Das Internet ist schon ein Phänomen. Sobald auch nur eine Meldung aus dem Fußballkosmos das Potential hat, größere Aufmerksamkeit zu erregen, wird es von allen Portalen ausgeschlachtet, um auch keinen zu kleinen Anteil der Aufmerksamkeit zu erlangen.

 

osna

 

Letzte Woche hat St. Paulis Trainer Ewald Lienen die Fans gewürdigt, die auch in schwierigen Zeiten zum Club halten und Unmengen an Zeit, Mühe und Geld investieren, ihren Teil dazu beizutragen, dass der Kiezclub nächste Jahr weiter nach Dresden und nicht nach Lotte fahren muss. Jeder Spieler sollte sich dessen beim Auftritt auf dem Platz bewusst werden. Schöne Worte – und einem Trainer wie Lienen, der zu gern auch einmal über den Tellerrand hinausblickt, nimmt man das ab. Das darf dann im Internet auch gerne jeder wissen. Vielleicht sogar auch andere Vereinsführungen.

 

Kiel, 03. März 2017. Die unnötige Niederlage in Zwickau ist langsam verdaut, das ungute Gefühl mit Blick auf die Unkonstanz der Mannschaft ist immer noch da: Gegen Paderborn sollte schon gewonnen werden.

 

Doch auch ein anderes Thema erhitzte an diesem Tag die Gemüter: Durch das noch zu spielende Pokal-Viertelfinale zwischen Lotte und Dortmund am übernächsten Dienstag muss das Spiel der Mannen vom Autobahnkreuz gegen Rostock an den nächsten Sonnabend verschoben werden. Ungünstig: An diesem Tag sollte unsere KSV im benachbarten Osnabrück spielen. Aber Kiel in Osnabrück und Rostock in Lotte zu selben Zeit? Das leuchtet selbst den aktiven Fans ein, dass diese Kombination aufgrund von Anfahrtswegen und Polizeikapazitäten vielleicht ein paar objektive Probleme bietet.

Holstein zögerte nicht lange, laut Ralf Becker habe man sich mit Blick auf die Zustimmungen anderer Vereine sofort solidarisch gezeigt: Holstein spielt am Freitag in Osnabrück. In den sozialen Netzwerken ist der Frust groß - das ist verständlich. Der Kartenvorverkauf ist bereits angelaufen, Bahnfahrten gebucht. Jetzt ist es für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schlicht unmöglich, das Spiel in Osnabrück zu besuchen. Dabei wäre die Reise vom geografisch ungünstig liegenden Kiel nach Osnabrück schon eine Wohltat. Keine 600 Kilometer durch Ostdeutschland, keinen ganzen Tag auf dem Weg nach Aspach auf der Autobahn - auf dieses Spiel hatte man sich trotz des Saisonverlaufes bisher wirklich gefreut, vielleicht sogar, um nach gefühlten zehn Jahren dem VfL einmal wieder einmal alle drei Punkte von der Bremer Brücke zu entführen.
Stattdessen Frust, Kosten, auf denen die Fans sitzen bleiben.

 

Natürlich waren die Möglichkeiten für eine statutenkonforme Ansetzung in ganz engen Grenzen gefasst. Der Sonntag wäre wohl aufgrund der zeitlichen Nähe zum Dienstag (Lotte – Dortmund in Osnabrück) nicht möglich gewesen.
Was man sich aber wirklich gewünscht hätte, wäre die Bestätigung, dass sich die Vereinsführung der Problematik der Verlegung mit Blick auf die Fans bewusst ist. Es ist zu hoffen, dass der Verein alles versucht hat, eine andere Lösung als den Freitag zu finden, statt von einer Sekunde auf die andere zuzustimmen. Das hätte auch in der Erklärung zur Verlegung gerne deutlich werden können.

 

Dass der DFB sich nicht für Fanbelange einsetzt, ist bundesweit bekannt. Bei Holstein sollte man sich als kleiner Verein seiner Anhängerschaft auch bei solchen Thematiken bewusst sein. Da dürfen Ewald Lienens Worte auch noch von der Reeperbahn bis an die Förde reichen.