Metropolitan Oval, 13. Mai 2012, Endstand: 5:3

 

Der Auftakt einer zweiwöchigen Rundreise durch die USA begann in New York City. Für mich, als mit MTV-Videos und Hollywood-Filmen in den 90ern sozialisiertes Kind, ging beim ersten Anblick der Hochhausschluchten Manhattans und der Yellow Cabs quasi ein Traum in Erfüllung, um den es hier aber nur am Rande gehen soll. Schließlich gibt es auch eine kleine Anekdote mit Fußballbezug...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für den Sonntagnachmittag hatte ich mir vor Reisebeginn in „diesem Internet“ ein Spiel der Cosmopolitan Soccer League rausgesucht. Reisebegleiter Nico war zu müde (oder hatte einfach keinen Bock auf Fußball und die damit verbundene Fahrt von Manhattan nach Queens) und so trennten sich unsere Wege an einer U-Bahn-Station. Da ich im Jahr 2012 noch nicht mit Smartphone und Google Maps unterwegs war, prägte ich mir einfach den Weg von der Bahnstation zum Ground ein. Dieser war (eigentlich) relativ einfach. Mit dem M-Train zur Endstation, von dort ein ganzes Stück die Metropolitan Avenue runter und dann auf Höhe der Tanke in die 60ste Straße rein. Fertig.

 

 

Ich stand nun also an irgendeinem Bahnsteig in Süd-Manhattan und wartete. Und wartete. Und wartete... Ein kurzer Blick auf die Anzeigetafel und da war auf einmal ein ganz großer Kackstift in meiner Hose: In dem Streckenabschnitt war ne Baustelle: Keine M-Züge in die von mir ersehnte Richtung. Fuck!

Um irgendwie über diesen verdammten East River zu kommen, musste nun also schnell mit einem Blick auf das Streckennetz der Subway umdisponiert werden. Ich entschied mich für die Fahrt in nördlicher Richtung, um mich dann in Queens schnellen Schrittes nach Süden Richtung Fußballplatz durchzufragen. Wenig hilfreich war, dass ich nur den Namen der Sportstätte, aber keine genaue Adresse, kannte. Die knapper werdende Zeit zum Anstoß und die knapp 30°C Hitze setzten zusätzlich unter Druck.

Bei einem kurzen Zwischenstopp für den Erwerb von kühlenden Getränken in einem Deli wurde mir dann auch fast jegliche Hoffnung genommen. Ich fragte, ob der Verkäufer wisse wo dieses „soccer field“ (Jaaa, sorry für den Ausdruck! „Football“ ist bei den Amis halt was anderes...) mit dem Namen „Metropolitan Oval“ sei. Das müsste auch ganz in der Nähe sein! Seine Antwort war in etwa: „Man, nobody plays soccer here.“

Wenn es überhaupt etwas Gutes in dieser fußballfreien Zeit gibt, dann die Gelegenheit,Verpasstes nachzuholen. Da tagesaktuelles Holstein-und Hoppingfrischfutter dank Corona bis auf Weiteres ausfällt, dürfen auch gerne länger zurückliegende Touren mit einem Bericht bedacht werden, deren schriftliche Wiedergabe seinerzeit einer Mischung aus Zeitnot und Schlendrian zum Opfer gefallen ist. Manchmal ist das sehr ärgerlich, vor allem wenn interessante Grounds gekreuzt wurden und der Report schon beinahe fertiggestellt war.

So wie im folgenden Fall. Springen wir gedanklich mal ein knappes Jahr zurück nach Ende April 2019. Wem die Erinnerung schwerfällt: der Ball rollt noch, Corona ist einfach nur ein mexikanisches Bier und Holstein verspielt zuhause gegen Paderborn die letzte Chance um den Aufstieg. Außerdem steht noch der Tag der Arbeit vor der Tür und das Studium der Spielpläne lässt eine Ansetzung hervorstechen: Pokalfinale in Liechtenstein!

Da die Vereine des Fürstentums im Schweizer Ligasystem eingegliedert sind, ist der Pokal der einzige nationale Wettbewerb - und das Endspiel natürlich die perfekte Gelegenheit, diesen Länderpunkt mal einzutüten.

Eine Mitfahrgelegenheit bei einem Hopper aus dem Raum Ingolstadt ermöglicht zudem, das Ganze recht kostengünstig zu gestalten. Nächster Pluspunkt: trotz der frühen Ansetzung um 17 Uhr ergibt sich die Chance, vorher sogar zwei Spiele zu besuchen.

Beide Partien der viertklassigen Vorarlberliga in Österreich liegen nicht nur perfekt auf dem Weg, sondern bieten mit dem Bregenzer Casino-Stadion auch noch eine richtige Perle.

Die vorige Nacht ist leider kurz, schon um 3.45 Uhr schellt der Wecker. Die Bahn spielt mit und pünktlich gegen halb sieben erreiche ich mit Baar-Ebenhausen den vereinbarten Treffpunkt. Von dort aus geht es weiter in den Münchener Westen, um den dritten Mann einzusammeln. Die Straßen sind frei und Bregenz wird ganz entspannt gegen 9 Uhr erreicht. Nach einem kleinen Frühstück in der Stadt geht es dann auf ins Casino-Stadion zum ersten Kick des Tages.

 

Schwarz-Weiß Bregenz vs. FC Nenzing

Casino-Stadion, 1. Mai 2019, Endstand 4:4

Natürlich ist das Pokalfinale der Anker dieser Tour und man hätte auch zwei beliebige Spiele vorher dankend mitgenommen. Aber Bregenz? Ich war vorher schon gespannt auf den Ground und sollte nicht enttäuscht werden. Viel malerischer kann ein Stadion kaum liegen. Einen Steinwurf entfernt liegt das Festspielhaus am Bodensee mit seiner Seebühne (der alte Name Bodenseestadion kommt also nicht von ungefähr) zur anderen Seite die Alpen – einfach herrlich.

 

 

 

 

Aber nicht nur vom Panorama her kann das Stadion punkten: Haupt-und Gegengerade verfügen über Tribünen, die mit ihrer schlichten aber eleganten Konstruktion sofort zu überzeugen wissen. Die Haupt ist eine reine Sitzplatztribüne mit nur einem durchgehenden Rang, zu beiden Seiten offen und mit einem leicht aufwärts geneigten, geschwungenen Dach.

Ideal bei dem heutigen frühsommerlichen Wetter, im November oder Februar wird aber sicher so mancher dieses Design schon verteufelt haben...

 

 

 

 

 

Die verbleibende Zeit bis zum Anstoß wird nach Schalkauf und einem kurzen Gastrocheck - die Currywurst ist geschmacklich okay, aber etwas zäh in der Pelle – für einen Rundgang auf der Laufbahn genutzt.

Über diese erreicht man die Treppe, die einen auf die den Rest des Stadions umgebenden Traversen bringt. Diese sind nur in einem kleinen Teil der ebenfalls überdachten Gegentribüne (dort hat der „harte Kern“ seine Heimat) und der angrenzenden Kurve mit Sitzschalen ausgestattet, ansonsten sind es reine Steher.

Ebenso wie die Tribünen wirkt all das hier nicht angestaubt, sondern modern und in einem sehr guten Zustand. Ein Ground muss also nicht zwingend „oldschool“ sein, und kann trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 Der jetzige Schwarz-Weiß Bregenz wurde 2005 als SC Bregenz als Nachfolger des Konkurs gegangenen Schwarz-Weiß Bregenz von 1919 gegründet. Spielte der Vorgängerverein noch in der Bundesliga, heißt die Gegenwart Vorarlbergliga.

Die Gastgeber befinden sich im erweiterten Aufstiegskreis und empfangen mit dem FC Nenzing den Vorletzten. Sollte also eine klare Angelegenheit werden. Danach sieht es auch zunächst aus. Allerdings anders als erwartet. Die Schwarz-Weißen machen das Spiel, aber beim Gast ist einfach jeder Schuss drin. Nach einer Viertelstunde fällt das 0-1, später folgt ein Doppelschlag nach etwa einer halben Stunde.

Die Nachspielzeit der ersten Hälfte bringt mit dem 1-3 doch noch mal Hoffnung zurück. Als keine zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff ein schöner Freistoß den Anschlusstreffer bringt, ist die Wende im Spiel offensichtlich. Schon in der 55. Minute ist die Gästeführung dann egalisiert, dieses Ergebnis hat aber länger Bestand, als die meisten der rund 500 Zuschauer wohl erwarten. Nenzing steht jetzt tiefer, zwanzig Minuten vor Schluss wird ihr Abwehrriegel dann doch durchbrochen. Damit haben die Schwarz-Weißen das Spiel gedreht, allerdings gelingt es Bregenz nicht, die Führung auszubauen. In der Schlussphase ziehen sie sich ihrerseits dafür weiter zurück. Und völlig überraschend gelingt den Nenzingern nach einem umstrittenen Eckball kurz vor dem Schlusspfiff doch noch das 4-4.

 

 

 

Dabei bleibt es dann und unterm dem Strich steht damit ein Resultat, das keinem Team so richtig weiterhilft - aber vom Verlauf und den Rahmenbedingungen her hätte sich der neutrale Zuschauer nicht mehr erhoffen können.

 

SC Röthis vs. FC Blau-Weiß Fussach

Sportplatz an der Ratz, 1. Mai 2019, Endstand 5:0

 

Zwischen dem Abpfiff in Bregenz und dem Anpfiff in Röthis liegen knappe 1 3/4 StundenZeit genug, die 30 km Entfernung zu überbrücken und unterwegs noch einen kleinen gastronomischen Zwischenstopp einzulegen. Röthis ist der Schauplatz ist des zweiten Spiels des Tages, und ebenso wie der SW Bregenz kickt der heimische SC Röthis in der Vorarlbergliga.

Schon auf dem Parkplatz sieht man einige PKW und Gesichter aus Bregenz wieder. Wenig verwunderlich sollte sich dies auch später in Vaduz wiederholen. Klar, dieser Trip ist natürlich für Hopper wie gemalt und sorgt für einen entsprechenden Auflauf.

 

 

 

 

 

 

 

Der „Sportplatz an der Ratz“ kann in punkto Ausbau selbstredend nicht mit Bregenz mithalten. Nur die Hauptgerade bietet mit dem Vereinsgebäude und der aufgesetzten Tribüne einen Hingucker. Innen wie außen dominiert allerdings Holz, was für ein uriges Ambiente sorgt. Schon vom Parkplatz aus - mit Blick über eine Wiese mit Löwenzahn und im Hintergrund wieder schneebedeckte Alpengipfel - hätte das Gebäude genauso gut als Gasthof auf einer Alm durchgehen können ;)

Rein sportlich war ja schon das vorige Match trotz konträrer Vorzeichen eine äußerst spannende Angelegenheit. Hier trifft jetzt oberes auf unteres Mittelfeld, wird es vielleicht ähnlich turbulent? Leider nein, das Spiel verläuft ziemlich einseitig zugunsten der Gastgeber. Dennoch steht es zur Pause nur 1-0. Aber alle Zweifel werden in den ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit ausgeräumt. Am Ende steht ein klares 5-0 und die etwa 300 Zuschauer haben nicht nur einen völlig verdienten Heimsieg bestaunen dürfen, sondern unter den Treffern war auch ein „Tor des Monats“-verdächtiger Weitschuss über Freund, Feind und Torhüter hinweg aus ca. 40 Metern.

 

 

 

 

 

Danach geht es fix zurück zum Parkplatz, wiederum sind etwa 30 km zurückzulegen, aber die ziehen sich spätestens bei Erreichen des kleinen Fürstentums. Denn innerorts gilt dort Tempo 50 und gefühlt ist man auch nur innerorts unterwegs.

 

Fussball Club Vaduz vs. Fussballclub Ruggell

Rheinpark Stadion, 1. Mai 2019, Endstand 3:2

Gegen 16 Uhr ist das Rheinpark Stadion erreicht. Das Nationalstadion und gleichzeitige Heimstätte des FC Vaduz ist mit seinen knapp 8000 Plätzen – verteilt auf vier alleinstehende Tribünen – auch gleichzeitig das größte Stadion im Fürstentum.

Das Innere wirkt ein wenig steril, wird aber durch die Farbgebung der Bestuhlung in den Landesfarben Blau und Rot etwas aufgelockert. Interessanter ist da fast das Panorama von außen, denn der Ground liegt unmittelbar an der Grenze zur Schweiz - am Rhein.

 

Bne Jehuda Tel Aviv FC vs. Hapoel Tel Aviv
Bloomfield-Stadium, 12. Januar 2020, Endstand 1:2



Das Fanprojekt Kiel plante mit dem Kasseler Fanprojekt eine Bildungs- und Kultur Reise nach Israel. Natürlich sollte dort auch Fußball geguckt werden. Die Reisegruppe bestand aus je zwei Fanprojekt-Mitarbeitern pro Stadt und je fünf reiselustigen Fußball-Fans. Trotz der Fanfreundschaft zum KSV Hessen Kassel kannten sich nicht alle Reiseteilnehmer, aber man kann vorweg nehmen das die Chemie stimmte.

Los ging es am Sonnabend mit dem Flug von Berlin nach Tel Aviv. Bei der Ausreise brauchten einige von uns etwas länger am Bundespolizei-Schalter, aber ausreisen durften wir alle und auch die Einreise in Tel Aviv war kein Problem. Mit Mietautos ging es dann vom Flughafen zu unserer Unterkunft. Der Verkehr in Tel Aviv oder besser gesagt in ganz Israel ist teilweise schon echt hart. Hier wird wie wild gehupt und gedrängelt. Wer vorhat, einmal in Neu Dehli Auto zu fahren, kann hier schon mal üben. Da der Tag schon so gut wie vorbei war, aber alle Hunger hatten, ging es von unserer Unterkunft nochmal raus. In direkter Nachbarschaft waren diverse Restaurants und so ließen wir uns im erst besten nieder. Bei leckerem Essen und Bier ließen wir den Tag ausklingen. Beim Bezahlen wurde uns dann eigentlich erst bewusst wie teuer dieses Land doch ist – so waren bei vielen die Scheckel für die nächsten Tage schon fast aufgebraucht.

 

 

 

Am nächsten Morgen ging es früh los, da einiges auf dem Terminplaner stand. Zu Fuß ging es quer durch die Stadt zur Independence Hall und zur “Weißen Stadt”, welches ein Viertel ist, in dem die Gebäude überwiegend im Bauhausstil errichtet wurden. Am Abend sollte es dann auch zum ersten Spiel dieser Tour gehen Da es wie aus Eimern goss, fuhren wir mit dem Taxi zum Stadion. Da dieses kein Dach besitzt, wurden wir doch ziemlich nass. Das Bloomfiel-Stadium teilen sich die drei Vereine Bne Jehuda, Hapoel Tel Aviv und Maccabi Tel Aviv. Heute war mit der Heimmanschaft Bne Jehuda und quasi Hapoel auswärts zuhause. Ende August 2019 wurde nach den Renovierungsarbeiten und der Kapazitätsaufstockung, das Stadion neu "eingeweiht". 29.125 Zuschauer finden hier Platz, an diesem Tag kamen aber nicht einmal 5.000. Bne Jehuda verfügt über keine große Anhängerschaft, obwohl man einmal Israelischer Meister wurde und dreimal den Pokal gewann. 3.000 bis 3.500 Zuschauer drückten aber dem Auswärtsteam die Daumen. Was bei einem Zuschauerschnitt von ca. 11.000 bei den Heimspielen auch nicht grad viel ist.

 

 

Da eine Taxi-Crew von uns die Ultràs von Hapoel beim begehen des Stadions beobachten konnten und sah, dass dort allerhand Fahnen und Trommeln ins Stadion getragen wurden, stieg die Vorfreude auf die Stimmung aus dem Gästeblock. Diese verpuffte allerdings schnell, da wieso auch immer keine Zaunfahnen hingen und auch keine Fahnen geschwenkt wurden. Zudem erklang keine Trommel zu den Gesängen. Wieso der ganze Kram mitgeschleppt, aber nicht eingesetzt wurde, wissen wir leider auch nicht. Auf Heimseite sah dies auch eher mau aus. Immerhin ging Spielniveau trotz der Wassermassen tatsächlich ok. Hapoel ging in der 36. Minute in Führung. Diese konnte Bne Jehude allerdings kurze Zeit später wieder ausgleichen. An Chancen mangelte es auf beiden Seite nicht, aber nur Hapoel konnte noch einmal netzten und gewann mit 2:1. Den Sieg feierte die Kurve zum Schluss noch gemeinsam mit der Mannschaft. Wir verließen relativ fix das Stadion und versuchten uns Taxen zu organisieren. An einer nahen Hauptstraße kam dann zum Glück alle paar Minuten ein leeres Taxi vorbei.



FC Hapoel Katamon Jerusalem - Beitar Tel Aviv
Teddy-Kollek-Stadium, 13. Januar 2020, Endstand: 2:0



Am nächsten Morgen ging es für uns dann nach Jerusalem. In dieser Unterkunft merkte man doch die etwas anderen Sicherheitsstandards als daheim. Eines unserer Zimmer war nämlich ein Luftschutzbunker mit dicker Stahltür sowie Stahlplatten vor den Fenstern. Da als Tagesprogramm nur noch das Zweitliga-Spiel zwischen Katamon Jerusalem und Beitar Tel Aviv anstand, hatten wir Zeit um uns Essen und Biervorräte anzuschaffen. In direkter Nachbarschaft befand sich ein großer Markt, sowie kleinere Supermärkte, in denen wir unsere Schekel gegen Brot und Bier tauschten. Eigentlich war noch geplant, die Altstadt zu besichtigen, aber da die Zeit schon wieder weit voran geschritten war, ging es wieder mal mit dem Taxi zum Stadion. Dort angekommen ging es einmal komplett um das Stadion bis wir den Eingang erblickten.

Heute war nicht mit einer großen Anzahl an Zuschauern zu rechnen, weshalb nur ein Eingang offen war. Direkt hinter dem Eingang hatten die Ultràs von Katamon einen Stand mit Aufklebern, Schals, Shirts und CDs aufgebaut. Wir deckten uns fleißig ein und schnackten mit den Jungs und Mädels noch ein paar Worte. Das Teddy-Stadion teilen sich gleich vier Vereine. Beitar Jerusalem, Hapoel Jerusalem, Hapoel Katamon Jerusalem, Beitar Nordia Jerusalem. Die beiden letzt genannten sind Vereine die durch Fans gegründet wurden. 2007 versuchten Fans mithilfe eines Journalisten und eines Politikers den Verein Hapoel Jerusalem zu kaufen, als dies scheiterte „gründeten“ sie den Verein Hapoel Katamon Jerusalem. Gestartet in der 4. Liga spielen sie seit der Saison 13/14 in der 2. Liga Israels. Heute vor 700 Zuschauern im 31.733 Plätze bietenden Teddy-Kollek-Stadion.

 

 

 

 

 

 

Da nur eine Tribüne überhaupt geöffnet war, saßen wir leider links hinter dem Stimmungsblock und konnten daher die Stimmung nicht ganz wahrnehmen. Gesänge hallten aber die gesamten 90 Minuten durchs leere Rund. Ein paar konnten kurz durch ein geöffnetes Tor auf die hinter Tor Tribüne schleichen um Fotos zu schießen. Das Spiel gewannen die Hausherren durch zwei Tore vom Spieler Awka Ashta. Seit Gründung des Vereins ist auch er Teil dessen und spielt seit Jungen Kindes Alters in den schwarz-roten Farben. Da das Stadion ziemlich abgelegen war und wir daher nicht davon ausgingen, dass zufällig vier Taxen um die Ecke biegen würden, ging es zu Fuß die Strecke zurück.

Die nächsten vier Tage sollte für uns erstmal kein Ball mehr rollen. Wir waren ja auch aus anderen Gründen hier anwesend. Am Morgen nach dem Hapoel-Katamon-Spiel ging es wie immer früh aus den Betten. Wir machten uns auf Richtung Altstadt, um die Grabeskirche Jesus, die Klagemauer sowie den Tempelberg zu besuchen.

 

 

 

 

 

Auch wenn ich mich keiner der drei Religionen zugehörig fühle, sind alle drei Orte wegen ihrer Geschichte imposant. Mit welcher Hingabe Christen, Muslime und Juden ihrer Religion hier nach gehen, ist schon sehr interessant.

Das Gastspiel von Holstein bei 96 war schon von vornherein fest eingeplant. Die Ansetzung auf einen Montag war nicht wirklich überraschend und passte mir auch ziemlich gut: damit war der Sonntag frei für etwas Hopping in Hannover. Da es einen guten Freund aus Nürnberg beruflich in die niedersächsische Landeshauptstadt verschlagen hat, war ein guter Anlass für einen Besuch gegeben und die Übernachtungsfrage ebenfalls geklärt. Ein Blick in die Spielpläne ergab, dass endlich mal das Rudolf-Kalweit-Stadion gekreuzt werden konnte. Zur Sicherheit wurden auch eine Reihe von Ausweichoptionen herausgesucht, da das Wetter Anfang März immer ein kritischer Faktor ist. Die avisierten Spiele waren aber glücklicherweise nicht betroffen und fanden statt. Am Ende stand ein toller Sonntag mit zweimal Fußball und abschließend Eishockey – und endlich auch mal wieder ein Bericht, nachdem ich das in jüngerer Vergangenheit (wie z.B. bei meiner „Abrisstour“ Rheydt / Wuppertal) nicht immer auf die Kette bekommen habe.

 

Sportverein Borussia Hannover 1895 II vs. Sportliche Vereinigung Laatzen von 1894 II

Stadion an der Kanalbrücke, 1. März 2020, Endstand 5:0

Den Auftakt macht zu früher Stunde um 12 Uhr natürlich ein unterklassiges Spiel, um genau zu sein eine Paarung der 2. Kreisklasse Hannover, Staffel 4. Und dann auch noch ein echtes Kellerduell. Dass man hier nicht verwöhnt werden wird ist also klar. Der Sportplatz bietet auch nicht viel, keinerlei Ausbau aber immerhin ist es ein Rasenplatz. Eintritt wird von den ca. 20 Zuschauern dafür auch nicht verlangt. Außer einigen Teamkollegen und uns ist noch eine vierköpfige Truppe von Arminia-Fans zugegen.

 

 

 

 

 

 

 

Das Spiel bietet tatsächlich wenig Unterhaltsames (Quote of the game: „Gewaltroller“), aber ich sollte immerhin mit meiner Prognose eines deutlich Heimsiegs recht behalten. In Halbzeit eins passiert lange sehr wenig, allerdings müssen die Gastgeber auch gegen einen strammen Wind vom Mittellandkanal spielen. Kurz vor der Pause fällt per Foulelfmeter trotzdem das 1:0. Nach der Pause und mit dem Wind im Rücken brechen alle Dämme. Die Borussia baut ihren Vorsprung schnell aus und siegt am Ende verdient mit 5:0. Einen beträchtlichen Anteil daran hat auf jeden Fall der Gästekeeper, der jeden Ball prallen lässt und mindestens zwei der Gegentore auf seine Kappe nehmen muss.

Ein netter Appetithappen, aber mit Abpfiff machen wir uns unverzüglich auf den Weg zum ersten Highlight des Tages...

 

Sportverein Arminia Hannover vs. Männerturnverein Eintracht Celle von 1847

Rudolf-Kalweit-Stadion, 1. März 2020, Endstand 1:1

 

...dem altehrwürdigen Rudolf-Kalweit-Stadion des SV Arminia Hannover. Einer dieser Grounds, die ich schon länger auf der Bucket List hatte. 1918 errichtet und 1924 ausgebaut, stand sie wie so viele andere Stadien in der Vergangenheit bereits vor dem Abriss. Als Kompromiss zwischen den Bauvorhaben der Stadt und dem Verein musste die zum Bischofsholer Damm gelegene Hintertorseite geopfert werden. So bietet der Ground heute eine einzelne, 1976 neu errichtete Haupttribüne und durchgängige Stehtraversen auf der anderen Hintertorseite und Gegengeraden. Alles ist herrlich schief und in die Jahre gekommen, das Gras sprießt überall, dazu eine manuelle Anzeigetafel – einfach herrlich.

 

 

 

 

 

Herrlich ist die sportliche Gegenwart der Arminia allerdings weniger. Die großen Erfolge liegen lange zurück. 1910 gegründet, spielte man in den 20er und 30er Jahren dreimal in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Nach dem Krieg war der Club zu Oberligazeiten noch erstklassig, verpasste dann aber die Qualifikation für die Bundesliga. Auch in der neugegründeten zweiten Liga war man nicht von Beginn an vertreten, sondern erst von 1976 an für vier Spielzeiten.

Danach begann der sportliche Niedergang, der seinen vorläufigen Tiefpunkt in der Verbandsliga fand. Seit 2013 ist der Verein zumindest wieder fünftklassig in der Oberliga Niedersachsen unterwegs. Der SV Arminia schwebt in der aktuellen Spielzeit allerdings mit nur 2 Punkten Vorsprung auf Rang 15 in akuter Abstiegsgefahr – ein Sieg im Derby gegen den MTV Eintracht Celle wäre also Gold wert.

Vor dem Match will jedoch das gastronomische Angebot verköstigt werden, dem man weit über die Stadtgrenzen hinaus Großes nachsagt.

 

 

Bratwurst, Schinkengriller und Nackensteak sind im Angebot. Wir entscheiden uns für den Schinkengriller. Das Teil ist der Hammer: würzig, saftig und einfach nur saulecker. Einziger Grund zur Beschwerde ist, dass die Wurst einfach zu klein und für 3€ das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht

optimal ist. Darum hier ein kurzer Vorgriff: zur Halbzeitpause werden wir daher eine Bratwurst nachlegen, die geschmacklich genau so top und ihre 2,50€ jeden Cent wert ist.

450 Zuschauer haben sich eingefunden, unter ihnen trifft man auch schon das erste kleine Kieler Grüppchen. Man kommt ins Gespräch und empfiehlt den Störchefans mal gleich das Eishockeyspiel der Indians als Abendprogramm. Auch die Arminenfans vom Borussiaspiel sieht man wieder, die sich im Hintertorbereich zum kleinen, aber feinen Stimmungskern gesellen. Das sind vielleicht 20, 30 Figuren, aber die machen durchweg Stimmung. Echt respektabel! Dass auch ein paar Punks dabei sind, verleiht dem Ganzen noch ein hübsches Altonaflair dazu :-)

 

 

Stadion am Friedengrund/MS-Technologie-Arena, 19. Oktober 2019, Endstand: 2:1

 

Mit 750 Kilometern und einer Erkältung in den Knochen ist der Schreiber halbwegs froh, das Hotelbett in Stuttgart erreicht zu haben. Pläne für den weiteren Tag: Nichts tun, vielleicht unterbrochen von einem Bier. Beim Blick auf den WhatsApp-Status fällt dann aber auf, dass sich ein Teil von Ciabatta Infantile im nicht allzu weit entfernten Reutlingen befindet. Nach einem kurzen Chat wird der ursprüngliche Plan verworfen und wenig später geht es per Zug noch einmal 100 Kilometer weiter Richtung Süden. Ziel ist Villingen-Schwenningen am Ostrand des Schwarzwalds.

 

 

 

Die Landschaft mit ihren bewaldeten Tälern, aus denen der Nebel aufsteigt weiß durchaus zu gefallen, doch wird dank zweier Signalstörungen mehr Zeit auf der Strecke verbracht, als geplant. Kinder werden langsam quengelig, ein betrunkener Lebenskünstler philosophiert über die Schönheit Kanadas, die am Fenster vorbeizieht, während eine arme Zugbegleiterin jedem Fahrgast einzeln mitteilen darf, dass der Zug aufgrund der bereits eingefahrenen (massiven) Verspätung nur bis Oberndorf fährt. Immer bietet der Rostocker Hopperkollege an, einen Umweg zu fahren (1000 Dank), und so geht es für den Schreiber wenigstens weiter zum Oberliga-Kick zwischen dem FC Villingen 08 und den Stuttgarter Kickers. Mit letzteren duellierte sich Holstein vor nicht allzu langer Zeit um den Aufstieg in Liga zwei.

 

 

 

In der Fünftklassigkeit haben die „Blauen“ aber immer noch einiges an Fans im Gepäck, zudem an diesem Sonnabendabend auch ein echtes Spitzenspiel ansteht. Wegen des hohen Fanaufkommens verschiebt der Anpfiff, was der blau-weiß-roten Reisegruppe voll in die Karten spielt. Mit einer moderaten Verspätung wird der Zielort erreicht und dank Glück bei der Parkplatzsuche geht es schnell mitten rein ins Vergnügen. Mit Wurst und Radler wird erst einmal der Ground inspiziert. Das Stadion am Friedengrund wurde 1960 eröffnet und bekam sieben Jahre später die überdachte Haupttribüne, auf die 800 Zuschauer passen. Insgesamt hat die Anlage Platz für rund 8000 Personen. Der Zuschauerrekord liegt deutlich höher und wurde mit 15.149 Zuschauern in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals 1969/70 zwischen dem FC 08 Villingen und dem Hamburger SV erreicht.

 

 

 

Deutlich älter als das Stadion ist der darin spielende Verein, der, wie unschwer am Namen zu erkennen ist, im Jahr 1908 gegründet wurde und ab Mitte der 1920er bis in die späten 1930er Jahre zu den Spitzenmannschaften Badens gehörte. In den 1960ern spielte Villingen zudem sechs Jahre in der damals zweitklassigen Regionalliga, wo die 08er auf große Namen wie 1860 München, Nürnberg oder den FC Freiburg trafen. Aktuell gehört das Team zur Spitzengruppe der Oberliga Baden-Württemberg, genau wie der Gegner.

Die Kickers versuchten dann auch vor rund 200 mitgereisten Fans das Spiel zu dominieren, allerdings machten die Villinger die Räume im Mittelfeld eng und lauerten immer wieder auf Konter. Einen davon konnte Flamur Berisha mit einem Flachschuss zum 1:0 verwandeln. In der Folge scheiterten die die Hausherren immer wieder am Schlussmann der Kickers. Die Gäste kamen erst kurz vor der Pause zu guten Chancen, konnten diese allerdings nicht nutzen. Nach dem Seitenwechsel waren es wieder die Kickers, die Druck machten, das Tor durch Yahyaijan fiel allerdings auf der anderen Seite (55.). Da den Kickers nur fünf Minuten später durch Mijo Tunjić der Anschlusstreffer gelang, wurde es noch einmal eine für den Zuschauer richtig attraktive Partie. Die Gastgeber brachten allerdings mit Leidenschaft und etwas Glück die knappe Führung über die Zeit, was am Ende im Stadion zu großem Jubel führte.

Für den Schreiber ging es zurück nach Stuttgart, wo am bis 0 Uhr geöffneten Supermarkt schnell noch ein Gute-Nacht-Bier und Maultaschen eingepackt wurden.

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.