Das Ausfüllen des Urlaubsantrags im Dezember ist eine doppelte Freude: Zum einen weil dank Resturlaub 2018 noch nicht die „neuen“ Urlaubstage 2019 angebrochen werden müssen, zum anderen wurde die Wahl der Destination vom Lieblingsverein abgenommen. Und nach Spanien wird den Störchen doch gerne hinterher gereist. Der Ort für Holsteins Wintertrainingslager ist Oliva Nova, ähnlich wie La Manga im Jahr zuvor eher ein Retorten-Ort für Touristen, dafür aber nur eine Stunde von Valencia entfernt, was ein Plus an Kultur, Kulinarik und guten Kicks bedeutet. Und eigentlich ist schon die Aussicht das trübe, norddeutsche Wintergrau gegen ein wenig Sonnenschein zu tauschen, ein guter Grund die Flüge zu buchen. Dazu wird noch ein Apartment gemietet (die Auswahl an guten Lebensmitteln lädt auch mal zum Selbstkochen ein) und ein Mietwagen gebucht – schon geht die Vorfreude los und man beginnt den Klassiker von Michael Schanze und der Nationalmannschaft zu summen: Olé España!

 

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Sonntagmorgen wird der Wagen am Helmut-Schmidt-Airport abgestellt und mit Zwischenstopp Düsseldorf und die spanische Mittelmeerküste relativ entspannt gereicht. So bleibt nach dem Einkauf der Grundausstattung im Supermercado sogar noch Zeit, beim Training der KSV vorbeizuschauen. Die Besuche beim Training sollten in den folgenden Tagen zu einem festen Ritual werden. Insgesamt viel wirklich auf, wie sehr es Coach Tim Walter schafft, die Jungs zu motivieren - hätten vor einem halben Jahr auch die wenigsten gedacht. Auf der Anlage, die wohl die beste von denen ist, auf der die Störche bisher ihre Winter verbringen durften, sind schon einige bekannte Gesichter auszumachen.

 

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Während die Profis auf dem Rasen schwitzen, lässt man es selbst ruhig angehen. Schließlich wollen die ersten Sonnenstrahlen gebührend genossen werden. Danach geht es in den kleinen Hafenort Gandia – zwischen freundlich-lauten Einheimischen werden in einer kleinen Bar die ersten Tapas und eine kühle Cerveza genossen. Danach ist Zeit fürs Bett – in der noch recht kühlen Mietwohnung unter einem Stapel von Decken. In den Tagen danach sollte die Heizung dann gegen die teils frostigen Nächte ankommen.

 

Am Montag hieß es Testspiel, Holstein international, Teil 1. Davor wurde allerdings ein wenig die Umgebung erkundet. Unter anderem ging es in die wunderschöne, kleine Hafenstadt Dénia, die neben den verwinkelten Gassen und dem Castillo de Denia (einer ehemals maurischen Festung) vor allem durch die tierischen Einwohner punkten konnte. Sind Eichhörnchen, die Datteln essen, eigentlich Dattelhörnchen?

 

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Nach dem Erklimmen der Festungsanlage hieß es aber schnell zurück nach Oliva Nova, unterwegs noch ein paar Empanadas geshoppt und ab zu Holstein Kiel gegen KV Mechelen. Gegen den den aktuellen Zweiten der 2. Belgischen Liga gab es ein zufriedenstellendes 2:0 durch Tore von Serra und Okugawa. Auch die mitgereisten Nachwuchsstörche machten sich gut und bekamen viel Spielzeit. Die Laune war zu diesem Zeitpunkt durchweg positiv.

 

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Am Dienstag ging es nach nach dem Interview mit Stefan Thesker und Janni Serra (zu lesen hier) nach Calp, ein Ort der mit einem riesigen Kalkfelsen im Meer direkt vor der Stadt und einer Saline, in der Flamingos wild leben, punkten kann. Wäre alles sehr charmant, wenn es den Massentourismus nicht gäbe. Highlight des Tages ist dann die selbstgemachte Paella – feines Teil.

 

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Moixent hieß das Ziel am Mittwoch - das kleine Städtchen erlangte Bekanntheit durch den „Krieger von Mogente“, einer um 500 v. Chr. entstandenen Figur, die 1931 bei Ausgrabungen entdeckt wurde. Über einen steilen Pfad ging es von der Kirche San Pedro Apóstol, von der ein süßlicher Weihrauchduft verströmt wurde, hoch zum Torre Mora (wo es dann nach wildem Rosmarin roch). Anstrengend, aber als Lohn gibt es einen schönen Ausblick auf die Stadt und die alte iberische Festung.

 

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In der Zwischenzeit hatte es eine zweite Kieler Delegation auf die Iberische Halbinsel geschafft – der Umweg über Madrid hatte seine Gründe dabei nicht nur im drohenden Streik einer irischen Billigfluglinie.

 


Real Madrid Club de Fútbol vs. Club Deportivo Leganés

Estadio Santiago Bernabéu, 9. Januar 2019, Endstand 3:0

 

Da bis kurz vor Abflug nicht klar war, ob der Ryanair-Flug nach Valencia auch dem berechtigten Streik der spanischen Flugbegleiter*innen zum Opfer fallen würde, wurde kurzerhand eine Alternative ausgegraben, schließlich bot Star Alliance Mitglied Iberia noch einen Flug nach Madrid für unter 50€ an. Zufällig bestritt der von einigen Fußballkundigen als „größter Verein der Welt“ bezeichnete Club am Ankunftsabend noch ein mehr oder weniger wichtiges Spiel im spanischen Pokal gegen die Vorstädter von CD Leganés. Sicherlich kein Spiel, von dem man seinen Kindern noch erzählen würde, gleichzeitig aber eine preisgünstige Chance, einmal ein Spiel im Bernabéu zu sehen. Schließlich könnte man eben diesen Kindern ebenso nicht erzählen, irgendeinen osteuropäischen unterklassigen Kick, aber nie ein Heimspiel von Real Madrid gesehen zu haben.

 

Iberia setzte pünktlich im Madrid auf, der Mietwagen konnte nach ein paar Sprachbarrieren auch angeschmissen werden. Der Weg zum Hotel durch die hauptstädtische Rushhour war im Anschluss ein kleines Abenteuer für sich, verstopfte Straßen, riesige Kreisel, wo man öfters von mutigen anderen Verkehrsteilnehmern geschnitten wurde und die tickende Uhr sorgten für ein wenig Spannung. Wenig später waren die überraschend günstig geschossenen Zimmer im Gerner-Hotel bezogen und ab ging’s zu Fuß die 20 Minuten Richtung Bernabéu. Erst im letzten Moment tauchte es zwischen den Häusern auf und ragte doch ziemlich in die Höhe. Die billigen Plätze lagen passender Weise auch ganz oben, sodass vor dem Blick ins Rund noch ein beschwerlicher Weg über Treppen und Rolltreppen angetreten werden musste. So ziemlich jeder Fußballinteressierte dürfte das weite Rund aus diversen Fernsehübertragungen kennen, dennoch hatte man schon oft die Erfahrung gemacht, dass die Eindrücke vor Ort sich doch deutlich von den erwarteten Bildern unterscheiden, so auch hier. Einfach ein riesiges, beeindruckendes Rund, auch wenn heute nicht die ganz große Fußballbühne geboten wurde.

 

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Das Bernabéu ist mittlerweile fast 72 Jahre alt und fasst um die 81.000 Zuschauer. Jahrzehnte zuvor strömten auch schon einmal 125.000 Zuschauer auf die Tribünen, im Zuge der Umwandlung von Stehplätzen in Sitzplätze und einiger anderer Entwicklungen sind es dieser Tage etwas weniger, die natürlich in Champions-League-Spielen und bei Duellen gegen Barcelona oft fünffach verkauft werden könnten. Zum Pokalspiel waren lediglich die Hälfte dieser Plätze besetzt und das bei Preisen von 15€ in der günstigsten Kategorie.

 

Ein ähnliches Interesse an diesem hatte auch die sportliche Leitung der „Königlichen“, sodass nicht die ganz große Kapelle auf dem Rasen stand. Der Gast aus Leganés spielt seine dritte Saison in Spaniens Primera Division und taucht wenig überraschend eher in der unteren Tabellenhälfte auf. Der Außenseiter wurde von etwa 500 Gästen unterstützt, die von Real im obersten Rang einquartiert wurden und ab und zu auch zu vernehmen waren, allerdings ohne im Gedächtnis zu bleiben. Auf Heimseite sorgten etwa 1000 komplett in weiß auftretende Fans hinter dem Tor für etwas Stimmung. Die „Grada Fans“ wurden vom Verein im Jahre 2014 gegründet, dadurch sollte ein Stimmungsloch verhindert werden, das nach dem Rausschmiss der rechtsextremen Gruppe der „Ultras Sur“ die Stimmung im Bernabéu erwartet worden war. Fans im diesem Sektor bezahlen das Stadionerlebnis nicht nur mit wenigen Euros, sondern eben auch mit zwingender Kleiderordnung und personalisierten Tickets.

 

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Eine kleinere Gruppe der ehemaligen Ultras sorgte dennoch für etwas Stimmung von einem der oberen Ränge, keine Ahnung, ob dies ein regelmäßiges Phänomen darstellt oder diese Leute das schwache Interesse nutzten, um eine größere Anzahl an Tickets zu kaufen, was so im Ligaalltag eher selten möglich sein dürfte. Unten auf dem Feld mühte sich der Gast vergeblich gegen die Übermacht von Real. Madrid musste nicht allzu viel Aufwand betreiben, nach einem Strafstoß kurz vor der Halbzeit und der Führung durch Ramos war die Messe gelesen, Vázquez und Vinicius Junior sorgte für ein standesgemäßen 3:0 im zweiten Durchgang.

 

Deutlich enttäuschender war im Anschluss allerdings der Fakt, dass der Weg vom Stadion zum Hotel keinerlei Kneipe bereithielt, auch die Hotelbar schenkte nicht mehr aus, eigentlich unfassbar.

 

Fußball, Fußball, Fußball hieß es dann auch am Donnerstag - aber Zeit für einen kleinen Bummel durch die Altstadt von Oliva und ein kurzer Trip zu den nahegelegenen Thermalquellen war trotzdem. :)

 

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Über das Testspiel gegen den KAA Gent, zu dem sich neben Promis einiges weiteres Kieler Volk am Mittelmeer eingefunden hatte, kann man sich eigentlich ausschweigen. 1:6-Niederlage – nunja, besser als im Test nach viermal 30 Minuten sechs Gegentore haben, als nach zwei Ligaspielen (so fühlt sich der HSV?). Zudem war es der letzte Auftritt von Peitzer im KSV-Trikot.

 

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Immerhin Abends Copa del Rey bei UD Levante in Valecia – Anpfiff um 21.30 hieß einerseits entspannt viel Zeit zur Anreise, andererseits auch lange Unterbüx anziehen, da das Thermometer in den unteren einstelligen Bereich abrutschte.

 

 

Levante Unión Deportiva vs. Futbol Club Barcelona

Estadi Ciutat de València, 10. Januar 2019, Endstand: 2:1

 

Nachdem die recht abenteuerliche Anreise (zwei vierspurige Kreisverkehre ohne Markierungen sind für den deutschen Durchschnittsautofahrer schon recht aufregen) und die Parkplatzsuche erstaunlich schnell erfolgreich geschafft wurden, ging es in das hell erleuchtete Estadi Ciutat de València. Im Gegensatz zum zwei Tage später besuchten Mestalla hat die Heimspielstätte des 1909 gegründeten UD Levante (der damit der älteste noch bestehende Fußballverein der Stadt ist) eher den Charakter einer flachen Schüssel. Wurde deshalb größtenteils auf Wellenbrecher verzichtet? Typisch für südeuropäische Spielstätten ist auch, dass nur der kleinere Teil der 26.354 Plätze überdacht ist. Früher wurde die Spielstätte übrigens gerne mal überschwemmt, weshalb der Frosch das Vereinsmaskottchen ist und nicht die aus dem Stadtwappen ins Vereinslogo entliehene Fledermaus. 2016 wurde das Stadion, trotz beschlossenem Abriss, noch einmal komplett renoviert und sieht recht schick aus.

 

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Beim Pokalmatch-Hinspiel gegen den großen FC Barcelona ist der Laden auch recht gut gefüllt – die offiziell angesagte Zuschauerzahl von 17.000 wirkt doch arg nach unten korrigiert. Wenn da mal nicht bisschen was an der Steuer vorbeigeschummelt wird. :D Die anwesende Kieler Delegation nimmt nach einem Besuch beim Versorgungsstand (die original Oscar Mayer Wiener Würstchen – bekannt aus den Simpsons – sind leider eher nicht so lecker und vor allem kalt) die Plätze unter dem nicht vorhandenen Dach ein. Vorteil an der letzten Reihe ist auf jeden Fall, dass man das Match auch stehend verfolgen kann.

 

Und das beginnt gleich mal sehr unterhaltsam und nach dem Geschmack der meisten Anwesenden (trotz etlicher Barca-Event-Fans halten es die meisten doch mit dem Heimteam): Vier Minuten sind gespielt, Levante kombiniert sich sehenswert durch die Gäste-Abwehr und Cabaco schließt ab zur Führung. Auch wenn Barcelona nur mit der B-Elf aufläuft, zu der allerdings noch Spieler wie Dembele oder Vidal gehören, doch eine Überraschung. Auch die letzte Reihe tanzt zum Torjingle: Zombie Nation „Kernkraft 400“ aka. „Nur Holstein Kiel“. Im gegenüberliegenden Fanblock von Levante steigt die Stimmung nochmals deutlich als Mayoral Moya nach 18 Minuten auf 2:0 für den Underdog erhöht. Levante macht ein richtig ansehnliches Spiel – einziger Fehler: Das dritte Tor wird nicht nachgelegt. Und so geht es statt mit einem 3:0 (bei dem eine Sensation eher möglich gewesen wäre) mit einem knappen 2:1 ins Rückspiel. Coutinho hatte fünf Minuten vor Schluss per Elfmeter getroffen.

 

Aufgrund der Rückankunft in Oliva Nova gegen 1 Uhr ging es relativ direkt ins Bett. Am nächsten Tag stand nach dem Training schließlich Stadtbummel in Valencia auf dem Plan. Spätestens nach dem auf dem Weg zum Hamburger Flughafen der „Reisen Reisen“ Podcast konsumiert wurde, war die Vorfeude auf die Stadt durchaus vorhanden. So ähnlich wie Madrid oder Barcelona, nur ohne die Touristenmassen trifft es ganz gut. Highlight aus CCK-Sicht: Der Mercat Central, weil man sich einmal quer durch die Spezialitäten Spaniens probieren darf.

 

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Aber auch der Rest der Stadt kann was. Ausgesprochen gut geht in der Stadt übrigens auch das Reisen ohne Auto, das auf einem Park&Ride-Parkplatz am Rand der Stadt bequem abgestellt werden kann. Von Valencia-Sud geht es dann in acht Minuten in die City, wo man sich ggf. auch ein Fahrrad leihen kann.

 

Die Metro wurde am Sonnabend ein weiteres Mal genutzt. Nach einem Bummel durch die Straßen und die Markthalle des Viertels Ruzafa, konnte ein wenig die Mittagssonne in Kombination mit Tapas und Bier genossen werden.

 

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Danach ging es durch das ehemalige Bett des Turia (der Fluss wurde in den 1970ern umgeleitet - im ehemaligen Lauf entstanden Parks, Museen, usw.) zum Mestalla, wo auch schon die Holstein-Spieler auf dem Vorplatz warteten. Da die Erfahrungen mit Stadionessen in Spanien eher schlecht bis nicht waren, wurde sich vorm Stadion eingedeckt. Ohne Plastiktüte beim Stadionbesuch sind man auch gleich aus wie ein Tourist.

 

 

Valencia Club de Fútbol vs. Real Valladolid Club de Fútbol

Mestalla, Camp del València, 12. Januar 2019, Endstand: 1:1

 

Nachdem das Drehkreuz überwunden war, hieß es das Treppenhaus besiegen. Und das ist echt nicht ohne. Dafür wurde man oben auf der steilsten Tribüne Europas angekommen mit einem genialen Ausblick belohnt, sofern man schwindelfrei ist.

 

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Das Heimstadion der „Blanquinegros“ sicher das, was man als Kultbau bezeichnen kann. Dass hier überhaupt noch Spiele verfolgt werden können, hängt damit zusammen, dass der Neubau „Nou Mestalla“aufgrund finanzieller Probleme in der Vergangenheit bös ins Stocken geriet, teilweise sogar ganz gestoppt wurde. Inzwischen rollen die Baumaschinen aber wieder – von daher zusehen, wenn das alte Mestalla noch einmal besucht werden soll. Und das 1923 mit einem Spiel gegen den Lokalrivalen Levante eröffnete Stadion lohnt wirklich. Das Mestalla fasst nach einer Vielzahl von Renovierungen inzwischen 55.000 Zuschauer, durch den extremen Winkel wirkt es aber durchaus größer. Stimmungstechnisch hat die Bude durchaus einen guten Ruf, allerdings ist der Saisonverlauf für den sechsfachen Meister, siebenfachen Pokalersieger und Sieger des Europapokals der Pokalsieger 1980 eher wenig zufriedenstellend. Hinter Vereinen wie Alaves, Getafe oder Betis krebst Valencia im Mittelfeld herum.

 

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Auch wenn von den Hausherren der ein oder andere schicke Spielzug zu sehen ist, passt sich das Spiel insgesamt der Tabellensituation, Mittelfeld gegen unteres Mittelfeld, an. Es ist irgendwie so mittel und geht mit einem 0:0 in die Halbzeit. Die zweite Hälfte beginnt dann irgendwann rumzudümpeln, als Parejo in der 71. Minute der viel umjubelte Treffer für die Hausherren gelingt.Valladolid kommt allerdings noch zehn Minuten später zum Ausgleich, womit sich die gute Laune im Stadion dann auf den kleinen Gästeblock im Oberrang beschränkt.

 

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Nachdem noch einmal der Blick über die Stadt genossen wird, geht es das Treppenhaus wieder runter – genügend Sport wurde auf jeden Fall betrieben. Fußballtechnisch ging aber trotzdem noch was.

 

 

Villareal Club de Fútbol vs. Getafe Club de Fútbol

Estadio de la Cerámica, 12. Januar 2019, Endstand 1:2

 

Nach Abpfiff im Mestalla ging es fix zum Auto zurück, den guten Parkplatz hatte man sich einen Strafzettel in Höhe von 30€ kosten lassen, da die Parkplatzsuche sich zuvor in Grenzen hielt und reguläre Parkplätze auch gerne über 20€ kosten, war es das doch wirklich wert. Die Innenstadt Valencias zog schnell an einem vorbei, eine Stunde später erreichte man Villareal. Anders als Valencia lebt die Stadt überwiegend von seinem Fußballverein, Orangen und Keramik (siehe auch: Stadionname). Zunächst quartierte man sich ob noch etwas verbliebener Zeit bis zum Anpfiff in einer Kneipe am Ort (Stahltresen, Kacheln, Neonlampe – so soll es sein in Spanien!) bei 1,50€ pro Bier ein.

 

Das Stadion liegt inmitten zwischen Häusern mit einigen Kneipen direkt gegenüber der Eingänge – fast ein bisschen englisches Flair. Nach einer orientierungslosen Runde um das Rund herum nahm man auf einer der vier unterschiedlichen Tribünen platz. Wenn der FC Valencia, Barcelona oder Real kommen, passen hier 25.000 Zuschauer rein, gegen die Madrider Vorstädter aus Getafe, Tabellensechster, waren knapp über die Hälfte belegt, wahrscheinlich war es dem Spanier einfach zu kalt, dem in dieser Saison chronisch erfolglosem „gelben U-Boot“, so der Spitzname des Clubs, die Daumen an der frischen Luft zu drücken. Das war in früheren Zeiten durchaus anders, erreichte der Club in diesem Jahrtausend schon das Halbfinale in Champions-League und UEFA-Cup.

 

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Für letzteren Wettbewerb bzw. dessen Nachfolger interessierte sich wohl besonders der heutige Gast aus Getafe, brachte dieses Interesse aber spielerisch überhaupt nichts aufs Feld. Sollte die DFL weiter Angst haben, Niveau gegenüber der spanischen Liga zu verlieren, keine Angst, Getafe spielt auch gerade so wie Nürnberg oder Hannover.

 

Nach Wiederanpfiff gingen die Gäste dann doch in Führung, ganz zur Freude der 20 Gäste, die im für 2000 Leute ausgelegten Gästeblock im obersten Bereich der höchsten Tribüne am Plexiglas freudig jubelten. Die 30 aktiven Fans der Heimmannschaft sahen das Unglück schon kommen, ein Eigentor sorgte aber noch einmal für Ausgleich und Spannung, bevor der Gast wieder in Führung ging. Das Spiel war trotzdem alles andere als schön anzuschauen. Nicht wenige hatten bereits ihren Platz verlassen, da bäumte sich Villareal noch einmal auf. Ab der 88. Spielminute war das Knallen von Latte oder Pfosten das bestimmende Geräusch im Gästesechzehner. Sekunden vor Schluss wurde Ekambi im Strafraum gefoult und der Unparteiische zeigte tatsächlich auf den Punkt. Noch leicht benommen war Ekambi fest entschlossen, selbst der Held des Spiels zu werden, Momente vor dem Anlauf hielt er sich noch den Kopf, lief an und schoss vorbei. Tragischer ging es als Abstiegskandidat wohl kaum, auf der Tribüne brachen Leute in Tränen aus, da bekam der Wirt von vor dem Spiel bestimmt noch Kundschaft.

 

Viel zu schnell war der Spanientripp wieder vorbei. Nach einem letzten Besuch beim Training ging es mit Umweg über eine zufällig erblickte Churros-Bude zum Flughafen, wo die letzten Peseten auf den Kopf gehauen wurden.

 

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Jaja, natürlich sind es inzwischen Euros, die auch in Deutschland sinnvoll investiert werden könnten – aber mit Traditionen soll nicht gebrochen werden. Von daher kann es nächstes Jahr auch gerne wieder im Januar ans Mittelmeer gehen.

 
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