Wie man ohne Bundesliga überleben kann

 

Vor ein paar Tagen drückte mir jemand ein Buch mit den Worten „Hier, mach mal bisschen Werbung dafür“ in die Hand. Dieser jemand ist Philipp Markhardt gewesen, der einst von der Westdeutschen Zeitung den Titel „der bekannteste Ultrà Deutschlands“ verliehen bekam, inzwischen aber seit 2014 kein Bundesligastadion mehr betreten hat und einer der Mitgründer des HFC Falke ist.

 

Cover How to survive ohne Fussball

 

Das Buch, welches mir überreicht wurde, heißt „How to survive ohne Fußball“ und gehört zum Glück nicht zu der Kategorie von (Mach)Werken, die zu den großen Turnieren erscheinen und mit meist flachem Humor diejenigen, die den Sport Fußball lieben, eher abschrecken. Nein, zum Glück hat es damit überhaupt nicht zu tun, auch wenn der Leser an einigen Stellen doch lächeln oder sogar herzhaft lachen muss. Trotzdem ist doch Buch deutlich intelligenter und schon der Untertitel „Wie man ohne Bundesliga überleben kann“ lässt erahnen, dass die Intention durchaus eine ernsthafte ist. Kurz gefasst: Wie wird der Fußball kaputt gemacht? Wie macht einen der Fußball kaputt? Und was sind die Auswege? Zur Not auch nur, um die Sommerpause zu überbrücken...

 

Doch: Sucht man überhaupt einen Ausweg? Von daher wird sich zunächst der Frage gewidmet: Wie sie realisieren, dass sie ein ernsthaftes Problem haben. Da die Frage, ob jemand einem das Buch geschenkt hat, mit „ja“ beantwortet werden kann, fällt man voll in die Zielgruppe (was für ein cleverer Schachzug des Autors). Ansonsten gibt es aber auch weitere Indizien dafür, dass man von der „Droge“ Fußball abhängig ist, wobei diesem Suchtmittel auch nicht komplett abgeschworen werden muss. Vielmehr gibt das Buch Alternativen zum „Produkt“ Fußball. Wichtig bei der „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist, dass der Leser auch ein Stück weit Selbstironie besitzt und etwas über den Horizont hinaus blicken kann.

Denn die „Ersatzdrogen“ werden zum Teil komplett abseits des rollenden Balls gesucht, wobei diese auch manchmal direkt wieder verworfen werden. Dem Kapitel „Handball“ widmet sich der Autor exakt zehn Zeilen lang – mit dem Fazit „das tut sich doch kein Mensch freiwillig an, der ansonsten zum Fußball fährt.“ Sehr gut erkannt, DJ Ötzi und jubelnde Muttis braucht wirklich niemand.

 

Haustiere, Schatzsuche, Kochen, Theater, Minigolf, Kunst, Musik, usw. - alles mehr oder minder hervorragende Möglichkeiten, dem Bundesliga-Fußball zu entkommen. Doch was ist die „ultima ratio“? Vielleicht die Gründung eines eigenen Vereins und damit zu helfen, den Amateurfußball zu reanimieren? Das sollte man selbst herausfinden – und dabei sind die 200 Seiten von „How to survive ohne Fußball“ hilfreich und sehr unterhaltsam.

 

Philipp Markhardt
How to survive ohne Fußball
ISBN 978-3-86265-567-0
9,99 €