Auf dem Weg nach Chemnitz geht es vorbei an ein einen kleinen Ort, in dem der eine oder andere Holstein-Fan schon gewesen ist. Allerdings war damals eine kleine „Sehenswürdigkeit“ des Ortes noch unbekannt gewesen. Denn in Meuselwitz gibt es nicht nur die heute noch bespielte Bluechip Arena (ehemals Glaserkuppe Zipsendorf oder Ernst-Grube-Stadion), sondern auch noch das Helmut-Just-Stadion, wo einst die durchaus DDR-weit bekannte BSG Motor Meuselwitz kickte. Ehemals fasste das Rund bis zu 12.000 Zuschauer. „Ehemals“ stimmt hier wirklich sehr, denn aufgrund des Kohleabbaus in der Region kam es immer wieder zu Bodenabsenkungen, weshalb die Spielstätte 1993 verlassen wurde. Nach 23 Jahren hat sich die Natur vieles zurückerobert, aber halt nicht alles.

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„Möge der Geist des VfB Nordmark die bewährte Tradition fortsetzen und den Verein einer sicheren Zukunft entgegenführen“. (Fritz Clausen, Vereinschronik VfB Nordmark)

 

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Die Geschichten von „lost grounds“ sind selten fröhliche. Nicht immer ist es allerdings so, dass zusammen mit dem Stadion/Sportplatz auch der Verein stirbt. Im Fall vom VfB Nordmark Flensburg war dies leider der Fall. Im September 2015 wurde der noch auf dem Papier existierende Verein endgültig aufgelöst. Das Ende des 1921 gegründeten, ehemaligen Eisenbahnervereins hatte sich über mehrere Jahre erstreckt.

 

Im September 2012 hatte das Flensburger Tageblatt getitelt: „Ein Verein kämpft ums Überleben“, doch bereits ein Jahr vorher waren erste Ideen der Stadt öffentlich geworden, die bauliche „Lücke“ zwischen Bahnhof, Campus und Innenstadt attraktiv zu schließen. Damit standen auch erstmals Ideen zur Bebauung der Sportanlage am Mühlendamm alias Willi-Merkl-Platz samt umliegend genutzten Flächen des VfB Nordmark im Raum. Diese hatte der Verein von der Bahn gepachtet, nach Auslaufen des Vertrags besaß die Stadt aber ein Vorkaufsrecht (wohl aber nicht das nötige Kleingeld). Zunächst fanden klärende Gespräche statt, über einen neuen Heimplatz wurde nachgedacht, insgesamt kehrte auch sportlich vermeintliche Ruhe ein. Doch die unsichere Zukunft hing wie ein Damoklesschwert über dem Verein. Eine letzte Hoffnung war ausgerechnet der Sylter Mäzen Volker Koppelt, der schon bei anderen Vereinen vergeblich versucht hatte, in Richtung Profifußball durchzustarten.

 

Da sich der sportliche Erfolg auch in Flensburg nicht in kurzer Zeit einstellte, gab Koppelt im Mai 2014 seinen Ausstieg bekannt. Mit ihm sollte auch das letzte Aushängeschild, die Verbandsliga-Mannschaft verschwinden. Im Juni desselben Jahres fand sich niemand mehr, der im sterbenden Verein für den Vorstand kandidieren wollte. Im Herbst wurden die Schlösser am Vereinsheim ausgetauscht, im Winter wurde der Pachtvertrag von der Bahn fristlos gekündigt. Keine Mannschaften, keine Heimat – 94 Jahre Sportgeschichte, davon 40 Jahre in Nachbarschaft der Eisenbahn fanden ein trauriges Ende. Seitdem beginnt der Platz langsam zu verwildern.

 

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Tongeren, in der Region Flandern darf für sich in Anspruch nehmen, die älteste Stadt Belgiens zu sein. Die Wurzeln reichen zurück bis zur römerzeitlichen Siedlung Aduatuca Tungrorum, deren Überreste unter anderem in Form der Stadtmauer noch immer sichtbar sind. Doch für fußball-historisch Interessierte hat die Stadt noch ein kleines Juwel zu bieten, welches allerdings eine dunkle Vergangenheit besitzt. Dieser Ort liegt gar nicht entfernt vom Zentrum und ist die Erklärung für den Namen der Straße „Sportpleinstraat“.

 

Denn auf den ersten Blick befindet sich in der kleinen Seitenstraße weder ein Stadion noch ein Sportplatz. Wer aber genauer hinschaut, kann unter Efeu und Büschen die Reste einer alten Mauer entdecken, über die Bäume ragt ein alter Flutlichtmast hervor. Und nach einigen weiteren Metern über den Kiesweg steht der Besucher dieses etwas verwunschen wirkenden Ortes hinter (den Resten) einer alten Tribüne.

 

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Der „lost ground“ gehörte einst Cercle Sportif Tongrois, die erstmals 1908 gegründet wurden, dann allerdings während des 1. Weltkriegs verschwanden. Bereits 1917 wurde der Verein aber wiedergründet, spielte nachfolgend sogar für einige Zeit in der zweithöchsten Spielklasse des Landes und erhielt 1935 die königliche Auszeichnung, sich Royal CS Tongrois nennen zu dürfen.

 

Das Niveau konnte allerdings nicht gehalten werden, erst ging es in die dritte Liga, dann in die vierte, ehe Cercle endgültig in den niederen Ligen strandete. Ein ähnliches Schicksal wiederfuhr zur selben Zeit auch dem Lokalrivalen Patria FC Tongeren. Im Jahr 1969 entschied man sich deshalb, trotz aller Ressentiments, die Kräfte zu bündeln und einen neuen Anlauf zu nehmen. Der neu formierte KSK Tongeren spielte zunächst noch einige Spiele in der Sportpleinstraat, zog dann aber um auf „De Motten“, den alten Heimplatz von Patria. Zunächst mit beachtlichem Erfolg: KSK gehörte zu den Topclubs der zweiten Liga und spielte von 1981 bis 1983 sogar erstklassig. In der zweiten Hälfte der 1990er war der Aufschwung allerdings vorbei und es ging ligentechnisch wieder runter. 2006 fusionierte der Verein erneut, diesmal mit dem FC Hedera Millen und zog ins neue Stadion „De Keiberg“ um. Die großen Hoffnungen wurden allerdings enttäuscht: Nach einer weiteren Fusion spielt der Verein als FC Heur-Tongeren in der 2. Pronvinciale Limburg – also nur noch im Amateurbereich.

 

Der alte Platz von Cercle ist inzwischen seit Jahrzehnten verlassen, die Natur hat sich große Teile zurück erobert. Das Stadion ist zwar noch zu erkennen, inzwischen bestimmen aber Büsche, Disteln und Brennnesseln das Bild. Zwischendrin diente das Areal ganz profan als Weide für Pferde.

Wo einst Trautman, Eusébio und Jaschin auf der Tribüne saßen, wuchern heute Brombeerbüsche...

 

Marl – circa eine Stunde von unserem eigentlichen Tagesziel (Auswärtsspiel der Störche bei Fortuna Köln) stand an diesem Sonntagmorgen noch ein kleiner Abstecher auf dem Plan. Es sollte mal wieder zu einem „lost place“ der deutschen Fußballgeschichte gehen: dem Jahnstadion, wo einst der TSV Marl-Hüls die Heimspiele austrug. Und das bis vor rund zehn Jahren.

 

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Der erste Bau an diesem Ort enstand bereits in den 1920ern, der allerdings in den 40ern und 60ern erweitert und umgebaut wurde. Zur Wiedereröffnung mit einem internationalen Jugendturnier fanden sich in Marl mit Bert Trautman, Eusébio und Lew Iwanowitsch Jaschin große Namen des Fußball ein.

 

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Auffällig beim „neuen“ Stadion war vor allem die von zwei Pylonen gehaltene Dachkonstruktion der Haupttribüne. Der Rest des Runds verfügte über Stufen, auf denen bis zu 35.000 Zuschauer Platz finden sollten. Der Zuschauerrekord lag mit 18.000 allerdings etwas niedriger und wurde schon 1960 gegen den Wuppertaler SV aufgestellt. In derselben Saison gelang dem TSV der Aufstieg in die erstklassige Oberliga West, wo man sich mal mehr (2:1-Sieg gegen Schalke 04 vor 15.000 Zuschauern), mal weniger erfolgreich (1:11-Niederlage bei Borussia Dortmund) mit den großen Namen des Reviers messen durfte.

 

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Die Nicht-Bewerbung für die neu geschaffene Bundesliga und der Abstieg läuteten dann allerdings auch schon den langsamen Niedergang des Vereins ein. Aufgrund massiver Schulden mussten zudem die meisten Leistungsträger verkauft werden – die meisten gingen nach Aachen, wo gesungen wurde: „Wir brauchen keinen Seeler, keinen Brülls, denn wir kaufen alle Spieler bei Marl-Hüls.“

Unweit des Hafens der türkischen Millionenstadt befindet sich das ehemalige Stadion von Antalyaspor. Das Antalya Atatürk Stadyumu wurde 1965 nach einjähriger Bauzeit eröffnet und fasste offiziell 12.453 Zuschauer. 2007 wurde das Stadion renoviert, allerdings nur drei Jahre später von Verband wegen Baufälligkeit geschlossen. Antalyaspor musste daraufhin in das außerhalb der Stadt gelegene Mardan Stadion umziehen. Lange Zeit lag der ehemalige Ground brach. In 2016 wurde mit den endgültigen Abrissarbeiten begonnen.

 

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