London fußballkulinarisch: 13 Profivereine, die neben Liga noch in zwei Pokalwettbewerben antreten dürfen - im Fußballmekka London kann man eigentlich immer was schickes finden.

 

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Also machte sich die CC-Crew auf in die nach Kiel beste Stadt der Welt. "Footie and Food" das Motto.

Ham 1:
West Ham United FC vs. Stoke City FC
Boleyn Ground, 27. Oktober 2010, Endstand 3:1 nach Verlängerung

Ligapokal sei dank konnte gleich am Anreisetag ein Spiel mitgenommen werden. Karten für den Carling Cup (dank des alkoholhaltigen Wettbewerbssponsors kommt man übrigens nur gegen Altersverifizierung auf die offizielle Seite) kriegt man eigentlich immer noch relativ locker vor Ort, da der Ligapokalwettbewerb deutlich unattrraktiver ist als sein großer Bruder, der FA Cup. Je weiter allerdings vor allem kleinere Vereine in den Runden kommen, desto mehr steigt die Bedeutung und sogar Theo Walcott von Arsenal nahm ganz offiziell seine Äußerung zurück, dass es sich beim Ligapokal nur um einen "Mickey Mouse Cup" handele. Der Sieger des Wettbewerbs erhält auch immerhin einen Europa League Startplatz, was für die Teams aus der zweiten Reihe (hinter Manchester United, Arsenal und Chelsea) interessant ist, zudem wenn man die Saison in der Liga schon relativ gut gegen die Wand gefahren hat, wie im Beispiel West Ham.


Der Verein im Londoner East End ist ein klassischer Arbeiterverein, der Vorgänger von Werftarbeitern gegründet hieß noch Thames Ironworks FC. In die heutige Zeit herübergerettet hat sich die geschichtliche Herkunft in den Spitznamen des Vereins "The Hammers" und "The Irons".

 

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Allerdings ist man auch gleichzeitig als "The Academy of Football" bekannt, da viele berühmte englische Fußballer hier das Ballspielen lernten. Als Beispiele seien Geoff Hurst und Bobby Moore genannt, oder aktuell Frank Lampard, Joe Cole und Rio Ferdinand. Trotz aller Talente konnte man allerdings recht wenig Titel einfahren, dreimal reichte es zum Gewinn des FA-Cups (1964, 1975 und 1980) und einmal zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger (1965 gegen 1860 München). Ansonsten war ging es für den Verein auch häufiger mal bergab.

Derzeit herrscht mal wieder eher Tristesse am Boleyn Ground, der Heimat von WHU, der allgemein aber als Upton Park bekannt ist. Das Stadion wurde schon 1904 eröffnet und bietet heute nach diversen Umbauten 35.303 Zuschauern Platz (sofern es diese durch die engen Turnstiles ins Innere geschafft haben), natürlich in England komplett auf Sitzplätzen. Älteste Tribüne ist die Gegengerade, der 1968 eröffnete East Stand, der noch über das klassiche, englische Giebeldach verfügt.

 

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Die Haupttribüne und die Hintertortribünen sind schöne zweistöckige Tribünen, die das Spielfeld eng einrahmen, die vor allem bei der Vereinshymne "I'm forever blowing bubbles" eine hervorrsagende Akustik bieten.

 

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Von der Außenseite ist die Haupttribüne mit zwei Türmen verkleidet, die an das Vereinswappen angelehnt sind. Für meinen Geschmack ein kleines bisschen kitschig, aber nun ja.
Wie lange allerdings der Upton Park noch die Heimspielstätte bleibt, ist unklar, denn der Verein erwägt nach den Olympischen Spielen 2012 einen Umzug in das sich derzeitig im Umbau befindliche Olympiastadion. Ein Vorhaben, das bei den Fans eher auf wenig Gegenliebe stößt.
Von denen finden sich trotz der Negativserie in der Liga (die ausgerechnet gegen Stoke City gestartet wurde und den Verein ans Tabellenende beförderte) immerhin noch über 25.000 im Stadion ein und supporten gleich von Beginn an lautstark. Die kleine Schar von Stoke-City-Anhängern wird mit "Your support is shit - so are your players" bedacht, dass es aber zumindest bei den Spielern nicht ganz so wahr ist, zeigt sich nach nur 5. Minuten: 0:1 aus Sicht des Gastgebers. Bis zur Halbzeit läuft bei dem dann auch gar nichts mehr zusammen, ein wahres Fehlpassfestival lässt den neutralen Zuschauer erahnen, warum die "Hammers" diese Saison so grottig da stehen. Zweite Hälfte versucht man über den Kampf zurück ins Spiel zu kommen und schafft kurz vor Schluss den kaum noch für möglich gehaltenen Ausgleich.

 

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Das heißt im Ligapokal nicht Rückspiel (wie im FA-Cup), sondern extra-time. In der legt West Ham zweimal nach und schafft so das Erfolgserlebnis zwischen dem Ligafrust. Sehr geile Stimmung auf den Rängen, kaum zu glauben, dass man vor ein paar Stunden noch zuhause in Deutschland war. "If the kids are UNITED, they will never be divided..."
Abreise danach zu Fuß durch die gleiche Straße wie die Busse und die Autos, was zu einem herrlichen Chaos führt, das an der U-Bahn-Station durch ein ungelogen 3 km langes Absperrgitter aufgelöst wird, mit dem man durch eine Nebenstraße gelotst wird, sofern man sich nicht schon vorher frustriert ein Taxi genommen hat. Wem das alles zu stressig ist, der kann sich auch erstmal an einer der Burgerbuden entlang des Weges parken, wo es exzellente Beefburger mit onions und Englisch mustard gibt. Sehr empfehlenswert auch die Variante mit englischem Bacon (viel fleischiger als der Ami-Rotz).

 

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Essen kann man aber auch im Stadion gut - eine reiche Auswahl an Pasties und Pies von All Steak bis Cheese and Onion, sowie Hamburger und Hotdogs warten darauf, mit einem lecker Ale verpeißt zu werden.


Ham 2:
Fulham FC vs. Wigan Athletic FC
Craven Cottage, 30. Oktober 2010, Endstand 2:0


Alles andere als ein Arbeiterverein und statt im East im West End gelegen: Auch wenn Fulham von den Erfolgen her nur die Nummer 2 im Viertel ist (Chelsea FC spielt an der nicht einmal 2 Meilen entfernten Stamford Bridge, und damit außerhalb des namensgebenden Stadtteils), kann man immerhin für sich beanspruchen, der älteste, noch aktive der Hauptstadt zu sein (1879 gegründet).

 

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Allerdings ist einzige Erfolg in der langen Geschichte der "Whites" (benannt nach der Trikotfarbe) oder "Cottagers" (nach der Heimspielstätte, dem "Craven Cottage") lediglich der Gewinn des UI-Cups 2002. Ein Jahr zuvor war Mohammed Al-Fayed, Besitzer des Nobelkaufhauses Harrods, bei Fulham mit einigem Geld eingestiegen und hatte so für eine gewisse Initialzündung gesorgt. Trotzdem kann man bisher noch nicht zu den anderen Londoner Clubs in punkto Faninteresse aufschließen, wobei man es im etwas besseren Londoner Bezirk Hammersmith & Fulham nicht nur aus dem bereits oben angeführten Grund auch schwer hat.

 

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Womit der FFC allerdings bei Fußballfans und Hoppern aus ganz Europa punkten kann, ist die Heimspielstätte, das "Craven Cottage". Auf dem Weg zum Ground ist man zunächst auf Hinweisschilder und dorthin strömende Supporter angewiesen, irgendwann luken aber Flutlichtmasten über die Reihenhäuser und die Vorfreude steigt. Das Stadion übrigens ist nach dem kleinen Cottage an der einen Ecke des Stadion benannt, dessen Besitzer vor etlichen Jahren seine "Hauskoppel" an Fußballspieler vermietete. Das Cottage und der daran anschließende Johnny-Haynes-Stand (benannt nach dem größten Spieler des Clubs) machen den speziellen Charakter des Stadions aus. Schließlich stammt die älteste Tribüne im englischen Profifußball noch aus der victorianischen Zeit und ist mit den Stützpfeilern und Holzsitzen im Oberrang ein absolutes Unikat.

 

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Die anderen Tribünen sind ähnlich wie bei West Ham moderne Sitzplatztribünen, deren 24.600 Plätze an diesem Sonnabend alle besetzt sind (zumindest offiziell) und das obwohl aus Wigan nur rund 500 Supporter den Weg an die Themse gefunden haben (der Riversidestand grenzt direkt an das Ufer des Flusses).

 

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Dort haben neben den (anderen) VIPs auch wir unseren Platz direkt am Spielfeldrand, wodurch die Eingänge und die Toiletten durchaus nobel sind. Eher rustikaler geht es beim Essen zu: Burger und Pies sind von solider Qualität und preislich okay, Highlight neben dem guten Carling (wahlweise frisch gezapft oder aus der Plastikflasche) ist auf jeden Fall aber das "Pork Bub" - ein wabbliges Brötchen mit einer dicken Scheibe Schweinebraten und zusätzlich Stuffing (ein Pü aus Brotkrumen, Zwiebeln, Salbei und anderen Gewürzen).

 

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Klingt jetzt seltsam - schmeckt aber saugut und sättigt.
Ob das Spiel wirklich ein Leckerbissen werden würde, müsste man im Vorwege wohl bezweifeln - 15. gegen 16. klingt eher nach Stokelfußball. Zum Glück wurde man eines besseren belehrt, denn auch ohne Publikumslieblng Nr.1 Bobby Zamora spielte der FFC von Beginn an straight nach vorne. Das wird vom Publikum honoriert, generell werden in England auch viel mehr Aktionen und Kampf mit Applaus bedacht.

 

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Absolut großen Tag erwischte US-Nationalspieler Clint Dempsey, der "nur" zwei wunderschöne Tore und damit Fulham zum Sieg schoss. Hätte aber eigentlich locker ein Hattrick werden müssen, da man reihenweise Chancen versiebte und Wigan durch das gesamte Spiel nur eine einzige Chance hatte. Dem Heimanhang ist's egal.

Wer übrigens während des Zuschauens beim einen englischen Nationalsport an einem anderen teilnehmen möchte kann seine Wetten ganz bequem während des Spiels platzieren, schließlich befindet sich im Stadion ein eigenes, kleines Wettbüro. Rundet irgendwie das englische Fußball-Feeling sehr gut ab.

 

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Von daher der Tipp für London-Hopper.

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Extras: London kulinarisch

Ein Grund für die Einzigartigkeit der Metropole London ist ihr kulinarisches Angebot, was natürlich stark von den Ländern des alten Commonwealth beeinflusst wird. Die Auswahl ist wahnsinnig groß, von daher einzwei Tipps für Londonhopper von Calcio Culinaria, um ein paar Anlaufpunkte zu haben.

1. Salt Beef Sandwich

Eigentlich aus der jüdischen Küche hat das gepökelte und gegarte Rindfleisch mit scharfem Senf im Kümmelbrot schon lange einen festen Platz auf den Londoner Speisezetteln. Dazu ist man klassisch eingelegte Eier (so ähnlich wie Soleier) und saure Gurke.

 

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Das beste soll es nach Meinung der meisten Londoner im Restaurant "The Brass Rail" im Kaufhaus Selfridges geben. Das ist auch in der Tat lecker, aber mit 11 Pfund für das große Sandwich auch ganz gut teuer. Alternativtipp ist von daher die Nosh Bar in der Great Windmill Street in Soho.


2. Libanesisch in der Edware Road

Der Bereich um die Edware Road wird auch Little Beirut genannt. Kein Wunder, denn hier reiht sich ein Restaurant mit nahöstlicher Küche an das nächste. Auch gute Kebabs kann man hier bekommen - mit Lamm oder Hähnchenfleisch unter dem Namen "Shawerma".

 

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Wer etwas mehr Zeit sollte sich allerdings nicht etwas als Take-Away holen, sondern sich in einem Retaurant durch die Vorspeisen probieren (gefüllte Miniauberginen, Tabouleh, Hummus,...) und, wer mag, kann auch ein bisschen Schischa rauchen.


3. Mickey's Fish & Chips

Jaja, Fish & Chips Läden gibt es viele, aber Mickey's am Norfolk Place nahe Paddington ist ein Original. Hier schmeckt der englische Klassiker knusprig-lecker und kein bisschen fettig.

 

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Verschiedene Fische, von Cod bis Haddock, stehen zur Auswahl, genau wie die klassischen Beilagen (mushy peas sind meine Empfehlung).


4. The Argile Rabbit und der Brixton Market

Brixton ist eigentlich der Stadtteil der afrikanischen und pakistanischen Einwanderer und bekannt für seinen bunten Markt, auf dem man allerlei exotische Früchte, Fische und Gemüse bekommt. Dazu wird auf der Straße lecker afrikanisch und karibisch gekocht (Jerked Chicken!) - wer es pikant und würzig mag ist hier gut aufgehoben. Aber auch Freunden der italienischen Küche sei ein kleines Juwel empfohlen: "The Argile Rabbit" im Brixton Village (ein überdachter Teil des Marktes).

 

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Von den rustikalen Bänken das Treiben beobachten, einen Cappuccino trinken und unbedingt die weltklasse Pizza genießen.


5. Borough Market

Der Borough Market bietet die besten Produkte der britischen Inseln, im Rohzustand und zum Essen. Und genau das macht den Charme der alten Markthallen aus. Alles ist authentisch, von herausragender Qualität und der beste Beweis, dass die englische Küche viel besser als ihr Ruf ist.

 

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Austern aus Devon, Rind aus den Highlands, Bio-Käse, -Gemüse und -Obst aus dem gesamten United Kingdom. Einfach durchprobieren - und nicht die Ultra-Chok-Brownies und die leckeren Pies verpassen.


6. China Town


Fast schon ein kulinarischer Klassiker für Londonreisende ist China Town - nördlich von Piccadilly Circus und Leicester Square. Wer keine Angst vor toten Tieren in Schaufenstern hat und gerne echt asiatisch isst, darf einen Besuch in einem der 78(!) Restaurants nicht verpassen.

 

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Crispy Duck sollte man unbedingt probieren, häufig bieten die Restaurants auch preisgünstigere Menüs mit mehreren Gängen an. Persönliche Empfehlung ist das "New Loon Fung" in der Gerrard Street.

 

 

 
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