1. April 2006, Estádio Olímpico Monumental, Endstand 0:0

 

Ganz strenge Hoppingregeln besagen, dass beim Groundhoppen der einzige Grund der Reise, der Besuch des Fußballspiels sein darf. Wenn man aber schonmal in Brasilien ist, sollte man trotz allem ein Spiel besuchen, zudem wenn dieses ein Pokalfinale im Campeonato Gaúcho und gleichzeitig ein Stadtderby ist.

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Das Estádio Olímpico Monumental - von Fans liebevoll "Schweinestall" genannt

Das man noch absolut ge-jet-lackt ist, sollte kein Hinderungsgrund sein und auch nicht Temperaturen von um die 40 °C. Lieber einfach die Stimmung aufsaugen, die vor so einem Gipfeltreffen in einer brasilianischen Metropole herrscht. Das GreNal gehört zu den hitzigsten Derbys in Südamerika und teilt Porto Alegre in eine blau-schwarz-weiße Hälfte (die der Gremistas, den Anhängern von Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense) und eine rot-weiße (die der Colorados, den Anhängern vom Sport Club Internacional). Die Trennungslinien sind dabei nicht an bestimmten Vierteln fest zu machen, sondern verlaufen meistens sogar quer durch die Familien. Bis wenige Stunden vorm Derby wird sogar noch zusammen in den Straßen gegrillt. Dieses Jahr herrscht sogar besondere Vorfreude aufs GreNal, da die Stadt durch den Abstieg Grêmios ein Jahr zuvor ungewöhnlich lange auf das "Classico" warten musste. Und egal wie viele Ausgaben es schon gegeben hat, jedes GreNal ist für alle ein Festtag. Und für die Blau-schwarz-weißen ein guter Grund sich an das erste GreNal 1909 zu erinnern, das man mit 10:0 gewann. Insgesamt zieht man die Colorados sowieso gerne mit der längeren Tradition auf und dem Gewinn des Weltpokals 1983 (übrigens gegen den Hamburger SV).

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Vorfreude bei Grillfleisch und Caipie

Je näher es an den Anpfiff geht, desto mehr sollte man aber darauf achten welche Farben man wo trägt. Da meine Begleitung, die zwar kein Wort Englisch oder Deutsch kann (und ich kein Portugisisch), aber dafür gute Kontakte zu Schwarzmarkthändlern hat (sehr wertvoll bei ausverkauften Spielen) Gremista ist, bin ich es für diesen Tag dann auch. Also geht es nach dem Kartenkauf auch direkt eine eine komplett blau-schwarz-weiße Fankneipe, wo erstmal ein eiskaltes SKOL aus der für Brasilien typischen 610ml-Flasche genossen wird. Ein bisschen ist man natürlich so etwas wie ein Wesen von einem anderen Stern lernt aber nach und nach ne Menge Leute kennen, die man zwar nicht versteht, die einem aber ein Trikot leihen, damit man besser in den Fanblock passt. Der befindet sich nur 20 Gehminuten von der Kneipe entfernt im Estádio Olímpico Monumental, das zwar groß ist, aber auch schon ziemlich in die Jahre gekommen (2014 soll der Nachfolger stehen).

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ab geht's zum Match

Der Weg dorthin ist schon ein Erlebnis an sich, da schon vor dem Stadion getrommelt und gesungen wird, Luftschlangen fliegen und Pyros brennen. Alles unter den Augen der massiv vertretenen Militärpolizei, von der man buchstäblich ins Stadion getrieben wird (von den Drehkreuzen grüßt das Maschinengewehr).

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noch schnell ein Skol

Nach dem Gequetsche vor dem Stadion ist die sehr gut gefüllte Hintertorkurve geradezu eine Erlösung. Zum Glück trifft man hier auch Leute , die wenige Brocken Englisch können und einen warnen, dass sobald es nur nach Tor riecht, der ganze Block nach vorne rennt (von außen sieht das ganze dann aus wie eine Welle). Nach den Sicherheitshinweisen tausche ich den Sieg bei der anstehenden WM in Deutschland gegen 90 Minuten Freibier ein. Guter Tausch. Andere - reichlich kursierende - Rauschmittel lehne ich hingegen ab, allein vom Passivkiffen ist man benebelt. Und zudem berauscht von den Emotionen - 2 Stunden vor Anpfiff wird sich eingesungen und die Stimmung steigert sich von Minute zu Minute.

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Höhepunkt Einlaufen des Heimteams.

Dazu einfach das Video anschauen.

 

Das Spiel gerät fast ein bisschen zur Nebensache, vielmehr lernt man die Gesänge der Heimfans: Vamooooos tricolooooooor. Ein ums andere Mal peitscht man sein Team nach vorne und stimmt Schmähgesänge auf die Rot-weißen in der Kurve gegenüber an, deren Team deutlich defensiver agiert und so ein 0:0 bis zum Schlusspfiff halten kann. Die Hoffnung dann das Finalrückspiel im Estádio José Pinheiro Borba, eigentlich nur als Beira-Rio bekannt, zu gewinnen erfüllt sich für Inter aber nicht. Grêmio kann dagegen mit einem 1:0 die endgültige Wiederauferstehung feiern.

 

Mehr Bilder vom Spiel gibt es bei ducker.com.br - der Fansite der Gremistas.