Stadion am Panzenberg, 7. November 2011, Endstand 5:0

Mitten in der Stadt und stadiontechnisch absolutes Kontrastprogramm gibt es dann am Panzenberg, wo der Bremer SV zuhause ist. Das ganze könnte sicher eine der schönsten Stadionanlagen in der Hansestadt sein, allerdings ist der Gesamtzustand doch eher etwas traurig, wobei zumindest aktuell kein Bereich des Stadions gesperrt ist.

 

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So hat der Zuschauer die Wahl zwischen den Traversen auf der Gegengerade oder der überdachten Haupttribüne, wo sich neben einigen supportenden Rentnern (naja, hauptsächlich wird von Zeit zu Zeit gepöbelt) auch die Sprecherkabine befindet. Neben der Haupttribüne sind ebenfalls Stufen zu finden, genau wie ein paar niedrigere hinter einem Tor, was insgesamt ein recht enges, reines Fußballstadion ergibt, das bis zu 8.000 Zuschauern Platz bietet.

 

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Und die Blau-Weißen verfügen nicht nur über ein vergleichsweise schönes Stadion, sondern dürfen auch auf eine über hundertjährige Geschichte (Gründung durch Realschüler 1906 unter dem Namen Bremer Ballspiel Vereins -Sport- von 1906) zurückblicken, in der man es allerdings nie ganz bis auf den ersten Platz in der Hansestadt schaffte. Ab 1922 spielte man in der Westkreisliga/Weser/Jade und belegte hinter dem Allgemeinen Bremer Turn und Sportverein in der Premierensaison einen guten zweiten Platz, ehe man drei Jahre später erstmals den Meistertitel holen konnte, dann allerdings als Bezirksmeister in der Qualifikation zur Norddeutschen Meisterschaft an Kilia Kiel scheiterte. Regional gehörte man immer wieder zur Spitze, überregional hingegen gab es nicht zu gewinnen (1931 reichte es immerhin für die Finalrunde in der man gegen den Hamburger SV, den VfB Peine und den Eimsbüttler TV allerdings keine Chance hatte). Nach dem Krieg wurde der Verein in die Oberliga Nord einsortiert, wo man letztmalig den aufstrebenden SV Werder hinter sich lassen konnte und zum Stadtderby 30.000 Zuschauer begrüßen durfte.

Die Erfolge des BSV wurden aber mit den Spielzeiten weniger und 1955 folgte der Abstieg aus dem Oberhaus des Norddeutschen Fußballs, in das man nur noch einmal 1961 für ein Jahr zurückkehren konnte und damit auch die Qualifikation für die Bundesliga verpasste. Danach pendelte der BSV immer zwischen zweiter und dritter Liga, ehe 1975 sogar der Sturz in die viertklassige Verbandsliga Bremen folgte. Neue Höhenflüge erlebte man am Panzenberg mit den Aufstiegen in die Amateur Oberliga Nord (dritthöchste Spielklasse) in den Jahre 1978 (Abstieg drei Jahre später) und 1986, als man sich immerhin bis 1992 in der Liga halten konnte.

 

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Der erneute Versuch, sich als zweiter Stadtverein in Bremen zu etablieren endete mit Ex-Nationalspieler Erwin Kostedde an der Seitenlinie allerdings im Fiasko. Statt überregionaler Popularität stürzte der BSV endgültig in die fünfte Liga, aus der es in den letzten Jahren auch aufgrund fehlender finanzieller Basis keinen Aufstieg gab. Diese Saison vor der Einführung der neuen Regionalliga Nord ist man aktuell ungeschlagen und wieder ganz oben dabei, allerdings muss man sich mit dem zweiten Platz hinter dem Regionalligaabsteiger vom FC Oberneuland  zufrieden geben.

Beim Spiel kommt mit dem FC Burg der Tabellenletzte an den Panzenberg - von daher erwarteten wir (und die restlichen 60 Anwesenden) eine torreiche Partie.

 

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Zunächst spielten die Gäste, die in diesem Sommer erst in die Bremenliga aufgestiegen sind, aber eigentlich ganz gut mit, begannen dann allerdings irgendwann fleißig Karten zu sammeln und kassierten zu allem Überfluss gleich in der ersten Hälfte zweimal glatt Rot - beide für Schiedsrichterbeleidigung. Der Halbzeitstand von 2:0 war für die Gäste aber eigentlich auch noch in Ordnung, vor allem weil man in der zweiten Hälfte mit einem Spiel auf ein Tor rechnete.

 

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Die Hausherren legten auch gleich gut los - alleine ein Tor wollte nicht gelingen und so kamen plötzlich die dezimierten Gäste wieder zu Chancen. Verwerten konnten sie aber keine und so fiel dann 15 Minuten vor Schluss das 3:0 - dass das Ganze eher einige verunglückte Flanke war, passte irgendwie zum Glück der Gäste, die im Anschluss einbrachen und dann noch zwei Treffer kassierten. Ein Gästespieler gönnte sich in der zweiten Hälfte dann auch lieber Stadionwurst und Zigarette und gab einige zynische Kommentare in Richtung Unparteiischen ab.

Wir gönnten uns ebenfalls noch eine Brätstange, die wie auch beim Blumenthaler SV 2 Euro kostete (Bremen Liga Einheitspreis?), aber doch etwas kleiner war, als ihre Nord-Bremer Verwandte. Und auch geschmacklich schloss das Ding etwas schwächer ab, allerdings gab es von uns Pluspunkte für die Zubereitung auf Holzkohle.

 

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Mit weiteren kulinarischen Köstlichkeiten wartete man an diesem Tag am Panzenberg übrigens nicht auf – der (verschlossene) Imbissanhänger scheint aber dafür die Möglichkeiten zu bieten. Getränketechnisch gab es zum Abschluss noch ein Helles aus der lokalen Brauerei Beck & Co, die ja auch überregional über einen gewissen Bekanntheitsstatus verfügt.

 

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Ob dies dem Bremer SV auch mal wieder gelingen wird, ist eher fraglich, aber eigentlich wäre es schön, mal wieder neue, alte Gesichter in den höheren norddeutschen Ligen zu sehen.