Es gibt sie noch, die lesenswerte Fußballlektüre á la Der tödlichePass (www.dertoedlichepass.de),nordvier (www.nordvier.de) oder Tschuttiheftli (www.tschuttiheft.li). Wer es lieber lustig und vereinsgebunden mag, dem sei die Hafenschlampe aus Kreuzlingen empfohlen.

 

Hafenschlampe

 

Der FC Kreuzlingen hat seine Heimat an der schweizerischen Küste des Bodensees, nahe der Stadt Konstanz. Im Sommer überstand der Verein erfolgreich eine Ligenreform und „stieg“ so in die viertklassige 1. Liga Classic „auf“. Die Fanszene des Vereins vom Hafenareal nennt sich Whiskykurve und gönnt sich selbst – neben allerlei subkulturellen Schnickschnack – zwei Fanzines. Die Hafenschlampe erscheint seit dem letzten Fanszenenjubiläum immer zum Saisonstart und das Oldschool-A5er Grenzstadtkurier dann zur Rückrunde.

 

 

 

Da wir uns am Anfang der Saison befinden, folgt nun – logisch! – ein Blick in die aktuelle Hafenschlampe. Diese kommt in einem äußerst angenehmen Layout auf festem Papier daher und erinnert die älteren unter uns haptisch an die ersten Hefte der 11 Freunde (R.i.P.). Neben Kritik am aktuellen Zeitgeschehen („Das passiert halt, wenn man Nicht-Fanzineautoren an die Schalthebel der Macht setzt.“) gibt es lesenswerte O-Töne aus befreundeten Fanszenen, wie der aus Siegen: „Normalerweise sind wir zwischen 2'000 und 3'000. Heute waren wir leider nur zu acht. Aber das liegt daran, dass die Polizei gerade Betriebsferien hat. Keine Polizei – keine Bengalos [für den Zusammenhang sei die Lektüre des gesamten Interviews empfohlen], keine Randale, das ergibt ja dann gar keinen Sinn. Dann bleiben viele zuhause.“

Dazu kommt die fast schon obligatorische Typologie. In der letzten Ausgabe wurden verschiedene Schnauzbärte ihren Trägern zugeordnet, nun werden die Thekenschläfer in den „Ich-schaue-auf-die-Uhr-Schläfer“, den „Superman“ und den „Kuschler“ aufgeteilt. Darüber hinaus wird der Fangemeinde an Hand von Johannes 1,1 erklärt, warum der Hass die beständigere (und göttlichere!) Grundlage des Fanseins darstellt als die Liebe. Die Weltgeschichte wird aus der (zugegeben) recht zentralen Sicht der Kreuzlinger neu gedeutet und sogar die Anzeigen des Heftes bringen einen immer wieder zum Lachen. Unbedingte Leseempfehlung für den „sogenannten“ Fußballfan.

 

P.S.: Ein Tipp noch für den Hafenschlampen-Einsteiger: Der geographische Begriff Schötz ist synonym für ein bekanntes Fäkalwort zu lesen! ;)

 

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