Robert-Kölsch-Stadion, 19. Mai 2019, Endstand: 3:2

 

Der VfR Bürstadt hat schon bessere Zeiten erlebt. Zwischen 1978 und 1985 wurde dort insgesamt vier Saisons zweitklassig gekickt, die traurige Gegenwart sieht den Traditionsverein in der achtklassigen Kreisoberliga Bergstraße. Dass die großen Tage lange zurückliegen, sieht man dem Robert-Kölsch-Stadion daher auch mehr als deutlich an. Insbesondere gilt dies für die schöne Tribüne, deren Tage nach dieser Saison endgültig gezählt sind. Hier und heute findet das letzte Spiel statt, bevor sie nach Saisonende dem Abriss zum Opfer fällt. Einige Kommentare zum Für und Wider kann man bei Fupa finden.

 

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Da das Wochenende mit der Freundin im nahen Heidelberg verbracht wurde, waren glücklicherweise nicht übermäßig viele Überredungskünste vonnöten, um den Spielbesuch hier noch „dranzuhängen“. Eher die üblichen Bestechungen, also Kostenübernahme für Eintritt, Wurst und Getränke... ;) Vor dem Anpfiff bleibt noch Zeit für einen Rundgang um den Platz. Nicht nur die Tribüne mit ihrem geschwungenen Dach macht Eindruck, auch die Traversen mit den dicht stehenden Bäumen und dem herauswuchernden Gras lassen das Herz des Fußballromantikers höher schlagen.

 

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Rein sportlich geht es im Saisonfinale noch um Einiges: der VfR liegt punktgleich mit der zweitplatzierten FSG Riedrode auf Platz 1, der zum direkten Aufstieg berechtigen würde. Platz 2 ist den Hausherren bereits nicht mehr zu nehmen, wäre aber mit einer Relegation verbunden. Die Gäste aus Fürth (im Odenwald, aber ebenfalls in grün-weiß) hingegen brauchen noch den einen oder anderen Zähler um ganz sicher die Klasse zu halten. Das Spiel ist natürlich kein Augenschmaus, Tempo und Präzision sind auf beiden Seiten auf keinem allzu hohen Niveau, aber – es ist spannend, weil es eine absolut ausgeglichene Partie ist.

 

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Die größte Chance im ersten Durchgang gehört sogar den Gästen: erst ein strammer Schuss, der vom Keeper seitlich pariert wird, im Anschluss trifft der Fürther aus sieben Metern nicht das freie Tor, sondern nur den Innenpfosten, der dritte Schuss wird schließlich geblockt. Das torlose Remis zur Pause ist also eher ein wenig schmeichelhaft für die Bürstädter.

Halbzeit ist Gastrozeit. Auf dem bereits gespotteten Grill warten Bock-und Rindswürste auf Abnehmer. Während die Bockwurst sich bei der Testerin nur für eine Mittelfeldposition empfehlen kann, bin ich mit der verkosteten Rindswurst ziemlich zufrieden: saftig, knackig in der Pelle und mit 2,70€ auch nicht zu teuer verhindert nur eine etwas zurückhaltende Würzung eine Höchstnote. Das dazu verzehrte Eichbaum Pils kann feinherb-süffig ebenfalls überzeugen.

 

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Gestärkt geht es auf in Hälfte zwei, die nun auch endlich Tore bringt. Nicht unverdient sind es die Gäste, die nach einem langen Ball und Stellungsfehler des Innenverteidigers das 0-1 markieren. Zehn Minuten später fädelt der Fürther Angreifer im 16er geschickt ein, und der vertretbare Elfmeter wird sicher zum 0-2 verwandelt. Als dem VfR so langsam aber sicher die Zeit davonzurennen droht, beweist dessen Trainer beim Wechsel ein glückliches Händchen. Kaum in der Partie, bringt der neue Mann sein Team mit dem Anschlusstreffer zurück. Ab jetzt drückt Bürstadt. Mit einem gefühlvollen Heber von der seitlichen Strafraumkante werden Verteidiger und Torwart überwunden, sodass der Ausgleich in der 75. Minute überdies noch wunderschön herausgespielt ist.

 

Aber der Nackenschlag folgt umgehend. Ein paar Ballkontakte sind nach dem Wiederanpfiff erst gespielt, als die Hausherren ihren Kapitän nach taktischem Foul im Mittelfeld mit der Ampelkarte verlieren. Platt wirken bei diesen leicht schwülen Verhältnissen inzwischen beide Seiten, aber die Gäste haben offenbar noch mehr investiert und wirken nun stehend k.o. Jetzt bestätigt sich auch die Tabelle, die man aus diesem Spiel lange nicht ablesen konnte. Fünf Minuten vor dem Ende drehen die Gastgeber mit einem satten Flachschuss aus 18m ins lange Eck das Match dann doch noch. Dieses 3-2 ist dann auch der Endstand und da die Konkurrenz im Fernduell mit demselben Ergebnis die Oberhand behielt, ist der Meisterschaftskampf damit auf den letzten Spieltag nächstes Wochenende vertagt.

 

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Ein unterhaltsames Spiel, dazu in der Vereinsgaststätte noch ein schnelles Freibier, ganz „nüchtern“ also ein gelungener Fußballnachmittag. Doch es mischt sich beim Verlassen des Grounds auch Wehmut hinein: ein Stück Stadiongeschichte wird hier bald für immer – und zwar ersatzlos – verschwinden.

 
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