Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

Fußballfans haben auch Rechte, dass dieser Satz in einem Rechtsstaat gilt, das dürfte jeder Anhänger eines Vereins wissen, bloß welche das genau sind und wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, das entzieht sich meist der Kenntnis des Einzelnen. Für die Lösung dieses Problems werden in den letzten Jahren die Fanszenen zunehmend selbst aktiv und holen sich unabhängigen juristischen Beistand. Nicht in dem Bewusstsein, nicht selbst einmal über die Stränge zu schlagen, sondern um sich in Situationen mit der Polizei seiner Rechte bewusst zu sein.

 

14068554 1806973522870688 2101717816567845494 o

 

Mit finanzieller Mithilfe verschiedener Gruppen und unter Federführung der Sektion Spielsucht wurde somit eine Veranstaltung im „Holsteiner“ auf die Beine gestellt, wo Dr. Martin Schaar, Kieler Fachanwalt für Strafrecht, den über 100 interessierten Gästen Rede und Antwort stand. Wie viele Situationen eine Konfrontation mit der Staatsmacht bedeuten können, wurde den Anwesenden wohl erst mit zunehmender Länge des kleinen Podiumsgesprächs bewusst. Von Ingewahrsamnamen über Hausdurchsuchungen und Stadionverboten war alles dabei.

 

Der Tenor blieb stets gleich: Redet nicht ohne die vorherige Rücksprache mit einem Anwalt mit der Polizei, sei das Gespräch auch von Seiten der Beamten noch so unverfänglich geführt. In direkter Konfrontation dagegen bleibt dem Fußballfan meist nichts anderes übrig, als die Situation erst einmal zu akzeptieren, eine von Fanseite angestrebte gerichtliche Überprüfung steht aber jedem Menschen frei und ist manchmal auf für zukünftige Fälle sinnvoll, wenn so etwa eine erzieherische Wirkung für die Exekutive bewirkt wird.

 

Aber auch die Gastgeber selbst gaben den Anwesenden noch eine kleine Hilfestellung. Mithilfe der Supside entwickelte die Gruppe ein Anschreiben an das LKA Schleswig-Holstein, sodass jeder aktive Fußballfan einmal recherchieren kann, in welchem Umfang persönliche Daten über ihn bei den Ermittlungsbehörden in verschiedenen Dateien vorliegen. Dieses Schreiben wird auch beim nächsten Heimspiel gegen Osnabrück am SSK-Stand hinter der Westtribüne ausliegen und jeder Holstein-Fan ist eingeladen, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.

 

Nach insgesamt 150 Minuten hatte jeder Besucher das Gefühl, ein wenig sicherer zu sein, welche Rechte auch ihm im Umgang mit der Polizei zustehen und das hier sehr oft der Beistand eines Anwalts von Nöten sein kann. Wenn ihr Zahnschmerzen habt, geht ihr schließlich auch zum Zahnarzt und legt nicht selbst Hand an.

 

Weiterführende Links:

www.gubitz-kiel.de – Kanzlei von Dr. Martin Schaar
www.fananwaelte.de – bundesweit vernetzte Gruppe von Fachanwälten
http://www.profans.de/verhalten-in-polizeigewahrsam

 

DSC 8925

 

- geboren in Köln am 12. Juni 1974

 

- Vereine als Spieler: u.a. Bayer Leverkusen, Fortuna Düsseldorf, 1. FC Kaiserslautern, MSV Duisburg, Wacker Innsbruck, Eintracht Trier

 

- Stationen als Trainer: SC Kapellen-Erft, Bayer Leverkusen U17

 

DSC 8917

 

- Spielphilosophie: Ballbesitz – dominieren – bestimmen, was auf dem Feld passiert – dabei flexibel sein und „die Jungs“ nicht einschnüren

Die EM ist vorbei und in Deutschland wird wieder gekickt. Doch ist dieser Fußball noch der Sport, in den wir uns verliebt haben? Viele Fans nehmen mit Skepsis die Entwicklungen zum elitär-globalen Markenfußball wahr: Spielergehälter explodieren, TV-Deals zersplitten den Spieltag, Manager fordern den „Club der Großen“ mit unverhohlenem Selbstverständnis und Traditionsvereine werden zu internationalen Anlageobjekten.


Beim Club um die Ecke ist dagegen noch viel Platz für Fußball, so wie er sein sollte: roh und unvermittelt.

 

1 LOKALRUNDE 2016 1 Foto Ashley Greb1568


Die Amateurfaninitiative GLOTZE AUS, STADION AN sieht es als wichtigstes Ziel, Zuschauer in die kleinen Stadien und auf die Sportplätze des Landes zu holen. Fußball findet, wie jeder weiß, auf dem Platz statt und dort gilt es die Ränge zu füllen. In den unteren Ligen ist das Geld aus den Stadionkassen zwingend notwendig. Anders als bei den Profis spielt Mechandising kaum eine Rolle und Amateure können von Fernsehgeldern nur träumen.


LOKALRUNDE hilft dabei, das Interesse am Amateurfußball wieder zu wecken und die Menschen an einem besonderen Spieltag für den „echten“ Fußball zu begeistern.

 

2 LOKALRUNDE 2016 Logo pur1569

 

Vom 7. bis 9. Oktober 2016 steigt zum dritten Mal LOKALRUNDE als Rahmenveranstaltung für alle Amateurvereine, die ihr Heimpiel an besagtem Wochenende austragen.


Die „Tage des Amateurfußballs“ sind eine Plattform, die für ein Wochenende all jene Spiele jenseits des Profivertriebs im Frauen- und Männerfußball präsentiert, die von Clubmitgliedern und/oder Fans auf der Seite angemeldet werden. Fußballinteressierte können dann über diese Karte, dem sogenannten Matchfinder, am LOKALRUNDE-Wochenende herausfinden, wo das nächste Spiel in gewünschter Umgebung stattfindet und von einem Einzelbesuch bis hin zum kompletten Groundhopping-Wochenende ihre Partien planen. Vorbild für und Partnerveranstaltung von LOKALRUNDE ist der englische NON-LEAGUE DAY. LOKALRUNDE ist eine Ausdrucksform der Amateurfaninitiative GLOTZE AUS, STADION AN! [GASA], die sich anwaltschaftlich für den Fußball im Schatten der Profiligen einsetzt und dabei insbesondere die Rolle von Fans im Vereinswesen betont. GASA ist der gemeinsame Nenner von Amateurfangruppen, die sich in der bewussten Positionierung gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus im Fußball der Initiative angeschlossen haben.


Gemeinsam mit den Machern der Lokalrunde würden uns freuen, wenn Ihr uns und den Amateurfußball aus der Basis medial unterstützen!

"Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen." - Theodor Fontane

...dann sind das hier keine Abschiedworte, sondern ein "Danke".

 

Sonnabend, 10. Mai 2014, ungefähr kurz nach 16 Uhr. Ein vom Regen durchnässter Auswärtsmob feiert das 3:1, das für Holstein Kiel den Klassenerhalt in der 3. Liga bedeutet. Vor dem Block steht der Trainer und ballt die Faust. Viele sagen, das war der Moment, in dem Karsten Neitzel in Kiel angekommen ist.

 

 

Seit gestern ist die „Ära Neitzel“ an der Förde nach 134 Spielen (davon 51 Siege, 42 Unentschieden und 41 Niederlagen) vorbei, nur zwei Trainer standen in der Geschichte von Holstein Kiel länger an der Seitenlinie. Ob es die richtige Entscheidung war? Um das zu bewerten, muss wohl bis Saisonende gewartet werden. Steht da der Aufstieg in die 2. Bundesliga, können die Verantwortlichen nicht so viel falsch gemacht haben. Bis dahin gibt es Meinungen pro und Meinungen contra. Beide Seiten sind zu akzeptieren und entscheiden nicht etwa über Fußball-Sachverstand.

 

Jede Form von Häme, speziell die aufgrund gekränkter Familienehre, verbietet sich allerdings. Dazu sind die Verdienste zu groß. Karsten Neitzel hat es geschafft, dass Kiel nicht mehr ganz so abseits auf der Fußballkarte der Bundesrepublik liegt und Holstein wieder zu „einer guten Adresse“ im deutschen Fußball geworden ist. Dabei war der Start an der Förde alles andere als einfach. Als Nachfolger des Aufstiegstrainers und local football coach Thorsten Gutzeit wurde der den meisten bis dahin unbekannte Karsten Neitzel am 4. Juni 2013 der Kieler Presse und Öffentlichkeit vorgestellt.

 

 

Erste Reaktionen in der Social-Media-Welt drehten sich hauptsächlich um die ehemalige Frisur des Trainers (die Autogrammkarte aus Stuttgarter Kickers Zeiten wollte Neitzel nach eigener Aussage aus dem Internet löschen lassen, hatte mit seinem Anliegen aber keinen Erfolg. ). Von der ehemaligen Haarmode abgesehen, wussten die wenigsten etwas über den neuen Übungsleiter, den der damalige Sportdirektor Andreas Bornemann da angeschleppt hatte. Dass der gebürtige Dresdner allerdings lange unter Volker Finke gelernt hatte, ließ aufhorchen: Ruhe und Konstanz bei Holstein?

 

Es dauerte allerdings seine Zeit, um mit dem neuen Trainer warm zu werden. Im ersten Testspiel gegen den FC Fredericia durfte dieser nach dem geäußerten Unverständnis über die Entscheidungen des Unparteiischen direkt auf der Tribüne Platz nehmen.

 

 

Ohne das Verhältnis zu den Schiedsrichtern überbewerten zu wollen, sollte es in den kommenden Jahren die eine oder andere Situation geben, in der die Emotionen des Herrn Neitzel mit den Referees nicht kompatibel waren. Für viele Fans war dieser Charakterzug verständlich bis sympathisch, nur lässt sich Karsten Neitzel mit Sicherheit nicht darauf reduzieren.

 

Dessen erstes Pflichtspiel an der Seitenlinie für die KSV fand im Landespokal statt. Mit 6:0 wurde beim PSV Neumünster gewonnen, vielmehr ließ aber der Start in der 3. Liga aufhorchen: Zum Auftakt ein 1:1 beim großen FC Hansa, dann ein furioses 5:1 gegen den Aufstiegsfavoriten FC Saarbrücken (nach 0:1-Rückstand!), ein Remis bei den Stuttgarter Kickers und drei weitere Siege in Folge ließen nicht wenige bereits von einem Durchmarsch träumen. Dann folgte allerdings von Anfang September bis Mitte Dezember die „Ergebniskrise“ - in der Liga gelang kein einziger Sieg mehr. Trotzdem hörte man (auch hinter vorgehaltener Hand) nichts Negatives über den Trainer, ganz im Gegenteil wurde seine akribische Arbeit und sein Talent zu motivieren von den Spielern gelobt.

 

 

In Nachhinein sollte sich der von Neitzel geschaffene Zusammenhalt als Fundament für das herausstellen, was in der nächsten Saison geschaffen wurde. Denn, wenn auch knapp, durfte am Ende der Saison der Klassenerhalt gefeiert werden.

Am 31.07. veröffentliche KN-Online einen Kommentar des Ressortleiters der Sportredaktion, Michael Kluth, zum Saisonauftakt gegen den FSV Frankfurt.

 

http://www.kn-online.de/Kommentare/KN-Kommentare/Kommentar-von-Michael-Kluth-zum-Saisonauftakt-von-Holstein-Kiel

 

Seine Zeilen haben mich dazu bewogen, meinerseits eine kleine Antwort zu verfassen:

 

Sehr geehrter Herr Kluth,

mit Verwunderung habe ich Ihren Kommentar zum Spiel am Samstag gegen den FSV Frankfurt gelesen.

Nicht nur die Schärfe ihrer Zeilen nach dem allerersten Spiel der neuen Saison hat mich gewundert, auch das Übernehmen einiger Stammtischparolen aus dem Anhängerlager, von denen sich eine Zeitung wie die Ihrige doch abgrenzen möchte, wunderte mich doch sehr. Zunächst einmal ärgerte es mich wie hoffentlich auch Sie ehrlich, dass der Auftakt nicht dem entsprach, was die Partie im Holstein-Stadion offensichtlich hergab. Die Chancenverwertung entsprach nicht den Vorstellungen der Zuschauer, des Umfeldes und der Verantwortlichen auf und neben dem Platz.

Die Bewertung des Gegners aus der Mainmetropole als „zusammengewürfelten, harmlose Haufen“ entbehrt nicht nur jedem Respekt gegenüber Holsteins Kontrahenten, sie nährt auch den Gedanken, dass sie sich mit dem Gegner nicht länger als drei Sekunden beschäftigt haben. So wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass alle von Roland Vrabec eingesetzten Spieler zusammen nicht nur 517 Spiele in der 2. Bundesliga, sondern auch 356 Spiele im Oberhaus absolviert haben. Ist das also immer noch ein zusammengewürfelter Haufen? Nebenbei hatte der FSV so einige gute Chancen im ersten Durchgang, das bleibt bei einem abgewichsten Spieler wie Jovanovic im Angriff vielleicht nicht aus. Und selbst wenn die Frankfurter im Anschluss eher selten vor das KSV-Tor kamen, ist es dann nicht möglich, statt Holstein durch die vermeintliche Harmlosigkeit des Gegners wieder einen Strick zu drehen, die Defensivleistung der Kieler zu erwähnen, wo in der Viererkette besonders Rafael Czichos ein gutes Spiel machte?

Sie scheinen das Allheilmittel für eine erfolgreiche Saison alleine in dem oft geforderten „Knipser“ zu sehen. Zur Erinnerung: Von den drei Aufsteigern letzte Saison verfügte einzig die SG Dynamo Dresden über Spieler der Marke „Knipser“. Der FC Erzgebirge Aue und die Würzburger Kickers verteilten ihre Tore sehr viel gleichmäßiger über den gesamten Kader und erzielten nebenbei weniger Tore als Holstein Kiel, ein ähnliches Erfolgsrezept verfolgte die KSV vorletzte Saison, als man hinten sehr wenig zuließ. Das Problem der Chancenverwertung ist omnipräsent und ein Grund für unnötige Punktverluste, vielleicht gibt es aber noch differenziertere Lösungsansätze, auch von Ihrer Seite. Im Übrigen hat der Chemnitzer FC mit seinem für Drittligaverhältnisse hochklassigen Angriff mit Anton Fink und Daniel Frahn am ersten Spieltag 0:0 gegen Großaspach gespielt, in Chemnitz wird die Saison wahrscheinlich zur Stunde abgehakt.

Zuletzt empfinde ich die Erwähnung des nach Osnabrück gewechselten Marc Heider als unpassend, gerade, weil Sie den Konjunktiv einen Absatz vorher vehement zurückweisen. Schließlich war es nicht nur Ihre Zeitung, die das Problem der letzten Saison vor allem auch in der mit Heider bestückten Offensive sahen, die für die KSV zwar nicht zu wenige Tore erzielte, diese aber auf zu wenige Spiele verteilte. Marc Heider war für lange Zeit ein echter Leistungsträger im Störchedress, dennoch empfinde ich ihren Gedanken nach der letzten Saison als deplatziert und nicht gerecht, ihn nach einem Ligaspiel der Offensive anzubringen.

Ihr Kommentar wirkt daher ein wenig wie mit heißer Nadel gestrickt, ich hätte mir, wenn er schon nach einem Spieltag sein muss, eine sorgfältigere, differenziertere Betrachtungsweise gewünscht, die vielleicht nicht nur in einschlägigen Foren oder in der Kneipe nach dem Spiel zu finden ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Martin, CCK