalgikern höher schlagen lässt. Tatsächlich war das Stadion der erste große Stadionneubau in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und war lange Zeit eine der wichtigsten Sportanlagen im Freistaat, deren Bedeutung als Austragungsort für Länderspiele und -wettkämpfe erst mit dem Bau des Münchener Olympiastadions verloren ging.

 

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Das beeindruckende Gefühl beim Betreten des klassischen Stadion-Ovals, das seit 2014 unter Denkmalschutz steht, ist hingegen geblieben. Auf der Gegengrade ragen die teils bestuhlten Traversen steil nach oben, auf der anderen Seite befindet sich die wunderschöne Haupttribüne, die mit Holzsitzen ausgestattet ist. Diese dürften ältere Semester an ihre Schulzeit erinnern. Abgerundet wird der Bau durch die Flutlichtmasten Marke Fliegenklatsche und die Anzeigetafel, auf der per Hand die Nummern gewechselt werden. Offiziell ist das Stadion für 28.000 Zuschauer zugelassen, Platz würden aber 31.300 finden.

 

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Fußball, Feldhandball und Leichtathletik lockten früher noch größere Zuschauermassen an, 1973 verfolgten 42.000 Schlachtenbummler das Regionalliga-Duell zwischen dem FC Augsburg und dem 1. FC Nürnberg, zum Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz kamen in Jahr 1952 sogar knapp 65.000 Zuschauer. Bei diesem Länderspiel wurde der Grundstein für den späteren WM-Kader gelegt, weshalb dieser auch den Beinamen „Augsburger Elf“ bekam. Im „Alltag“ wurde das Rosenaustadion zunächst vom Ballspiel-Club Augsburg (mit dem legendären Helmut Haller), der später mit der Lizenzspielerabteilung des TSV Schwaben Augsburg zum FC fusionierte, genutzt. Zudem trug 2001 der TSV 1860 hier seine UI-Cup-Spiele aus.

 

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Die letzte große Modernisierung erhielt das Stadion 2007, als unter anderem eine Rasenheizung verlegt wurde. Zwei Jahre später zog der FCA allerdings in die neugebaute WWK Arena um, allerdings nutzen die Zweite und Frauen weiterhin die traditionsreiche Spielstätte. Und so können die Freude klassischer Spielstätten immer noch Spiele, wenn auch vor eher kleinerer Kulisse, in diesem wunderschönen Stadion verfolgen.

 

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Zum Mittelfeldduell der Regionalliga Bayern ist der FV Illertissen angereist. Der FVI gelangte vor ein paar Jahren mit seinem Ein-Mann-Away-Mob zu einer gewissen viralen Bekanntheit. „Illertissen spielt international“, ist zwar im Rund nicht zu vernehmen, trotzdem befinden sich unter den 250 Zuschauern einige Anhänger des Gastes. Diese sind dann eher Oldies als Ultràs und genießen die top Verpflegung und das gute Wetter.

 

Sportanlage Sachsenweg, 22. April 2018, Endstand: 0:2

 

91 Teams ist die respektable Summe, auf die der Niendorfer TSV im Norden Hamburgs kommt, mit 8.235 Mitgliedern ist der am 13. Juli 1919 gegründete Verein zudem einer der mitgliederstärksten an der Elbe. Fußball gehörte bei der Gründung zunächst einmal nicht zum Programm, diese Sparte kam erst 1936/37 dazu. Die Nachwuchsförderung ist seit je her von zentraler Bedeutung, 2015 wurde der NTSV zum besten Verein Hamburgs im Bereich Jugendfußballausbildung gewählt. Die Junioren sind nach dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli zudem die dritterfolgreichsten in der Hansestadt und auch die 1. Herren ist meistens Stammgast in der Spitzengruppe der Oberliga.

 

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Die Fußballer tragen ihre Heimspiel am Sachsenweg aus, dessen Rasenplatz neben dem kultigen Sprecherturm mit angeschlossener Versorgungshütte über einige Stufen Ausbau entlang einer Längsseite verfügt.

 

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Sportplatz Finkenau, 22. April 2018, Endstand: 3:3

 

Sonntagmorgen. Der Blick aus dem Fenster verheißt einen sonnigen Tag und deshalb befindet sich der Schreiber bereits kurz nach dem Aufstehen auf der Autobahn Richtung Hamburg. Abfahrt Schnelsen Nord, doch wird der Flughafen rechts liegen gelassen, auch wenn die abhebenden Flugzeuge immer wieder ein wenig Fernweh wecken. Ein bisschen fühlt es sich aber doch so an, als wenn die Reise noch etwas weiter geht als die restlichen zehn Kilometer in den Stadtteil Uhlenhorst.

 

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Ein wenig versteckt liegt dort der Platz des KS Polonia Hamburg, wie am Namen unschwer zu erkennen ist, handelt es sich bei Polonia um den Verein der polnischen Minderheit in der Freien und Hansestadt. Als erste Anlaufstelle für schon länger an der Elbe lebende Polen, aber auch polnische Studenten wurde der Verein vor 30 Jahren gegründet – und nahm innerhalb kurzer Zeit eine durchaus beachtliche Entwicklung: Im ersten Jahr ging es von der Kreisklasse in die Kreisliga und in der Folgesaison direkt in die Bezirksliga weiter. Nach dem Klassenerhalt im ersten Jahr folgte dann der Aufstieg in die Landesliga, die auf einem respektablen vierten Platz abgeschlossen wurde. Damit scheiterte allerdings der Aufstieg in die Verbandsliga, auch wurden solche Höhen in der Folge von den „Auslandspolen“ nie wieder erreicht.

 

In der gleichen Saison (1993/94) scheiterte Polonia denkbar knapp an der Qualifikation für den DFB-Pokal. Erst im Finale des ODDSET-Pokals war nach einem 1:3 gegen Raspo Elmshorn Endstation. So weit hat es vorher und nachher kein Verein mit Migrationshintergrund mehr im Hamburger Pokal mehr geschafft. Wo Polonia wohl heute wäre, wenn damals der Sprung auf die große Bühne des Fußballs geklappt hätte?

 

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Die Realität 2018 heißt allerdings „Holzklasse“, also Kreisklasse 8 und der Spielort ist einer dieser klassischen Hamburger Grandplätze. Eine absolut charmante Anlage, die in der Straße „Finkenau“ zu finden ist – allerdings sind die Hartplätze an der Elbe inzwischen auch eher vom Aussterben bedroht. Einerseits weil solche innerstädtischen Filetstücke heiß begehrtes Bauland für Luxusapartments sind, andererseits bedeutet ein Wechsel auf Kunstrasen konkurrenzfähig zu bleiben. Noch staubt und knirscht es aber mächtig, wenn bei Polonia dem Ball hinterher gejagt wird. Mit einem kühlen „Piwo“ in der Hand wird um 10:45 Uhr Fußballromantik genossen.

 

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Weidachsportplatz Füssen, 02. April 2018, FC Füssen II - SG Geisenried 1:1

 

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