Zentralstadion/Red Bull Arena, 3. September 2013, Endstand 3:1

 

18. Februar 2011 – ein Tag an dem man sich als Kieler gerne erinnert. Fügte man seinerzeit doch den Bullen eine schmerzhafte und bis heute die höchste Niederlage zu. Die letzte Begegnung dann im November 2011 blieb in vielerlei Hinsicht nicht positiv im Gedächtnis. Nicht ganz zwei Jahre später sind die Karten neu gemischt - man sieht sich in einer neuen Liga wieder. Vor Saisonbeginn noch als Kandidat für den Durchmarsch gehandelt tut sich RB Leipzig schwer und hat gegen den Tabellenführer Wehen Wiesbaden sogar die erste Niederlage seit dem 21. April 2012 – seinerzeit ein 0:1 im Holstein-Stadion, kassiert. Unsere Störche dagegen reisen als Überraschungsmannschaft an. Nach dem 6. Spieltag steht man mit 14 Punkten auf Platz 2. Vor Leipzig.

Englischer Woche sei Dank ist ein früher Feierabend gefordert. Entspannt und mit Pizzapause kurz hinter Uelzen geht es in die Heldenstadt Leipzig. Das Thema RasenBallsport ist schon seit Entstehung des Retortenvereins ausführlichst behandelt worden. Inzwischen ist man im Jahr fünf nach Gründung und hat, aller emotionaler Widerstände im Traditionsfußball zum Trotz seinen Platz im deutschen Fußball gefunden. Hier hat man auch mit den alltäglichen Sorgen der 3. Liga zu kämpfen. Unruhe und Streitigkeiten zwischen den Fanclubs erfordern eine Fanversammlung und ein völlig überdimensioniertes Stadion.

 

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Leipzig rechnet heute, so wird im Vorfeld gemunkelt, mit 12.000 Zuschauern. Erst gut 4.500 im Vorfeld abgesetzte Karten lassen die Verantwortlichen sehr optimistisch erscheinen. Tatsächlich sind es am Ende des Tages doch 11.714 Zuschauer, davon gut 150 aus Kiel.

 

Die optisch eher magere Kulisse bietet aber zumindest eine ordentliche akustische Leistung, welche aber in erster Linie wohl dem Architekten des Stadions zu verdanken ist. Auch der Kieler Anhang profitiert davon und ist für die anwesende Menge durchaus gut zu hören.

Mit Anpfiff wird gleich losgekachelt. Verletzungsbedingt beordert Trainer Karsten Neitzel erstmals in dieser Saison unter Anderem Fiete Sykora in die Startelf. Und wird dafür belohnt. Bereits in der 5. und 6. Minute kommen Leipzig und Kiel jeweils zu Chancen. Kurios wäre das Tor gewesen, blockt der Leipziger Keeper den von Kazior zu weit vorgelegten Ball doch direkt in dessen Gesicht ab. Der schmerzhafte Abpraller geht jedoch übers Tor.

Fietes Stunde kommt nur wenige Minuten später. Nach einer Ecke von Kazior staubt Sykora den Ball ab und trifft zum 1:0. Schnell wird sich bei den Daheimgebliebenen erkundigt ob schon ein Autokorso auf dem Weg zur Tankstelle am sogenannten Jürgen-Klinsmann-Platz unterwegs sind.

Nachdem man sich selbst für den etwas übertriebenen Jubel auf den neutralen Plätzen gemaßregelt hat setzt erneutes Bauchkribbeln ein. Wiesbaden liegt zurück. Holstein macht ein kämpferisch großartiges Spiel mit schnellem Umschalten und viel Vorwärtsdrang. Leipzig hält dank guter Abwehrleistung dagegen und kommt selber vereinzelt vors Kieler Tor, nicht jedoch zum Abschluss. So kommt es, dass man als Tabellenführer in die Pause geht und so manch Kieler Redakteur in Erwägung zieht 7 Bälle für den heute bestens aufgelegten Rafael Kazior zu vergeben (überhaupt muss man sagen, dass die anfangs etwas belächelte Variante von Kazior im Sturm eine von Neitzels besten Entscheidungen war). Vielleicht noch etwas früh, aber die bessere Mannschaft ist Holstein bisher allemal. Das Produkt hat in der ersten Hälfte nicht die kreativsten Ideen, lediglich der dänische Jung-Nationalspieler Poulsen ist seine Brause-Euros wert.

Durchartmen, Seitenwechsel, weiter geht es.

Und bereits nach 15 Minuten finden wir uns in einer anderen Welt wieder. In der 50. Minute verliert Holstein den Ball, Riedmüller kann den Schuss aufs Tor noch abblocken, Poulsen kommt an den Ball und Herrmann fälscht den Ball unglücklich zum 1:1. Wäre das nicht schon genug, bekommen die Bullen nur 4 Minuten einen Handelfmeter zugesprochen. Kaiser köpft Wetter unglücklich an die Hand. Eine Absicht ist wirklich nicht zu erkennen, bei strenger Regelauslegung ist die Entscheidung jedoch leider zu vertreten. So versenkt der bis dahin eher blasse Daniel Frahn den Ball eiskalt zum 2:1.

Kiel nachfolgend sehr bemüht seine Verteidigungslinien wieder zu ordnen, zum Glück kommt es erst einmal nicht schlimmer. Zwar zappelt der Ball in der 58. Minute erneut im Netz, Schütze Frahn stand aber knapp im Abseits. In der 60. Minute folgt dann der negative Höhepunkt dieser völlig verkorksten Viertelstunde. Der vorbelastete Wetter kommt gegen Frahn zu spät und bekommt für sein überzogenes Einsteigen die Ampelkarte.

Somit haben dir verbliebenen 10 Kieler nun alle Hände voll zu tun, denn Leipzig drückt weiterhin auf das 3:1. Nichtsdestotrotz schafft Holstein es dem Druck stand zu halten und selber weiterhin offensive Akzente zu setzen. Mit der Einwechslung von Schied und Johansen bekommt der Kieler Angriff nochmal Schub. Doch die Nerven liegen blank. Das Spiel wird zunehmend fahriger und verliert an Qualität. Kleine Scharmützel und Psychospielchen auf beiden Seiten bestimmen die Partie. Rudelbildung, allez!

 

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Als Daniel Frahn in der Nachspielzeit nach einem Konter das leere Tor trifft – Riedmüller ist beim vorangegangenen Freistoß nach vorne aufgerückt – ist der Drops endgültig gelutscht. Der Ball zappelt noch im Netz, da pfeift der Schiedsrichter das Spiel auch ab. Nach diesen zwei sehr unterschiedlichen Hälften wäre ein Unentschieden fürs Holstein-Herz vielleicht besser zu ertragen gewesen. Aber dass wir nach dem 7. Spieltag mit 14 Punkten dastehen ist immer noch mehr als vor Saisonbeginn erwartet. So gilt die altbewährte Devise: Mund abwische und weiter machen. Verbleiben ja noch schließlich 31 Spieltage um Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln.

Während der Service gegenüber Presse übrigens inzwischen großartig ist, hat man im Gästebereich immer noch den Eindruck störendes „Beiwerk" zu sein. Dazu unser Fanbeauftragte Ingo, der mit in Leipzig war: „Von mir noch ein paar Worte zum Ordnungsdienst bei RBL, der sich aus meiner Sicht seit den Vorfällen beim letzten Aufeinandertreffen nochmal DEUTLICH verschlechtert hat. Persönlich habe schon einmal ein Problem damit, wenn man das gesamte Spiel über quasi eingekesselt wird – und das ohne ersichtlichen Grund. Wenn ich dann noch sehe, dass mindestens zwei der Ordner, die in die Reihe gestellt wurden, ein „Veilchen" haben (was man als Zeichen körperlicher Gewalt verstehen kann), wirkt das weder zurückhaltend noch deeskalierend. Gekrönt wurde das Ganze dann nur noch dadurch, dass Ordner nach dem Spiel mit T-Shirts der einschlägig bekannten Nazi-Marke Blood&Honour herumliefen."

Dafür wurde den Kielern zunächst untersagt, das Banner der „Sektion Hassee" mit in den Block zu nehmen, weil man daraus ja auch „Hass" basteln könnte. Ist klar. Vielleicht sollte man ja im Rückspiel mal fordern, dass die Fahnen der Gästefans draußen bleiben müssen, weil der Verdacht der Schleichwerbung besteht.

Fazit: Niederlage verdient, aber auf und neben dem Platz mal wieder mit einigem negativen Begleitgeschmack.

 

Alle Bilder in der Galerie.

 

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