Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

TERMIN UPDATE +++ Das SHFV-Pokal-Achtelfinale findet am 15. Juli um 19 Uhr im Stadion an der Geerdsstraße statt. +++ TERMIN UPDATE +++ Alle weiteren Termine siehe unten +++

 

Seit dem 19.06. befinden sich die Störche in der Sommervorbereitung.  Hier eine Übersicht der Termine.

 

Sommerfahrplan

 

So. 19.06. 14.00 Uhr Trainingsauftakt

Fr. 24.06. 19.00 Uhr SV Henstedt-Ulzburg (A)

Di. 28.06. 18.30 Uhr TSV Klausdorf (A)

Fr. 01.07. 18.30 Uhr Heider SV (A)

Di. 05.07. 18.30 Uhr Eintracht Norderstedt (A)

Fr. 08.07. 18.00 Uhr SønderjyskE (H)

Fr. 15.07. 19.00 Uhr SHFV-LOTTO-Achtelfinale (A) VfR Neumünster

Mo. 18.07. 17.00 Uhr Hertha BSC Berlin II (H)

Fr. 22.07. 17.30 Uhr FC Schalke 04 (H)

29.-31.07. 1. Spieltag FSV Frankfurt (H)

 

Mit dem Namen John Rapaglia können vielleicht nicht alle Kieler etwas anfangen, wenn es allerdings „der von John's Burger“ heißt, wissen die meisten Bescheid. Der gebürtige New Yorker, der seine „real tasty burgers“ sonst nur exklusiv zur Kieler Woche unter das Volk brachte, ist seit letztem Jahr dauerhaft in der Gutenbergstraße 16 zu finden. Etwas überraschend, wenn es nach dem Klischee über Amerikaner geht, ist die zweite Leidenschaft des gelernten Meeresbiologen, Fußball. Sportliche Heimat: Holstein-Stadion - Leidenschaft: gute Burger – verliebt in: Kiel = ein Fall für CCK!

 

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CCK: Hallo John, wie bist du eigentlich nach Kiel gekommen?
John: Das erste Mal bin ich im August 2008 nach Kiel gekommen. Ich hatte einen Job an der Universität, an der gerade der „Future Ocean“ Exzellenz-Cluster ins Leben gerufen wurde. Es gab eine große Einstellungswelle und ich war einer der Wissenschaftlichen Mitarbeiter.

 

CCK: Aber da muss doch noch etwas gewesen sein, warum du dich in die Stadt an der Förde verliebt hast...
John: Das ist eigentlich eine lustige Geschichte. Als erstes: Meine Mutter ist Deutsche, sie kommt aus Ausgsburg. Okay, damit kommt sie eigentlich nicht wirklich aus Deutschland. Wie auch immer – ich wusste, dass ich einen Job hier finden wollte, denn als Wissensschaftler ist Deutschland einfach ein gutes Pflaster. Und als Meeresforscher hast du die Wahl zwischen Bremen, Bremerhaven, Hamburg, Rostock oder Kiel. Das Stellenangebot hat mich dann hierher gebracht.

Ich bin direkt aus Venedig hierher gekommen, definitv eine der schönsten, wenn nicht sogar die schönste Stadt der Welt. Einer der ersten Orte, den ich nach meiner Ankunft in Kiel gesehen hab, war die „Altstadt“ - und ich war nicht sehr beeindruckt. Am selben Abend war ich dann noch in der Kieler Bauerei und jemanden gefragt, ob es noch andere Plätze zum Weggehen gäbe. Die Antwort war nur: „Nein, das hier ist das einzige“ und ich dachte mir: „That kind of sucks!“ Ich bin dann aber trotzdem noch ein bisschen spazieren gegangen, die Bergstraße hoch und die Holtenauer entlang und dachte mir, hier sieht es schon besser aus.

Den nächsten Tag hatte ich mein Vorstellungsgespräch. Im Anschluss hab ich den Schrevenpark und die Gegend drumherum entdeckt, wo ich mir sofort vorstellen konnte zu leben. Im Fenster des Cafe Kooperative hab ich dann noch einen Hund gesehen. Mein erster Gedanke: „That is awesome!“ Und plötzlich war mir klar: Kiel, das passt wirklich. Kurz gefasst: Der Job hat mich hergebracht, mein erster Eindruck war nicht so doll, aber das Schrevenpark-Viertel und unten an der Förde ist es einfach fantastisch.

 

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CCK: Manche Leute in Kiel sagen, dass wenn man als Zugezogener den ersten Winter mit grau und Regen überstanden hat und immer noch hier bleiben will, dass man dann wahrscheinlich für immer bleibt.
John: Bei mir war das vielleicht sogar etwas anders. Bevor ich aus Venedig weggezogen bin, hatten wir dort 40 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ich war komplett durchgeschwitzt jeden Tag. Dann komme ich nach Norddeutschland, es regnet, es sind höchtens 15 Grad – und ich war einfach nur happy.

 

CCK: Und was kam dann als erstes: Die Idee einen Burgerladen zu eröffnen oder dein erstes Holstein-Spiel?
John: Ich hatte schon mal die Idee, in Venedig ein Burger-Restaurant zu eröffnen. In Kiel hab ich den Gedanken aufgrund meiner Arbeit erstmal beiseite gepackt. So kam der Besuch im Holstein-Stadion als erstes. Ich weiß auch, welches Spiel das war, nämlich das letzte in der Saison 2008/09 als Holstein aufgestiegen ist, gegen Lübeck. Ich erinnere mich noch, wie nach dem Spiel diese Feuerwehrschläuche über das Feld gezogen wurden, um die Lübecker Fans vom Platzsturm abzuhalten – und natürlich auch die Kieler.

Die ganze Stimmung, das war unglaublich, das war so cool. „It blew my mind.“ Was für eine Atmosphäre in der Regionalliga! Sonst kannte ich so eine Stimmung beim Sport eigentlich nur aus den Topligen, aber in Deutschland spielt es teilweise keine Rolle, wo dein Verein spielt. Auch in den niedrigeren Ligen hat man Stimmung. Das ist fantastisch.

 

CCK: Und wie bist du überhaupt auf den Gedanken gekommen, mal zum Fußball zu gehen? Wir haben ja immer das Klischee, dass Leute aus den USA nicht wirklich etwas mit „soccer“ anfangen können.
John: Einer meiner ersten Freunde in Kiel ist riesen Holstein-Fan und hat mich mitgenommen. Aber ich war schon vorher ein Fan von Fußball, speziell dem deutschen Fußball. Ursprünglich war ich allerdings tatsächlich der typische Amerikaner, für den es nur American Football gab. Bei dem Spiel mit dem runden Ball, so war meine Meinung, würde sich dauernd nur beschwert und reklamiert werden.

Richtig los ging es 2006. Zum Deutschland-Polen-Spiel in der Vorrunde der WM war ich auf dem Fanfest in München. Das hat richtig Spaß gebracht. Eigentlich bin ich nicht durch das Spiel an sich Fußballfan geworden, sondern vielmehr durch die Energie der Fans.

 

CCK: Und hast du denn schon andere Stadien neben dem „Holler“ kennengelernt?
John: Ich bin unter anderem in Bremen zum Europa-Pokal gegen Milan gewesen. Bremen war der Underdog und holte dann ein Unentschieden. Diego spielte damals richtig gut. Dann war ich auch zur WM 2006 beim Länderspiel der USA gegen Italien in Kaiserslautern. Das war schon abgefahren. Außerdem hab ich viele Spiele in Venedig gesehen, als ich noch da gewohnt hab. Ansonsten ist aber das Holstein-Stadion mein fußballerisches Zuhause.

 

CCK: An welches Spiel erinnerst du dich denn da am liebsten?
John: Mein Lieblingsspiel bei Holstein war das DFB-Pokalpiel gegen Mainz. Ich hatte drei Jahre in Kiel gelebt und nun wieder einen Job in den USA. Mein Abreisetag war der 24. Dezember, das Spiel drei Tage vorher. Es war also das letzte, große Erlebnis und ich wusste nicht, ob ich jemals außer zu Besuch nach Deutschland zurückkommen würde. Zu dem Spiel hab ich von meinen Kollegen auch mein Holstein-Trikot geschenkt bekommen. Ich weiß noch, dass ich überhaupt nicht daran geglaubt hab, dass Kiel gewinnen könnte. Mainz, Bundesliga,... Aber dann dieses Spiel!

Als ich zurück in die USA bin, hab eine einen Master-Kurs unterrichtet. Die mussten sich dann mit mir das Dortmund-Spiel anschauen. Ich hab der ganzen Klasse alles erklärt. Das war richtig gut, obwohl Holstein verloren hat.​

 

CCK: Und wie kam es dann, dass du doch wieder zurückgekommen bist?
John: Ich liebe New York, ich liebe meine Familie – aber ich habe jeden Tag Kiel vermisst. Im Sommer bin ich dann immer zurückgekommen um die Burger Box auf der Kieler Woche zu machen. Da hab ich dann immer noch nen Monat dran gehängt. Ich mag einfach die Leute und das Leben an der Förde. Und so war mir irgendwann klar, dass ich zurück will. Der Plan mit dem Restaurant kam ungefähr nach der Kieler Woche 2013, definitiv aber 2014. Da ging es los mit der Suche nach einer geeigneten Location.

 

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Trainer des Gegners - Holstein aus der Relegation "gekickt" - trotzdem feiner Kerl

 

Am Sonnabend beim Spiel gegen Wehen-Wiesbaden steht der Mann an der Linie, der im letzten Sommer noch in der Relegation für 1860 das Traineramt bekleidete. Den Job bei der „Ersten“ der Löwen hatte Fröhling erst im Februar von Markus von Ahlen geerbt und wurde so zu dem Mann, an dem Holstein scheiterte. Doch tatsächlich ist dies absolut nicht die einzige Berührung, die zwischen den Störchen und dem gefühlten Hamburger Jung (der eigentlich im mecklenburgischen Bützow geboren ist und bis zur Wende bei Stahl Eisenhüttenstadt kickte) existiert. Und ganz persönlich gab es für den Schreiber noch eine Vielzahl von Treffen, die immer wieder bestätigten, dass es sich bei „TF“ um einen richtig feinen Kerl handelt.

 

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Los ging es mehr oder minder am 13. September 2008. Holstein hatte gerade Altona 93 mit 1:6 von der Hoheluft geschossen und in der Victoria-Klause philosophierten noch einige Fans beider Lager über das Spiel. Auch der ein wenig geknickte Trainer des AFCs gesellte sich auf ein paar Sätze dazu. Sicher keine Selbstverständlichkeit und von daher umso sympathischer. Knapp ein halbes Jahr später wurde Torsten Fröhling bei Altona freigestellt, aufgrund wirtschaftlicher Engpässe. Im Sommer 2009 ging es dann an die Förde. Nach B- und C-Jugend beim FC St. Pauli und A-Jugend in Norderstedt wurde Förhling in Kiel U23-Trainer. Zusammen mit den „Leitwölfen“ Thorsten Rohwer, Matthias Hummel und Timo Bruns wurden die Jung-Störche an den Ligakader herangeführt. Zudem dienten die Spiele der Zweiten regelmäßig als Balsam für die Seele der Holstein-Fans, weil die Erste in der 3. Liga sich nicht so recht aklimatisieren konnte. Sonntags bei den Amas war hingegen alles gut.

 

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Von Mitte September bis Anfang Oktober dann die Zeit als Interimstrainer und Nachfolger von Falko Götz. Ein Sieg gegen Heidenheim, eine Niederlage in Wuppertal (bei der das Team allerdings eine kämpferisch respektable Leistung bot), ein Sieg gegen VfB Stuttgart II – eine Bilanz, mit der viele Holsteinfans gut leben konnten und auch aus der Mannschaft gab es viel Lob für den neuen Übungsleiter. Trotzdem wurde als neuer Trainer Christian Wück präsentiert, während es für Fröhling zurück in die Zweite ging. Die Liga stieg ab, die U23 wurde nachfolgend souverän Meister der Schleswig-Holstein-Liga. Zitat Matze Hummel: „ Eine geile Saison“ - Zitat Fröhling: „Richtig geiler Fußball!“ Irgendwo liegt sicher noch das „Nach dem Winter kommt der Fröhling“-T-Shirt.

 

Ostern

 

Benjamin Schüßler – ein Name, der einem auch als Holsteinfan bekannt ist. Der heute 34-jährige schnürte von Januar 2010 bis Sommer 2011 seine Fußballschuhe für die KSV Holstein.

 

Seine Karriere begonnen hat der Mittelfeldspieler beim 1. FC Magdeburg. Dort erreichte der talentierte Nachwuchsspieler das Halbfinale um die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft und gewann den DFB-Junioren-Vereinspokal. Über Borussia Mönchengladbach, VfL Osnabrück, SC Paderborn und Rot-Weiß Oberhausen führte ihn sein Weg dann an die Kieler Förde. Doch der Wechsel in den Norden brachte ihm kein Glück – nach nur vier Einsätzen bremste ein Kreuzbandriss seine Karriere bei den Störchen. Insgesamt sollten es in anderthalb Jahren 18 Ligaspiele werden.

 

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Ein positiver Moment aus dem März 2011: Benjamin Schüssler als Storch feiert den Auswärtssieg bei der Zweiten des FC Energie Cottbus.

 

Bevor er im Anschluss in Velbert und nachfolgend beim Niederrheinligisten SV Hönnepel-Niedermörmter einen neuen Verein fand, folgte eine Spielzeit bei der VDV – der Spielergewerkschaft. Ohne neues Engagement hielt er sich hier gemeinsam mit den ehemaligen Kielern wie Christian Mikolajczak und Julian Lüttmann unter Trainer Christian Wück fit. Über die Kicker des „FC Arbeitslos“ erschien in diesem Jahr der Film „Zweikämpfer“. Eine gute Gelegenheit sich mal wieder beim gebürtigen Magdeburger zu melden.

 

CCK: Moin Benjamin, wie geht es Dir - und haben sich aufgrund der zu erwartenden Filmkarriere schon Agenten gemeldet?

Benjamin: Moin. Mir geht es sehr gut. Arbeit läuft, Fußball nur noch nebenbei. Ein Agent hat sich noch nicht gemeldet. Das wird aber, glaube ich, auch nicht mehr passieren (lacht).

 

Aber immerhin bist Du unter anderem beim 11mm-Filmfest in Berlin im Dokumentarfilm „Zweikämpfer“ zu sehen.

Ja, das stimmt. Ein Film, in dem auch mal eine andere Seite des Sports gezeigt wird, den wir alle so lieben.

 

Konkret beginnt „Zweikämpfer“ mit dem VDV-Camp, das vom Juli bis zum September 2011 stattfand, direkt nach deiner Zeit bei Holstein. Für Nicht-Profifußballer ist das sicher nicht ganz einfach nachzuvollziehen, wie man sich in der Situation fühlt...

Schwer zu sagen, auf jeden Fall ein komisches Gefühl. Mein Vertrag wurde bei Holstein nicht verlängert und über den Sommer kam auch nicht anderes. Dann kam das Camp, wo eigentlich keiner hin will. Schließlich ist das für viele das erste Zeichen, dass es mit der Karriere so langsam zuende geht.

 

Und in dieser Situation solltet ihr dann noch gefilmt werden. Wie kam es dazu – und vor allem wie war Deine persönliche Reaktion?

Mehdi (Benhadj-Djilali, der Regisseur von „Zweikämpfer“, Anm. der Redaktion) fand das VdV-Camp interessant. Er kannte es vorher noch gar nicht und hatte sich gedacht, es könnte ganz interessant sein, das mal zu dokumentieren. Die VDV war einverstanden damit, wir wurden gleich Beginn gefragt, ob das okay sei. War es auch für alle.

 

Ich selbst hab das zunächst recht nüchtern gesehen und die Kamera eigentlich gar nicht wahrgenommen. Mehdi war auch wie einer von uns, dadurch dass er immer da war. Wir waren ja auch teilweise verkabelt, das habe ich nachher auch gar nicht mehr wahrgenommen. Am Anfang hatte man sich immer noch ein bisschen zurückgenommen.

 

Wie hat man sich so ein Camp eigentlich vorzustellen? Wie ein normales Trainingslager? Ich kann mir vorstellen, dass zumindest die Stimmung schon etwas anders ist, wenn es sich nicht um ein bewusst zusammengestelltes Team handelt und man als Spieler lieber woanders wäre...

Man kann es sich im Prinzip so vorstellen wie eine ganz normale Fußballmannschaft, die sich auf die neue Saison vorbereitet. Natürlich mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass diese Truppe sich für neue Vereine empfehlen will. Die Bedingungen im Camp sind absolut professionell. Die Stimmung hängt immer von jedem Einzelnen ab.

 

Ich glaube wir hatten in dem Jahr charakterlich eine sehr starke Gemeinschaft, so dass wir die Gesamtsituation eher mit Humor aufgenommen haben, als Trübsal zu blasen. Aber natürlich gab es auch den ein oder anderen depriemierenden Moment. Vor allen Dingen zum Ende hin, wenn einem bewusst wird, dass es wahrscheinlich nichts mehr wird mit einem Engagement im Profigeschäft.