Preußenstadion, 24. August 2013, Endstand 0:3

 

Kaum ist man wieder in der Heimat gelandet, geht es auch schon wieder auf die Straße. Nach nur einem Tag Ausschlafen, Wäsche waschen und Reisemitbringsel sichten macht man sich auf den Weg nach Münster.

Die Begegnung mit dem SCP kann einige Tradition aufweisen. Ein erstes Aufeinandertreffen gab es bereits in der 50er Jahren beim DFB-Flutlichtpokal. Erstmals im Ligabetrieb traf man in der Zweitligasaison 79/80 aufeinander. Die unterschiedliche Ligazugehörigkeit in den 80er und 90er Jahren führte erst im Jahre 2001 zu einer Neuauflage dieses Klassikers. Nach dem bitteren Abstieg der Adler dauerte es nochmal auf den Tag genau 8 Jahre, bis man sich nun heute wieder sieht.

Über die inzwischen weitestgehend baustellenfreie A1 kommt man entspannt und mehr als rechtzeitig an einer weiteren Kultstätte der Dritten Liga, dem Preußenstadion, an. Tradition ist hier an allen Ecken zu spüren. Dies wird einem nicht zuletzt klar, als der Stadionsprecher ein weiteres Jubiläum verkündete. Heute vor 50 Jahren wurde auf diesem Rasen das erste Spiel der Bundesliga, SC Preußen Münster gegen den Hamburger SV angepfiffen. Bestes Fußballwetter, ein ordentlich gefüllter Gästeblock verbreitet gute Stimmung, die auf der Haupttribüne durchaus vernehmbar ist und soviel Geschichte an diesem Ort – gute Voraussetzungen für ein Fußballfest.

 

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Das weitläufige Rund mit den unüberdachten Kurven bietet zwar nicht die optimalsten Bedingungen für einen stimmungsvollen Support, die beiden Fanblöcke des SC Preußen unterstützen ihr Team ab Anpfiff jedoch gut hörbar. In Münster gibt es tatsächlich zwei getrennte Supportblöcke, denn bereits seiner geraumer Zeit unterstützt die Münsteraner Szene aufgrund von Zwistigkeiten getrennt. Aber auch der Kieler Anhang braucht sich nicht zu verstecken. Die gut 420 von der Förde mitgereisten Fans – unter anderem Thorsten Gutzeit erstmals im Auswärtsblock dabei - feiern die Störche von Anfang an.

 

Spielerisch beginnen beide Teams auf Augenhöhe. Die Qualität des Spiels liegt in der Anfangsphase deutlich über der der Spiele gegen Stuttgart und Halle. Beide Teams attackieren früh und spielen sich regelmäßig frei. Die Abwehr verhindert aber noch den Abschluss. Erst in der 16. Minute zappelt der Ball das erste Mal im Netz. Nach einem präzise geschossenen Freistoß von Kazior köpft – wie kann es anders sein – Goalgetter Marcel Gebers zum 1:0. Kurze Zeit später verfehlt Kazior selbst das Tor der Gastgeber nur knapp. Nach einer gemeinsamen Vorlage von Wetter und Johansen auf Marc Heider in der 20. Minute schlägt der Ball dann mit einem „Scheiß Holstein Kiel" aus der Münster-Kurve zum 2:0 ein.

 

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In der Gästekurve herrscht Feierstimmung. So stört es auch nicht, dass die Partie auf dem Rasen an Geschwindigkeit verliert. Preußen versteift sich auf die Defensive um bis zur Pause Schlimmeres zu verhindern. Nützt aber leider nichts. In der 34. Minute spielt Heider den Ball aufs Tor, Siedschlag lenkt die Kugel mit der Hacke ins Netz und es steht 3:0. Nur 2. Minuten später hat Marc Heider sogar noch das 4:0 auf dem Fuß, scheitert aber an dem Münsteraner Keeper.

Erste „Spitzenreiter"-Rufe aus der Gästekurve schallen über den Rasen, beeindrucken die Fans des Gastgebers aber herzlich wenig. Wie eine schwarz-grüne Wand stehen sie trotz 0:3-Rückstand hinter ihrer Mannschaft. Irgendwo auf der Haupttribüne ist sogar ein „Münster kann gut aufholen" zu vernehmen. Daran mag man kurz vor der Pause aber wenig glauben. Steigt doch die Zahl der Fehlpässe und Unkonzentriertheiten auf Seiten des SCP, während die Kieler Störche merklich einen Gang herunter geschaltet haben um Kräfte für Halbzeit 2 zu sparen. Mit Pausenpfiff dann übrigens ein kräftiges Pfeifkonzert von ca. 7700 Münsteranern, die mit der Leistung ihrer Mannschaft so gar nicht einverstanden sind. Der Gästefan kann übrigens mittels des guten kulinarischen Angebots Kraft tanken. Neben der schon fast standardmäßigen Wurst und Frikadelle gibt es für faire 2,- EUR auch eine vegetarisches Alternative in Form von frittierten Kartoffelstäbchen. Nicht nur der durch das ganze Stadion wehende Duft war appetitlich. Auch geschmacklich schneiden die Pommes gut ab. So kann man auch verdauen, dass man zur Halbzeit plötzlich ziemlich weit oben in der Tabelle steht.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit bietet sich ein ähnliches Bild wie zu Spielanfang. Pavel Dotchev scheint in der Pause die richtigen Worte gefunden zu haben. Münster beginnt konzentrierter und druckvoller als gegen Ende der ersten Hälfte. Mit einigen guten Szenen wagen sie sich wieder vors Tor. Insgesamt kontrolliert Holstein die Partie nun aber und riskiert nichts. Auch wenn die Kieler Defensive nicht zu 100 Prozent sicher steht, ist das Ergebnis von 3:0 lange nicht in Gefahr.

 

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Auch weil Maximilian Riedmüller sich in den wenigen gefährlichen Szenen ausreichend lang macht. Als unser Keeper in einer Szene mit Publikumsliebling Matthew Taylor aneinander rauscht, so dass dieser mit einer Platzwunde am Kopf ausgewechselt werden muss, erntet er zwar im Anschluss bei jedem Ballkontakt Pfiffe. Davon lässt sich der gebürtige Münchner aber nicht aus der Ruhe bringen. Dieser ist am heutigen Tag ohnehin blendend aufgelegt. In einer Druckphase Münsters wird der Ball mehrfach mit brachialer Gewalt aufs Kieler Tor gekloppt. Doch kein Ball ist scharf genug um Riedmüllers Händen zu entkommen. Andere Torschüsse der zur Mitte der zweiten Halbzeit wieder etwas fahriger agierenden Münsteraner gehen weit übers Tor oder werden im Strafraum vertändelt.

Insgesamt sehen die 8.123 Zuschauer in der zweiten Hälfte eine etwas schwächere Partie. Preußen verfällt zunehmend in Lethargie. Als der Gastgeber in der 80. Minuten nach einer Verletzung und mangelnden Wechselmöglichkeiten nur noch zu zehnt auf dem Platz ist, ist das Spiel quasi gelaufen. Beeindrucken tun heute nur die Münsteraner auf den Rängen, die trotz dieses für sie unglücklichen Spielverlaufes weiterhin mit Gesängen und Schlachtrufen versuchen, ihre Mannschaft bzw. vermutlich aber eher sich selbst zu motivieren. In der Gästekurve hingegen wird der erste Auswärtssieg und die Serie von ungeschlagenen Spielen seit der Niederlage in Wolfsburg in 2012 gebührend gefeiert.

 

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Somit lässt Holstein sich auch nicht auf einem so geschichtsträchtigen Ground wie dem Heutigen beeindrucken, schreibt ein kleines bisschen an der Geschichte im Preußenstadion mit und holt wichtige Punkte für das Saisonziel Klassenerhalt.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 

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