Den einen Spieler“, den sich Neuzugang David Kinsombi als Vorbild genommen hätte, gibt es nicht. Ein viel größerer Einfluss für den „Rüdesheimer Bub“ mit kongolesischen Wurzeln war da der große Bruder. Über die Stationen Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Magdeburg und Karlsruhe schaffte es 21-jährige Rechtsfuß nun an die Förde. Größere Hindernisse bei der Eingewöhnung stellten nur Deckenleuchten dar. Ansonsten wurde der Defensivmann schnell „an die Hand genommen“. CCK freut sich mit dem Neuzugang über Werdegang, Selbsterfahrungen an der Spielkonsole und Pläne für die nächste Saison zu sprechen.

 

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CCK: Moin David, erst einmal herzlich willkommen in Kiel!
David: Hallo und vielen Dank!

 

CCK Du bist ja noch relativ jung - kannst du dich eigentlich noch daran erinnern, wann bei dir das erste Mal der Wunsch aufkam, Fußballprofi zu werden?
David: Das war ganz früh. Ich bin durch meinen großen Bruder zum Fußballspielen gekommen. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Nachmittags war er immer unterwegs und dann hieß es immer: „Ich bin beim Training.“
Da wollte ich natürlich wissen, was treibt der denn da. Und so hat er mich einfach ein paar Mal mitgenommen. Kurzerhand hat er mich dann auch im selben Verein angemeldet und so ging das Ganze dann los. Nach kurzer Zeit merkt man dann ja auch relativ schnell, ob man was damit anfangen kann – und
ich hatte was für mich entdeckt.

 

CCK: Da war dann auch gleich klar, dass du nichts anderes in deinem Leben machen willst?
David: Ja, wenn ich in der Grundschule gefragt wurde, was ich später machen will, habe ich immer geantwortet: „Am liebsten Fußballprofi.“

 

CCK: Und wann hast du gemerkt, dass du auf dem richtigen Weg bist?
David: Ich habe in der Jugend sehr lange bei Wehen-Wiesbaden gespielt. Dann bin ich nach Mainz gewechselt, um U17-Bundesliga zu spielen und habe mich auf Anhieb zum Stammspieler entwickelt. Da habe ich gesehen, das geht auf jeden Fall in die richtige Richtung, wenn du in deiner Altersklasse, in der höchsten Liga bei einem sehr guten Verein spielst.

 

CCK: Ein Zeitpunkt, um noch einmal eine Schippe drauf zu legen?
David: Na klar. Je näher ich dem Herrenbereich gekommen bin, desto eher hatte ich auch mit den Jungs in meinem Umfeld das Gefühl, dass wir nur noch 1 ½ Jahre Jugend haben. Der ein oder andere Kollege hatte auch schon Bundesliga- oder Zweitligaluft schnuppern können. Also mussten wir uns ranhalten, dass wir dann die nächsten sind, die da reinschießen.

 

CCK: In der Defensive hast du ja schon einige Stationen durchlaufen. Wo fühlst du dich selbst am wohlsten?
David: Ich bin da relativ flexibel, bevorzuge es aber im Zentrum zu spielen, Innenverteidiger oder auf der Sechs. Allerdings habe ich mein erstes Bundesligaspiel als Außenverteidiger gemacht, mein Länderspieldebüt sogar auf der offensiven Außenbahn. Am liebsten bin ich aber doch im Zentrum.

 

Startelf gegen Italien – ein Traum erfüllt sich

 

CCK: Wie war es denn überhaupt für dich als junger Mensch als Fußballer Deutschland zu vertreten?
David: Da ist ein Traum wahr geworden. Seit der U15 hatte ich in der Hessen-Auswahl gespielt, beziehungsweise in Mainz mit der Südwest-Auswahl. Man hofft immer, dass es das nächste Mal klappt.
Bei meinem ersten Länderspiel gegen Italien habe ich gleich von Anfang an gespielt. Das war ein ganz persönliches Ziel, das ich mir gesetzt hatte. Ich habe zu meinem Bruder immer gesagt: „Bevor ich den Jugendbereich verlasse, will ich mein erstes Länderspiel machen.“

 

 

CCK: Nach dem Jugendbereich bist du zu Eintracht Frankfurt gewechselt. Wo siehst du für dich die Gründe, dass du dich damals noch nicht durchgesetzt hast?
David: Zum einen bin aus der A-Jungend in den Herrenbereich einer anderen Mannschaft gewechselt. Das gibt es ja so auch eher selten. Ich hatte für mich aber entschieden, dass es für mich zu diesem Zeitpunkt der beste Schritt. Mich zu testen, wie weit ich schon bin. Denn das war es ja, wo ich hinwollte.
Im ersten Jahr meinem ersten Jahr lief für meine Situation auch recht erfolgreich. Ich war über 25 mal im Kader und habe zwei Spiele gemacht – eine ordentlich erste Saison. Im zweiten Jahr kam der Umbruch mit dem Trainerwechsel, am Funktionsteam hat sich etwas getan, am Team hat sich etwas getan – da bin ich in den hinteren Teil der Mannschaft geraten. Ich habe noch ein halbes Jahr versucht, darauf aufzubauen, was ich mir im ersten Jahr erarbeitet hatte. Aber es hat nicht sollen sein. Der Wechsel nach Karlsruhe mit der Leihe nach Magdeburg kam dann genau zum richtigen Zeitpunkt.

 

Selbsterfahrungen an der Spielkonsole

 

CCK: Eine sehr intime Frage – hast du schon mit dir selbst gespielt, bei FIFA?
David: Ja! Hab ich, na klar. Direkt als ich bei der Eintracht war, kamen die neuen Spiele raus. Das war schon ein ganz komisches Gefühl, als wir dann alle dabei waren. Da spielt man dann natürlich mal eine Saison.

 

CCK: Welche Gesamtstärke würdest du dir denn geben?
David: Ich weiß gar nicht, welche ich habe.
CCK: Müsste so zwischen 64 und 67 sein.
David: Na, da muss ich noch ein paar Spiele machen.

 

CCK: Da hast du bei deinem neuen Verein ja hoffentlich die Gelegenheit zu. Wie gut hast du Holstein denn schon kennengelernt?
David: Was mir aufgefallen ist, dass extrem viel Struktur im Verein ist. Wenn man sich die Anlage und das Drumherum anschaut, dann ist für alles eine Lösung da, sodass man sich als Spieler keine Gedanken machen muss. So kannst du dich voll und ganz auf deine Arbeit konzentrieren. Zudem herrscht eine große Ruhe, die nicht alle Vereine in der Liga bieten können.

 

CCK: Hattest du denn vor deiner Unterschrift bei den Störchen schon eine Möglichkeit gehabt, dich über den Verein zu informieren?
David: Ich war persönlich hier und habe mir alles angeschaut. Zudem war Fabian Reese, der ja aus der Holstein-Jugend stammt, bei mir im letzten Jahr in der Mannschaft. Den hatte ich nach seinen Eindrücken gefragt und hab ich sehr, sehr viel positives zu hören bekommen.

 

Erleuchtung und alte Freundschaften


CCK: Und hast du auch schon ein bisschen was von der Stadt gesehen?
David: Zum Teil. Wenn ich mal einen freien Nachmittag habe, gibt es viel zu organisieren. Auch wenn er schon recht fortgeschritten ist, befinde ich mich immer noch voll im Umzug. Gestern habe ich schon wieder eine Stunde damit verbracht, eine Deckenleuchte anzubringen. Aber es hat geklappt, sie funktioniert – endlich Licht im Wohnzimmer. (strahlt)
Ich war aber immerhin schon ein bisschen am Wasser, auch wenn ich es noch nicht weiter raus geschafft habe. Die anderen Jungs haben mir erzählt, dass es da noch ein paar schöne Strände gibt.


CCK: Hat dich denn jemand aus dem Team ein wenig „an die Hand“ genommen?

David: Ja, schon bevor ich das erste Mal auf dem Trainingsplatz stand. Joel Gerezgiher und ich kennen uns, seitdem wir zwölf sind. Joel kommt auch aus dem Frankfurter Raum und wir haben gerade vor ein paar Tagen festgestellt, dass wir uns das erste Mal auf einem U12-Turnier begegnet sind. Witzig zu hören, wo sich unsere Wege schon mal gekreuzt haben. 

Hier in Kiel hat er mich gleich mal mit ein paar anderen Spielern ins Kino mitgenommen. So hab ich ich die erst einmal privat kennengelernt. Generell wurde es allen Neuzugängen wirklich sehr einfach gemacht, sich in die Gemeinschaft hereinzufinden.

 

CCK: Was sind denn deine Ziele mit dem Team?

David: Klar, eine erfolgreiche Saison spielen – und möglichst viel selbst dazu beitragen, dass sie erfolgreich wird. Mal schauen, wo wir am Ende landen, schließlich ist es für viele auch Neuland. Ich habe nun ein Jahr 2. Bundesliga gespielt und kann ein wenig den Vergleich ziehen. Ich denke, wir sind da gut aufgestellt und haben gute Jungs. Ich bin zuversichtlich.

 

CCK: Sehr gut! Vielen Dank und wir sehen uns im Stadion.