Aabenraa Stadion, 9. Oktober 2010, Endstand 1:1

 

Rückblende: Dänemark, Anfang 90er Jahre. Die Superligen ist gerade ins Leben gerufen, der FC København als zuküftiger Meisterschaftsabonnent ensteht, und 1992 im Finale von Göteborg holt "Danish Dynamite" den EM-Titel. Keine Frage, Fußball boomt in dem skandinavischen Land. Allerdings wird ein Club im Süden des Landes nicht von dieser Entwicklung erfasst, ganz im Gegenteil markiert dieser Zeitpunkt den Niedergang des Aabenraa Boldclub. Und der AABK (auf das doppelte "A" im Stadtnamen ist man stolz und wehrte sich erfolgreich gegen die Schreibweise mit "Å", da man so in alphabetischen Verzeichnissen ganz vorne bleibt) ist immerhin der älteste Fußballverein Südjütlands und war einst eine der Talentschmieden des Landes.

 

aabenraastadion

 

Davon zeugt heute nur noch das Aabenraa Stadion - an sich ein schöner Bau, allerdings kann man bei genauem Hinsehen erkennen, dass die große Zeit wohl etwas länger her ist. AABK - ein Verein im Herbst.   

 


Gegründet wurde der Aabenraa Boldclub1920 unter dem Namen Aabenraa BK Record, wobei man das "Record" schnell wieder aus dem Namen strich (wer weiß, ob das so eine gute Idee war - vielleicht wäre man mit dem Zusatz erfolgreicher gewesen). Allerdings ging es nach der Gründung keineswegs gleich steil bergauf, was wohl hauptsächlich daran lag, dass der Verein eigentlich nur aus Jugendlichen bestand und wenig Rückhalt in der Bevölkerung hatte. Erst Mitte der 20er wurden klarere Strukturen geschaffen und ab 1929 war man so erfolgreich, dass sich Zuschauer für den Verein zu interessieren begannen. 1935 schaffte man nicht nur den Aufstieg in die Serien 1, sondern konnte auch den Sportplatz ausbauen und das Clubheim errichten. Nur zwei Jahre stieg man aber wieder ab und geriet zudem in arge finanzielle Schwierigkeiten. Zwar bekam man Hilfe von ortsansässigen Firmen, aber der Club wurde auch gezwungen, wieder mehr auf eigene Talente zu setzen. Dies machte man durchaus erfolgreich, konnte sich wieder zurückkämpfen und holte 1944 in Harderslev gegen Fredericia die Jütländische Meisterschaft, drei Jahre später erreichte man wieder das Finale, allerdings verlor man 1947 in Vejle gegen Herning.

 

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Trotzdem erhielt man aufgrund der erfolgreichen Arbeit das Stadion von der Stadt als Geschenk, welches bis heute Heimat des Boldklubs ist. Allerdings führte die neue Spielstätte keineswegs zu einer neuen, erfolgreichen Ära, ganz im Gegenteil folgte in den 50ern und 60ern der zweite Niedergang des Clubs. Die wirtschaftliche und sportliche Talfahrt zwang den Club wiederum nach Talenten zu suchen, aus denen einige Spielzeiten lang ein neues Team geformt werden sollte. 1964 konnte man dann in die Jyllandsserien aufsteigen und schaffte den direkten Durchmarsch in die Danmarksserien. Mit dem steigenden sportlichen Erfolg mussten auch die wirtschaftlichen Grundlagen und die Infrastruktur verbessert werden, außerdem wurde Aabenraa der Anlaufpunkt für junge, talentierte Spieler aus ganz Jütland. Und diese durften 1972 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern - nachdem man es 1968 schon in die 3. Division geschafft hatte, stieg man nun in die 2. Division auf (damals, bevor die Superliga eingeführt wurde, tatsächlich noch die 2. Liga). Dort konnte man sich immerhin 5 Jahre halten und nachfolgend noch viele Spielzeiten in der 3. Liga mitmischen (letztmalig in der Saison 1989/90).

 

haupttribüne

 

Diese erfolgreichen Zeiten konnte man ganz im Süden Dänemarks allerdings nicht konservieren, seit 20 Jahren schaffte man es nie höher als in der Danmarkserien (4. Liga) - aktuell spielt man nur in der Jyllandsserien, was der 5. Liga entspricht. Letzer Zeuge der großen Zeit von AABK ist das schöne Vereinsgelände, dessen Mittelpunkt das bereits erwähnte Aabenraa Stadion ist. 4500 Leute finden hier offiziell Platz, allerdings fast nur auf Stehplätzen (außer man setzt sich die Traversen, was natürlich gut geht), da die Bänke der Haupttribüne teilweise demontiert wurden. Ansonsten ist das Rund aber gut erhalten und gepflegt, an der einen Hintertorseite findet man sogar eine kleine Anzeigetafel, die auch für Kiel voll und ganz ausreichend wäre (uns so teuer kann das Ding auch nicht sein). Der Eingangsbereich ist für 5. Liga allerdings etwas überdimensioniert und die angrenzenden Klohäuschen und der Kiosk sind ziemlich entkernt von innen. Traurige Relikte aus einer besseren Zeit. Dafür weht aber auch heute noch zu Spieltagen an jedem Flaggenmast trotzig der Dannebrog.

 

eingangstadion

 

Immerhin wurden die Eintrittspreise dem Ligalevel angepasst - 30 Kronen ist etwas mehr als ein Hot Dog (reicht allerdings nicht für ein Stadionheft oder eine Eintrittskarte :o( ) und die hat der Hopper immer über. Zudem heute ja auch ein Derby ansteht um die Vormacht in Südjütland, Gegner ist der FC Sønderborg (was ca. 30 km von Aabenraa entfernt liegt). Der FCS ist ein relativ junger, für Dänemark typischer Fusionsverein, dessen Muttervereine aus Sønderborg und Umland aber immernoch für die Nachwuchsförderung existieren.Und dem "Klatschverhalten" nach zu urteilen, sind auch ein paar Anhänger mit nach Aabenraa gepilgert. Insgesamt interessieren sich handgezählte 70 Zuschauer (anwesende Jugendmannschaften mal nicht mitgerechnet) für das Duell der Nachbarstädte, das, freundlich ausgedrückt, sehr von Taktik geprägt ist. Jede Mannschaften hat jeweils eine Halbzeit, in der sie tonangebend ist, im Endeffekt hätte man das Spiel aber auf die drei Minuten zwischen 30. und 33. Minute verkürzen können.

 

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Zunächst gehen die Gäste durch einen schönen Sololauf in Führung, ehe zwei Minuten später per Drehschuss der Ausgleich gelingt. Danach gibt es Gelb für einen Sønderborger Spieler, der daraufhin zur Verwunderung der anwesenden Deutschen das Feld verlassen muss. Für Aufklärung sorgt der Betreuer des AABK: Ab der Danmarksserien bedeutet Gelb für den betreffenden Spieler 10 min Pause (statt ein Spiel Sperre bei der 5.). Interessante Variante, die verhindern soll, dass die teilweise ohnehin kleinen Amateurkader noch zusätzlich durch Sperren geschwächt werden.
Zweite Hälfte ist eher ereignisarm, es fallen keine weiteren Tore und die Entscheidung um die Nummer eins in Südostjütland wird vertagt - zum Glück kann man bei angenehmen Temperaturen die Herbstsonne und ein kühles Bierchen genießen.

 

odensepilsner

 

Odense Pilsner bzw. Classic (auch wenn es nicht die ganz große geschmackliche Offenbarung ist, kann man beides gut trinken) wird im Vereinsheim frisch gezapft, dazu gibt es eine reiche Auswahl ein Weingummi und Lakritz, außerdem Chips, Pizzastücke, Würstchen im Schlafrock und deren uneingewickelte Brüder vom Grill. Dieser ist mit Holzkohle und verströmt einen köstlichen Duft bis ins Stadion. Versorgungstechnisch spielt man in Aabenraa immer noch in einer durchaus hohen Liga. Bleibt zu hoffen, dass auch der Verein an sich irgendwann einen weiteren Frühling erleben wird

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Kulinarisches Highlight des Ausflugs und daher unser Gastrotipp für Aabenraa ist allerdings nicht die Stadiongastro von AABK, sondern der Havne Grillen, den man zur Not auch ohne Fußball mal besuchen kann.

 

havnegrillen

 

Zu finden sind die nach eigenen Angaben "besten Hot Dogs der Stadt" (dem wollen wir nicht wiedersprechen) direkt am Südhafen, weshalb man von der überdachten Terrasse einen netten Blick aufs Wasser und auf Schiffe hat. Dazu kann man unter allen möglichen dänischen Imbissleckereien wählen, die allerdings keineswegs der übliche Standard sind. So sind zum Beispiel die Hamburgerpatties keine dünnen, trockenen Industrieprodukte, wie bei den bekannten Fastfoodketten, sondern frisch, saftig und von respektablem Durchmesser.

 

hamburger

 

Abgerundet und zur Besonderheit werden die Burger, wie übrigens auch die Hot Dogs, aber durch das leckere selbstgemachte Gurkenrelish, in dem neben den bekannten süß-sauren dänischen Gurken noch zusätzlich Zwiebeln und roter Pfeffer für Geschmack sorgen. Seeehr zu empfehlen. Getränketipp statt langweiler 0815-Cola oder Fanta: "Car" aus der Fuglsang Brauerei in Haderslev, die wir ja schon von den Besuchen bei SønderjyskE kennen. Dabei handelt es sich um eine trübe oldschool Limonade, die deutlich säuerlicher und zitroniger daherkommt, als Sprite, 7up und Konsorten. Zum leckeren Menue sehr zu empfehlen und als Nachtisch bekommen wir beim Bezahlen von der freundlichen Besitzerin noch einen Fußball-Lolly geschenkt. Wir sind auf jeden Fall schwer begeistert.

 
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