Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

 

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Sonnabend.

 

Früher Morgen. Du wachst auf und du spürst das Kribbeln. 700 Kilometer? Egal! Ob Regen, ob Schnee, ob Sturm - du kannst es kaum erwarten, endlich auf der Straße zu sein. Zusammen mit deinen Freunden, zusammen mit all den anderen. Du hast mal wieder die beste Zeit deines Lebens. Unterwegs für den Fußball, für deinen Verein für deine Liebe. Die Woche bekommt endlich wieder ihren Sinn. Du kommst dem Ziel immer näher. Du triffst so viele Bekannte. Du siehst die Spieler einlaufen, das Adrenalin ist da. Neunzig Minuten Anspannung, neunzig Minuten anfeuern. Du bist frustriert mit den anderen, du feierst mit den anderen. Jedes zweite Wochenende auf fremden Plätzen. Du machst dich auf den Rückweg, für Stunden. All die Geschichten, all das Philosophieren. Die letzten 100 Kilometer fällt es dir schwer, die Augen offen zu halten. Du willst eigentlich schon Zuhause sein. Aber trotzdem weißt du: In zwei Wochen bin ich wieder dabei, wieder unterwegs, wieder mit all den anderen. Du schleppst dich die Treppe hoch, schreibst deiner Ma eine kurze SMS. Alles gut, bin heil wieder angekommen.

 

Sonntag.

 

Du machst deinen Laptop an. Du liest: „Horrorcrash – drei Fans verlieren das Leben“. Gestorben auf der Rücktour von einem Auswärtsspiel. Ein dicker Kloß im Hals. Persönlich kanntest du niemanden. Doch wahrscheinlich hatten sie jeden zweiten Sonnabend das gleiche Leben wie du.

 

Viel Kraft den Hinterbliebenen – und an alle anderen da draußen: Fahrt vorsichtig, passt auf euch auf!

 

KSV-Sportchef Ralf Becker zum Abschluss der Hinrunde

 

Seit Sommer ist im Storchennest mehr passiert, als man sich als Beobachter von außen hätte vorstellen können. Nicht wenige waren sich einig, dass Holstein mit diesem Kader wohl das beste Spielermaterial seit Jahren aufbieten könne. Dennoch entsprach der Saisonstart mit vier Punkten aus vier Spielen nicht den Vorstellungen der sportlichen Leitung und Karsten Neitzels Amtszeit fand an der Förde ein jähes Ende.

 

Nach zwei Spielen des Trainergespanns Werner/Drews verpflichtete Ralf Becker Markus Anfang aus dem Leverkusener NLZ. Unter Anfang spielte die Mannschaft in vielen Spielen recht dominant, Gegner zollten den Störchen regelmäßig Respekt, behielten aber zu oft einen oder drei Punkte auf ihrer Seite. Sportchef Ralf Becker, verfolgt trotz der Charakteristik des Fußball-Geschäfts als Tagesgeschäft eine Strategie der Nachhaltigkeit. „Ich bin mit der Entwicklung vollkommen zufrieden“, konstatiert der Sportchef nach der ersten Hälfte der Saison in kleiner Runde mit Vertretern der Kieler Presse.

 

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Natürlich hoffe der Verein gerade in der aktuellen sportlichen Situation auf mehr Zuschauer, das hätte sich die Mannschaft mit der Art und Weise, wie Fußball gespielt werde, absolut verdient. Von der Menge her habe Holstein einen "guten, harten Kern", aber Ziel sei es, "dass die Leute nicht mehr am Stadionbesuch vorbeikommen."

 

Generell sei dies ein stetiger Prozess: „Die KSV ist aber in vielen Bereichen gut aufgestellt“, sieht der Ex-Stuttgarter bereits eine vielversprechende Basis vorhanden. Muss der Kader in der Pause noch qualitativ aufgewertet werden? Viele aus dem Vereinsumfeld sehen sich nach den letzten zwei Spielen der Hinrunde einmal mehr bestätigt. Auf „Teufel komm raus“ wolle man bei den Störchen dennoch nicht handeln. Becker bekräftigte aber, dass man stets die Augen offen halten würde: „Wenn es der Spieler vom Typ, Charakter und Qualität hergibt, werden wir handeln.“ Der Verein lasse sich dabei auch nicht vom ausgeglichenen Teilnehmerfeld der Liga ohne den großen Favoriten und einer vermeintlich günstigen Konstellation für den Zweitligaaufstieg beeinflussen. „Wir schauen nur auf uns und entscheiden für uns selbst, wo der Weg hingeht.“

 

Die gute Resonanz auf die eigene Arbeit in verschiedenen Drittligastädten würde den Verein in seiner Ausrichtung bestätigen. Außerdem wisse man bei der KSV, was finanzierbar sei und was nicht, stellte Becker mit Blick auf die immer mehr an die Öffentlichkeit kommenden finanziellen Probleme der Mitbewerber fest. „In einer Liga, die langfristig schwierig für Vereine zu finanzieren ist, braucht man Gönner und Sponsoren“, so Becker. Durch diese "gefühlte Ungeduld" in der 3. Liga gingen Vereine würden oft ein großes Risiko ein - kommunale Unterstützung bei finanzieller Misswirtschaft führe in der Konsequenz aber zu einer Verzerrung des Wettbewerbs.

 

Eine Lösung aus dem Teufelskreis kann dabei das Setzen auf die eigene Jugend sein. Die KSV sei im Nachwuchsbereich mit seinen Trainern sehr gut aufgestellt. Ein erstes Ergebnis dieser Jugendarbeit präsentierte Becker im nächsten Satz: U19-Torjäger Utku Sen unterschrieb vier Tage vor Weihnachten seinen ersten Profivertrag in Kiel bis 2019. Ob er ein Vorbild für andere Spieler sei? „Das Beispiel zeigt, dass Spieler nicht unbedingt zu den Bundesligavereinen wechseln müssen, sie können unter besten Bedingungen auch hier den Sprung in den Profifußball schaffen.“ Kein Spieler müsse mehr den Verein verlassen, um sich weiterzuentwickeln. Ein weiteres Zeichen an die Jugendspieler: Neben Sen werde auch Junioren-Nationalspieler Noah Awuku aus der U17 mit ins spanische Trainingslager fliegen. Höhepunkt der Vorbereitung am Mittelmeer ist ein Test gegen Gimnàstic de Tarragona aus der zweitklassigen Segunda División.

 

Ansonsten würde die Trainingsarbeit im Vordergrund stehen, in puncto Komfort habe es im Vergleich zur Türkei ein paar Abstriche gegeben: „Es eine gute Sportschule statt einem 5-Sterne-Hotel. Wichtig ist aber, dass wir dort gute Platzbedingungen und Infrastruktur vorfinden“. Außerdem müsse eine Steigerung nach oben drin sein. Ob es im Falle eines Aufstiegs denn das 5-Sterne-Hotel geben würde? "Zumindest 4 Sterne". 

 

Wie sollte nach Meinung Ralf Beckers die Saison in einem halben Jahr enden? „Wir wollen diese Spielzeit das Maximum rausholen!“, verabschiedete der Schwabe in den Weihnachtsurlaub. Wobei "Urlaub" für Becker sicher nicht Beine hochlegen bedeutet. Denn um wirklich das "Maximum" rauszuholen, wird der Sportdirektor der Störche seine erste "alleinverantwortliche" Transferperiode sicher nicht tatenlos verstreichen lassen. Vor allem, da laut Kieler Nachrichten der Aufsichtsrat der Störche signalisiert habe, die Verpflichtung eines Neuzugangs finanziell zu unterstützen. Ersatz für den suspendierten Sané?

 

Das winterliche Bild der Tabelle verspricht, mit guten Wochen schnell in die Spitze vorzudringen - bei fehlender Konstanz und Kaltschnäuzigkeit könnte ein optimales Abschneiden aber auch schnell in weite Ferne rücken. So darf die Anhängerschaft der Störche weiter gespannt sein, ob sich am Ende der Transferperiode ein „Beckers Bester“ in den Holstein-Kader einsortiert und so die Wahrscheinlichkeit erhöht, nach der besten Hinrundenplatzierung der KSV in der 3. Liga noch mehr zu erreichen. Denn nach dem Eindruck der ersten 19 Spiele ist klar: Das Glas ist eher halbvoll als halbleer.

Transferperiode – die Zeit, in der sämtliche Vereine gleichzeitig auf der Suche nach der perfekten Ergänzung für ihre Kader sind. Nach dem Fenster im Sommer gibt es im Winter die Möglichkeit, Nachbesserungen an der im Sommer zusammengestellten Mannschaft vorzunehmen. Allerdings ist die Auswahl zu diesem Zeitpunkt der Saison logischerweise deutlich limitierter und gefühlt ist die halbe Welt auf der Suche nach dem Topstürmer, der einen zum Aufstieg oder weg von den „bösen Plätzen“ schießen soll.

 

Nach dem Amtsantritt von Markus Anfang, der am 11. September beim Auswärtsspiel in Paderborn debütierte, ist es die erste Möglichkeit, den Kader nach seinen Vorstellungen zu verändern. Und auch die Anhänger des Vereins warten wie in jeder Wechselperiode traditionell auf „weißen Rauch“. Habemus Offensivkraft? Einen realistischen Kandidaten zu finden ist hierbei gar nicht so leicht, spielen doch gleich mehrere Faktoren eine Rolle. Talentiert, aber doch wechselwillig und das auch noch zu einem „erschwinglichen Preis“ - da kann ein Blick auf die Situation der jeweiligen Spieler bei ihren Vereinen hilfreich sein. CCK stellt einige potenzielle Kandidaten für winterliche Verstärkungen im Storchennest vor.

 

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Stefano Cincotta

Derzeitiger Verein: Chemnitzer FC

Position: Linksverteidiger

Alter: 25 Jahre

 

Holsteins Dauerbrenner für die linke Abwehrseite Patrick Kohlmann plagen schon länger Probleme mit den Bandscheiben. Ob und wann „Kohle“ wiederkommt, ist nicht gewiss. Stefano Cincotta hat nicht nur bereits nahezu 100 Drittligaspiele absolviert, sondern auch schon Einsätze für die Nationalmannschaft Guatemalas zu verbuchen. Dennoch spielt er unter Sven Köhler diese Saison nur eine kleine Rolle und möchte den CFC verlassen. Ist die KSV unter den Interessenten und sichert sich damit zusätzlich auf der Position des Linksverteidigers ab?
http://www.transfermarkt.de/stefano-cincotta/profil/spieler/51745

 

Dominik Widemann

Derzeitiger Verein: 1. FC Heidenheim

Position: Mittelstürmer

Alter: 20 Jahre


Einige Holsteiner dürften Widemann noch im Dress von Unterhaching im Kopf haben (mit Tor gegen die KSV), mittlerweile spielt der Stürmer unter Frank Schmidt beim starken 1. FC Heidenheim auf der Schwäbischen Alb. Vier Spiele und 75 Minuten in der 2. Liga stehen für den Youngster zu Buche. In Testspielen deutet er regelmäßig sein Potential an, vielleicht auch ab dem Winter für ein halbes Jahr zur Leihe an der Förde.
http://www.transfermarkt.de/dominik-widemann/profil/spieler/313440

 

Björn Lindemann

Derzeitiger Verein: auslaufender Vertrag in Thailand

Position: Offensives Mittelfeld

Alter: 32 Jahre


Linde ist in Kiel ein alter Bekannter, vor zehn Jahren schnürte er das letzte Mal für die Störche die Stiefel. Nach Stationen in Lübeck, Magdeburg, Paderborn, Osnabrück und Jena wagte der Filigrantechniker ein kleines Abenteuer und ging nach Thailand, wo er in fünf Jahren für drei Vereine spielte. Lindemann möchte im Winter wieder ins kalte Deutschland, einige Vereine scheinen interessiert zu sein. Bekommt er in Kiel trotz starkem Mittelfeld eine zweite Chance?
http://www.transfermarkt.de/bjorn-lindemann/profil/spieler/6727

 

Sebastian Jacob

Derzeitiger Verein: 1. FC Kaiserslautern

Position: Mittelstürmer

Alter: 23 Jahre

 

Sportchef Ralf Becker fragte im Sommer schon einmal bei Uwe Stöver in Kaiserslautern an, um den Ex-Saabrücker an die Förde zu lotsen. Damals ohne Erfolg, doch eine wirklich Perspektive scheint Jacob bei Konkurrenten wie Osawe, Przybylko und Zoua auch jetzt nicht zu haben. Drei Zweitligaeinsätze stehen sieben Spielen bei der U23 in der Regionalliga Südwest gegenüber, versucht es Ralf Becker diese Transferperiode gleich noch einmal in der Pfalz?
http://www.transfermarkt.de/sebastian-jacob/profil/spieler/196876

 

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Mit der Zweiten des SV Werder schaute Melvyn Lorenzen diese Saison schon im Holstein-Stadion vorbei. Nach der Winterpause vielleicht häufiger?

 

Bewegte zwölf Monate liegen hinter Hannes Drews und der U19 von Holstein Kiel. Der 34-jährige absolvierte in einem Jahrgang mit Julian Nagelsmann und Inka Grings erfolgreich den Fußballlehrer-Lehrgang, stieg mit der U17 wieder in die höchste Spielklasse auf und führte die Drittligamannschaft zusammen mit Ole Werner zu zwei Siegen nach Karsten Neitzels Freistellung. Die U19 der Störche schaffte im Sommer noch unter Christian Riecks den Klassenerhalt im Haifischbecken U19 Bundesliga und sorgte in der aktuellen Saison bereits für einige Ausrufezeichen. Eines der Saisonhighlights steht der Mannschaft, ihrem Trainerteam und den Fans der KSV noch als vorweihnachtliches Geschenk ins Haus: Am Sonntag, den 18.12., kommt der 1. FC Köln zum DFB-Pokal Viertelfinale in den CITTI FUSSBALL PARK nach Projensdorf. Grund genug für CCK, einmal mit Hannes Drews über sein Jahr, das Pokalspiel und die Entwicklung seiner Mannschaft zu sprechen.

 

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Als Interimsgespann in der Liga: Hannes Drews (links) zusammen mit Ole Werner.

 

CCK: Hannes, im deinem vergangenen Jahr ist sehr viel passiert: Du hast den Fußballlehrer-Lehrgang erfolgreich gemeistert, hast zusammen mit Ole Werner zwei Spiele der Ligamannschaft erfolgreich gestaltet und warst mit deiner U19 zwischenzeitlich auf Platz 4 der Tabelle, jetzt auf Platz 7. Hast du damit gerechnet?

 

Hannes Drews: Der Lehrgang erstreckte sich über einen längeren Zeitraum und war im März beendet, für mich mit einem erfolgreichen Abschluss. Ich habe letztes Jahr mit Finn Jaensch noch die U17 betreut, der Aufstieg in die Bundesliga war natürlich ein schönes Ende unserer Arbeit. Im Anschluss ging es zur U19, da waren wir einmal auf Platz 4, jetzt steht dort Platz 7, das ist alles völlig in Ordnung. Gerade der Start in die Bundesliga war sehr holprig, wir haben die ersten drei Spiele verloren und viele Gegentore kassiert, uns dann aber wieder aufgerafft. Wir haben viele Punkte gesammelt, da waren auch einige dabei, mit denen man nicht rechnen konnte. Gerade der Erfolg in Leipzig mit 4:1 war ein gutes Beispiel. Jetzt haben wir zwanzig Punkte und da können wir gut mit leben. Nicht zufrieden war ich dagegen mit unserem letzten Spiel gegen Nordwest (2:4 verloren). Dort war unsere Leistung in den ersten 45 Minuten ganz schlecht und wurden zu Recht mit dem Ergebnis bestraft.

 

CCK: Wie hast du die Belastung während des Lehrgangs empfunden, wie wurde deine Abwesenheit hier im Verein aufgefangen?

 

Hannes: Mein Trainer-Kollege Finn Jaensch und der Co-Trainer Kim Schatz haben bei der U17 mit mir ein Dreiergespann gebildet, sodass die Arbeit auch während meiner Abwesenheit angegangen wurde. Da hat mit der Verein wirklich sehr geholfen indem sie mir wirklich die Zeit zugestanden haben, die ich benötigt habe. Insbesondere mein Trainerteam der U17 hat mich in der Zeit gut unterstützt.

 

CCK: Wenn du den bisherigen Saisonverlauf einmal Revue passieren lässt, wie würdest du deine Mannschaft und auch das Niveau generell in der U19 Bundesliga Nord/Nordost einschätzen?

 

Hannes: Ich glaube, auch mit Blick auf die Ergebnisse, dass die Mannschaft mit jedem Gegner mithalten kann. Nicht, dass das Team jedes Spiel gewinnt, aber dass man jedes Spiel Einsatz zeigt und nicht locker lässt. Natürlich kann es an einem schlechten Tag auch einmal eine hohe Niederlage geben. Bezüglich des Niveaus kann man sagen, dass zwei Mannschaften, Wolfsburg und Hertha BSC, spielerisch herausragen, das sind überdurchschnittlich gute Mannschaften. Das hat man auch in den Spielen gemerkt, gegen Wolfsburg waren wir klar unterlegen und auch Berlin war gegen uns klar besser. Wir dürfen uns auf den erreichten Punkten auf keinen Fall ausruhen, die 20 Punkte sind natürlich schön, aber wir müssen den Weg auch weitergehen.

 

CCK: Die Liga bietet viele große Namen, selbst Teams wie Dynamo Dresden und Eintracht Braunschweig haben ganz andere Voraussetzungen durch den höherklassigen Herrenbereich, Kiel ist im Vergleich eher ein kleinerer Standort. Was macht deine Mannschaft trotzdem so stark, dass sie da mithalten kann und gute Ergebnisse erzielt?

 

Erst einmal finde ich das schön, dass es jemand wahrnimmt, in welchem Verhältnis Holstein Kiel zu den Mitbewerbern steht. 7 – 8 Mannschaften in der Liga haben ganz andere Voraussetzungen. Es geht hier überhaupt nicht um die Infrastruktur, die ist in Kiel wirklich top. Aber mit einer Herrenmannschaft in der 1. oder 2. Bundesliga ist natürlich der finanzielle Hintergrund ein ganz anderer. Unsere große Stärke ist sicherlich, dass wir als Team sehr gut funktionieren. In diesem Punkt haben wir uns seit dem Saisonstart weiterentwickelt. Wir legen eine gute taktische Ordnung an den Tag. Dieses Jahr ist als großes Plus unser offensives Umschaltspiel zu sehen, viele Tore fallen durch diese Situationen, das ist wirklich eine Waffe.

 

CCK: Am 18.12. steht noch ein vorweihnachtliches Highlight ins Haus. Letztes Jahr um diese Zeit hat die U19 gegen Borussia Dortmund mit Spielern wie Felix Passlack und Christian Pulisic gespielt. Nun kommt der 1. FC Köln nach Kiel. Mit Cottbus und Jena spielen im Viertelfinale zwei Teams gegeneinander, die auf dem Papier etwas leichter aussehen. Hättest du lieber einen von diesen Gegnern gezogen?

 

Hannes: Die Frage hat mir meine Familie tatsächlich auch schon gestellt (lacht). Vom Namen her finde ich Köln gut und vor allem finde ich es super, dass es keine Mannschaft aus unserem normalen Ligabetrieb ist. Natürlich schielt man bei den beiden anderen Gegnern eher in die nächste Runde. Das soll nicht heißen, dass wir das nicht trotzdem schaffen können, aber Köln ist von der Qualität her natürlich noch ein anderes Kaliber.

Milad Salem nach seinem Nationalmannschaftsdebüt im CCK-Interview

 

Holstein hat wieder einen Nationalspieler! Während in Europa San Marino eins der letzten großen Abenteuer auf der Fußballkarte ist, durfte Milad Salem am vergangenen Wochenende sein Debüt mit den „Löwen von Khorasan“ (so der Spitzname der afghanischen Auswahl) im zentralasiatischen Tadschikistan feiern. Auch wenn es am Ende eine knappe Niederlage in Duschanbe gab, überwiegen die vielen Emotionen und Gänsehautmomente, die Milad mit zurück nach Deutschland brachte. CCK sprach mit dem 28-Jährigen über seine Reise, die Begeisterung seiner Landsleute und die ein oder andere Überraschung.

 

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CCK: Herzlichen Glückwunsch zur Länderspielpremiere!

Milad: Vielen Dank!

 

CCK: Wie war denn jetzt eigentlich dein Weg bis zum ersten Länderspiel?

Milad: Das erste Mal wurde ich schon vor über zehn Jahren eingeladen. Damals waren es allerdings noch keine FIFA-Spiele, das bedeutete die Länderspiele wurden immer dann ausgetragen, wenn wir auch mit den Vereinen Spiele hatten. Deshalb ging es dann nicht.

 

Letzte Saison gab es dann eine wieder eine Einladung, da war alles offiziell. Nur leider kam ich direkt aus meiner Meniskusverletzung, deshalb hatte es nicht geklappt – und kurz danach hab ich mir dann auch noch das Kreuzband gerissen. Vor sechs Wochen wurde ich zum Spiel gegen Malaysia eingeladen. Da war ich aber gerade nach einem Muskelfaserriss wieder dabei und hatte mit dem Verein abgesprochen, dass es sinnvoller wäre, bei Holstein zu bleiben und mich darauf zu konzentrieren. Und die Länderspiele sollten ja nicht weglaufen.

 

CCK: Gegen Rot-Weiß Erfurt war dann der Nationaltrainer Afghanistans in Holstein-Stadion. Scouting oder stand da schon fest, dass du auf Länderspielreise gehen solltest?

Milad: Wir hatten vorher schon häufig telefoniert, und es war klar, dass ich eingeladen werde, sobald ich wieder gesund bin. Insofern wollte er mich nicht wirklich beobachten, sondern einfach mal vor Ort sein, mich besuchen. Das hat er auch schon bei anderen Spielern gemacht.

 

Zwei Wochen vor dem Erfurt-Spiel hatte der afghanische Verband auch die Einladung für mich zur Nationalmannschaft an Holstein geschickt, allerdings muss da etwas schiefgelaufen sein. In Kiel kam sie nämlich nie an. Für den Verein war es dann ziemlich überraschend, dass plötzlich der Nationaltrainer da war. Aber mir wurden gar keine Steine in den Weg gelegt, wofür ich sehr, sehr dankbar bin. Markus Anfang und Ralf Becker haben gesagt: „Geh, genieße es und komm vor allem gesund zurück.“

 

CCK: Am Wochenende, als es dann „heiß“ wurde: Hat Milad da einfach seinen Koffer gepackt, ist nach Hamburg gefahren und ganz entspannt hingeflogen?

Milad: Ich bin zunächst einen Tag später von Frankfurt nach Istanbul geflogen und von dort aus nach Tadschikistan, in die Hauptstadt Duschanbe. Meine ganze Familie, alle waren mächtig stolz. Ich natürlich auch, nur hab ich es mir vorher nicht so extrem vorgestellt.

 

CCK: Inwiefern „extrem“?

Milad: Es war so emotional, unfassbar, ich kann es eigentlich immer noch nicht beschreiben. Mein Comeback nach der Kreuzbandverletzung, meine Einwechselung war ja schon sehr emotional, aber das kann man einfach nicht vergleichen. Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist: Du stehst mit der Nationalmannschaft auf dem Platz! Du hörst die Hymne...

 

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CCK: Das Gefühl, als du zum ersten Mal dein Nationalmannschafts-Trikot übergezogen hast, kannst du wahrscheinlich kaum in Worte fassen...

Milad: Das ist einfach nur der Wahnsinn. Alles. Dadurch, dass ich derzeit der am höchsten spielende Nationalspieler Afghanistans bin, haben mich die anderen zudem mit viel Respekt behandelt. Nicht etwa, dass sie Angst hatten, einfach auf so einer Kollegenbasis. Egal ob Spieler aus Deutschland, Dänemark, Schweden, aus Malaysia oder Thailand – alle haben versucht mir zu helfen. Die Reise war einfach ein geiles Gefühl. Ich bereue keine Sekunde, hingeflogen zu sein.