„Nach Kiel schaffen wir es leider nicht. Wir wären gerne gekommen, aber am Wochenende stehen die letzten Drehtage für das Roadmovie an“, sagt Gerrit Starczewski, der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur hinter POTTORIGINALE. Das findet CCK natürlich etwas schade, aber auch Gerrit ärgert sich, dass „attraktivste Auswärtsspiel der Saison“ zu verpassen. Zudem er auch beim letzten Aufeinandertreffen zwischen der KSV und dem VfL nicht dabei sein konnte. Das ist inzwischen auch schon wieder fast 15 Jahre her – in der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals siegten Wosz, Freier, Buckley aus dem Pott damals mit 2:1.

 

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Ob er denn sonst irgendwelche Schnittstellen mit den Störchen hat? „Nicht so sehr große, aber als Fanzine-Schreiber hab ich Holstein zum ersten Mal beim KFC Uerdingen in der Grotenburg gesehen.“ Im Gedächtnis geblieben ist ihm noch der Name der damaligen Ultrà-Gruppierung, der Fast Food Kolonne, den er irgendwie scheiße, aber gleichzeitig auch geil fand. Insgesamt hat er Kiel unter den sympathischen Vereinen abgespeichert.

 

Doch es soll ja auch um den Gast des Wochenendes, den VfL Bochum, gehen. Für den schlägt Gerrits Herz seit 1992. Er schrieb Fanzines, malte Doppelhalter, war beim Verein immer dabei. Was den VfL von anderen Vereinen im Pott unterscheidet? „Wir sind der letzte Verein mit einem Stadion mitten im Wohngebiet und mit echtem Flutlicht.“ Auch wenn die Anzahl der Fans woanders vielleicht größer sei, in Bochum brennen die Leute einfach noch für ihren VfL. Dass sich andere Vereine noch mit dem „Malocher-Image“ schmücken, sei nach seinem Empfinden dann doch ein wenig „heuchlerisch“.

 

 

Und da sieht Gerrit auch die Chance von Bochum, nämlich „anders zu sein“, kein durchgestyltes Produkt, sondern auch ein wenig „asi“. Wobei „asi“ für ihn als Ruhrpottbewohner gar nicht negativ besetzt ist, sondern vielmehr eine Mischung aus „ehrlich, prollig und auch unangepasst bedeutet“. Von daher sei er auch nicht wirklich überrascht gewesen, dass die Videos von VfL-Jesus, Tankwart a.D. Und Co so dermaßen viral gingen. „Mir war klar, dass ich damit den Nerv der Leute treffe, gerade in einer Zeit, in der alles immer glatter wird. Jeder kennt diese Typen im Stadion einfach.“ Von daher sind die POTTORIGINALE weit entfernt von Voyeurismus, sondern eine Liebeserklärung an die authentischen Fußballfans. Mit allen Ecken und Kanten und allen Skurilitäten. „Manchmal kann ich die Fressen auch nicht mehr sehen“, gibt der Regisseur mit einem Lachen zu - besonders dann, wenn die Protagonisten einfach mal drei Stunden zu spät zum vereinbarten Dreh kommen.

 

Der Verein selbst scheint mit dem „Asi-Fan-Image“ wenig anfangen zu können. „Die schämen sich für diese Spezies“, sagt Gerrit, „leider werden wir komplett ignoriert“. Und das obwohl der damalige Trainer Gertjan Verbeek und die halbe Traditionsmannschaft bei der Film-Premiere des ersten Teils von POTTORIGINALE vor Ort waren. So kämpft Gerrit ohne Unterstützung „von oben“ für die Bewahrung des „Andersseins“. Übrigens auch noch auf anderer Ebene, positioniert er sich doch klar gegen die Ausgliederung der Profifußball-Abteilung aus dem Gesamtverein. Die Abstimmung darüber steht am 7. Oktober an. „Egal, wie es ausgeht, da droht mal wieder die Spaltung der Szene. Wobei man beim VfL untereinander gerne mal unterschiedlicher Meinung ist.“ Vielleicht ein ein Puzzlestück, das zu dem Verein „tief im Westen gehört“ und ihn authentisch macht

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Der POTTORIGINALE Roadmovie Dreh: Anthony Arndt , Gerrit Starczewski, Tulipa , VfL Jesus, Kameramann Björn Henke und Micha.

 

Die Zeit bis zu Rückspiel kann übrigens mit dem neuen POTTORIGINALE Roadmovie überbrückt werden, das in der Winterpause erscheint.“Koks, Nutten, alles dabei“, verspricht Gerrit. Fußball-Nerds werden vielleicht auch bei den Namen „Goldin“ und „Westfalia Herne“ hellhörig. Wie das alles zusammenpasst, seht ihr dann am besten selbst.