Professor-Reinmüller-Sportplatz, 4. September 2016, Endstand 2:1

 

Sonntag, 10:45 Uhr – für den norddeutschen Fußballkenner klingt das nach Hamburg und auch schon gleich ein bisschen nach Kult. Allerdings heißt es für Kieler auch immer den Schweinehund zu besiegen und das bequeme Bett zu verlassen. Blick aus dem Fenster: Regen – na toll. Aber wenn nicht an einem spielfreien Wochenende, wann dann? Kurze Zeit später sitzt man dann auch gar nicht so schlecht gelaunt im Auto, A7 Richtung Süden. Und trotz Ferienrückreiseverkehr wird die Freie und Hansestadt in akzeptabler Zeit erreicht. Auch die Parkplatzsuche gestaltet sich entspannter als befürchtet, nur ist das endgültige Ziel zunächst nur akustisch wahrnehmbar. Dann ist der Eingang zum Platz des "Vereins zwischen den Häusern" gefunden.

 

DSC 9329

 

DSC 9294

 

HEBC – oder ganz ausgeschrieben Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club, wobei sich eigentlich jeder aus nachvollziehbaren Gründen der Abkürzung bedient, ein Schlachtruf würde ansonsten auch ein kleiner Roman werden. Der HEBC gehört zu den Vereinen, die abseits des großen Hamburger Fußballs einen gewissen Kultstatus für sich reklamieren dürfen und so auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Und das im Fall der Lila-Weißen (laut Aussage Anwesender hat Erzgebirge Aue übrigens Farben und Trikot vom HEBC geklaut ;) ) sicher nicht nur durch einen gewissen Buddy Ogün.

 

DSC 9290

 

DSC 9292

 

DSC 9289

 

DSC 9321

 

DSC 9304

 

DSC 9344

 

Einmal mehr zeigt sich im Fall der Eimsbütteler was für eine zentrale Rolle der Spielstätte als Heimat und Herz des Vereins zukommen kann. Zur Gründung des „Hamburger Ballspielclubs“ wurde 1911 zunächst noch auf dem Heiligengeistfeld gekickt. Nach der Fusion mit dem Eimsbütteler SC zog der Verein dann auf den Professor-Reinmüller-Platz um, allgemein einfach nur „Reinmüller“ oder „Reinsche“ genannt, wo bis heute das Zuhause des HEBC ist.

 

DSC 9325

 

DSC 9327

 

Auch wenn der legendäre Granner inzwischen ein Kunstrasen ist, konnte der Charme der traditionsreichen Spielstätte doch ziemlich gut konserviert werden. Zwischen den Backsteingebäuden, auf dem Platz, wo in den 1930er Jahren die Zuschauer den Aufstieg in die erstklassige Oberliga und die Duelle mit dem Hamburger SV und Altona 93 verfolgten, wo 1953 über 3.500 Zuschauer zum DFB-Pokal-Spiel gegen Werder Bremen kamen, wo Ende der 1950 in der Amateurliga HH bis zu 5.000 Schlachtenbummler auf den Stufen standen, ist heute immer noch ein lebendiger Verein zu finden, der seine Geschichte lebt.

Und das auch, weil der Verein sich über viele Nachwuchskicker freuen darf, aus denen vielleicht wieder mal ein Thomas Wolter, ein André Trulsen oder ein Jörn Großkopf hervorgehen wird. Natürlich sind die Zuschauermassen im 4-stelligen Bereich inzwischen utopisch, zu den Landesligaspielen der Herren bewegen sich die Zuschauerzahlen, was für Hamburg nicht selbstverständlich ist, aber immerhin fast immer im dreistelligen Bereich.

 

DSC 9316

 

DSC 9309

 

DSC 9335

 

DSC 9313

 

DSC 9311

 

DSC 9319

 

DSC 9333

 

So auch an diesem etwas wolkenverhangenen Sonntagmorgen – zum größten Teil hält man sich auf den Stufen entlang des Platzes auf, eine Gruppe vor allem älterer Herren entscheidet sich aber für die Terrasse des Vereinsheims. Diese bringt neben der Überdachung vor allem auch den Vorteil mit sich, dass nicht so weit zum Tresen ist und das frischgezapfte Bier aus dem Glas genossen werden darf. Dazu gibt es Brötchen mit Käse oder Mettwurst - oder mit beidem, wenn man beide Hälften aufeinanderklappt :D Für Vereinsheim und Wirt gilt gleichermaßen: Nicht mehr ganz jung, aber sehr sympathisch.

 

Auf dem Platz tut sich das Heimteam schwer. Gegen die Gäste vom SV Eidelstedt kann der HEBC deutlich mehr Ballbesitz verbuchen und auch spielerisch sieht das ganze nicht verkehrt aus – nur vor dem Tor klappt es nicht so recht. Grund für die Abschlussschwäche sei die Verletzung des Torjägers. Und da solche Positionen in diesen Ligen eher selten doppelt besetzt sind... Immerhin gelang Stefan Hermes nach 55 Minuten der verdiente Führungstreffer, der allerdings in der 70. Minute durch Fatih Simsek egalisiert werden konnte. Danach entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, oder besser gesagt auf einen Strafraum, den Eidelstedt beschränkte sich hauptsächlich nur noch darauf, den Ball abzuwehren. Das allerdings mit ziemlich großem Erfolg. Auf Heimseite wurde schon damit begonnen, über die drohende Niederlage zu lamentieren, als sich wieder Hermes ein Herz fasste und aus gut 30 Metern flach abzog. Zum großen Jubel ging der Ball durch die gesamte Abwehr und am Torwart vorbei ins lange Eck. Da sich an diesem Resultat nicht mehr ändert, macht sich auf den Stufen eine gewisse Zufriedenheit breit.

 

DSC 9338

 

DSC 9303

 

Und auch wenn die Geschichte mit Erzgebirge Aue nicht stimmt - der HEBC ist defintiv ein authentischer und sympatischer Verein.