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Der Aufstieg in Großaspach ist wohl für viele, die Holstein die Treue halten, das Ziel einer langen Reise. Erst so langsam beginnen sicher die meisten zu realisieren, was da soeben erreicht wurde. Als Matthias seine Emotionen in einen Artikel gegossen hatte, wollte ich zunächst nur einen Facebook-Kommentar dazu posten. Aber schnell musste ich erkennen, dass dies den Rahmen gesprengt hätte: zu unterschiedlich sind die persönlichen Erinnerungen.

 

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Mein erster Besuch bei Holstein war am letzten Spieltag der Oberliga SH/HH 2000/01. Aus Interesse war ich mit zwei Freunden mal ins Holstein-Stadion getigert, um mir ein bedeutungsloses 0:0 gegen den VfR Neumünster anzuschauen. Die dramatische Relegation gegen Göttingen mit dem Aufstieg am grünen Tisch verfolgte ich damals noch distanziert über die Kieler Nachrichten. In der Folge war ich immer mal wieder bei der KSV, in der Regel zu Highlights wie dem Pokalsieg über Berlin oder zu Spielen gegen Spitzenteams der Regionalliga. Über die Jahre wurden die Besuche häufiger und irgendwann dann zum zweiwöchigen Ritual, zunächst in der Mitte der Gegengerade, später dann in Block J. Mehr als einmal hab ich mich nach studentengerecht durchfeierter Nacht am Samstag verkatert gegen 12:30 unter die Dusche geschleppt, nur um dann kurz nach 13 Uhr in der 91 von wohlmeinenden Freunden gleich wieder das erste Bier in die Hand gedrückt zu bekommen ;)

 

Wann genau ich gespürt habe, dass ich von Holstein nicht mehr loskomme? Bewusst geworden ist es mir spätestens in der Horrorsaison 06/07. Die Zielsetzung seitens des Vereins war ja eine ganz andere, doch dank vieler desaströser Auftritte fanden sich die Störche im Abstiegskampf wieder. Es war dieser Kommentar eines Kumpels nach einem wieder mal vergurkten Heimspiel, der mir das ganze Elend deutlich machte: „Na und? In zwei Wochen stehen wir ja doch wieder hier!“

 

In diese Phase fällt auch eines meiner denkwürdigsten Heimspiele. Sicher sind da auch die Spiele, die bei vielen Holstein-Fans als legendär eingestuft werden und ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wie der Sieg gegen Mainz im Pokal, das 3:0 – zu Lande und in der Luft – in der verbotenen Stadt oder das 5:1 2011 auswärts gegen das Produkt. Aber damals, ich war in den letzten Zügen meiner Diplomarbeit, gab es ein klassisches 6-Punkte-Spiel gegen Wilhelmshaven. Mit dem 3:1, so dachte ich, wäre zumindest das Schlimmste überstanden. Einen Scheiß ahnte ich...

 

 

Welche Tragweite dieser beispiellose Abstieg mit 48 Punkten haben sollte, konnte ich da noch gar nicht ermessen. Durch die folgende Regionalligareform war auf einmal nicht nur ein Aufstieg ins Bundesligaunterhaus ganz weit weg, selbst die Qualifikation für die neu eingeführte 3. Liga war nun ein schwer zu erreichendes Ziel. Statt diesen mit einer mittelmäßigen RL-Saison 07/08 quasi geschenkt zu kriegen, zählte jetzt nur noch die Meisterschaft. Da ich berufsbedingt 2007 nach Nürnberg umgezogen war, hatte ich jetzt auch ein ganz konkretes persönliches Interesse, dass die KSV mal in einer deutschlandweiten Liga vertreten wäre.

 

Der Auftakt in die erste Drittligaspielzeit 09/10 begann auch gleich mit einem dieser persönlichen Highlights: nicht im grauen November, sondern im Hochsommer, ging es für Holstein zum ersten Awaymatch nach Regensburg. Mit Besuch aus der Heimat ging es in die Oberpfalz, anschließender Umtrunk mit Jahn-Ultras inklusive. Spätestens das völlig unnötig verlorene Gastspiel in Ingolstadt im Februar derselben Saison zeigte aber bereits an, dass man sich wohl direkt wieder Richtung Regio verabschieden würde. Dass hieraus vereinsintern die richtigen Schlüsse gezogen wurden konnte ich nicht erahnen und es wäre sicherlich auch nur ein schwacher Trost gewesen.

 

Nach einer Saison der Konsolidierung mit besagtem Ausreißer nach oben in Leipzig folgte die Pokalschrecksaison – in der Liga aber der 4:1-Downer in Wolfsburg. Diese leise Hoffnung, meine Störche mal irgendwann direkt vor der Haustür sehen zu können, blieb dieser feuchte Traum, der weiterhin zwei Aufstiege entfernt war.

 

Zumal die unsägliche Nadelöhrreform der Regionalligen den Aufstieg in Liga 3 zu einem Glücksspiel degradierte. Darum bleiben für mich die zwei Spiele gegen Kassel die wichtigsten meiner Holsteinvergangenheit. Heidis 1:0 im Rückspiel in Kassel – die pure Erlösung und der Auslöser für 70 Minuten Feiern. Kaum zu glauben, dass das jetzt auch schon fast vier Jahre zurückliegt.
Danach 13/14 die Rettung in Darmstadt – ich hätte es nach 2007 nicht für unmöglich gehalten, dass wir da nochmal einen Abstieg mit positiver Tordifferenz nachlegen :-)

 

Die Relegation gegen 1860 war dann wieder einer diesen negativen Höhepunkte. Als die Löwen den Ausgleich erzielten, war mein Blick nur noch auf der Spieluhr. Das Gefühl sagte schon, dass es diesmal irgendwie nicht reichen würde. Die Folgesaison mal ganz ohne Aufstiegshoffnungen oder Abstiegssorgen war dann eine echte Ausnahme im letzten Jahrzehnt.
Und dass 16/17 der große Wurf gelingen würde, dafür sprach lange Zeit auch nicht viel, dazu waren die Ergebnisse nicht konstant genug.

 

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Umso schöner, dass die Truppe sich zur rechten Zeit zusammengerauft hat und im richtigen Moment ihre Serie begann. Dass es am Ende zum direkten Aufstieg am vorletzten Spieltag gereicht hat, ist fantastisch. Märchenhaft wird es aber erst, wenn man auf das zurückliegende Jahrzehnt voller Rückschläge zurückblickt. Egal, mit welchem Slogan Sport1 aka DSF diesmal aufwartet: Nürnberg, Fürth, St.Pauli, Lautern, Union, vielleicht noch der HSV – 2017/2018 wird definitiv die „beste 2.Liga aller Zeiten“!