Milad Salem im CCK-Interview

 

In der Sommerpause 2015 wechselte Milad Salem vom VfL Osnabrück zu den Kieler Störchen. Doch ehe der Deutsch-Afghane so richtig durchstarten konnte, zog er sich im Testspiel gegen Hertha BSC II einen Kreuzbandriss zu. Das Pflichtspieldebüt in der Liga folgte erst am 30. April 2016. Wir sprachen mit Milad über die lange Reha, seinen Glauben, Holstein und Kiel.

 

CCK: Moin Milad, wir saßen ziemlich genau vor einem Jahr zusammen. Allerdings lief es für dich danach nicht gerade, wie es sein sollte. War es trotz deines Kreuzbandrisses positiv, nach Kiel gewechselt zu sein?

Milad: Auf jeden Fall! Ich kann nur gutes über Holstein sagen. Ich bin in einer super Truppe gelandet und habe die besten Bedingungen vorgefunden. Außerdem ist es absolut nicht normal, dass sich ein Verein so sehr um einen verletzten Spieler kümmert. Und wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich froh meine Reha hier gemacht zu haben. Woanders hätte ich mich vielleicht sogar etwas gehen lassen. Hier war ich im positiven Sinn gezwungen, jeden Tag meine Übungen durchzuziehen. Das Ergebnis sehe ich heute.

 

milad

 

CCK: Das bedeutet, du bist wieder bei 100%?

Milad: Ja, Gott sei dank habe ich überhaupt keine Schmerzen mehr und kann alle Belastungen mitmachen. Das ein oder andere Mal nimmt mich der Trainer noch raus, damit ich nicht zu viel mache. Ich habe ja immerhin über ein Jahr gefehlt – da heißt es aufpassen. Kurz gesagt, schmerzfrei bin ich – und das Fußballerische kriegen wir auch noch (lacht).

 

CCK: Wie war es eigentlich für dich, so lange nicht Fußball spielen zu können? Als Außenstehender ist das vielleicht etwas schwer zu verstehen...

Milad: 13 Monate war eine verdammt lange Zeit – auf deutsch gesagt: Das ist ein besch... Gefühl. Man muss auf jeden Fall versuchen, so stabil wie möglich zu bleiben und nicht in ein Loch zu fallen.

 

CCK: Was war für dich der Halt in der Zeit?

Milad: Wenn es mir schlecht ging, hatte ich im Verein sofort Leute um mich herum. Die haben mich aufgebaut. Dann natürlich meine Familie, zu denen ich tagtäglich Kontakt habe und die immer gesagt haben, dass ich an mich glauben soll. Das hat mir viel Kraft gegeben.

 

CCK: Wer dir bei Facebook folgt, bekommt mit, dass auch der Glaube sehr wichtig für dich ist und du sehr öffentlich damit umgehst.

Milad: Ja, absolut. Das ist für mich das allerwichtigste in meinem Leben. Egal welches Problem ich habe – der Glaube hilft es mit zu lösen. Dass ich damit so öffentlich umgehe, soll anderen Menschen zeigen, dass der Islam an sich nichts mit Hass und Gewalt zu tun hat, sondern mit Liebe und Hoffnung.

 

CCK: Interessanterweise wird bei Muslimen gerade „Fußball“ kontrovers diskutiert - zumindest, wenn man dem Internet glauben darf. Teilweise wird sogar behauptet, es sei „haram“, also verboten. War das für dich mal ein Thema?

Milad: Nee, erstmal hat das nichts mit der Religion an sich zu tun. Außerdem begehen die Menschen genug andere Sünden, da muss man sich nicht auf „Fußball“ konzentrieren. Es gibt viel schlimmere Dinge. Von daher war es für mich nie ein Thema. Auch weil man sich immer ein Stück weit daran anpassen muss, wo man ist.

CCK: Geboren bist du aber in Kabul und warst vor deiner Verletzung auch zur afghanischen Nationalmannschaft eingeladen. Ist der Kontakt trotz der unfreiwilligen Auszeit bestehen geblieben, auch zu anderen Nationalspielern?

Milad: Während meiner Verletzung wurde sich immer wieder nach meinem Gesundheitszustand erkundigt. Der Co-Trainer meinte auch, wenn ich fit bin, werde ich wieder eingeladen. Ob das mit meiner Vorgeschichte Sinn macht zu fliegen, muss man schauen. Das entscheidet der Verein.

Zu einigen anderen Nationalspielern habe ich Kontakt, was auch daran liegt, dass viele im Raum Frankfurt wohnen. Zum Teil kenne ich sie noch aus meiner Eintracht-Zeit. Mit denen tausche ich mich über alles aus. Josef Schirdel (Anm. der Red.: bis letzte Saison noch bei Weiche Flensburg) hat mich sogar in Kiel besucht und ich ihn in Hamburg, wo er herkommt.

 

CCK: Mit zwei Jahren bist du dann nach Bremen gekommen und aufgewachsen in Offenbach. Wie waren deine Erfahrungen als Afghane in Südhessen?

Milad: In meinen Teams in Offenbach und Frankfurt waren wir immer recht viele Ausländer, da war ich niemand besonderes. Aber auch bei den Mannschaften, gegen die wir gespielt haben, ist jemals was negatives vorgefallen. Fußball ist einfach etwas Positives, was alle verbindet.

 

CCK: Trotzdem gibt es ja Besonderheiten. Wie praktiziert du das zum Beispiel mit dem Fasten?

Milad: Ramadan ist auf jeden Fall eine Pflicht für uns – da gibt es keine Ausreden. Es bestehen aber Möglichkeiten es nachzuholen, an Tagen, wo kein Trainings- oder Spielbetrieb ist. Fußballer und andere Leistungssportler haben die Erlaubnis, wenn es schwierig ist, eine Pause einzulegen. Das muss dann aber nachgeholt werden.

Ich selbst habe im Urlaub in Frankfurt mit meiner Familie gefastet. Aber als die Vorbereitung wieder losging, musste ich mich auch wieder darauf konzentrieren. Gerade mit meiner Vorgeschichte musste ich vernünftig essen und schlafen. Da konnte ich nicht um 21.30 Uhr und um 4 Uhr essen. Das werde ich dann aber an meinen freien Tagen nachholen - hoffentlich.

 

CCK: Apropos „freie Tage“ - hast du im letzten Jahr Kiel ein bisschen kennen, vielleicht sogar ein wenig lieben gelernt?

Milad: Auf jeden Fall ist ganz anders, als da wo ich herkomme. Frankfurt ist halt eine Großstadt...

CCK: Kiel auch (Lachen)

Milad: Ja, allerdings ist da mehr Action, mehr auf der Straße los. Das ist auch nicht ganz normal, dass man das so sagt, aber mir fehlt ein bisschen der Stress. Ich bin damit halt aufgewachsen. Aber ich hab mich an Kiel und die Ruhe gewöhnt und fühle mich sehr wohl. Auch wenn das Wetter in Hessen einfach besser ist (lacht).

 

CCK: Zum Abschluss noch die Frage, wie du siehst du Holstein für die neue Saison gerüstet?

Milad: Wir haben einen sehr guten Kader. Wichtig ist es aber jetzt, dass wir das auch auf dem Spielfeld umsetzen. Dafür trainieren wir hart und werden vom Trainerteam optimal eingestellt. Also heißt es, Gas geben!

 
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