Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

Milad Salem nach seinem Nationalmannschaftsdebüt im CCK-Interview

 

Holstein hat wieder einen Nationalspieler! Während in Europa San Marino eins der letzten großen Abenteuer auf der Fußballkarte ist, durfte Milad Salem am vergangenen Wochenende sein Debüt mit den „Löwen von Khorasan“ (so der Spitzname der afghanischen Auswahl) im zentralasiatischen Tadschikistan feiern. Auch wenn es am Ende eine knappe Niederlage in Duschanbe gab, überwiegen die vielen Emotionen und Gänsehautmomente, die Milad mit zurück nach Deutschland brachte. CCK sprach mit dem 28-Jährigen über seine Reise, die Begeisterung seiner Landsleute und die ein oder andere Überraschung.

 

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CCK: Herzlichen Glückwunsch zur Länderspielpremiere!

Milad: Vielen Dank!

 

CCK: Wie war denn jetzt eigentlich dein Weg bis zum ersten Länderspiel?

Milad: Das erste Mal wurde ich schon vor über zehn Jahren eingeladen. Damals waren es allerdings noch keine FIFA-Spiele, das bedeutete die Länderspiele wurden immer dann ausgetragen, wenn wir auch mit den Vereinen Spiele hatten. Deshalb ging es dann nicht.

 

Letzte Saison gab es dann eine wieder eine Einladung, da war alles offiziell. Nur leider kam ich direkt aus meiner Meniskusverletzung, deshalb hatte es nicht geklappt – und kurz danach hab ich mir dann auch noch das Kreuzband gerissen. Vor sechs Wochen wurde ich zum Spiel gegen Malaysia eingeladen. Da war ich aber gerade nach einem Muskelfaserriss wieder dabei und hatte mit dem Verein abgesprochen, dass es sinnvoller wäre, bei Holstein zu bleiben und mich darauf zu konzentrieren. Und die Länderspiele sollten ja nicht weglaufen.

 

CCK: Gegen Rot-Weiß Erfurt war dann der Nationaltrainer Afghanistans in Holstein-Stadion. Scouting oder stand da schon fest, dass du auf Länderspielreise gehen solltest?

Milad: Wir hatten vorher schon häufig telefoniert, und es war klar, dass ich eingeladen werde, sobald ich wieder gesund bin. Insofern wollte er mich nicht wirklich beobachten, sondern einfach mal vor Ort sein, mich besuchen. Das hat er auch schon bei anderen Spielern gemacht.

 

Zwei Wochen vor dem Erfurt-Spiel hatte der afghanische Verband auch die Einladung für mich zur Nationalmannschaft an Holstein geschickt, allerdings muss da etwas schiefgelaufen sein. In Kiel kam sie nämlich nie an. Für den Verein war es dann ziemlich überraschend, dass plötzlich der Nationaltrainer da war. Aber mir wurden gar keine Steine in den Weg gelegt, wofür ich sehr, sehr dankbar bin. Markus Anfang und Ralf Becker haben gesagt: „Geh, genieße es und komm vor allem gesund zurück.“

 

CCK: Am Wochenende, als es dann „heiß“ wurde: Hat Milad da einfach seinen Koffer gepackt, ist nach Hamburg gefahren und ganz entspannt hingeflogen?

Milad: Ich bin zunächst einen Tag später von Frankfurt nach Istanbul geflogen und von dort aus nach Tadschikistan, in die Hauptstadt Duschanbe. Meine ganze Familie, alle waren mächtig stolz. Ich natürlich auch, nur hab ich es mir vorher nicht so extrem vorgestellt.

 

CCK: Inwiefern „extrem“?

Milad: Es war so emotional, unfassbar, ich kann es eigentlich immer noch nicht beschreiben. Mein Comeback nach der Kreuzbandverletzung, meine Einwechselung war ja schon sehr emotional, aber das kann man einfach nicht vergleichen. Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist: Du stehst mit der Nationalmannschaft auf dem Platz! Du hörst die Hymne...

 

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CCK: Das Gefühl, als du zum ersten Mal dein Nationalmannschafts-Trikot übergezogen hast, kannst du wahrscheinlich kaum in Worte fassen...

Milad: Das ist einfach nur der Wahnsinn. Alles. Dadurch, dass ich derzeit der am höchsten spielende Nationalspieler Afghanistans bin, haben mich die anderen zudem mit viel Respekt behandelt. Nicht etwa, dass sie Angst hatten, einfach auf so einer Kollegenbasis. Egal ob Spieler aus Deutschland, Dänemark, Schweden, aus Malaysia oder Thailand – alle haben versucht mir zu helfen. Die Reise war einfach ein geiles Gefühl. Ich bereue keine Sekunde, hingeflogen zu sein.

 

Götz Alsmann, geboren am 12. Juli 1957 in Münster, ist Musiker, Moderator,  Unterhaltungskünstler, Grimme-Preisträger, Brillenträger des Jahres 2000, Krawattenmann des Jahres 2004 - und glühender Anhänger des nächsten Gegners der Störche, Preußen Münster.

 

 

Unter anderem komponierte der Multiinstrumentalist, der auch mit In Extremo und Die Ärzte musizierte, eine Hymne für die Preußen.

 

CCK: Herr Alsmann, wie sind sie eigentlich den Preußen gekommen?

Götz Alsmann: Ich habe erst spät begonnen, mich überhaupt für den Fußball zu interessieren. Es war Georg Krimphove, bis vor wenigen Tagen noch der Präsident des Clubs, der mich vor etlichen Jahren heißgemacht hat.

 

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Welchen besonderen Moment verbinden sie mit den Adlerträgern?

Unvergessen bleibt der Sieg des SCP über Werder Bremen im DFB-Pokal! (Anm. der Red.: 4:2 n.V. am 19. August 2012. Matthew Taylor war damals mit drei Treffern der Mann des Tages)

 

Wenn Preußen Münster ein Musikinstrument wäre, welches?

Wohl eine Orgel. Alt, manchmal wieselflink, manchmal behäbig und an unerwarteten Stellen überraschend laut.

 

In Medien verbreiten Sie immer einen gewissen Eindruck von großer Selbstbeherrschung. Verlieren Sie beim Fußball schon mal die Contenance?

Nicht nur beim Fußball!

 

Haben Sie die Münsteraner Stadionwurst schon probiert und können Sie sie empfehlen?

Sie hat die eigentlich überall gleich gute Stadionqualität. Guten Appetit!

Der „Blaschke“ in Kiel-Gaarden. Nicht nur im Herbst einer der CCK-Lieblingsplätze an der Förde. Benannt nach einem großen Ballsport-Pionier, der auch dafür verantwortlich war, dass der Deutsche Fußballbund seine Geschäftsstelle ab 1916 in der Landeshauptstadt hatte, genauer gesagt in der Dänischen Straße, Hausnummer 24.

 

Fuball

 

Verantwortlich hierfür war der Georg Blaschke, der vor seiner Tätigkeit für den Deutschen Fußball-Bund zunächst an der Förde den Ball ins Rollen brachte – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Nachdem es ihm und seinen Mitstreitern im Männer-Turnverein untersagt wurde, ein Fußballspiel auszutragen, gründete Blaschke am 7. Oktober 1900 kurzerhand den 1. Kieler Fußballverein (einer der beiden Vorgängervereine von Holstein Kiel). Mit seinen Freunden fuhr er am gleichen Tag nach Lübeck und schoss Stürmer auch noch gleich das erste und einzige Tor gegen die Auswahl der Hansestädter und sicherte so den ersten Derbysieg.

 

Drei Jahre später (inzwischen gab es an der Förde mit dem 1. KFV 1900, dem Sportclub 1899, dem FC. Holstein, dem Ellerbecker FC 1903 und dem FC Kilia immerhin fünf Fußballvereine) wurde unter Blaschkes Führung dann der Verband Kieler Ballspiel-Vereine gegründet, der die städtische Meisterschaftsrunde organisieren sollte. Als nächste Station auf der Karriereleiter folgte 1905 der Norddeutsche Fußballverband, ehe der Kieler im Mai 1910 zum 1. Schriftführer des DFB gewählt wurde und für insgesamt 18 Jahre im Vorstand bleiben sollte. Als 1915 während des Krieges die Geschäftsstelle des DFB in Dortmund schließen musste (der damalige Geschäftsführer Walter Sanß war zum Kriegsdienst eingezogen worden), übernahm Blaschke zunächst provisorisch und ein Jahr später offiziell deren Aufgaben. Der DFB zog damit nach Kiel.

 

Und auch in der Weimarer Republik ging es an der Förde weiter, allerdings musste der gestiegenen Popularität des Ballsports Rechnung getragen werden, ein Umzug in ein größeres Büro am Sophienblatt war aufgrund des gestiegenen Arbeitspensums unausweichlich. Von hier aus sollten die Geschicke des nationalen Fußball-Verbandes noch bis 1927 gelenkt werden, ehe der DFB beschloss, mit der Geschäftsstelle nach Berlin umzuziehen.

 

Der Name „Blaschke“ steht heute noch in großen Lettern über dem Eingangstor des Platzes in der Norddeutschen Straße. Ansonsten dürfte der Name in der Landeshauptstadt nur Fußball-Insidern etwas sagen. Wer mehr über den Ballsport-Pionier erfahren möchte, dem sei das Buch seines Enkels „Georg P. Blaschke - Pionier des Fußballs“ (erschienen im Agon-Verlag) empfohlen.

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(Klick zum Vergrößern)

Am Wochenende steht die LOKALRUNDE an, das deutsche Pendant zum Non-League-Day in England. Ziel der Macher ist es, mit der gebündelter Energie von Vereins- und Fangruppenmitgliedern den Amateurfußball ein wenig mehr ins Rampenlicht zu rücken. Denn schließlich liegen die „Wurzeln des Spiels“ eben nicht in den großen Bundesligatempeln, sondern auf den tausenden kleinen Plätzen, auf denen jedes Wochenende unzählige Spielerinnen und Spieler jeder Altersklasse nicht für das große Geld kicken. Der gesellschaftliche Nutzen der großen Amateurfußball-Familie ist allerdings unbezahlbar, stellvertretend sei nur einmal das Stichwort „Integration“ genannt.

 

Traditioneller Zeitpunkt für den Tag des Amateurfußballs ist immer eine Länderspielpause, wobei der Begriff „Pause“ eigentlich nicht passt, denn es findet ja etwas statt. Ob man allerdings im Schnitt über 50 Euro pro Ticket für „die Mannschaft“ investieren muss, bleibt jedem selbst überlassen. Woanders ist für den Schein auf jeden Fall noch Wurst und Bier drin und der Eintritt für die Kinder obendrauf.

 

wurst und bier

 

Und beim kleinen Verein um die Ecke ist das Geld definitiv nicht schlechter investiert - gerade in einer Zeit, wo sich viele Fußballfans gegen die sogenannten kommerziellen Auswüchse des Fußballs (aka RB Leipzig) wehren, indem sie bei Facebook unter Bildern gegen den „Dosenverein“ „gefällt mir“ drücken, gleichzeitig mit Sky-Abo und reiner Konsumentenmentalität die Entwicklung des ja eigentlich verhassten „modernen Fußballs“ vorantreiben. Jeder darf tun, was er möchte – aber man sollte immer ehrlich zu sich selbst sein. Vielleicht findet man den „modernen Fußball“ ja doch nicht so schlecht?