FC Nordsjælland - Randers FC und Brøndby IF - FC København

Am 1.Dezember 2013 meinte der Spielplangestalter des dänischen Fußballverbandes DBU es sehr gut mit den Liebhabern der dänischen Liga. Um 14 Uhr sollte das Heimspiel des FC Nordsjælland gegen Randers FC stattfinden und abends um 19 Uhr folgte das Spiel der Spiele in Dänemark, das Derby zwischen Brøndby IF und dem FC København. Da beide Stadien knapp 30 Kilometer voneinander entfernt sind, konnte man stressfrei beide Spiele besuchen. Also machte man sich zu zweit morgens rechtzeitig auf den Weg aus Kiel in den Speckgürtel der dänischen Hauptstadt. Unterwegs wurden am Rastplatz Frøslev, dem ersten Rastplatz hinter der Grenze, dänische Kronen geholt und nach einer kleinen Frühstückspause war man mehr als rechtzeitig in Farum, dem Spielort des FCN angekommen.

 

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Nach einem Besuch im dortigen Fan-Shop ging es in die FCN-Bar, wo man erstaunlicher Weise mehr Kinder antraf, als Erwachsene. Es waren dort Spielkonsolen aufgestellt, wo sich die Gäste am Fifa 13 versuchen konnten, außerdem gab es die Möglichkeit für Billard und Airhockey. Wir schnappten uns allerdings das Maskottchen des FCN für ein gemeinsames Erinnerungsfoto und machten ihm auch gleich klar, welche deutsche Fußballmannschaft die beste ist.

 

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Nachdem man sich dann mit Tickets versorgt hatte, machten wir uns auf den Weg ins Innere des Stadions. Das Stadion selbst ist recht übersichtlich und schön geschnitten. Man hat eigentlich von überall einen tollen Blick auf das Spielfeld und wir waren uns einig, daß man das Stadion gern abbauen und in Kiel wieder aufbauen könnte.

 

Der vor einigen Jahren noch gelobte „Tigerburger" war dieses mal allerdings eine glatte 6.

 

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Das Brötchen war stellenweise verkohlt und durch die Bulette hätte man auch Zeitung lesen können. Das Spiel war recht spärlich besucht, gerade einmal 3.726 Zuschauer wollten dem Kick des Tabellen 10. gegen den 9. beiwohnen. Als Info für Nicht-Insider der dänischen Liga: Die Liga besteht gerade einmal aus 12 Mannschaften. Trotzdem sehr überraschend, da der FCN in den Jahren 2010 und 2011 dänischer Pokalsieger und 2012 sogar Meister wurde. Das Spiel selbst war jetzt auch nicht gerade ein Schmankerl. Der FCN ging bereits in der 4.Minute in Führung und hatte danach etliche Chancen, die Führung auszubauen, scheiterte aber meist an der eigenen Abschlussschwäche. Mitte der ersten Halbzeit kam dann auch Randers mehr und mehr ins Spiel und kurz vor der Halbzeit kam man zum verdienten Ausgleich. In der zweiten Halbzeit plätscherte das Spiel so vor sich hin.

 

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Keine der beiden Mannschaften traute sich ein Risiko einzugehen, um dann einem eventuellen schnellen Konter zum Opfer zu fallen und durch eine Niederlage auf einen der beiden Abstiegsplätze zu rutschen. So trennte man sich am Ende 1:1, einem Unentschieden mit dem Randers wohl eher leben kann, als der FCN. Zügig machten wir uns nach Abpfiff auf den Weg zum Auto um das nächste Ziel unserer Reise anzusteuern, nämlich das Brøndby-Stadion. Brøndby ist eine eigenständige Kommune im Großbereich Kopenhagens, ähnlich wie Altenholz im Kieler Bereich. Da das Spiel quasi das Fußball-Highlight schlechthin in Dänemark ist, bestellten wir uns vorab Karten per Internet, die uns freundlicher Weise im Fan-Shop vor Ort hinterlegt wurden. Das Spiel galt offiziell auch als ausverkauft, obwohl der komplette Oberrang der Nordtribüne leer war. Das lag aber nur an Sicherheitsgründen, da eine strikte Trennung der beiden Fan-Gruppen gefordert war und der FCK nicht in der Lage war, die ganze Tribüne mit Gäste-Fans zu füllen. Die Stimmung unter den Fans war aber schon vor dem Spiel gigantisch. So versammelten sich hinter der Südtribüne bereits eine Stunde vor Öffnung der Stadiontore an die 1.500 BIF-Fans, die auf Einlass auf die berühmt berüchtigte „Sydsiden", der Fantribüne von Brøndby warteten. Da wir das gleiche Stadiontor nutzen mussten um auf unsere Plätze zu gelangen, reihten wir uns dort ein und man wurde gleich von der tollen Stimmung angesteckt. Trotz der Spannung und der großen Rivalität dieser beiden Clubs blieb aber alles friedlich. Was ich persönlich im Brøndby-Stadion liebe, ist die Atmosphäre beim Aufwärmen der Teams. Es wird keine Musik gespielt, stattdessen macht die „Sydsiden" mit Gesängen Stimmung, zudem wird nach und nach jeder Spieler einmal aufgerufen, welcher dann zur Tribüne kommen muss und unter ohrenbetäubendem Lärm gefeiert wird. Zum Einlaufen der Mannschaften wurden dann auf beiden Seiten massig Pyros präsentiert, die das Stadion komplett einnebelten.

 

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Aber es wurde still geduldet, kein Einschreiten von Ordnungskräften oder gar der Polizei und auch der Stadionsprecher machte keinerlei Durchsagen. Da sieht man mal wieder, dass man auf jeglichen Ärger verzichten kann, wenn man diese Pyros kontrolliert (!) und ohne Gefährdung anderer präsentiert und sich die Ordnungskräfte zurückhalten, so lange dieses auch so bleibt. Das Spiel war ein typisches Derby, kampfbetont und ehrgeizig geführt. Brøndby ging in der 22.Minute durch ein herrliches Freistoßtor in Führung, fing sich aber nach einem groben Abwehrfehler postwendend den Ausgleich ein. Durch den Rückstand geweckt und geärgert ging der FCK binnen weiterer sieben Minuten sogar mit 1:3 in Führung, gleichzeitig Halbzeitresultat. In der zweiten Hälfte verwaltete der FCK das Resultat ohne große Mühe, Brøndby rannte dem Rückstand hinterher ohne wirklich Gefahr auf das Tor des schwedischen Nationaltorhüters Johan Wiland auszuüben. Ab der 80.Minute leerte sich das Stadion auch rasend schnell, keiner der 21.624 Zuschauer glaube mehr an eine Wendung des Spiels. Sie sollten auch recht behalten, denn es passierte gar nichts mehr. Ich als bekennender Brøndby-Sympathisant war natürlich enttäuscht auf Grund des Ergebnisses. Trotzdem war es ein absolut tolles Erlebnis und es war definitiv nicht mein letzter Besuch im ehrwürdigen Brøndby-Stadion. Nach dem Spiel wollten wir dann recht zügig die knapp vierstündige Rückfahrt antreten, doch die Abfahrt vom Stadionparkplatz gestaltete sich als schwierigste Aufgabe des ganzen Tages. Gleich zwei Auffahrunfälle (zum Glück ohne unsere Beteiligung) machten das Verlassen des Parkplatzes zu einer ernsten Geduldsprobe. Nach einer guten halben Stunde haben wir die Anlage verlassen können und machten uns, bewegt von diesem ereignisreichen Tag, auf die Heimreise.

 

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Fazit: Die dänische Liga ist immer einen Besuch wert. Auch wenn bei den Spielen heute der Kontrast innerhalb der Liga doch recht eindrucksvoll bewiesen wurde. Hatte das erste Spiel von Besucherzahl und Stimmung in Deutschland unteres Dritt- wenn nicht sogar höheres Regionalliga-Niveau, war das Derby absolut erstligareif. Wir kommen wieder!