Willy-Sachs-Stadion, 25. August 2017, Endstand 3:1

 

„Menschlich, familiär, ehrlich mit einer Top-Stimmung, aber auch vielen Nörglern, denen man es niemals recht machen kann. Einfach ein Fußballverein, wie man ihn gern haben muss“, so beschreibt Schweinfurt-Präsident Markus Wolf seine 05er in einem Interview mit dem Zeitspiel-Magazin. Wer sich da ein wenig an Holstein Kiel erinnert fühlt hat gar nicht so unrecht, denn in vielen Dingen erinnert der Bayern-Regionalligist an die Störche – vor circa 15 Jahren. Das gilt auch für das Stadionrund mit Laufbahn, überdachter Haupttribüne und Baumbestand oberhalb der Stufen, der den norddeutschen Besucher fast ein wenig heimische Gefühle entwickeln lässt und das rund 580 Kilometer von der Ostseeküste entfernt.

 

Nach ein Mitglied des fußball-kulinarischen Hopperkollektivs schon 2013 in der unterfränkischen Industriestadt vorbeigeschaut hatte, wurde der Kick am Freitagabend dieses Mal als Zwischenstopp auf dem Weg zum Spiel der KSV bei Jahn Regensburg genutzt. Insgeheim hatte der Schreiber ja für den DFB-Pokal ein wenig auf ein Zweitrunden-Auswärtsspiel in Schweinfurt gehofft. Da dies aber von der Losfee wahrscheinlich auf Runde drei vorschoben wurde (wenn sich beide Vereine gegen ihre Gegner aus der Bundesliga durchsetzen ;) ), sollte nicht mehr so lange gewartet werden. Und so war die Vorfreude spätestens bei 100%, als vom Parkplatz bereits der erste Flutlichtmast und wenig später der schöne, alte Eingangsbereich zu erblicken war.

 

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Bei bestem Sommerwetter fanden sich rund eine Stunde vor dem Anpfiff bereits einige Fans ein, die bei Bier und Stadionwurst, oder auch Kaffee und Kuchen zugunsten der Jugendabteilung den Feierabend einläuteten.

 

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Hauptthema natürlich der bereits erwähnte Pokal, beziehungsweise, in welchen Stürmer die zusätzlichen Einnahmen an besten investiert werden könnte. Nicht nur einmal war dabei zu hören, dass lieber bis zur nächsten Saison gewartet werden solle. Denn mit den aus der 2. Bundesliga bis in die Regionalliga durchgereichten Sechzigern gibt es in dieser Spielzeit einen schier übermächtigen Gegner, der sich auf keinen Fall die Meisterschaft nehmen lassen wird, so die Meinung. Immerhin herrscht bei den Gastgebern seit diesem Jahr Vollprofitum – es bleibt abzuwarten, wo sich der „schlafende Riese“ in ein paar Jahren wiederfinden wird.

 

In ihrer Geschichte haben die 1905 gegründeten „Schnüdel“ tatsächlich einige Höhepunkte vorzuweisen. Der Verein war vor der Einführung der Bundesliga 32 Jahre lang erstklassig, konnte in der Gauliga Bayern sogar zweimal die Meisterschaft feiern (1939 und 1942), stand 1936 im Halbfinale des Tschammer-Pokals und gehörte 1974 zu den Gründungsmitgliedern der 2. Bundesliga. Besonders stolz sind die Schweinfurter auch auf ihre Nationalspieler: Mit Andreas Kupfer kam der Kapitän im ersten Länderspiel der Bundesrepublik (gegen die Schweiz am 22. November 1950) vom FC 05. Zudem belegt der Verein in der Rangliste der meisten Abstellungen zu A-Länderspielen des DFB bis heute mit 90 Einsätzen Platz 17. Und: In der ersten „Weltelf“ der Fußballgeschichte, der ersten Europäischen Fußballauswahl 1938, waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05. Der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte war der Aufstieg in die 2. Bundesliga 2001. Der Aufenthalt im Unterhaus der Bundesliga endete allerdings bereits nach einer Saison und zog 2004 sogar die Insolvenz des Vereins nach sich, ausgerechnet ein Jahr vor dem 100-jährigen Vereinsjubiläum. Es folgte über mehrere Jahre ein Pendeln zwischen Bayern- und Landesliga, ehe es 2013 immerhin wieder in die Regionalliga hoch ging. Aktuell wird vom Ziel gesprochen, mittelfristig den Sprung in die 3. Liga zu schaffen.

 

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Nogometni Klub Domžale vs. Knattspyrnufélagið Valur Reykjavík
Športni Park Domžale, 20. Juli 2017, Endstand 3:2

 

Das schwülwarme Budapest ließ einen am nächsten Tag schnell aus dem Bett kommen. Nach ein wenig Rumgeplänkel wurde noch versucht, mit den restlichen Forint ein Frühstück zu bekommen, im Anschluss hieß das Ziel Metrostation. Drei Stationen mussten zum Busbahnhof Népliget geschafft werden, die nächsten Stunden sollten in einem dieser grünen Busse absolviert werden, die nicht mehr nur auf deutschen Autobahnen gesichtet werden können, sondern auch auf vielen Trassen in Südeuropa. Eigentlich wäre einem der Zug doch genehmer gewesen, aber wer schon einmal im Osten des Kontinents war, der weiß, dass der Bus am Ende doch die schnellere Alternative ist. Macht nichts, denn kommt Zeit auf diesem Trip, kommt Zug. Ganze sechs Stunden brauchte der Bus heute von Budapest in die slowenische Hauptstadt Ljubljana. Glücklicherweise den größten Teil über autobahnähnliche Straßen, es soll in diesem Gefilden auch anderes möglich sein.

 

Schnell wurde Budapest hinter einem gelassen und kurz darauf konnte man immer wieder einen Blick auf den Balaton erhaschen, der sich ca. 80 km parallel zur Straße erstreckte. Es war inzwischen so unangenehm draußen geworden, dass die wenigen Pausen an Raststätten dazu genutzt wurden, bloß schnell wieder in den Bus zu kommen. Da kann man schon einmal gerne den Motor durchlaufen lassen. Noch kurz Maribor passiert und schon war man in der Hauptstadt Sloweniens. Kurz vor dem Busbahnhof erblickte man das Stadion Stožice von Olimpija Ljubljana. Beinahe, aber nur beinahe wäre man schon am Ziel seiner Träume gewesen, denn die Auslosung zur Europa League versprach bei „normalem“ Verlauf ein Spiel zwischen Ljubljana und Brøndby IF. An den Dänen sollte es nicht scheitern, nur die Slowenen meinten, dass die Finnen von Vaasa PS doch eine zu hohe Hürde darstellen sollten. Wirklich jeder slowenische Dorfclub überstand die erste Runde, nur die Hauptstädter nicht. Glücklicherweise auch der NK Domzale, ein kleiner Verein, etwa 15 km entfernt. Also musste das Stadion eben für das zweite slowenische Kreuz herhalten.
Die Unterkunft war ein paar Meter südlich von Bahnhof gelegen und befand sich in einer alten Kaserne oder Knast. Sachen ins Zimmer geworden und ab ging es wieder zum Zug. In knapp 20 Minuten brachte einen ein altes Vehikel in die Kleinstadt. Domžale hat um die 13.000 Einwohner und neben dem Fußball auch noch ein ganz vernünftiges Basketballteam. Das Stadion lag - Kunststück bei der Stadtgröße - nur 10 Minuten vom kleinen Bahnhof entfernt. Bereits vor den Toren des Športni Park kam man mit einem HSVer, der mittlerweile im Pott ansässig ist, ins Gespräch, sodass man das ganze Spiel gut verquatschen konnte. Das Stadion ist eher unspektakulär. Neben einer recht großen überdachten Haupttribüne und Laufbahn gibt es noch ein paar Sitzreihen auf der Gegengeraden. Nichts besonderes, aber immerhin tauglich für den internationalen Wettbewerb.

 

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Der Club ist in Slowenien übrigens recht erfolgreich. In den letzten zehn Jahren gewann man je zweimal Meisterschaft und Pokal, letzteres auch in diesem Jahr, sodass die UEFA den Verein mit einer kleinen Island-Reise belohnte, mit 3000 Flugkilometern in den Knochen meisterten die Slowenen die Aufgabe bei den Vulkanen mit 2:1.

 

Die Verpflegung bot schon 45 Minuten vor dem Anstoß einiges an. Man entschied sich am Ende für Pljeskavica im Fladenbrot, was denn auch gleich mit 5€ zu Buche schlug. Verpflegung, welche so viel wie der Eintritt kostet, gibt’s auch nicht überall. Das ganze war ein wenig zäh, aber in Ordnung.

 

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Knapp 2000 Zuschauer, davon vielleicht eine Hand voll aus Island, wollten sich den Knaller heute nicht entgehen. Und denen wurde einiges geboten. Der mazedonische Referee zeigte gleich je einmal für die Mannschaften auf den Punkt und nach 25 Minuten stand es 1:1. Als Kieler aber fiel natürlich ein Valur-Spieler besonders in Auge: „Siggi“ Sigurbjörnsson hatte schließlich sein Abenteuer auf dem Kontinent diesen Sommer bei Holstein beendet und war in seine isländische Heimat zurückgekehrt. Bei Valur avancierte er sofort zur Stammkraft und spielt in der Liga, als auch in der vergangenen Runde gegen Ventspils und gegen Domžale stets über die volle Distanz. Wünschen wir ihm in der Zukunft noch weitere große Namen Europas, mit Stephan Vujcic schaffte es schon ein anderer Ex-Kieler einmal gegen Namen wie Lazio Rom anzutreten.
Außer ein paar Trommeln der Heimfans gab es keine großartige Atmosphäre, auch, weil Valur vor der Pause noch die Führung erzielte.

 

Nach Wiederanpfiff sollte sich die Laune der NK-Anhänger aber schnell bessern. Selber war man gerade dabei, neue Flüssignahrung zu holen, da klingelte es doppelt im Valur-Tor und das Weiterkommen für die Isländer war passé. Am glücklichsten darüber dürften Mannschaft und Fans des SC Freiburg gewesen sein, denn die Breisgauer hatten die Wahl zwischen Slowenien oder Island in der nächsten Runde. Ein Island-Reise ist zwar um einiges spektakulärer, hätte aber die Reisekasse schon zu einem frühen Zeitpunkt der EL etwas mehr belastet.

Budapest Honvéd FC vs. Hapoel Be’er Scheva AFC
Bozsik-József-Stadion, 19. Juli 2017, Endstand 2:3

 

Der Balkan ist ein vielschichtiger Teil Europas. Von vereinzelten Meinungen, dass in Gebieten wie dem Kosovo noch Krieg herrscht bis zu Urlaubserinnerungen an der Adriaküste sind den Assoziationen der Bevölkerung keine Grenzen gesetzt. Aber das runde Leder kennt man auch in Kroatien oder Slowenien. Da wird sich der süddeutsche Fußballfreund aufgrund der paar Stunden Fahrtzeit wahrscheinlich noch einmal umdrehen, der Schleswig-Holsteiner aber, der muss schon einiges mehr investieren, um da runter zu kommen.

 

Mit den Touren ist es ja irgendwie wie mit der Entstehungsgeschichte von Songs von Bands. Irgendwann entwickelt sich das eben - und nach Bangen und Hoffen auf passende Ansetzungen steht die Route dann fest. Durch eine Art „Zwangsurlaub“ fiel die kleine Reise auf Ende Juli. Da konnte man schon einiges finden. Die Südosteuropäer haben den Ligaspielbetrieb wieder aufgenommen und auch die UEFA hat bereits Kugeln mit Vereinen gezogen, die kein Mensch kennt, deswegen aber umso interessanter sind als das kommende Halbfinale der Champions-League mit den ewig gleichen Gelddruckmaschinen.

 

Als erste Station wurde die ungarische Hauptstadt Budapest (Zugegeben: noch kein Balkan) auserkoren. Honvéd hatte sich durch seinen ersten Meistertitel seit 1993 das Startrecht für die Champions-League gesichert und traf im Rückspiel nach einer 1:2 Niederlage in Israel auf den viermaligen israelischen Meister Hapoel Be’er Sheva. Durch die kurzfristige Ansetzung der Europapokalrunden war in Bezug auf günstige Flugpreise guter Rat (und Flugticket) schon recht teuer, erst nach einigem Suchen traf man auf ein vernünftiges Angebot eines bekannten irischen Billigfliegers ab Berlin, aber natürlich nicht vom recht zentralen Airport Tegel, sondern von Schönefeld, den vielleicht von der Optik her noch einzigen existierenden DDR-Flughafen. Wie glücklich man in Berlin aber dennoch über den Flughafen ist, darf gerne angesichts der unglücklichen Entwicklungen beim Bau des BER gerne beim Berliner Senat recherchiert werden. Ryanair bedeutet aber gleichzeitig auch sehr frühe Flugzeiten, sodass es klar war, dass man die Nacht vorher ebenso in der Hauptstadt verbringen musste. Da gibt es sicherlich schlimmeres. Gerade, weil am Abend noch ein kleiner Kick im Karl-Liebknecht-Stadion zu Babelsberg angesetzt war. Das letzte Mal besuchte man die Spielstätte vor einigen Jahren bei einem Auswärtssieg, als die KSV dem SVB nicht den Gefallen tat, sich die Aufstiegsträume zerplatzen zu lassen. Seitdem hatte sich einiges getan und man hatte das „Karli“ immer mal wieder auf dem Zettel, nun klappte es eben zu diesem Anlass. Den Test gegen Union verlor der SVB am Ende standesgemäß mit 0:3, die Stimmung war bei bestem Wetter trotzdem gut, sodass ein prima Auftakt abgehakt werden konnte.

 

Am nächsten Tag fand man sich am frühen Morgen ziemlich kaputt an einer Ringbahn-Station wieder, um den einstündigen Trip nach Schönefeld auf sich zu nehmen. In der typischen irischen Baracke ging es schnell durch den Sicherheitsscheck und eine Stunde später landete der Flieger bereits auf dem Flughafen Budapest Liszt Ferenc. Die Wärme kam einem bereist auf dem Rollfeld entgegen, der Wetterbericht hielt also, was er versprach: ein paar Tage jenseits der 30°C - ohne Regen. Nachdem der Wechselschalter einem ein paar zu wenige Forint für zu viele Euros überlies, ging es erst einmal um die Möglichkeit ins Stadtzentrum zu kommen. Man entschied sich für eine Bus-Zug-Kompination für umgerechnet 1,60 €. Also erst einmal rein in das Klapperfahrzeug und über eine Schlaglochpiste ging es direkt zur Metrostation Kőbánya-Kispest. Ein direkter Bus hätte es auch getan, so war man aber gleich mit der Metro ein wenig vertraut. Als Ausstieg wurde einfach eine Station im Stadtzentrum gewählt und von dort stapfte man als allererstes einmal zur Donau. Toller Anblick! Budapest ist mit 1,7 Millionen Einwohnern übrigens etwa so groß wie Hamburg und ist die zwölftgrößte Stadt der EU. Seine Pracht verdankt die Stadt überwiegend der besonderen Stellung in der Donaumonarchie zwischen 1867 und 1918 - als Gegenstück zu Wien. Bevor man das alles genauer unter die Lupe nahm, ging es zur Unterkunft. Diese befand sich im Budapester „Palastviertel“. Leider war der Namensgeber nicht etwa das Hostel, sondern zahlreiche andere repräsentative Gebäude wie das Nationalmuseum. Die Unterkunft hatte seine besten Tage schon hinter sich, aber muss ja! Also schnell wieder raus zur Donau, über eine der zahlreichen Brücken zum anderen Flussufer. Die Stadt machte doch einen sehr netten Eindruck, zahlreiche kleinere Geschäfte in Einkaufsstraßen und dazugehörige schöne Baulichkeiten erzeugen schon eine schöne Atmosphäre.

 

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Brann-Stadion, 2. Juli 2017, Endstand 0:0

 

Nach knapp 30 Grad und Sonnenschein in Lilleström am Vorabend geht es von Oslo am nächsten Tag in Richtung Bergen. Zusammen mit einigen Bussen der Anhänger von Vålerenga, deren Verein am Abend gegen Brann Bergen antreten soll. Bei einem zufälligen Begegnung auf einem kleinen Rastplatz wird man sogar zur Mitfahrt eingeladen. „We have beer on board“, ist bei den norwegischen Preisen zwar ein sehr verlockendes Angebot, das aber dann doch ausgeschlagen wird. Schließlich will die äußerst beeindruckende Landschaft genossen werden (Walter Mitty Feeling) – und auf 1.245 Metern stapfen zwei Kieler dann durch den Schnee.

 

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Weiter geht es Richtung Nordsee-Küste, wo einen die alte Handelsstadt mit Dauerregen empfängt. Wie sollte es auch anders sein, schließlich hat Bergen im Juni gerade den Rekord für die regensreichste Stadt Norwegens gebrochen – an jedem Tag des Monats gab es Niederschlag. Trotzdem ist die Tyskebryggen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, einen Abstecher wird.

 

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Genau wie das Brann-Stadion, in dem seit 1919 der Sportsklubben Brann zuhause ist. Am Fuße des Hausberges Bergen, dem Ulriken, ist nach diversen Umbauten ein modernes Stadion mit einem Fassungsvermögen von 17.686 Plätzen entstanden ist. Die Erteilung der Baugenehmigung für den letzten Abschnitt verzögerte sich allerdings aufgrund von Einsprüchen aus der Nachbarschaft. Erinnert so ein bisschen an die grandiose „Initiative zur Wiederherstellung der Ruhe im Holstein-Stadion“. Weil so ein Stadion natürlich ganz plötzlich vom Himmel fällt.

 

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Brann, gegründet am 26. September 1908, kann immerhin auf drei Meisterschaften (die letzte wurde 2007 errungen) und sechs Pokalsiege zurückblicken, zudem ist man gerne mal Gast im Europapokal. Neben diesen Spielen freuen sich die Anhänger vor allem auf das Derby gegen Viking Stavanger, sowie die Duelle gegen Trondheim (die eigentlich keiner so recht in Norwegen mag), Lilleström und vor allem auch gegen die Gäste aus der Hauptstadt, die als eingebildet und arrogant verrufen sind.

 

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Åråsen-Stadion, 1. Juli 2017, Endstand 2:0

 

Nur rund 20 Autominuten östlich der norwegischen Hauptstadt Oslo liegt das eher beschauliche Lilleström. Mit 14.000 Einwohnern ist es ein wunderbarer Ort zum Wohnen oder aber als Reisender zum Übernachten, wenn man ein paar Kronen im komplett überteuerten Norwegen sparen will, sicherlich aber nicht der Ort, der es normalerweise zu einem gewissen Bekanntheitsgrad über die Grenzen hinweg schaffen würde. Wenn da nicht der Fußball wäre....

 

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Und der wird beim Lillestrøm Sportsklubb seit 1917 (dieses Jahr wird also das hundertjährige Bestehen gefeiert) durchaus erfolgreich gespielt. Die „Kanarienvögel“ bringen es auf fünf Meisterschaften und fünf Pokalsiege, zudem brachte der LSK rund 40 Nationalspieler hervor und hält den Rekord der meisten aufeinanderfolgenden Spielzeiten in der norwegischen ersten Liga ohne Abstieg.

 

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Im Stadtbild ist der Verein durchaus wahrnehmbar und auf der Straße zum Åråsen-Stadion ist bereits gelb-schwarz geflaggt, als sich die Kieler Reisegruppe nähert. An Tagen, an denen nicht gespielt wird, könnte es übrigens schwierig sein, das Stadion genau zu verorten: Die Fassade erinnert an den meisten Stellen eher an ein Bürogebäude und die Flutlichtmasten sind im „Ruhezustand“ eingefahren. Früher wurde sich sogar mit mobilen Masten beholfen – Grund für den Aufwand ist der nahegelegene Kjeller Flughafen, in dessen Einflugschneise feste Flutlichtmasten verboten wären. Andererseits sorgen die über das Stadion hinweg fliegenden Maschinen immer wieder für Unterhaltung, je nachdem wie spannend gerade das Spiel ist.

 

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Ansonsten handelt es sich bei dem 1951 eröffneten Stadion um einen ganz schnuckeligen Bau, der insgesamt 12.250 Zuschauern Platz bietet und weitestgehend in den Vereinsfarben gehalten ist. Der Bereich der Gästefans befindet sich auf der einen Hintertorseite. Aus Drammen sind es rund 150 Schlachtenbummler, die ihr Team Strømsgodset IF lautstark und mit einigen Schwenkern unterstützen. Schon einmal mehr, als man erwartet hatte – und auch der Heimsupport ist für die gesteigert attraktive Paarung mehr als in Ordnung.

 

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Generell sei man natürlich nicht die größte Szene des Landes, erklärt uns der Capo der „Kanari Fansen Lilleström“ (die unter anderem nach Hammarby freundschaftliche Beziehungen pflegen), gemessen an der Anzahl der Mitglieder gehöre man aber doch zu den lautesten. Dass man von einigen anderen Szenen des Landes als „Bauern“ beschimpft werde, macht den Supportern augenscheinlich wenig aus – stattdessen wird die vermeintliche Schmähung „Mit Traktor und Forke“ stolz auf den T-Shirts getragen. Zudem liebe man Pyro und Chaos wird mit einem Lachen hinzugefügt. Bevor es aber laut wird, gibt es zu Beginn allerdings erst einmal Gedenken an einen LSK-Fan, der in der Vorwoche verstorben ist.

 

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Bei bestem Sommerwetter entwickelt sich vor 5.634 Zuschauern dann ein zunächst etwas mauer Kick. Die Gäste versuchen es immer mal wieder mit offensiven Vorstößen, die allerdings nicht zu zählbarem Erfolg führen. Von den Hausherren kommt zunächst nicht so viel, bis sich Chigozie Udoji ein Herz fasst, einen Pass mit der Brust annimmt und volley ins Tor befördert. Genau so sehenswert ist der Torjubel im Ailton-Style.

 

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