Stadion am Friedengrund/MS-Technologie-Arena, 19. Oktober 2019, Endstand: 2:1

 

Mit 750 Kilometern und einer Erkältung in den Knochen ist der Schreiber halbwegs froh, das Hotelbett in Stuttgart erreicht zu haben. Pläne für den weiteren Tag: Nichts tun, vielleicht unterbrochen von einem Bier. Beim Blick auf den WhatsApp-Status fällt dann aber auf, dass sich ein Teil von Ciabatta Infantile im nicht allzu weit entfernten Reutlingen befindet. Nach einem kurzen Chat wird der ursprüngliche Plan verworfen und wenig später geht es per Zug noch einmal 100 Kilometer weiter Richtung Süden. Ziel ist Villingen-Schwenningen am Ostrand des Schwarzwalds.

 

 

 

Die Landschaft mit ihren bewaldeten Tälern, aus denen der Nebel aufsteigt weiß durchaus zu gefallen, doch wird dank zweier Signalstörungen mehr Zeit auf der Strecke verbracht, als geplant. Kinder werden langsam quengelig, ein betrunkener Lebenskünstler philosophiert über die Schönheit Kanadas, die am Fenster vorbeizieht, während eine arme Zugbegleiterin jedem Fahrgast einzeln mitteilen darf, dass der Zug aufgrund der bereits eingefahrenen (massiven) Verspätung nur bis Oberndorf fährt. Immer bietet der Rostocker Hopperkollege an, einen Umweg zu fahren (1000 Dank), und so geht es für den Schreiber wenigstens weiter zum Oberliga-Kick zwischen dem FC Villingen 08 und den Stuttgarter Kickers. Mit letzteren duellierte sich Holstein vor nicht allzu langer Zeit um den Aufstieg in Liga zwei.

 

 

 

In der Fünftklassigkeit haben die „Blauen“ aber immer noch einiges an Fans im Gepäck, zudem an diesem Sonnabendabend auch ein echtes Spitzenspiel ansteht. Wegen des hohen Fanaufkommens verschiebt der Anpfiff, was der blau-weiß-roten Reisegruppe voll in die Karten spielt. Mit einer moderaten Verspätung wird der Zielort erreicht und dank Glück bei der Parkplatzsuche geht es schnell mitten rein ins Vergnügen. Mit Wurst und Radler wird erst einmal der Ground inspiziert. Das Stadion am Friedengrund wurde 1960 eröffnet und bekam sieben Jahre später die überdachte Haupttribüne, auf die 800 Zuschauer passen. Insgesamt hat die Anlage Platz für rund 8000 Personen. Der Zuschauerrekord liegt deutlich höher und wurde mit 15.149 Zuschauern in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals 1969/70 zwischen dem FC 08 Villingen und dem Hamburger SV erreicht.

 

 

 

Deutlich älter als das Stadion ist der darin spielende Verein, der, wie unschwer am Namen zu erkennen ist, im Jahr 1908 gegründet wurde und ab Mitte der 1920er bis in die späten 1930er Jahre zu den Spitzenmannschaften Badens gehörte. In den 1960ern spielte Villingen zudem sechs Jahre in der damals zweitklassigen Regionalliga, wo die 08er auf große Namen wie 1860 München, Nürnberg oder den FC Freiburg trafen. Aktuell gehört das Team zur Spitzengruppe der Oberliga Baden-Württemberg, genau wie der Gegner.

Die Kickers versuchten dann auch vor rund 200 mitgereisten Fans das Spiel zu dominieren, allerdings machten die Villinger die Räume im Mittelfeld eng und lauerten immer wieder auf Konter. Einen davon konnte Flamur Berisha mit einem Flachschuss zum 1:0 verwandeln. In der Folge scheiterten die die Hausherren immer wieder am Schlussmann der Kickers. Die Gäste kamen erst kurz vor der Pause zu guten Chancen, konnten diese allerdings nicht nutzen. Nach dem Seitenwechsel waren es wieder die Kickers, die Druck machten, das Tor durch Yahyaijan fiel allerdings auf der anderen Seite (55.). Da den Kickers nur fünf Minuten später durch Mijo Tunjić der Anschlusstreffer gelang, wurde es noch einmal eine für den Zuschauer richtig attraktive Partie. Die Gastgeber brachten allerdings mit Leidenschaft und etwas Glück die knappe Führung über die Zeit, was am Ende im Stadion zu großem Jubel führte.

Für den Schreiber ging es zurück nach Stuttgart, wo am bis 0 Uhr geöffneten Supermarkt schnell noch ein Gute-Nacht-Bier und Maultaschen eingepackt wurden.

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.