Parken, 4. Mai 2014, Endstand 1:1

Relativ kurzfristig vor dem Kopenhagener Derby hatten sich der Schreiber und sein Mitfahrer entschlossen, nach dem Bukarester Derby Anfang März nun ein weiteres Stadtduell zu besuchen. Und da beide noch nicht in den Genuss kamen, einmal das dänische Nationalstadion von Innen zu sehen ging es mit dem bitteren Nachgeschmack des vorerst verpassten Klassenerhaltes der KSV in aller Frühe nach Sjælland. Abgesehen davon kann man es wohl niemandem erzählen, dass man als Kieler die Saison schon an sämtlichen Ecken der EU-Peripherie gewesen sei, aber es nie nach Kopenhagen geschafft hätte.

Schnell wurde dann am frühen Morgen die Grenze nach Skandinavien überquert, das erste richtige Hindernis nach einer Baustelle fand man in Middelfart vor. An der Brücke zwischen Fyn und Sjælland bezahlte man noch den obligatorischen Wegzoll, dank Tagesticket für die Fahrt am selben Tag zurück in ertragbaren Dimensionen. Schon ein imposantes Bauwerk, welches doch im relativ kalten Wind der Ostsee lag.

 

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Dank einiger Baustellen im Großraum Kopenhagen bekam man nun auch noch mit, dass in diesem Teil Dänemarks doch etwas mehr Verkehr herrscht. Dieser konnte uns aber nicht daran hindern, die erste Station des kleinen Sonntagsausflugs zu erreichen. Ursprünglich gab es noch die Option, eine weitere Brücke zu überqueren und das Aufeinandertreffen zwischen Malmö FF und BK Häcken der Allsvenskan zu besuchen, doch irgendwie hatte keiner mehr Lust, vor dem Hauptspiel noch einmal nach Schweden zu hetzen, da zog man doch einen Aufenthalt in Dänemarks größter Stadt klar vor. Ohne ein wenig Fußball zuvor wollte man den Tag dann aber doch nicht verbringen, sodass erst einmal die zweite dänische Liga im Vorort Lyngby rief, wo LBK heute die Gäste aus Nordjütland von Vendsyssel FF empfing. Für 100 DKK hielt man dann sogleich auch seinen Ticketausdruck in den Händen. Für die dänische zweite Liga ist das Stadion absolut ausreichend und selbst bei einer Rückkehr in die Superligaen dürfte man an diesem Ort sicherlich spielen. Man selbst machte es sich zunächst auf der großen überdachten Haupttribüne bequem.

 

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Über das Niveau war man doch ein wenig überrascht, dank zahlloser Duelle der Kieler SV Holstein gegen Vereine aus dem dänischen Unterhaus konnte man sich bereits ein Bild machen. Lyngby technisch ziemlich versiert und sehr offensivfreudig, die Gäste schenkten als Abstiegskandidat ebenfalls nicht ab, sodass man nach nicht einmal 30 Minuten schon ein 2:1 auf der Anzeigetafel zu lesen bekam. Das freute auch die 1200 Zuschauer, die außer ein paar Fahnen und Rufen nicht weiter auffielen. Im zweiten Durchgang ging es dann schon etwas deutlicher zu und die Kopenhagener Vorstädter behielten mit 4:1 die Punkte bei sich. Fix verließ man anschließend den Ort des Geschehens. Dank doch seltsamer Verkehrsführung dauerte es ein wenig, bis man die Silhouette des Parkens endlich zu Gesicht bekam. Dank früher Stunde (bis zum Anpfiff sollten noch vier Stunden vergehen) konnte das Gefährt noch sehr nah abgestellt werden. Als deutsches Kennzeichen war man übrigens nicht allein in der näheren Umgebung, neben Ratzeburg und Osnabrück konnte sogar auch ein Fahrzeug aus der sächsischen Landeshauptstadt begutachtet werden. So weit ist es also schon gekommen, die SGD kämpft in der Pfalz um den Klassenerhalt und der Anhang hat mehr Lust auf Krawalltourismus ;-). Im Übrigen sollte die Tatsache, dass man deutscher Staatsbürger ist, noch für einige kleinere Probleme sorgen.
Noch deuteten nur ein paar einzelne Trikotträger auf das bevorstehende größte Spiel Dänemarks hin, daher beließ man es bei einem kurzen Blick und ging sogleich weiter in die Innenstadt. Diese wusste dabei echt zu gefallen, schönes Wetter und die zahlreichen tolle erhaltenen Bauten erzeugten doch an diesem Tag Anfang Mai ein nettes Flair. Die Leute zog es nach draußen, man konnte meinen die ganze Stadt sei (nicht nur wegen des Derbys) auf den Beinen bzw. auf einem der zahllosen Zweirädern. Ein richtiges Ziel hatte man nicht, sodass man einfach mal schaute, wo man hingelangte, potentielle Ziele wie Christiania waren von der Distanz her mit dieser Zeit sowieso nicht erreichbar. Im Gegensatz zum Fußball sollte aber der ESC (nächste Woche in Kopenhagen) viel präsenter sein, alles deutete auf dieses Ereignis hin.
Statt dem obligatorischen Hot Dog bevorzugte man heute die in Dänemark nicht minder guten Bäckereien, sodass es gut gestärkt wieder Richtung Stadion ging. Irgendwie hatte man gehofft noch den Derbymarsch des FCK mitzubekommen, aber nicht weiter tragisch. Die letzten Meter wurden über eine große Parkfläche mit zahlreichen Fußballfeldern zurückgelegt, schönes Bild, wie zwischen den Hobbyfußballern zahlreiche FCK Fans umherwuselten.

 

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Am Parken wollte man zuerst einmal einen Blick auf den Gästeeingang wagen, dieser war bereits mit Zäunen abgesperrt. Die Stimmung bei BIF dennoch gut, ein Bengalo nach dem anderen wurde gezündet und keinem ist was passiert.

 

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Am Eingang zu Geraden wurde dann messerscharf erkannt, dass es sich hier um zwei Deutsche handelt und eh man sich versah, durfte man gleich mal den Ausweis an die dänische Staatsmacht übergeben, die daraufhin bestimmt fünf Minuten die Daten der Funk weitergab. Eigentlich unfassbar, da interessiert sich bis auf eine Ausnahme in dieser Saison höchstens mal der Ticketverkauf für irgendwelche Dokumente und im so hyggeligen Königreich darf man gleich einmal vorstellig werden. Irgendwann hatte der Schreiber dann genug und verwies einfach mal auf den Kieler Wohnort, schließlich sei man dem HSV nicht so zugeneigt und habe daher auch keine Verbindungen zum Anhang des FCK. Das überzeugte dann langsam und nach einer kurzen Erklärung, dass man statt Anhängern aus der Hansestadt eher nach Personen aus Dortmund (Kontakte zu Brøndby) suchte, durfte man dann auch endlich den Parken betreten. Man hatte noch kaum die Ränge betreten und erste Eindrücke erhalten, da wandte sich der Blick gleich wieder nach oben.

 

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Dort hatte sich ein Haufen von gerne 40 Erlebnissorientierten des FCK gesammelt (stilecht vermummt) und dieser Mob setzte sich kurzerhand in Bewegung und hatte wohl einen einzelnen Anhänger des Rivalen im Auge. Ein paar Sekunden ging es dann bereits rund, die Security (außer Zivis keine Politi im Stadion) hatte das Ganze dann aber doch wieder im Griff. Unglücklicherweise befanden sich unsere Plätze, zu dessen Einnehmen wir auch unverzüglich aufgefordert wurden, direkt neben dieser kleinen Gruppe. Auch nicht schlecht. Inmitten dieser konnte man dann noch zwei mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten eines Hamburger Hoppingheftes erspähen. Nach diesem durchaus interessanten Prematch-Programm konnte man sich einmal die sportliche Situation vor Augen führen. Beide Clubs liegen punktgleich auf den Plätzen drei und vier der Superligaen und sind somit bei sieben Punkten Abstand auf EfB und noch vier Spielen so gut wie in der Europa League. Insbesondere der Dauermeister FCK dürfte dies aber nicht gerade schmecken, die CL-Plätze und die Meisterschaft dürften für die Vereine aus Herning (FC Midtjylland) und/oder Aalborg reserviert sein.
Trotz dieser sportlichen Situation ließen sich beide Szenen um die Urban Crew und Alpha Brøndby natürlich nicht bitten und bastelten bereits fleißig an ihren Intros herum. Irgendwann war es dann soweit und beide Teams betraten den Rasen des Nationalstadions. Auf den Spielern sollte der Blick aber nicht lange verharren. Auf der Seite des FCK hatte man neben einem Spruchband eine große Blockfahne vom Oberrang heruntergelassen. Neben dem Stadion Parken befand sich eine überdimensionierte Kanone, die nun die erste Kugel auf das Brøndby-Stadion (links) abfeuerte, welches sofort jetzt durch eine neue Blockfahne zu brennen begann, begleitet durch einigen schwarzen Rauch. Das Spiel wiederholte sich noch einmal, sodass das ganze Stadion in Flammen stand. Das alles wurde von großem Jubel und Applaus begleitet, den passenden Soundtrack lieferte dabei die Soundanlage des Stadions. Kurze Zeit später wurde diese Blockfahne komplett heruntergelassen, sodass nun auf der gesamten Hintertortribüne „København er vores – Kopenhagen ist unser" zu lesen war, welches auch das Derbymotto der FCK-Fans darstellte und bereits vor dem Spiel auf zahllosen T-Shirts und Aufklebern gesehen wurde.

 

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Um es kurz zu machen, das FCK-Intro haute einem buchstäblich vom Hocker. Perfekt inszeniert, reibungslos funktioniert, wohl vielleicht mit das beste Intro, was der Schreiber bisher gesehen hatte.
Aber auch die Gäste fuhren groß auf, mithilfe von zahlreichen Pappen bildete man das Gründungsjahr des Vereins auf den Gästeblock und rundete es mit einem Spruchband ab. Anschließend klickten die Fackeln und erhellten den Kopenhagener Abendhimmel. Ebenfalls ein sehr schönes Bild, kein Bengalo wurde auf das Spielfeld geschmissen und dass Deutschland sowieso fast das einzige Land ist, wo nach so einem Spektakel Durchsage auf Durchsage folgt, dürfte sowieso fast allen bekannt sein. Beide Kurven legten daraufhin sofort los, beinahe alle Aktive auf beiden Seiten waren entweder in gelb oder weiß gekleidet. Während der FCK nahezu komplett auf Material außerhalb des Choreomaterials verzichtete, benutze die bekannten 4-5 größeren Schwenker. Die Urban Crew, unterstützt von der CFHH, präsentierte sich im ersten Abschnitt etwas lauter als die Gegenseite und bezog mit Schlachtrufe und einfacheren Liedern gerne das ganze Stadion mit ein. Phasenweise hüpfte und klatschte die komplette Kurve, schon gut zu sehen, dass das Phänomen einer typisch mittelmäßigen „Derbystimmung" hier nicht richtig zum Zuge kam.
Bröndby setzte dagegen nach meiner Meinung eher auf längere Lieder, konnte aber auch immer wieder sehr gut gehört werden, auch wenn manchmal nur der Stimmungskern einstieg. Dennoch ein tolles Gesamtbild. Im Gegensatz zum FCK, der komplett auf Pyro verzichtete, sah man immer mal wieder eine Fackel im Gästeblock.
Sportlich konnte die Partie aber nicht mit den Geschehnissen auf den Rängen mithalten. Da hatte man sich, obwohl die dänische Liga natürlich nicht zu den Topligen gehört, doch etwas mehr versprochen. Viele Fehlpässe und nicht zu Ende gespielte Angriffe ließen das Spiel immer wieder ins Stocken geraten. Außer eine Aktion des Heimteams gab es so gut wie keine Chancen auf beiden Seiten, auch wenn die Gäste optisch etwas mehr vom Spiel hatten. Somit ging es mit einem offenen 0:0 in die Pause, das für den zweiten Durchgang alle Optionen offen ließ. Nach kurzer Unterhaltung durch Cheerleader und einem Gitarristen ließen es sich die Gäste auch zur zweiten Halbzeit nicht nehmen, mithilfe von einem BIF-Logo, zahlreichen blau-gelben Schwenkern und sehr viel Pyro das eigene Team zu begrüßen.

 

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Das Sportliche zeigte sich weiter wie bisher, der FCK tastete sich an den ersten Treffer heran, aber auch Brøndby schenkte natürlich nichts ab und mitten in einer Drangphase des FC Kopenhagen mit einigen guten Chancen konnte FCK-Keeper Wiland einen Schuss nach einem Konter nicht festhalten und Núñez hatte keine Mühe zu verwandeln. Im Gästeblock brach daraufhin sofort das Chaos aus, Fans fielen Sitzreihen nach unten, jeder lag sich in den Armen und die erste Reihe rannte ihre Trommler um und befand sich schon fast im Innenraum. Ekstase pur!
Der Rest der über 32.000 Zuschauer (nicht ausverkauft) daraufhin in einem kollektiven Schockzustand. Aber sowohl Fans und Team erholten sich schnell und es begann ein wahrer Sturmlauf auf das Gästetor. Höhepunkt war dabei der Lattentreffer kurz vor Ende des Spiels nach einer Ecke. Diesen erlebten einige Stadiongänger aber schon nicht mehr, ab der 80. Minute verließen bei dem Spielstand bereits hunderte ihre Sitzplätze. Der Rest musste bis in die Nachspielzeit warten. Kopfball Delaney, Tor! Der Rest des Stadions hielt es nicht mehr auf den Sitzen, die Derbyniederlage im eigenen Stadion war gerade so noch einmal verhindert worden. Anschließend war Schluss und während der BIF-Anhang enttäuscht die Köpfe hängen ließ, feierten Urban Crew und Co den späten Punktgewinn wie einen Sieg.
Für uns ging es mit den letzten Fans ebenso raus aus dem Parken, noch einmal kurz am Gästeblock vorbeigeschaut, aber alles ruhig, jedenfalls aus unserer Perspektive. Es wäre durchaus interessant gewesen die Stimmung nach dem Spiel bei einem Brøndby-Sieg zu erleben, aber mit dem 1:1 konnte wohl jeder einigermaßen leben, damit dürfte es aber auch zu 99% klar sein, dass der Meister dieses Jahr nicht aus Kopenhagen kommt. Nach kurzem Abfahrtsstau und einigen grenzwertigen Manövern auf der Straße unterbrach die Fahrt nach Deutschland nur noch ein kurzer Stop kurz vor Slagelse, um dort die letzten Kronen auf den Kopf zu hauen und mit den Einkäufen vorzusorgen, das eigene Auto eben nicht wie viele Dänen untauglich auf dem Seitenstreifen verrotten zu lassen. Mitten in der Nacht hatte man nach 4 ½ Stunden dann wieder die Landeshauptstadt erreicht. Ein absolut lohnenswerter Ausflug bei gutem Wetter nach Kopenhagen, dessen Derby dem Bukarester vor zwei Monaten glücklicherweise in keinster Weise nachstand. Das war die Brückenmaut schon wert!