21. Mai 2009, Parken, Endstand 0:1

 

Was am Vatertag machen? Traditionellerweise für viele keine Frage: Mit dem Fass auf dem Bollerwagen durch Kiel ziehen. Wem das allerdings zu langweilig ist, der sollte im nächsten Jahr vielleicht mal eine Tour nach Dänemark ins Auge fassen.

 

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Denn Christi Himmelfahrt ist der Tag, an dem bei unseren Nachbarn das oder besser die Pokalfinals, nämlich das der Damen und das der Herren, ausgespielt werden. Also gleich zwei gute Gründe für uns zwei Gegengeradler sich morgens um sieben ins Auto schwingen und Kurs Nord einzuschlagen, Richtung Land von Hot-Dogs, Øl und Salzlakritz.

 


Über die beiden Beltbrücken ist die dänische Hauptstadt Kopenhagen, genauer das dänische Nationalstadion Parken, in entspannten vier Stunden erreicht. Das Stadion liegt nicht nur wunderschön umgeben von Parks mit diversen öffentlichen Bolzplätzen, sondern ist auch selbst von innen und außen einer der schönsten Fußballtempel Europas. In seiner modernen Form als reines Fußballstadion besteht es seit 1992 und hat gerade einen großen Umbau fast hinter sich. Die alte dreistöckige Nordtribüne ist dabei (leider) durch eine neue fast ausschließlich aus Businesslogen bestehende Tribüne ersetzt worden. Im unteren Teil gibt es zwar noch einige ausfahrbare Sitzreihen, die aber vor dem Finale weggeklappt wurden.

 

 

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Die restlichen Tribünen sind zu Beginn des Damenpokalfinals auch noch größtenteils komplett leer, nur in einen Block haben sich jeweils etwa 100 Anhänger von Fortuna Hjørring und vom IK Skovbakken Århus eingefunden. Schade und eigentlich unverständlich, denn es ist ja immerhin das Pokalfinale und beide Teams bieten an diesem Tag ansehnlichen Offensivfußball. Vor allem der mehrfache Pokalsieger und Favorit Hjørring macht mächtig Druck über außen. Die Damenmannschaft aus Hjørring ist übrigens ursprünglich aus dem Häkelclub von Spielerfrauen der Herrenmannschaft entstanden. Das ist allerdings inzwischen schon ein paar Jährchen her und während die Damen im Pokalfinale stehen, kämpfen die Herren anno 2009 in der dritten Liga gerade schwer gegen den Abstieg. Vielleicht gründet man ja nächstes Jahr einen Handarbeitsklub. Gemeinsames Problem der beiden Teams könnte vielleicht die Chancenverwertung sein, denn auch die Damen bringen den Ball einfach nicht über die Linie. Stattdessen gelingt den Mädels aus Århus die etwas überraschende Führung, die von da an bissig verteidigt wird.
Mitte der zweiten Hälfte haben sich auch schon etliche Zuschauer des Herrenfinals eingefunden. Der Fanblock des FC Kopenhagen ist gut gefüllt, wodurch das Spiel nun vor einer halbwegs akzeptablen Kulisse stattfindet. Bei der Entscheidung, Fortuna Hjørring zu unterstützen, lässt man sich dabei weniger von sportlichen Gesichtspunkten leiten, als vielmehr von optischen. Gegner Skovbakken spielt nämlich traditionell in gelb-blau, denselben Farben wie Brøndby IF. Und dadurch ist die Farbkombination im Parken ungefähr so beliebt, wie grün-weiß im Holsteinstadion.

 

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Mit solch einer beachtlichen Kulisse im Rücken gelingt dem fünffachen Pokalsieger dann kurz vor Ende der regulären Spielzeit der völlig verdiente Ausgleich. Großer Jubel auf den Rängen und dem Rasen, und da keins der beiden Teams noch ein Tor nachlegt, wird die Entscheidung vom Punkt getroffen (statt Verlängerung geht es bei den Damen direkt ins Elfmeterschießen). Dabei wird die Torfrau der Århuserinnen mit drei sensationell gehaltenen Elfern zur Heldin (und auch besten Spielerin) des Tages. Erster Sieger an diesem Tag also der IK Skovbakken.
Danach müssen wir leider unsere Plätze in der ersten Reihe verlassen und uns ein paar Reihen höher bewegen. Nicht schwindelfreie Personen sollten in Kopenhagen sich keine Karten für den ziemlich steilen Oberrang holen. Der ist eine halbe Stunde vor Beginn bestens gefüllt, alles in den Farben scharz-weiß-blau, den Farben des FC Kopenhagen. Stimmung unter den Anhängern ist wie das Wetter an diesem Tag großartig und vor allem ist man sich siegesgewiss. Dies verwundert nicht, konnte man doch seit 2000 sechs nationale Titel sammeln. Auf ungeteilte Liebe trifft man damit in Dänemark aber absolut nicht. Viele sehen den Kopenhagener Überverein hingegen als Kunstprodukt. Grund: 1992 fusionierten der erfolgreiche, aber unattraktive B 1903 und der beliebte, aber in der zweiten Liga rumdümpelnde KB 1876, um den Fußball in Kopenhagen national und international konkurrenzfähig zu machen. Das Konzept ging tatsächlich auf und wurde zum internationalen Vorbild, rief aber auf viel Unmut bei den Anhängern der Traditionsvereine wie Vejle BK, Odense BK und vor allen Brøndby IF hervor. Das ist den FCK-Fans natürlich eher egal, zudem man auch diese Saison nicht nur im Pokalfinale steht, sondern auch die Tabelle der Superliga (dänische, erste Liga) anführt.

 

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Die rund 10000 Supporter des Gegners und (noch) amtierenden Meisters Aalborg finden sich an diesem Tag auf der Südtribüne hinter dem Tor ein. Der Aalborg Boldklub, meistens nur kurz AaB genannt, wurde schon 1885 gegründet und gehört damit zu den Traditionsclubs des Landes. Allerdings haftet den Rot-Weißen aus Nordjütland auch der Ruf als „ewiger Zweiter“ im Pokal an. Ins Finale schaffte man es bisher schon stolze neun Mal, gewinnen konnte man die Trophäe hingegen nur zweimal. Davon lässt sich allerdings keiner verunsichern, von Beginn an macht der Aalborger Anhang mächtig Lärm und supportet auch schon während des Aufwärmen der Mannschaft. Jeder Spieler wird dabei einzeln abgefeiert. Endlich richtige Pokalfinalstimmung im Parken.
Dann Auflaufen der Mannschaft und Nationalhymne. Im Kopenhagener Block Choreo mit Fahnen und Luftschlangen, von den Aalborgern gibt es eine riesige Blockfahne, die vom zweiten Rag runtergelassen wird. Anschließend ebenfalls Fahnen und Luftschlangen. Support ist von Anpfiff auf beiden Seiten gut, auch wenn die der Punkt für Lautstärke klar nach Aalborg geht. Vor allem die Vorstöße von Aalborgs Brasilianer Cacá (der jüngere Bruder von Dortmunds Dede) sorgen immer wieder für Verzückung. Richtig laut jubeln können aber in der 31. Minute erst mal die Blau-weiß-roten, die durch ein Tor des 19jährigen Talents William Kvist in Führung gehen. Mit diesem einen Tor scheint der FCK relativ zufrieden, steht von nun an tief und verlegt sich wenn überhaupt aufs Kontern. Auch wenn Aalborg fast die gesamte restliche Spielzeit stürmt und dominiert, wird einem relativ schnell klar, dass der AaB auch diesmal wieder mit leeren Händen da stehen wird. Sicher auch aufgrund des eigenem Unvermögens im Abschluss, andererseits bekommt man als neutraler Zuschauer mir fortschreitender Spieldauer den Eindruck, dass der Schiedsrichter Peter Rasmussen den Ruf von Aalborg als ewiger Zweiter schützen wollte. Irgendwie schade, dass das Finale so entschieden wird. Nach dem Spiel entscheiden sich die Rot-weißen dann auch komplett gegen Händedruck mit dem Unparteiischen. Bei den FCK-Spielern und dem Großteil der Zuschauer ist die Laune hingegen grandios.

 

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Erster Titel 2009 ist unter Dach und Fach und das ist der Startschuss für große Party auf dem Feld und auf den Rängen. Bei der Vereinshymne sind alle Schals und Flaggen in der Luft und wir von der Gegengerade mittendrin. Spätestens jetzt hat sich der Trip auf jeden Fall gelohnt und der Funke springt über.
Nach dem Spiel geht es von daher noch ein wenig in die Innenstadt mitfeiern und Sightseeing. Die eine oder andere dänische Spezialität wird natürlich auch verköstigt. Und neben Amalienborg und der Kleinen Meerjungfrau kann man auch noch ein paar heimatliche Dinge entdecken (siehe Bild).

 

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Und alle Bilder vom Trip in die dänsche Hauptstadt gibt es hier.

 
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