Stadion Wilschenbruch, 30. Januar 2011, Endstand 0:1

...oder wie geht es eigentlich Dennis Tornieporth? Oder das Gegenbeispiel zur These, dass jeder Spieler, der von Holstein weggeht, anschließend leistungsmäßig explodiert. Wobei die Sprüche vor dem Spiel während eines kurzen Disputs mit ein paar Stadern immer noch ganz groß sind: "Nur zwei Punkte aufm Konto, aber immer die ganz große Klappe. Naja, wenn ich nachher ein Tor schieße, komm ich mal zu Euch rüber."

 

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Blöd nur, wenn man in der 70. Minute völlig zurecht beim Stand von 0:1 ausgewechselt wird. Der andere ehemalige Kieler, Torben Tutas, spielt als Kapitän immerhin die 90 Minuten durch, kann aber letztendlich die Niederlage auch nicht verhindern.


Uns ist das egal, schließlich sind wir ja nicht wegen irgendwelcher Spieler nach Lüneburg an der Lüneburger Heide gefahren, sondern um ein Stück norddeutscher Fußballtraditon unsere Ehre zu erweisen. Schließlich wird im Wilschenbruch schon seit 1905 gegen den Ball gekickt, der Lüneburger Fußball-Club war schon vier Jahre zuvor geründet worden.

 

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Zwei Jahre später wurde der Verein von LFC in LFK umbenannt und 1912 in Lüneburger SK - kein unbekannter Name in den Geschichtsbüchern des norddeutschen Fußballs. Größter Erfolg in über 100 Jahren LSK war der Aufstieg 1951 in die damals höchste Spielklasse, die Oberliga Nord, nachdem man sich in der Aufstiegrunde gegen den VfL Wolfsburg, VfB Lübeck, Victoria Hamburg, den Blumenthaler SV und Kickers Emden durchgesetzt hatte. Auch wenn man sich mit nur 11 Punkten gleich wieder aus der Oberliga verabschiedete, waren vor allem die Schlagerpartien gegen die Hamburger Clubs echte Zuschauermagneten und sorgten mit über 9000 Zuschauern für eine volle Hütte. Danach folgten einige Jahrzehnte in denen es mal auf- und mal abwärts ging, die Zuschauer kamen (über 7000 gegen Atlas Delmenhorst in der Aufstiegsrunde zur Landesliga 1975) oder blieben weg (Zuschauerschnitt Saison 1988/89: 629), des öfteren setzte man zum großen Sprung an.

 

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Der gelang so recht erst 1998 als man auch dank 17 Toren von Marinus Bester in die Regionalliga aufstieg, wo man sich nun mit Vereinen wie Fortuna Düsseldorf und Sachsen Leipzig messen durfte. Das Projekt "dritter Profiverein im Hamburger Raum" endete allerdings mit 2 Millionen DM Schulden und dem Gang zum Insolvenzrichter.

2008 bedeutete dann das Ende des traditionsreichen Namens (und gleichzeitig das Ende der Nucleo Ultràs, deren Spuren aber im Stadion noch zu entdecken sind, genau wie der alte Name des Vereins in der ganzen Stadt zu finden ist), in der ersten DFB-Pokalhauptrunde, für die man sich noch als LSK qualifiziert hatte, gegen den VfB Stuttgart trat man schon als FC Hansa Lüneburg an.

 

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Allerdings steht diesen Sommer eine weitere Umbenennung in "Lüneburger Sport-Klub Hansa" an.

Zeuge der langen Fußballtradition in Lüneburg ist auf jeden Fall die etwas in die Jahre gekommene, aber immer noch wunderschöne Holztribüne, die 1921 erbaut wurde und somit eines der ältesten Bauwerke ihrer Art in Deutschland ist.

 

Tribuene

 

Und auch der Rest des Stadions besitzt seinen ganz eigenen Charme - das Vereinsheim, das ein wenig an ein gutdeutschen Gasthof erinnert, die Traversen, an deren Spitze sich auf der Gegengerade ein Sprecherturm befindet, so wie ein Gästekäfig als Relikt aus den Regionalligazeiten. Liebhaber alter Spielstätten sollten diesen Ground auf jeden Fall kreuzen, am besten verheiratet (kein Spruch), da man so bei den Stehplatzkarten jeweils zwei Euro spart. Also auf auf zum Standesamt.

Kulinarisch entscheiden wir uns an diesem Tag für eine leckere Krakauer und eine Portion Pommes. Kostentechnisch ist man bei beidem mit zwei Euro (also die, die man als Ehepaar am Eingang gespart hat) dabei und erhält dafür geschmacklich einwandfreie Ware.

 

essen

 

Die Krakauer ist gleichmäßig und knusprig gegrillt und schmeckt definitiv nicht nach Massenware, sondern mild, aber fein-würzig. Das fast schon rituelle Aufstoßen nach Krakauergenuss entfällt, was zu verschmerzen ist. Begleitet wird die Wurst von eher etwas langweiligen Toastdreicken, was aber zu verschmerzen ist, da die Pommes wiederum außen knusprig und innen noch nicht trocken sind. Perfekt fritiert! Lediglich die gefühlten 2 kg Mayo obendrauf trüben etwas den Genuss. Nille entscheidet sich zum Sonntagnachmittag klassischerweise gegen Wurst oder ein Eis und kriegt dafür ne Torte ab, die sogar erste Sahne ist. Zur Pause drängen sich dann auch etliche weitere Zuschauer im Vereinsheim, wo man Kaffee und selbstgebackenen Kuchen für je 1,50 € erwerben kann.

Dieses Angebot schafft es aber wohl nicht, den rund 300 anwesenden Heimfans den Nachmittag zu versüßen.

 

trauer

 

Das Wetter ist eh neblig kalt, das Spiel eher mau, der eingangs bereits erwähnte Dennis Tornieporth friert nach Aussage einiger Zuschauer schon fast am Boden an. Dieser erlaubt auch sicher keine große Spielkunst, die ziemlich unpräzise nach vorne geschlagenen Bälle hätten aber auch auf Wembleyrasen den geordneten Spielaufbau nicht begünstigt. Zusätzlich geht man mit seinen wenigen Torchancen mehr als fahrlässig um und so kann der Gegner aus Stade (der seinen Namen übrigens von der Güldensternbastion erhalten hat) sein Punktekonto um 150 % aufbessern.

 

feier

 

Auch wenn man am Ende der Saison wohl die Oberliga Niedersachsen wieder verlassen wird - gegen die Lüneburger kann sich die Bilanz von 4 Punkten und 5:4 Toren durchaus sehen lassen.

 
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