Seit etwas über einem Monat ist Steffen Schneekloth bei der KSV als Präsident an Bord. Ein Neuling im Geschäft "Fußball" ist der 53-jährige Rechtsanwalt und gelernte Bankkaufmann aber keineswegs und auch mit Holstein Kiel gab es in der Vergangenheit große Schnittmengen. Höchste Zeit für ein CCK-Interview.

 

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CCK: Erst einmal Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt als Präsident der KSV. Der Aufsichtsrat hat Sie als neuen Präsidenten ausgewählt, wann kam das Gremium zum ersten Mal auf Sie zu und wie hat er Sie überzeugt, diese Aufgabe zu übernehmen?

Steffen Schneekloth: Der Aufsichtsrat kam Anfang Mai zum ersten Mal auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir das Präsidentenamt bei Holstein Kiel vorstellen könnte. Ich war dem Aufsichtsrat in sportlichen Fragen schon immer eine Art Ratgeber. Die Aufgabe, dem Verein dabei als Präsident helfen zu können, empfinde ich als sehr spannend. Die Idee des Aufsichtsrates war, dieses Amt nicht wie in der Vergangenheit nur repräsentativ auszulegen. Ich konnte mir das sehr gut vorstellen, da ich auch nach der Beendigung meiner Tätigkeit als Spielerberater dem Fußballsport verbunden bleiben wollte. Was gibt es Schöneres, als dort wo man geboren und aufgewachsen ist, seine Erfahrungen, die man 20 Jahre im Fußball gesammelt hat, einzubringen.

 

Sie haben es gerade erwähnt, dass Sie in der Vergangenheit mit dem Verein schon lose verbunden waren, was haben Sie nach den ersten Wochen in offizieller Funktion für einen Eindruck vom Verein, was beispielsweise die Struktur und das Arbeiten angeht?

Der ganze Verein ist kaufmännisch und administrativ sehr gut organisiert. Wolfgang Schwenke hat hier in den vergangenen neun Jahren hervorragende Aufbauarbeit geleistet. Es wurden nicht immer wieder neue Mitarbeiter eingestellt, sondern versucht Synergien zu schaffen, dass Mitarbeiter auch mehrere Funktionen ausüben, um den Anforderungen der Lizenzierung gerecht zu werden. Da gibt es nichts, was man in diesem Bereich derzeit verbessern müsste. Ich sehe mich daher auch eher als Unterstützer für Wolfgang Schwenke, unseren Kaufmännischen Geschäftsführer, und Ralf Becker, dem Geschäftsführer Sport.

 

Was sind aus Ihrer Sicht die Unterschiede zwischen Roland Reimes Aufgabenbereich und Ihren zukünftigen Ausgaben?

Das kann ich gar nicht genau sagen, weil ich im Detail nicht weiß, wie Roland Reime das Amt ausgeübt hat. Roland Reime war immer für den Verein da und hat sich für ihn mit hoher sozialer Kompetenz eingesetzt, die KSV war Teil seines Lebens, insbesondere in emotionaler Weise. Ich sehe meine Aufgabe darin, das Präsidium, kaufmännisch und sportlich, bei den täglich aufkommenden Fragestellungen mit meinen Erfahrungen zu unterstützen und dabei dem Präsidium auch Aufgaben abzunehmen und es zu entlasten.

 

Sie haben vor einiger Zeit Ihre Tätigkeit als Spielerberater beendet und haben danach in einem Interview in den Kieler Nachrichten (http://www.sportbuzzer.de/artikel/kieler-spielerberater-steffen-schneekloth-im-interview/) ein wenig mit der Branche abgerechnet und erläutert, warum Sie sich diesem Berufsstand nicht mehr richtig verbunden fühlen. Inwiefern passt das mit ihrer langen Tätigkeit in der Branche und dem Profitieren von dieser zusammen und was unterscheidet Sie von dem Beraterkreis, den Sie in diesem Interview kritisiert haben?

Ich habe weder mit der Branche abgerechnet, noch habe ich einzelne Personen kritisiert. Als ich vor 20 Jahren begonnen habe, war ich mit vielleicht zehn anderen Beratern in Deutschland fast eine Art Exot. Die Branche hat sich wie der gesamte Fußball dahingehend entwickelt, dass der Prämisse des Profits folgend alles – sportliche und gesellschaftliche Werte – untergeordnet wird. Das ist meiner Meinung nach eine falsche Entwicklung, sowohl auf der Seite der Berater, als auch auf Vereinsseite. Ganz interessant und nacheifernswert ist in diesem Zusammenhang die Meinung von Andreas Rettig (kaufmännischer Geschäftsleiter beim FC St. Pauli, Anm. d. Red.), der in einem Konzernverein wie Bayer Leverkusen groß geworden und heute beim FC St. Pauli tätig ist. Er vertritt heute die Ansicht, dass der Fußball sich nicht vollständig kommerzialisieren darf.

Der Fußball muss natürlich im Profibereich als Wirtschaftsunternehmen geführt sein. Man kann nicht, wie viele Vereine es in der 3. Liga machen, mehr ausgeben, als man einnimmt. Dennoch darf nicht das gesamte Handeln kommerziellen und materiellen Erwägungen untergeordnet werden. Der Fußball selbst eignet sich meiner Meinung nach nicht, um mit ihm Profit für Anteilseigner zu machen. Die schwarze Null muss stehen und der Verein muss in der Lage sein, sich sportlich und wirtschaftlich weiterzuentwickeln.

 

Die Beraterbranche hat sich so entwickelt, dass sie den Fußballer als Ware deklariert, das ist nicht mein Verständnis von der Arbeitsweise eines Beraters. Sicherlich werden auch die Interessen der Spieler vertreten. Aber warum stellen sich Berater bei zwölf- bis 14-jährigen Fußballern an den Spielfeldrand, um Eltern und Spieler von sich zu überzeugen? In erster Linie geht es darum, einen Spieler zu finden, der später einmal sehr viel Geld für die Berater generiert.

 

Den Entschluss des Aufhörens habe ich schon vor längerer Zeit gefasst, ich wollte aber meine Spieler noch so lange begleiten, bis sie in der Lage sind, im Alter von 34 oder 35 Jahren ihre Karrieren zu beenden.

 

Ist für diese Philosophie Fin Bartels, der sich immer in kleinen Schritten entwickelt hat, der immer lange bei einem Verein war, ein gutes Beispiel?

Ich habe immer fast ausschließlich mit Spielern zusammenarbeiten können, die das, was ich ihnen als Dienstleistungen angeboten habe, verstanden haben. Fin ist auch einer davon. Er ist total authentisch, den musst du nicht überzeugen, für Geld den Verein zu wechseln. Er möchte immer zu dem Verein, bei dem er sich wohl fühlt. Deswegen hat er den norddeutschen Raum trotz Angeboten auch nie verlassen. Er war auch kein Jugendspieler, der sofort durch die Decke gegangen ist, er hat sich immer kontinuierlich weiterentwickelt und ist jetzt zum Ende seiner Karriere in der Lage, sportlich und wirtschaftlich die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Ein solcher Karriereverlauf ist ein Beispiel dafür, wie man sich kontinuierlich weiterentwickeln kann, um irgendwann ganz oben anzukommen. Da geht es nicht darum, den Spieler schnellstmöglich gewinnbringend bei einem Verein unterzubringen.

 

Ihre beratende Tätigkeit für den Aufsichtsrat in der Vergangenheit wurde von der Öffentlichkeit mit ein wenig Argwohn – Stichwort Interessenkonflikt - beobachtet. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern jetzt in offizieller Funktion als Präsident?

Für Außenstehende ist es schwer zu beurteilen, mit welcher hohen Loyalität und Verantwortung ich diese „Doppelfunktion“ tatsächlich ausgeübt habe. Ich hatte immer die Interessen des Spielers und des Vereins im Blick, um beiden die bestmögliche sportliche Perspektive zu verschaffen. Um meine eigenen Interessen ging es dabei nie.

 

Sie haben als Berater die unterschiedlichen Facetten des Geschäfts erlebt und als einer der ersten in dieser Funktion auch ein großes eigenes Netzwerk geschaffen, inwiefern können Sie diese Erfahrungen auch als neuer Präsident der KSV in Ihre Arbeit einfließen lassen?

Selbstverständlich hat auch Ralf Becker ein gutes Netzwerk. Er hatte jahrelang unterschiedliche Funktionen in verschiedenen Vereinen inne. Aber wenn man sich 20 Jahre lang zeitweise mit fast allen Größen des deutschen Fußballs außer unmittelbar Uli Hoeneß über Vertragsthemen ausgetauscht und verhandelt hat, dann kann man natürlich seine Erfahrungen in einer Art und Weise in diese Aufgabe einbringen, wie man es vielleicht bei Bekleidung von anderen Funktionen in der Vergangenheit nicht tun könnte.

 

Erlauben Sie sich ein Urteil über die derzeitige Kaderzusammenstellung oder sind Sie dafür zu weit entfernt, da die Gestaltung der Mannschaft alleine in der Verantwortung von Ralf Becker und Markus Anfang liegt?

Nein, da erlaube ich mir nur eine kurze Einschätzung. Wir sind da in einem engen Austausch und ich finde das gut, was derzeit gemacht wird. Die Prämisse war und ist, die entstandene Mannschaftsstruktur, welche sich zum Ende letzter Saison entwickelt hat, beizubehalten und den Geist der Mannschaft in die nächste Saison zu nehmen. Das ist genau der richtige Weg, um bescheiden in die 2. Liga zu gehen und dort hoffentlich eine gute Rolle spielen zu können.

 

Sie wurde also, in welcher Intensität auch immer, nicht in die Kaderplanung miteinbezogen?

Ich sage natürlich nicht, wir wollen diesen oder jenen Spieler holen, aber ich bin im regelmäßigen Austausch mit Ralf Becker, welche Spieler für welche Positionen eine Rolle spielen könnten und welche sportliche Ausrichtung man dem Kader geben wird. Darüber tauschen wir uns regelmäßig aus.

 

Welche Rolle spielt das NLZ der KSV für die erste Mannschaft?

Es ist enorm wichtig, dass bei einem Verein wie Holstein Kiel auch von unten Qualität nach oben stößt. Durch das Aufrücken von Spielern wie Arne Sicker, Utku Sen oder Noah Awuku wird auch ein Zeichen gesetzt, dass die Durchlässigkeit in die erste Mannschaft gegeben ist. Die Mitarbeiter des NLZ machen täglich gute Arbeit, das sieht man unter anderem am guten Abschneiden der Jugendmannschaften in den Bundesligen in der letzten Saison.

 

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ralf Becker und Wolfgang Schwenke generell, war es Vorteil, die Strukturen im Verein mit seinen kurzen Entscheidungswegen bereits gekannt zu haben?

Meiner Empfindung nach läuft es gut, es gibt einen regelmäßigen Austausch mit beiden Geschäftsführern. Ich versuche immer den Austausch unter uns drei herzustellen, um einfach eine offene, transparente Kommunikation zu ermöglichen. So sollen alle auch über die Aufgaben und Themen des anderen informiert sein, da helfen natürlich die angesprochenen kurzen Wege und die kleine Anzahl von Entscheidungsträgern.

 

Der Verein hatte lange Zeit unverschuldet das Pech, dass die Position des sportlichen Leiters nicht oder nur kurzfristig richtig besetzt war. In der damaligen Phase wäre es ein großer Vorteil für den Verein gewesen, wenn Uwe Stöver seine Arbeit hier hätte fortführen können. Ralf Becker als sein Nachfolger macht hier einen richtig guten Job und hat einen sehr guten sportlichen Blick auf einzelne Spieler. Markus Anfang und Ralf Becker haben beide die selbe Vorstellung davon, wie der Fußball bei Holstein Kiel aussehen soll und das wollen wir unterstützen.

 

Was wünschen Sie sich für die kommende Saison und für die erstmal auf drei Jahre angelegte Amtszeit als Präsident?

Ich hoffe, dass die Mannschaft das fortführt, was sie im letzten Viertel der vergangenen Saison gezeigt hat. Die neuen Spieler sollten schnell integriert werden. Eine gute Mannschaftsleistung könnte eine erfolgreiche Saison ermöglichen. Eine erfolgreiche Saison bedeutet zunächst einmal den Klassenerhalt in der 2. Liga, es wäre dabei von Vorteil, wenn wir in der nächsten Spielzeit mit diesem Ziel vor Augen gar nicht erst in eine schwierige Situation kommen würden. Da wären wohl alle im Verein ganz zufrieden (lacht).

 

Vielen Dank für das Gespräch!