Sportplatz Finkenau, 22. April 2018, Endstand: 3:3

 

Sonntagmorgen. Der Blick aus dem Fenster verheißt einen sonnigen Tag und deshalb befindet sich der Schreiber bereits kurz nach dem Aufstehen auf der Autobahn Richtung Hamburg. Abfahrt Schnelsen Nord, doch wird der Flughafen rechts liegen gelassen, auch wenn die abhebenden Flugzeuge immer wieder ein wenig Fernweh wecken. Ein bisschen fühlt es sich aber doch so an, als wenn die Reise noch etwas weiter geht als die restlichen zehn Kilometer in den Stadtteil Uhlenhorst.

 

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Ein wenig versteckt liegt dort der Platz des KS Polonia Hamburg, wie am Namen unschwer zu erkennen ist, handelt es sich bei Polonia um den Verein der polnischen Minderheit in der Freien und Hansestadt. Als erste Anlaufstelle für schon länger an der Elbe lebende Polen, aber auch polnische Studenten wurde der Verein vor 30 Jahren gegründet – und nahm innerhalb kurzer Zeit eine durchaus beachtliche Entwicklung: Im ersten Jahr ging es von der Kreisklasse in die Kreisliga und in der Folgesaison direkt in die Bezirksliga weiter. Nach dem Klassenerhalt im ersten Jahr folgte dann der Aufstieg in die Landesliga, die auf einem respektablen vierten Platz abgeschlossen wurde. Damit scheiterte allerdings der Aufstieg in die Verbandsliga, auch wurden solche Höhen in der Folge von den „Auslandspolen“ nie wieder erreicht.

 

In der gleichen Saison (1993/94) scheiterte Polonia denkbar knapp an der Qualifikation für den DFB-Pokal. Erst im Finale des ODDSET-Pokals war nach einem 1:3 gegen Raspo Elmshorn Endstation. So weit hat es vorher und nachher kein Verein mit Migrationshintergrund mehr im Hamburger Pokal mehr geschafft. Wo Polonia wohl heute wäre, wenn damals der Sprung auf die große Bühne des Fußballs geklappt hätte?

 

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Die Realität 2018 heißt allerdings „Holzklasse“, also Kreisklasse 8 und der Spielort ist einer dieser klassischen Hamburger Grandplätze. Eine absolut charmante Anlage, die in der Straße „Finkenau“ zu finden ist – allerdings sind die Hartplätze an der Elbe inzwischen auch eher vom Aussterben bedroht. Einerseits weil solche innerstädtischen Filetstücke heiß begehrtes Bauland für Luxusapartments sind, andererseits bedeutet ein Wechsel auf Kunstrasen konkurrenzfähig zu bleiben. Noch staubt und knirscht es aber mächtig, wenn bei Polonia dem Ball hinterher gejagt wird. Mit einem kühlen „Piwo“ in der Hand wird um 10:45 Uhr Fußballromantik genossen.

 

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Das Mittelfeldduell gegen den FC Schnelsen, einem vergleichsweise jungen Verein, gestaltet sich dabei hitziger, als es der Tabellenstand im Vorwege vermuten lässt. Zur Halbzeit steht es 1:1, sowohl nach Toren, als auch nach Platzverweisen. Nach der Pause, in der das Geläuf gewässert wird, gehen zunächst die Gastgeber per wunderschöner Freistoßbogenlampe von Jakubowski in Führung, ehe Timiz per Doppelschlag die Gäste mit 3:2 in Front bringt. Wieder Jakubowski, der nach Meinung der Schnelsener eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfte, egalisiert die Führung und sorgt für den 3:3-Endstand. In der 82. Minute kommt dann nochmal Farbe ins Spiel (erst Gelb-Rot und dann glatt Rot), wobei die Partie eigentlich weder sonderlich unfair oder gar aggressiv wirkt.

 

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Dass mehrfach das „Kurwa“ fällt ist nun auch nicht viel anders als „Fuck“ in England, und wer einmal auf der Insel war, weiß dass es das am häufigsten gesprochene Wort ist. Nach dem Schlusspfiff beruhigen sich die Gemüter auch wieder schnell.

 

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Es wird die Sonne genossen und der Grill angeschmissen – und gegen eine kleine Spende für die Mannschaftskasse gibt es noch eine „Kiełbasa“.

 
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