„Liebe“ und „Herz“ - wenn man ehrlich ist, mag es zunächst etwas seltsam anmuten, dass diese beiden Begriffe mit am häufigsten fallen, wenn sich über die angebliche Machodomäne „Fußball“ unterhalten wird. Doch tatsächlich ist es doch so, dass sowohl Fußballanhänger, als auch Fußballanhängerinnen kaum tiefere Gefühle entwickeln als für ihren Lieblingsverein, sich für keine andere Sache auf der Welt mit so viel Herzblut engagieren wie für das runde Leder und für nichts und niemand so schöne Worte finden, wie für die Beschreibung ihrer Leidenschaft „Fußball“.

 

Ein besonderer Ausdruck dieser Hingabe sind die unzähligen Fanzines, die mit viel Liebe zum Detail in nächtelangen Schichten von Fußballenthusiasten zusammengebastelt werden, um sie dann am Spieltag zum Selbstkostenpreis an den Mann oder die Frau zu bringen. Die besten Exemplare erreichen manchmal sogar eine gewisse überregionale Bekanntheit, was umso beachtlicher ist, wenn der zugehörige Verein nur auf regionaler oder gar lokaler Ebene zuhause ist.

 

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Ein Fanzine, dass dies definitiv verdient hat und auch schon mit einer Vorstellung in der 11Freunde geadelt wurde, ist das „All to nah“, die „Rundschrift der Anhängerinnen des Altonaer Fußball-Clubs von 1893“, das seine Leserschaft, die inzwischen deutlich weiter gefächert ist als die Anhängerschaft von Altona 93, in den letzten sechs Jahren mit inzwischen 19 Ausgaben erfreute - und sich dabei vor allem auch erfreulicherweise öfter einmal von der üblichen Fanzine-Themenpalette abhebt.

 

Zu den Must-Reads für (aktive) Fußballfans gesellt sich neben den Klassikern wie zum Beispiel „Blickfang Ultrà“ oder „Erlebnis Fußball“ jetzt ein neues Druckwerk: „45° - das Kurvenheft“. Zwei empfehlenswerte Ausgaben des monatlich erscheinenden Magazins sind schon draußen, die dritte ist gerade in der Mache und in der der kommen Freunde von Kurven und Choreos auch garantiert wieder auf ihre Kosten.

 

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Denn die Redaktion aus dem Umfeld von Chemie Leipzig (Texte und Infos kommen jeweils aus den Szenen selbst) erfreut mit Spielberichten zu den wichtigsten nationalen und internationalen Partien des Vormonats (in der Novemberausgabe zum Beispiel FC St. Pauli vs. 1. FC Union Berlin, Borussia Dortmund vs. FC Schalke 04, Hannover 96 vs. SG Dynamo Dresden, AS Liverno vs. Spezia Calcio und River Plate vs. Boca Juniors), die durch einen Blick zu interessanten Begegnungen in unteren Ligen ergänzt werden.

Und „Blick“ ist hier auch wirklich passend, denn Texte werden knapp und informativ gehalten, der Fokus wird ganz klar auf die Bilder gelegt. So wird der Leser oder besser Betrachter auf die Details von Choreografien, Doppelhalter und Spruchbänder aufmerksam gemacht, die an andere Stelle vielleicht übersehen worden wären. Dadurch entsteht jeden Monat quasi eine Bestandsaufnahme der Kurven, die man auch zu späteren Zeitpunkten immer mal wieder gerne hervorkramt.

Und mit einem Preis von nur 2 Euro für 80 Seiten (so zumindest der Umfang der zweiten Ausgabe) kann man so viel nicht verkehrt machen – einfach mal an Augen offen halten oder via Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellen.

 

„Fasse unter keinen Umständen in deinen Kopfkissenbezug. Auch dann nicht, wenn du den Verdacht hast, es könne sich etwas darin befinden. Lebe lieber mit der Ungewissheit, anstatt später mit dem Wissen, es berührt zu haben.“ - okay ein weiser Rat, den alle Hopper, die es nicht gerade gewöhnt sind in 4-Sterne-Hotels abzusteigen, sicher relativ gut nachvollziehen können (gilt übrigens auch für Sofaritzen).

 

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Ein Dank für diese Erkenntnis geht an den „Scheiß AFD“, das Fanzine der Usual Suspects Darmstadt – und das feiert mit Ausgabe Nummer 10 Jubiläum und ist pickepacke vollgepackt mit ner Menge Berichten aus der letzten Drittligasaison der Lilien, über die Besuche bei den befreundeten Young Boys Bern und von Hoppingtouren durch insgesamt 16 Länder, wobei besonderes Augenmerk auf die großen Klassiker wie Barca vs. Real, Celtic vs. Rangers, Brøndby vs. FC Kopenhagen und Roter Stern vs. Partizan Belgrad gelegt wurde. Auf jeden Fall eine schöne Bandbreite und eine gute Mischung aus Hopping und SVD-Berichten.

 

Kleine, sympathische Szene, gar nicht so kleines (144 Seiten), aber nicht minder sympathisches Fanzine – die Rede ist von der zweiten Ausgabe von „Blick über den Lahmannhügel“, der abgekürzt so in etwa „BÜDL“ ergibt, aber nicht so viel mit dem bekannten Hamburger Hopping-Fanzine gemein hat...

 

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...zumindest liest man nicht so viel von tschechischen Diskoschönheiten und Suff. Stattdessen bewegen sich die Anhänger der einzig wahren Arminia (also der aus Hannover) zwischen Dorfsportplatz der Kreisliga Schleswig bis hin zur österreichischen Bundesliga, gerne wird auch im nördlichen Nachbarland vorbeigeschaut (besonders das Bild aus Løgumkloster hat uns gut gefallen), um dann in regelmäßigen Abständen immer wieder ins heimische Rudolf-Kalweit-Stadion zurückzukehren.

Ein kleiner Lesetipp passend zum Away-Spiel am Sonntag - der Blog der Gosepirats:

 

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Bei Aufsteigern in der neuen Regionalliga oder allgemein den Teams in unserer wundervollen Spielklasse erwartet man ja nicht unbedingt höchste Ausprägung von Fankultur oder mühevollen Fans, die sich auch im Web mit ihren Teams auseinandersetzen. Umso erfreuter war man also, als einem bei der Recherche über den nächsten Gegner aus Goslar der kleine Blog Gosepirats in die Hände bzw. auf den Bildschirm fiel. Unter dem Motto „fußball, rum und moiterei“ wird dort immer humorvoll und selbstironisch über den eigenen Club geschrieben. Auch politisch scheint man im Harz nicht auf den Kopf gefallen zu sein, man bekennt sich zu den bekannten Kampagnen und Aktionen und ist allgemein gegen Rassismus und andere komischen Auswüchse menschlichen Denkens. Getreu dem Motto: "no racism, no repression…just football!" Alles in allem also viel mehr, als man im Harzvorland vermutet hätte, so ist der Blog der Gosepirats auf jeden Fall einen Besuch wert. Einfach hier klicken.

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